mini|Straße im Stadtteil al-‘Amāra mit Minarett im Hintergrund mini|Altstadt von Damaskus 1958, Stadtmauer nicht eingezeichnet. In der Mitte der Geraden Straße steht der Römische Triumphbogen (RTA). Während sich nordöstlich von ihm das Christenviertel (benannt nach den Stadttoren Bâb Touma und Bâb Charqi) und südöstlich das Judenviertel (Hâret al-Yahoud, ) befinden, erstreckt sich westlich von ihm der muslimisch geprägte Teil der Altstadt. Hier sind zahlreiche Moscheen zu sehen (markiert mit Halbmond), als größte die Umayyaden-Moschee (Jâmi el-Amaoui) sowie unter anderem die Sinan-Pascha-Moschee (Jâmi es-Sinânîya, JSn) am westlichen Stadttor Bâb al-Jâbiya, außerdem der Azim-Palast (Qasr el-Azem), der Chan As'ad Pascha (Kap) am Suq al-Buzuriya und ganz im Nordwesten die Zitadelle (El Qalaa), die bis 1968 als Polizeikaserne und Gefängnis diente. Östlich der Zitadelle und nördlich der Umayyaden-Moschee ist das Stadtviertel El Amâra eingetragen, während sich östlich der Moschee das Viertel El Qeimariya befindet. Das auf dieser Karte nicht eigens ausgewiesene Viertel Sidi Amoud oder El Hariqa befindet sich südlich der Zitadelle zwischen dem Souq el Hamîdîya und dem Souq Madhat Bâcha. Südlich des Souq Madhat Bâcha liegt der Stadtteil Ech Châghour.

Das Muslimische Viertel von Damaskus ist der sich über die Westhälfte erstreckende, vom Islam geprägte und fast ganz von Muslimen besiedelte Teil der Altstadt von Damaskus. Die beiden anderen Stadtviertel sind das christliche Viertel () im Nordosten und das ehemalige jüdische Viertel () im Südosten der Altstadt.

Ausdehnung Zwei große Baukomplexe – die Zitadelle ganz im Nordwesten und die Umayyaden-Moschee () im Norden der Altstadt – sowie die Gerade Straße () prägen das Muslimische Viertel der Altstadt von Damaskus als Stadtraum. In der Mitte der Geraden Straße, die vom Bāb al-Dschābiya () im Westen bis zum Osttor Bāb Scharqī () (Bāb Sharqi) verläuft, befindet sich ein römischer Triumphbogen. Dieser gilt als Grenze zwischen dem muslimischen Teil im Westen des von den Stadtmauern eingegrenzten Stadtgebiets der Altstadt von Damaskus und dem christlichen und jüdischen Teil im Osten der Altstadt, wobei das christliche Viertel überwiegend nördlich und das einstige jüdische Stadtviertel südlich der Geraden Straße liegt. Die Gerade Straße heißt westlich vom römischen Triumphbogen, also im Bereich des muslimischen Viertels, offiziell Šāriʿ Madhat Bāschā (). Ihr westlicher Abschnitt zum Bāb al-Dschābiya hin ist einer der größten überdachten Märkte (Suq) und heißt Sūq al-Dschābiya (). Vom ebenfalls im Westen, aber nördlich vom Bāb al-Dschābiya gelegenen Stadttor Bāb al-Hadid führt auf einer alten Römerstraße entlang der Südwand der Zitadelle, nördlich parallel zum Sūq al-Dschābiya, der zweite zentrale überdachte Markt, Sūq al-Ḥamīdiyya (), nach Osten bis zum alten äußeren Westtor des Jupitertempels, von dem als Verlängerung der Marktstraße noch eine Säulenhalle erhalten ist, während der sich östlich anschließende zentrale Teil des Tempels (Temenos) heute von der Umayyaden-Moschee eingenommen wird.

