mini|Heilige Dreifaltigkeit in Großhesselohe Die Kapelle Heilige Dreifaltigkeit, zur Abgrenzung von der gleichnamigen Pfarrkirche auch Dreifaltigkeitskapelle genannt, ist ein Kirchengebäude der römisch-katholischen Kirche in Großhesselohe, einem Ortsteil der oberbayerischen Gemeinde Pullach im Isartal im Landkreis München. Die Kirche ist der heiligen Dreifaltigkeit geweiht und gehört zu der Pfarrei Heilig Dreifaltigkeit im Pfarrverband Pullach-Großhesselohe. Das Bauwerk ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.. Abgerufen am 26. Mai 2023 (Denkmalnummer D-1-84-139-18)
Lage
Die Kapelle liegt an der Georg-Kalb-Straße 3 a auf einer leichten Anhöhe unmittelbar nördlich des Hauptgebäudes der Waldwirtschaft Großhesselohe. Nördlich der Kapelle liegt ein Gebäudeteil der ehemaligen Brauerei.
Geschichte
Die Entstehung der Kapelle ist eng mit der Geschichte HesselohesDie Umbenennung in Großhesselohe zu Beginn des 19. Jahrhunderts diente als Abgrenzung zum sog. Kleinen Hesselohe, einem ab 1792 neu im Englischen Garten [in München] entstandenen Tanz- und Vergnügungsplatz. Schließlich wurde der Name auf den mittlerweile entstandenen Ort übertragen. Vgl. https://www.trambahn.de/grosshesselohe verknüpft, dessen sprechender Name etymologisch die Gegend als lichten HaselwaldZu Hasel (Hese-loh): Johann Andreas Schmeller, Bayerisches Wörterbuch, München 1872, 1. Enthaltend Teil I. und Teil II. der ersten Ausgabe, S. 1174;https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB10983061?cq=Bayerisches+W%C3%B6rterbuch+Sammlung&p=1&lang=de; zur Erklärung Loh-der lichte Wald: vgl. Bayerischer Geschichtsatlas, München 1969, S. 60, hrsg. v. Max Spindler, Redaktion: Gertrud Diepolder beschreibt. Der letzte Agilolfinger Herzog Tassilo III. (742–796). 776 übertrug die villa bei Hesinloch, den Hof Hesselohe, mit all ihren Besitzungen als Schenkung an das Benediktiner-Kloster Schäftlarn (gegründet 762)Alois Weißthanner: Die Traditionen des Klosters Schäftlarn 760–1305, München 1953 (Quellen und Erörterungen zur Bayerischen Geschichte NF 10,1) Nr. 2 Regest Traditio ducis Tassilonis. In nomine domini dei salvatoris nostri Iesu Christi! EgoTassilo illustrissimus dux anno ducatus mei XX nono indictione prima trado atque confirmo pro redemptione animae meae omnia, quae habuit Hatto ad Hesinloch, et omnia, quae ad ipsam villam pertinent: cultum vel incultum, prata, silvas aquarumque decursus, totum ex integro trado ad aecclesiam sancti Dionisii quae sita est iuxta: fluenta Isurae, ubi preest religiosus vir Waltrich episcopus, ut ibi sit firmum nullo contradicente. Ich, Tassiloh, der Durchlauchtigste Herzog, übergebe und bestätige im 29. Jahr meines Herzogtums, in der 14. Indikation, zur Erlösung meiner Seele, alles was Hatto zu Hesinlohe innehatte und alles was zu dieser Ortschaft gehört, bebaut und unbebaut, Wiesen und Wälder und Gewässer, alles unversehrt an die Kirche des hl. Dionysius, die an der Isar liegt und der der ehrwürdige Bischof Waldrich vorsteht, ohne dass jemand widersprechen könnte. Vgl. https://werkstatt.formulae.uni-hamburg.de/texts/urn:cts:formulae:schaeftlarn.weissthanner0002.lat001/passage/all, und Aenne Atzenbeck (Pullacher Schriftenreihe Band 1), S. 48. Jahrhunderte später sind Wald und Schwaige Hesselohe in weltlicher Hand. Im Jahr 1301 kauft das Heilig-Geist-Spital (München) in München von Konrad, dem Baierbrunner, dem letzten seines Geschlechts, für 55 Pfund Pfennige die Schwaige bei Hesselohe.S. 6: Landeshauptstadt München: 800 Jahre Heiliggeistspital-Stiftung. München 2008. (PDF-Datei; 679 kB) Für die Kranken und Armen, die das Spital, die erste Sozialstation Münchens, betreute, bildete die Schwaige Hesselohe eine wichtige VersorgungsgrundlageSchwaig bedeutet Viehhof: Schmeller, Johann Andreas, Bayerisches Wörterbuch, München 1872, 2. Enthaltend Teil III. und IV. der ersten Ausgabe S. 626 f., https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB00005027?cq=Bayerisches+W%C3%B6rterbuch+Sammlung&p=1&lang=de; wie die Schwaige Hesselohe diente die Schwaige Kasten im Süden von München, die 1308 vom Heilig-Geist-Spital erworben wurde, der Versorgung des Spitals in der Stadt. 1330/32 geht die Verwaltung des Spitals, das anfänglich von einer Bruderschaft und in der Folge vom Orden der Brüder vom Heiligen Geist sowie von bürgerlichem Engagement getragen wurde, vollständig an den Münchner Magistrat überS. 7: Landeshauptstadt München: 800 Jahre Heiliggeistspital-Stiftung. München 2008. (PDF-Datei; 679 kB).
