50px Die Bremer Musikgeschichte reicht zurück bis in das Mittelalter.
Die Bremer Philharmoniker, die zumeist in der Glocke auf der Domsheide spielen, sind das offizielle Orchester der Freien Hansestadt Bremen. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen gilt international aber als weitaus bedeutsamer.
Musik wird heute in Bremen gespielt u. a. in Der Glocke, im Theater am Goetheplatz, im Sendesaal Bremen, im Metropol Theater Bremen und hin und wieder in der Stadthalle Bremen. mini|hochkant|Die Bremer Stadtmusikanten Die Bremer Stadtmusikanten sind die berühmteste Musikantengruppe, die Bremen repräsentiert, obwohl sie die Stadt nicht erreichten, aber als Denkmal eines Märchens am Bremer Rathaus stehen.
Geschichte 1000 bis 1800
mini|hochkant|Ratsmusiker führen 1618 einen Hochzeitszug an. Gemälde (Ausschnitt) im Focke-Museum Bremen Im Mittelalter sollte 1035 auf Grund von Beschwerden der päpstliche Legat von Rom Guido (vielleicht Guido von Arezzo) die bremische Kirchenmusik im Bistum Bremen reformieren. Dabei wurden die Mönche angehalten einen besseren Gesang zu (auszu)üben.
Die Rats-Musikanten bei der Stiftung des Kramer-Amthauses (später Gewerbehaus) fanden 1339 erste Erwähnung. Anlässlich der Feiern zu Pfingsten 1335 wurde zum Hoftanz auf dem Domshof gespielt. Die Bezahlung für drei Bremer Stadtmusikanten belief sich 1525 jährlich auf sechs bremische Mark. Eine Mark entsprach 32 Grote, 160 Schwaren und 384 Pfennige (s. Bremische Münzen) oder 30 bis 33 Gramm Silber. „Zu Wasser und zu Lande“ waren die Musiker verpflichtet für den Bremer Rat zu spielen. Einige Musikanten wohnten in der noch bestehenden Pieperstraße, die nach den Piepern = Pfeifern benannt wurde. Sie spielten u. a. die Instrument „Zinken und Bassunen“ (Flötenart), „Trometten, Krumbhoerner, Violen, Zwerich- und Koppelfloiten“ (ähnlich wie Trompete, Horn, Bratsche und Flöte). Im Bremer Rathaus war im 17. Jahrhundert die Empore der Güldenkammer auch Raum für die erbaren Rades Spellüde. Das Bremer Focke-Museum zeigt ein Bild dreier Bremer Stadtmusikanten von um 1600.
Seit 1244 gab es eine Anweisung an den Kantor des Bremer Doms, auch die Orgel zu betreuen. Erstmals 1508 wurde ein Organist namentlich erwähnt. Eine große Orgel mit mehreren Manualen und sechs Bälgen wurde ab 1528 eingebaut.Uwe Pape (Hrsg.), Winfried Topp, Wolfram Hackel, Christian Scheffler: Die Orgeln im St. Petri Dom zu Bremen. Pape-Verlag, 2002, ISBN 3-921140-56-0.
Jost und Jacob Köhler druckten 1652 erstmals Noten in Bremen. Sie verlegten Paduanen (Schreittänze), Galliarden (Tänze), Ballettmusik, Mascaraden (Maskentänze), Arien, Allemanden (barocke Schreittänze), Couranten (Gesellschaftstänze im Dreiertakt) und Sarabanden (historische Tanzform der Barockmusik). mini|hochkant|Turmbläserbrunnen am Dom In den bremischen Schulen der vier Kirchspiele lernten ab dem 16. Jahrhundert die Schüler Schreiben, Rechnen und Religion sowie Singen, um in der Kirche im Chor aufzutreten.
Die Stadtmusikanten im evangelisch-reformierten Bremen durften in dem lutherischen Dom nicht auftreten. So entstand das 1673 erstmals erwähnte Instrumentalmusikkorps des Doms. Von den zumeist sechs Dommusikern waren vier Streicher und zwei Holzbläser. 1685 gründete Kantor Laurentius Laurentii (1660–1722) den ersten Domchor und 1690 mit den Schülern der lutherischen Domschule einen Chor, die u. a. das Kurrendesingen (currere = laufen, Laufchor) in der Kirchgemeinde absolvierten.
Für das Bremer Stadtmilitär in den vier Kirchspielmannschaften bildete sich 1680 das Hautboistenkorps (Oboist). Das waren zuerst Oboenbläser, dann ein Bläserensemble. Die Ratsmusikanten wurden 1752 mit der Musikkapelle des Stadtmilitärs vereinigt.
