mini|hochkant=2.0|Herzog Moritz, Taler auf den Bau von Schloss Moritzburg in Zeitz von 1667 (Breiter Taler); Silber; Durchmesser 45 mm; 29,04 g

Der Taler auf den Bau von Schloss Moritzburg in Zeitz, auch als Taler von Sachsen-Zeitz bezeichnet, ist eine Gedenkmünze des albertinischen Herzogs Moritz (1656–1681), des Begründers der Linie Sachsen-Zeitz, mit der Jahreszahl 1667. Moritz ist der vierte Sohn des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. (1611–1656). Die Vorderseite des Talers zeigt sein geharnischtes Brustbild, die Rückseite den Innenhof seines neu erbauten Schlosses Moritzburg in Zeitz.Münzkabinett Dresden: Taler auf den Bau von Schloss Moritzburg in ZeitzDavid Samuel Madai: Vollständiges Thaler-Cabinet, Erster Theil, (1765), S. 465, Nr. 1438: „Gedächtniß-Münze auf die Erbauung des Schlosses zu Zeitz“

Münzgeschichtliche Zusammenhänge mini|Schloss Moritzburg in Zeitz, Innenhof (Aufnahme von 2025)

Als Kurfürst Johann Georg I. am 8. Oktober 1656 auf seinem Residenzschloss in Dresden starb, hinterließ er ein am 20. Juli 1652 verfasstes Testament. Darin war als schwerwiegender Punkt die Teilung des Landes unter seinen vier Söhnen vorgesehen. Nach den Bestimmungen dieses väterlichen Testaments folgte ihm der älteste Sohn als Kurfürst Johann Georg II. (1656–1680). Sein zweiter Sohn, Herzog August, wurde Stammvater der Herzöge von Sachsen-Weißenfels, die 1746 ausstarben. Sein dritter Sohn, Herzog Christian, wurde Stammvater der Herzöge von Sachsen-Merseburg, die 1738 erloschen.Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte (1888), S. 117

Der vierte Sohn, Herzog Moritz, seit 1653 Administrator des Stiftes Naumburg-Zeitz, residierte von 1653 bis 1663 in Naumburg, dann in Zeitz auf der von ihm erbauten Moritzburg. Er war der Begründer der Linie Sachsen-Zeitz.Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte (1888), S. 118

Sein Schloss ließ er auf den Grundmauern des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Bischofsschlosses erbauen.Carol Schwyzer, MoneyMuseum: Architektur auf Münzen: Dem Fürsten eine standesgemäße Residenz

mini|hochkant|Nach Wilhelm Ernst Tentzel wurde die erste „Medaille“ in den Knopf gelegt

Am 1. Juli 1663, so Tentzel, hielt Moritz Einzug in das neu erbaute Schloss. Der Erbauung von Schloss Moritzburg wurde jedoch erst im Jahr 1667 mit dem Gedenktaler gedacht, da erst in jenem Jahr

Die in den Turmknopf gelegte, von Tentzel als Medaille bezeichnete Gedenkmünze, ist der Gedenktaler von 1667 auf den Bau von Schloss Moritzburg. Zur Umschrift des Gepräges schreibt Tentzel:

Moritz starb am 4. Dezember 1681 in Zeitz. Die Nebenlinie des Kurhauses Sachsen war von 1656 bis 1718 präsent.Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon, Leipzig 1911, S. 587: Sachsen-Zeitz Der letzte Spross der Linie, Moritz Adolf Karl von Sachsen-Zeitz-Neustadt, starb 1759 im geistlichen Stand.Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte (1888), S. 118: Sachsen-Zeitz wurde 1717 an Kursachsen abgetreten

Münzbeschreibung Der Taler zum Gedenken an den Bau von Schloss Moritzburg in Zeitz von 1667 ist ein silberner Gedenk- oder Schautaler, den Tentzel als eine „zum Gedächtniß verfertigte Medaille“ bezeichnet. Der Durchmesser des im Reichstalergewicht von 29,04 Gramm geprägten Stücks beträgt 45 Millimeter. Der Taler hat weder ein Münzmeisterzeichen noch eine Signatur des Medailleurs.

Die Prägung ist nach Katalogangaben auch im doppelten Reichstalergewicht bekannt. Das Museum des Schlosses Moritzburg besitzt darüber hinaus auch Dreifachtaler und Vierfachtaler. Alle Stücke haben einen Durchmesser von 45 Millimeter. Die Mehrfachtaler sind im mehrfachen Reichstalergewicht ausgebracht worden. Andere Gepräge des Herzogs existieren nicht.N. Douglas Nicol, Colin R. Bruce: Standard Catalog of German Coins. 1601 to Present (1998), S. 733Museum Schloss Moritzburg Gedenk-Kuranttaler auf den Schlossbau zu Zeitz: Durchmesser 4,5 cm; 117g, 87g, 30g

Vorderseite Die Vorderseite zeigt das geharnischte Brustbild des Herzogs Moritz von Sachsen-Zeitz mit großer barocker Perücke.