Östlich der Zitadelle und nördlich der Umayyaden-Moschee erstreckt sich das Stadtviertel al-‘Amāra (, „das Gebäude“, auch ), während östlich der Moschee das Viertel al-Qaymariya () liegt. In al-Qaymariya lebten 1936 laut einer Volkszählung in der französischen Mandatszeit 5817 Muslime und 241 Christen.Philip S. Khoury: Syrian Urban Politics in Transition. The Quarters of Damascus during the French Mandate. International Journal of Middle East Studies, November 1984, 16 (4), S. 510. Zwischen den beiden zentralen Marktstraßen Sūq al-Ḥamīdiyya und Sūq Madhat Bāscha, somit auf der Nordseite des Westabschnitts der Geraden Straße und südlich der Zitadelle, befindet sich das traditionell nach einem hier begrabenen islamischen Heiligen Sidi Amoud genannte Viertel, das heute bekannter ist unter dem Namen al-Ḥariqa (), „das Feuer“. Diesen Namen erhielt es, nachdem 1925 die französische Mandatsmacht das Viertel, ein Zentrum des Großen Syrischen Aufstands, im Jahre 1925 bombardieren ließ.Guernica is memorialized but who remembers Hariqa. Hidden Cities, 20. März 2009. Bekannt ist das Viertel für seine Kleidermärkte. Beim Triumphbogen zweigt nach Süden die Straße Šāriʿ al-Amīn () ab, die eine traditionell Begrenzung zwischen dem muslimischen und dem jüdischen Viertel war.Diana Darke: Syria. Bradt Travel Guides, 2006. S. 91–95. Südlich des Sūq Madhat Bāscha liegt der Stadtteil asch-Schāghūr Dschuwānī ( oder ), direkt östlich davon bis westlich der Straße al-Amīn das Stadtviertel Ma'dhanat asch-Schaḥam (, „Fett-Minarett“). Dieses Gebiet ist traditionell Wohngebiet der Neuankömmlinge, ebenso wie der Nordwesten aber ganz muslimisch geprägt. 1936 wurden in dem als asch-Schāghūr bezeichneten Gebiet 18.715 Einwohner gezählt, davon 34 % in asch-Schāghūr Dschuwānī innerhalb der Stadtmauern und 66 % in asch-Schāghūr al-Barrānī außerhalb der Stadtmauern. Sämtliche Einwohner von asch-Schāghūr waren laut dieser Zählung Muslime.Philip Khoury: Syrian Urban Politics in Transition: The Quarters of Damascus during the French Mandate. International Journal of Middle East Studies 16 (4), 1984, S. 510.doi:10.1017/S0020743800028543

Moscheen Im muslimischen Viertel gibt es zahlreiche Moscheen, während hier Kirchen und Synagogen fehlen. Dominiert wird das Viertel von der Umayyaden-Moschee im Norden der Altstadt mit dem Mausoleum des Saladin () an der nordöstlichen Ecke. Integriert in die Mauern der Umayyaden-Moschee, aber auch außerhalb derselben finden sich Reste des Jupitertempels in Damaskus (). Eine weitere große Moschee ist die Sinan-Pascha-Moschee () aus der osmanischen Zeit am westlichen Stadttor Bāb al-Dschābiya.

Märkte Das muslimische Viertel beherbergt die großen überdachten Märkte (Suq, , Mehrzahl ) von Damaskus: Neben den beiden großen Märkten Sūq al-Dschābiya und Sūq al-Ḥamīdiyya gibt bzw. gab es im Stadtviertel al-Hariqa südlich der Umayyaden-Moschee den Sūq as-Silāḥ (, Waffenmarkt), den Sūq al-Chayāṭīn (, Schneidermarkt), den Sūq al-Ḥarir (, Seidenmarkt, auch Sūq Chān al-Ḥarir ) und den Sūq al-Buzūrīya (, Samenmarkt).

Weitere Sehenswürdigkeiten Der größte Chan (Herberge) in Damaskus ist der von osmanischen Gouverneur As'ad Pascha al-Azm in Auftrag gegebene Chan As'ad Pascha () aus dem 18. Jahrhundert am Suq al-Buzuriya nördlich der Geraden Straße. Südlich der Umayyaden-Moschee und nördlich des Chan As'ad Pascha befindet sich der gleichfalls von As'ad Pascha al-Azm in Auftrag gegebene Azim-Palast () aus dem Jahre 1750. Das älteste Krankenhaus der Stadt ist das Krankenhaus des Nur ad-Din () am Sūq al-Chayāṭīn (, Schneidermarkt) im Stadtviertel al-Hariqa südwestlich der Umayyaden-Moschee, das 1154 unter dem zengidischen Atabeg Nur ad-Din (1118–1174) errichtet wurde. Ebenso auf Nur ad-Din geht die am Schneidermarkt gelegene Madrasa an-Nūrīya () zurück, die 1167 fertiggestellt wurde. Dieser Komplex umfasst eine Moschee, eine Madrasa und das Mausoleum des Nur ad-Din.