Die neue berühmte Schnitger-Orgel im Dom wurde zwischen 1693 und 1698 eingebaut, konstruiert von dem Hamburg Orgelbaumeister Arp Schnitger. Sie bestand bis um 1847/49; dann ersetzt von der Sauer-Orgel von Johann Friedrich Schulze. Zeitgleich entstand bis 1698 die Orgel in der Kirche St. Stephani; nach einem Brand folgte 1763 die Orgel von Heinrich Wilhelm Eckmann.Fritz Piersig: Die Orgeln der bremischen Stadtkirchen im 17. und 18. Jahrhundert. In: Bremisches Jahrbuch 35, 1935, S. 382–389. Vincent Lübeck spielte und rühmte die Domorgel mit ihren 56 Registern.
Der Musikschriftsteller, Kantor und Pädagoge Wilhelm Christian Müller (1752–1831) wirkte ab 1778 als Privatlehrer in Bremen. 1784 erhielt er die Stelle als Musikdirektor und Kantor bei dem Athenaeum in Bremen. Er beeinflusste sehr maßgeblich das Musikleben in der Stadt bis um 1827. Durch seine Beziehungen zu Beethoven konnten Werke von ihm direkt nach den Uraufführungen in Bremen durch Orchester und Chöre aufgeführt werden. Müller hatte mit seinen Schriften einen guten Ruf in Deutschland.Friedrich Wellmann: Der bremische Domkantor Dr. Wilhelm Christian Müller. Ein Beitrag zur Musik- und Kulturgeschichte Bremens. In: Bremisches Jahrbuch 25, Bremen 1914, S. 1–137.
1791 wurde Johann Heinrich Löwe (1766–1837) Konzertmeister der Ratskapelle und 1800 Musikdirektor. Um 1815 erblindete er und zog nach Bromberg. Bekannt war er für sein Geigenspiel. Er führte die Werke Beethovens auf.Joseph Kürschner: Löwe. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 19, Duncker & Humblot, Leipzig 1884.
1800 bis 1900
24 Bremer Familien organisierten um 1800 diverse Privatkonzerte zur Pflege der Kammermusik im Haus von Wilhelm Christian Müller. Der kaufmännische Verein Union von 1801 veranstaltete bald danach Solistenkonzerte.
Der Verein für Winterkonzerte gründete sich 1807 aus den Abonnementskonzerten. Es waren zehn Konzerte pro Jahr vorgesehen. 1809/10 kamen Beethovens Eroika von 1803 und die Pastoralsymphonie von 1808 zur Aufführung.
Der Lehrer und Organist Lebrecht Grabau (1780–1852) erhielt 1800 eine Stelle als Lehrer und Organist im Blauen Waisenhaus in Bremen.Edith Laudowicz: Grabau, Eleonore Henriette Magdalena. In: Bremer-frauenmuseum.de. Ab 1807 arbeitete er als Organist an der Kirche St. Remberti und ab 1826 an Unser Lieben Frauen. 1811 gründete er den Grabau’schen Singverein, einen Chor nach der Art der Berliner Liedertafel. Der Singverein schaffte eine Orgel in Verbindung mit einem Terpodion (Tasteninstrument) an, von denen aus Grabau den Chor dirigierte.
Der Komponist und Dirigent Wilhelm Friedrich Riem (1779–1857) erhielt 1814 die Stelle des Domorganisten. Er ließ das Werk der Orgel umbauen und mit romantischen Stimmen anreichern. 1815 gründete er mit anderen Musikfreunden die Bremer Singakademie und war bis zu seinem Tod auch deren Dirigent (Dom-Kantor). 1820 gründete er das Bremer Concert-Orchester. Er war bis zu seinem Tod Dirigent des Orchesters. Ihm folgte als Dirigent Carl Martin Reinthaler (1822–1896). Das Orchester wurde von dem 1863 gegründeten Verein Bremischer Musikfreunde betreut. Der im Jahr 1825 gegründete Verein für Privat-Conzerte übernahm die Direktion der Aufführungen. 1832 erhielt er die Ernennung zum Städtischen Musikdirektor. mini|hochkant|Das zweite Bremer Stadttheater Das zweite Bremer Stadttheater (1933 Staatstheater) nach Plänen von Heinrich Seemann befand sich von 1843 bis 1944 (kriegszerstört) Am Wall (Höhe Nr. 175 bis 177) in den Bremer Wallanlagen auf der Bischofsnadel-Bastion (Theaterberg). Das Programm umfasste Schauspielstücke und Opern. Ab 1853 wurden Werke von Richard Wagner sowie auch Stücke von Mozart, Rossini, Donizetti und anderen aufgeführt. Nachdem 1913 das neue Schauspielhaus am Goetheplatz eingeweiht worden war, führte das Stadttheater vor allem Opern und Operetten auf.
Eduard Nößler (1863–1943) übernahm 1886 die Leitung für die Kirchenmusik an der Liebfrauenkirche (Bremen). 1893 wurde er Organist und Leiter des Chors am Dom. 1925 leitete er auch noch den Lehrergesangsverein.