Umschrift: MAURITIUS D(ei) G(ratia) DUX SAX(oniae) I(uliaci) C(liviae) ET MONT(ium) POST(ulatus) ADM(inistrator) EPISC(opatus) NUMB(urgensis)Michael Lilienthal: Vollständiges Taler-Cabinet (1747), S. 500 Nr. 1438 mit Bezug auf Tentzel Übersetzung: Moritz von Gottes Gnaden Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, postulierter Administrator des Stiftes NaumburgWilhelm Ernst Tentzel: Saxonia Numismatica, albertinische Linie, (1714). 2. Buch, 3. Teil: S. 647/649

mini|120px|Lorbeerkranz und Palmenzweig über dem Turmknopf

Rückseite Die Rückseite zeigt den Innenhof der neuerbauten Moritzburg, „über welcher“, so Tentzel, „der Genius einen Lorber-Crantz und Palmen-Zweig als Zeichen beständigen Flores und einträchtigen Friedens hält“.Wilhelm Ernst Tentzel: Saxonia Numismatica, albertinische Linie, (1714). 2. Buch, 3. Teil: S. 649: Der Genius hält einen Lorbeerkranz und Palmenzweig.

Umschrift: ARCE MAURITIOBURGENSI AD FASTIGIU(m) EXTRUCTA F(ieri) F(ecit) A(nno) 1667 M(ense) SEP(temper) Übersetzung: Nachdem der Bau der hochfürstlichen Residenz Moritzburg (fertig war) und der Knopf aufgesetzt wurde, ist dieses (das Gedenkstück) auf hochfürstlichen Befehl verfertigt worden. Anno 1667, im Monat September.Wilhelm Ernst Tentzel: Saxonia Numismatica, albertinische Linie, (1714). 2. Buch, 3. Teil: S. 649: lat./deutsch

Medaille oder Münze Zur Zeit Tentzels wurde mitunter zwischen den Begriffen „Gedenkmünze“ und „Medaille“ nicht unterschieden. Das hohe Relief sowie fehlende andere Münzen von Moritz bestätigen jedoch eher Tentzels Bezeichnung als Medaille. Ein Beispiel dafür, dass im Talergewicht geprägte Münzen Medaillen sein können, bezeugen die Locumtenenstaler Friedrich des Weisen, die sowohl als Guldengroschen (Taler), als auch als Medaillen mit höherem Relief, aber ebenfalls im Talergewicht geprägt vorkommen. Von Bedeutung dazu ist auch, dass Tentzel den Gedenktaler auf die Einnahme von Gotha als Taler und nicht als Medaille bezeichnet.

Ob die im Reichstalergewicht geprägten Stücke tatsächlich Münzen sind, ist fraglich. Tentzels Bezeichnung als Medaille kann u. a. wegen des hohen Reliefs und der Seltenheit der Einzelstücke zutreffend sein.

Siehe auch Sächsische Münzgeschichte Schautaler zur Grundsteinlegung der Kapelle im Schloss Moritzburg bei Dresden

Literatur Wilhelm Ernst Tentzel: Saxonia Numismatica oder Medaillen-Cabinett von Gedächtnismünzen und Schaupfennigen welche die Chur- und Fürsten der albertinischen Linie haben prägen und verfertigen lassen, Dresden, Frankfurt, Gotha 1714. 2. Buch, 3. Teil (Reprint Transpress Verlag, Berlin 1981). S. 647/649 Wilhelm Ernst Tentzel: Saxonia Numismatica oder Medaillen-Cabinett von Gedächtnismünzen und Schaupfennigen welche die Chur- und Fürsten der albertinischen Linie haben prägen und verfertigen lassen, Dresden, Frankfurt, Gotha 1714. 3. Buch (Reprint Transpress Verlag, Berlin 1981), Tab. 94. P. 647, I. p. 648. Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte bei Verzeichnung der Hofrath Engelhardt’schen Sammlung, Dresden 1888 N. Douglas Nicol, Colin R. Bruce: Standard Catalog of German Coins. 1601 to Present. Krause Publications, Iola (Wisconsin) 1998, S. 733 Michael Lilienthal: Vollständiges Taler-Cabinet (Königsberg, Leipzig 1747), S. 500, Nr. 1438 David Samuel Madai: Vollständiges Thaler-Cabinet, Erster Theil, Königsberg 1765, S. 465, Nr. 1438: „Gedächtniß-Münze auf die Erbauung des Schlosses zu Zeitz“

Einzelnachweise

Kategorie:Deutsche Münze Kategorie:Talermünze Kategorie:Geschichte (Zeitz)

Kategorie:Albertiner