Geschichte Mit der islamischen Eroberung von Damaskus 636 durch Chālid ibn al-Walīd hielt der Islam Einzug in der Stadt. Die Kirchen wurden zwangsweise geschlossen, doch diente das Gebäude der Johannes-der-Täufer-Kathedrale noch etwa 70 Jahre sowohl Christen als auch Muslimen als Gebetsstätte. Unter Muʿāwiya I., dem ersten Kalifen der Umayyaden (661–680), war noch eine Mehrheit der Bevölkerung der Kalifenstadt Damaskus christlichen Glaubens. Im Jahre 706 ordnete Kalif al-Walid I. an, die Kathedrale in die Umayyaden-Moschee umzuwandeln, wofür große Teile des Gebäudes abgerissen und als Moschee neu errichtet wurden. Dafür entschied al-Walid I., dass die Christen ihre übrigen Kirchen und die Juden ihre Synagogen weiter besuchen könnten, allerdings bei Zahlung der Dschizya. Neue Kathedrale der griechisch-orthodoxen Christen wurde (und ist bis heute) die Marienkirche an der Geraden Straße nordöstlich des Römischen Triumphbogens.Justin Marozzi: Islamic Empires – Fifteen Cities that Define a Civilization. Penguin Books, London 2019. Kapitel 2, 8th Century: Damascus – The Perfumed Paradise (GB, GB).Christian C. Sahner: . Wall Street Journal, 17. Juli 2010. Der größte Teil der alten Kirchen in der Stadt ging unter: Ibn ʿAsākir berichtet 500 Jahre nach der islamischen Eroberung, dass von den 14 Kirchen der Stadt acht verfallen, eine zerstört und drei Kirchen – wie auch die Synagoge – in Moscheen umgewandelt worden waren.

Unter der Herrschaft der Zengiden hatten sich die bis heute erkennbaren vier Stadtviertel von Damaskus bereits ausgeprägt. Im Nordwesten war das muslimische Viertel, das in seiner Mitte von der Umayyaden-Moschee und im nordwestlichen Eck von der Zitadelle dominiert wurde. Die Christen konzentrierten sich im nordöstlichen Viertel mit ihrer Marienkirche nahe der Stadtmitte (römischer Triumphbogen) und die Juden im südöstlichen Viertel. Das südwestliche Viertel mit den heute als asch-Schāghūr Dschuwānī und Ma'dhanat asch-Schaḥam bekannten und gleichfalls großenteils muslimischen Stadtteilen nahm traditionell vor allem die Neuankömmlinge in der Stadt auf. Insbesondere von der Zeit der Zengiden an entwickelte sich das nordwestliche Stadtviertel innerhalb von Damaskus wirtschaftlich am stärksten weiter, wobei es von den hier besonders auch in der frühen Zeit der Mamluken errichteten Prachtbauten profitierte.Ellen V. Kenney: Power and Patronage in Medieval Syria: The Architecture and Urban Works of Tankiz Al-Nāṣirī. Middle East Documentation Center, Chicago 2009. S. 16.

Der Wohlstand im nordwestlichen, muslimischen Viertel im Vergleich zu den anderen Teilen der Altstadt war auch in den nachfolgenden Jahrhunderten spürbar. So berichtete Richard Francis Burton (1821–1890), von 1869 bis 1871 britischer Konsul in Damaskus, wie ihm die Zustände in den verschiedenen Stadtvierteln beschrieben wurden: „Das muslimische Viertel ist sauber, das christliche Viertel schmutzig und das jüdische Viertel einfach verdreckt.“Daniel Allan Kinsley, Allen Edwardes (Hrsg.): Death Rides a Camel: A Biography of Sir Richard Burton.·Julian Press, New York 1963. S. 317. Im Original: Have you seen much of the city? – Oh yes, indeed I have! I started at dawn this morning and rode all over Damascus . Oh , Dick , what shocking contrasts! The Muslim quarter is clean, the Christian quarter dirty, and the Jewish simply filthy.

Um 1830 hatte Damaskus rund 100.000 bis 150.000 Einwohner, von denen die meisten Muslime, etwa 10 % Christen und rund 3 % Juden waren. Die Lokalpolitik wurde von vier Lagern bestimmt, die sich mit bestimmten Gegenden der Stadt identifizierten: Eines war die Zitadelle mit ihren eigenen sozialen und wirtschaftlichen Einrichtungen, in der die politisch Mächtigen konzentriert waren. Die Gegenden um die Zitadelle herum mit ihren Militärs und Kaufleuten unter Führung der einflussreichen Familie al-ʿAẓm () standen loyal zur osmanischen Regierung. Im Südwesten, insbesondere aber in der Vorstadt Maydān, wo wohlhabende Kornhändler lebten, dominierte eine oppositionelle Gruppe, die s.g. „Maydānī-Fraktion“, die sich als Vertreter lokaler Interessen verstand. Schließlich gab es noch die nicht-muslimische Bevölkerung – Christen und Juden – in den östlichen Stadtvierteln sowie in einzelnen Haushalten auch im Westen der Stadt.Johann Bussow: Street politics in Damascus: Kinship and other social categories as bases of political action, 1830–1841. The History of the Family 16, 2011, S. 108–125, hier S. 110f.Linda Schatkowski Schilcher: Families in politics: Damascene factions and estates of the 18th and 19th centuries. Steiner, Stuttgart 1985. S. 3–26.