1819 wurde das Märchen der Bremer Stadtmusikanten in dem Buch der Volksmärchens von den Brüdern Grimm in ihrer Sammlung Kinder- und Hausmärchen („Grimms Märchen“) erstmals veröffentlicht. Das Bronzedenkmal der Bremer Stadtmusikanten vom Bildhauer Gerhard Marcks wurde 1953 aufgestellt.Dieter Brand-Kruth: Auf nach Bremen. Den Stadtmusikanten auf der Spur. Klaus Kellner Verlag, Bremen 2019, ISBN 978-3-95651-210-0. mini|hochkant|Die Bremer Philharmoniker und Dirigent Poschner mini|hochkant|Die Glocke an der Domsheide Die Gesellschaft für Privatkonzerte, seit 1895 Philharmonische Gesellschaft, wurde 1825 gegründet. Sie organisierte einen Philharmonischen Chor und ein Concert-Orchester, als eines der ersten bürgerlichen Orchester, später Philharmonisches Orchester genannt als Bremer Philharmoniker. 1896 wurden erstmals Teile aus Wagners Parsifal gespielt und 1897 von Berlioz die Symphonie Fantastique. Von 1899 bis 1908 übernahm Karl Panzner (1866–1923) die Leitung der Philharmoniker.
1831 wurde von Sängern der Bremer Liedertafel, der Alten Hannoverschen und der Nienburger Liedertafel der Bund der Vereinigten Norddeutschen Liedertafeln gegründet., Sachsenspiegel der Celleschen Zeitung, 7. September 2013. Heute besteht der Chorverband Niedersachsen-Bremen (CVNB) mit Sitz in Bremen und vertrat etwa 1100 Chöre mit rund 55.000 Mitgliedern.
Im Concordia-Theater Bremen, Schwachhauser Heerstraße 17, fanden ab 1851 regelmäßig jeden Sonntagmorgen Gartenkonzerte mit geistlicher Musik statt. 1880 erhielt es den Namen Concordia. Nach 1945 war es ein Kino. Anfang der 1970er Jahre entdeckte der Intendant Kurt Hübner den leerstehenden Bau und ließ ihn umbauen als Studio-Bühne der Theater der Stadt Bremen und als Hausbühne des Bremer Tanztheaters, welche es bis 2007/08 nutzten. Der Bau wurde 2016 abgerissen.
Der Bremer Domchor von 1856 ist ein gemischter Chor. Er gastierte u. a. in den USA, Israel, mehrmals in Frankreich und Italien sowie in verschiedenen Ländern Osteuropas. Jährlich finden aktuell sechs bis acht große oratorische Konzerte statt vor bis zu 1600 Zuhörern.
1878 wurde die Musikausbildung in Bremen etabliert – zunächst im privaten Rahmen und ab 1893 als Conservatorium der Musik.
Im Juni 1890 fand das Norddeutsche Musikfest in Bremen statt. Der 1856 gegründete Künstlerverein in Bremen gliedert sich in fünf Abteilungen, darunter eine für Musik. Er veranstaltete auch Konzerte. 1894 wurde als norddeutsche Erstaufführung die symphonische Dichtung Don Juan von Richard Strauss aufgeführt.
Von 1890 bis 1895 leitete Max Erdmannsdörfer (1848–1905) die Bremer Singakademie als Nachfolger von Carl Martin Reinthaler (1822–1896) Eduard Nößler (1863–1943) war von 1893 bis 1930 Domorganist und Leiter des Domchors. Felix Weingartner (1863–1942) übernahm 1895 die Leitung der Abonnementskonzerte.
1900 bis 1945 mini|hochkant|Musikwerkstatt Bremen Der Musiker, Komponist und Musikpädagoge Frank Wohlfahrt (1894–1971) ist in Bremen geboren, ebenso der große Violinvirtuose Georg Kulenkampff (1898–1948). Der Bremer Komponist Ludwig Roselius (1902–1977) komponierte drei Opern sowie Suiten und Sinfonien. Albert Barkhausen (* 1904 in Hannover) wirkte in Bremen als Komponist und später als Leiter der Musikschule.
Im Mai 1900 fand in Bremen die 36. Allgemeine Deutsche Tonkünstlerversammlung statt. Dabei wurde das Konzert Ein Heldenleben von Richard Strauss und das Streichquartett Nr. 1 c-Moll op. 51/1 von Johannes Brahms erstmals gegeben.
Die Orchester aus den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck bildeten 1911 den Hanseatischen Orchesterbund mit dem Ziel, gemeinsame Konzerte zu organisieren. mini|hochkant|Theater am Goetheplatz Das Theater am Goetheplatz am Goetheplatz wurde 1913 nach Plänen von August Abbehusen und Otto Blendermann gebaut. Es diente zunächst nur dem Schauspiel. 1950 vereinigte es sich mit der Bremer Oper GmbH zu einem präsentierte sich das Theater Bremen zu einem Vierspartentheater.
Im Dom fanden ab 1922 Abendmotette (mehrstimmige Vokalmusik) statt. Das erste Rundfunkkonzert des Bremer Senders fand 1924 unter Leitung von Reinhold Krug (1926–1991) statt. Die Neue Musikgesellschaft wurde 1925 auf Anregung des Komponisten und Dirigenten Manfred Gurlitt (1890–1972) gegründet.