Die Fair Toys Organisation e.V. (FTO) ist eine im Jahr 2020 gegründete Multistakeholder-Initiative aus Mitgliedern der Spielwarenbranche und der Zivilgesellschaft mit Sitz in Nürnberg. Die FTO vereint Akteure aus der Spielwarenbranche und der Zivilgesellschaft mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen sowie die Umweltstandards in der globalen Spielzeugproduktion nachhaltig zu verbessern und transparenter zu gestalten.
Geschichte Die Fair Toys Organisation wurde am 14. Juli 2020 in Nürnberg als Multistakeholder-Initiative mit Unternehmen der Spielwarenbranche und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Spielzeugmuseum Nürnberg gegründet. Die Gründung war Ergebnis mehrjähriger Arbeit durch das Nürnberger Bündnis Fair Toys (NBFT), einem Zusammenschluss von mehreren kirchlichen und städtischen Einrichtungen sowie Menschenrechtsgruppen, die sich gemeinsam für gerechte und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Spielzeugproduktion einsetzen.
Im Jahr 2018 wurde ein Multistakeholder-Dialog gemeinsam mit engagierten Unternehmen, dem Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) sowie Vertretungen aus NGOs, Kirche, Wissenschaft und Kommunen gestartet. Ziel war die Gründung einer Institution, welche glaubhaft für menschenwürdige und umweltfreundliche Produktionsbedingungen in der Spielwarenbranche steht. Die FTO wurde schließlich am 14. Juli 2020 im Spielzeugmuseum Nürnberg von 15 Mitgliedern aus der Spielwarenbranche und der Zivilgesellschaft feierlich gegründet. An der Gründungsfeier sprachen unter anderem der Oberbürgermeister von Nürnberg Marcus König, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Norbert Barthle, sowie der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Roland Weigert.
Seitdem ist die FTO auf 30 Mitgliedsorganisationen gewachsen: 13 Unternehmen, 10 Zivilgesellschaftlichen Organisationen, 2 Kommunen und 5 Fördermitglieder (Stand 1. Juli 2026).
Am 28. September 2023 konnte die Fair Toys Organisation erstmals zwei Unternehmen mit einem Siegel für eine soziale und ökologische Verantwortung in der Spielwarenproduktion auszeichnen. Diese beiden Siegel wurden im Jahr 2025 erneut bestätigt.
Vereinsstruktur Die FTO ist in einem Zweikammernsystem organisiert. Diese zwei Kammern setzen sich zusammen aus Mitgliedern der Akteursgruppe der Spielwarenbranche einerseits, sowie aus Mitgliedern der Akteursgruppen Zivilgesellschaftlichen Organisationen, Körperschaften des öffentlichen und kirchlichen Rechts andererseits. Die Beschlüsse des Vereins benötigen immer eine doppelte Mehrheit, d. h. eine jeweilige Kammermehrheit und Gesamtmehrheit. Dieses Prinzip gilt auch für den Vorstand. Dort müssen beide Kammern jeweils in gleicher Zahl vertreten sein.
Der Verein hat eine partizipative Ausrichtung und beteiligt die Mitglieder aktiv bei der Umsetzung der Vereinsziele durch einzelne Arbeitsgruppen. Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge sowie staatliche Zuschüsse, zum Beispiel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung oder Brot für die Welt.
Zielsetzung Ein Hauptziel des Vereins ist die Einhaltung und Verbesserung von Arbeits- und Menschenrechten sowie die Verringerung der Umweltauswirkungen in den globalen Lieferkette der Spielwarenindustrie. Zudem möchte man den Spielwarenmarkt und die Spielwarenproduktion transparenter machen und durch die Vergabe eines glaubwürdigen Siegels, Verbraucherinnen und Verbrauchern eine verlässliche Orientierung beim Kauf von Spielzeug bieten.
Arbeitsweise Die Unternehmen werden auf ihrem Weg zur Verbesserung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten entlang der Lieferketten durch die FTO informiert, sensibilisiert und beraten. Die FTO setzt dabei auf die institutionelle Verankerung von Verantwortung und menschenrechtlicher Sorgfalt im gesamten Unternehmen. Dazu durchlaufen alle Spielwarenhersteller der FTO regelmäßig das FTO-Prozessverfahren.
Das zentrale Element dabei ist der Fair Performance Check, der auch ausschlaggebend für die Vergabe des FTO-Siegels ist. Dieser Standard wurde gemeinsam mit Expertinnen und Experten im und außerhalb des Vereins entwickelt, veröffentlicht und erfolgreich angewandt. Darüber hinaus versteht sich die FTO nicht nur als reine Kontrollinstanz, sondern vor allem als Lern- und Unterstützungsplattform für ihre Mitglieder. Da insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oft vor großen Herausforderungen bei der Umsetzung globaler Nachhaltigkeitsstandards stehen, bietet der Verein konkrete Hilfestellungen an.
Zu den Hilfestellungen gehören Schulung, Beratung, Risikoanalyse-Werkzeuge, Kommunikation und Netzwerke für die betreffenden Unternehmen. Relevanz erlangen die Hilfestellungen durch die zunehmende gesetzliche Regulierung von globalen Lieferketten, beispielsweise durch das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD).
Andererseits möchte sich die Organisation breiter aufstellen und eine größere Zielgruppe ansprechen. Dazu öffnete sich der Verein durch den Beschluss einer neuen Beitragsordnung im Jahr 2025 verstärkt auch für Einzelpersonen und Institutionen, um das Thema strukturell und gesellschaftlich breiter zu verankern.
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Einzelnachweise
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