Da sich für einen eventuellen Kapellenbau bereits im 14. Jahrhundert (Dehio) in der Konradinischen(1315) und Sunderndorfischen Matrikel (1524) kein Eintrag findet, könnte das in der Liste der Landkirchen von München von 1557 aufgeführte Eschelohe der erste Beleg für eine zur spitaleigenen Schwaige gehörige Kapelle seinGertrud Thoma, S. 492 f.https://periodika.digitale-sammlungen.de//zblg/seite/zblg59_0520. Zeugnisse, die auf das Vorhandensein einer Kapelle für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts schließen lassen, sind ein Ewiggeldbrief aus dem Jahr 1615, ein aus dieser Zeit stammendes Altargemälde, das sich heute in der Sakristei der Kapelle befindet, und der Einsatz der vom Heilig-Geist-Spital in München nach Hesselohe geschickten Klausner, deren Aufgabe im Mesner-Dienst bestand, aber auch in der seelsorglichen Betreuung der Bediensteten der SchwaigeAenne Atzenbeck (Pullacher Schriftenreihe Band 1), S. 50.
mini|links|Kirchweih an der Dreifaltigkeitskapelle, Gemälde von Peter Jakob Horemans um 1746 1698 erfolgte ein Neubau, ebenso die Einweihung der neuen Kapelle und bereits 1755 eine Umgestaltung mit Stuckdekor und Deckenfresken im Rokokostil. Bauherr für Neubau und Umgestaltung war der Münchner Magistrat, aus dessen Reihen die Vorstände des Spitals kamen, die als Spitalhochmeister für die Verwaltung des Spitals und der dazugehörigen Schwaige Hesselohe verantwortlich waren. Vermutlich war auch Max III. Josephs Geheimer Rat Johann Maximilian IV. Emanuel von Preysing bei der Umgestaltung als Berater und Stifter beteiligt. Die Wappen im Gewölbe der Kapelle erinnern an sie alleDenkmäler in Bayern, Band I, 17, S. 244–246; Aenne Atzenbeck (Pullacher Schriftenreihe) Band 1, S. 52, nennt neben Barth, die Namen Ligsalz, Bittrich und Ridler. Gerne suchten die Münchner diesen Ort auf, vor allem am Kirchweihfest der Kapelle Heilige Dreifaltigkeit am Pfingstmontag sowie am Fest Peter und Paul anlässlich des seit 1779 stattfindenden Jahrmarkts, bei dessen Eröffnung selbst Kurfürst Karl Theodor mit Gemahlin vor Ort warAenne Atzenbeck (Pullacher Schriftenreihe) Band 1, S. 54; vgl. auch Johann Andreas Schmeller, Bayerisches Wörterbuch, München 1872, 1. Enthaltend Teil I. und Teil II. der ersten Ausgabe, S. 1174, https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB10983061?cq=Bayerisches+W%C3%B6rterbuch+Sammlung&p=1&lang=de Er schreibt, Heselloh sei besonders den lebenslustigen Münchnern bekannt.
Als die Schwaige 1808 in private Hände überging und das Heilig-Geist-Spital nach einer kurzen Phase unter königlich-staatlicher Administration, die mit den Verwaltungsreformen der Säkularisation zusammengehangen hatte, 1818 wieder in kommunaler Hand war, kam es in der Folgezeit zum Streit über die Zugehörigkeit der Kapelle. Der Münchner Magistrat beanspruchte die Dreifaltigkeitskapelle als Teil des Heilig Geist Spitals, die Pfarrei von Sendling-Thalkirchen sprach von ihrer Filialkirche, die zum Seelsorgs-Bereich des Pullacher Benefiziaten gehöre, auch der neue Besitzer der Schwaige versuchte sein Besitzrecht geltend zu machen. Aufgrund der nicht eindeutigen Quellen kam es zu einem Vergleich. Der neue Besitzer musste sich verpflichten, die Kapelle für kirchliche Zwecke zu erhalten und auf eine Zweckentfremdung als Getreide- und Rumpelkammer zu verzichten, die Pfarrei Sendling-Thalkirchen wurde für die gottesdienstlichen Belange für zuständig erklärt, und das Heilig-Geist-Spital mit der Auflage, das Pullacher Benefizium aufzubessern, als Besitzer bestätigtVgl. Erwin Deprosse in 50-jähriges Kirchenjubiläum Hl. Dreifaltigkeit Großhesselohe, S. 12–14, sowie Aenne Atzenbeck, (Pullacher Schriftenreihe) Band 1, S. 60.
Nachdem Pullach Heilig Geist 1875 aus der Pfarrei Sendling-Thalkirchen herausgelöst und zu einer eigenen Pfarrei erhoben wurde mit Solln Johann Baptist als Filiale, wurde die Dreifaltigkeitskapelle in der statistischen Beschreibung des Erzbistums München-Freising von 1880Anton Mayer, Georg Westermayer Georg. Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, Band 2, München 1880, Seite 544 f., https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0005/bsb00059583/images/ als Nebenkirche der Pfarrei Pullach im Weiler Großhesselohe (31 Seelen, 5 Häuser) aufgeführt, für die beim Münchner Magistrat Baupflicht und Vermögensverwaltung lagen. Noch heute gehört sie der Heiliggeistspital-Stiftung in Verwaltung der Stadt MünchenS. 10: Landeshauptstadt München: 800 Jahre Heiliggeistspital-Stiftung. München 2008. (PDF-Datei; 679 kB).
1949 wurde die Gemeinde der Dreifaltigkeitskapelle angesichts des sprunghaften Anstiegs der Gemeindemitglieder zur PfarrkuratieAenne Atzenbeck (Pullacher Schriftenreihe) Band 1, S. 137 und wenig später, 1956, zur selbstständigen Pfarrei. An dem Platz, der heute den Namen ihres ersten Pfarrers, Ernst Leibrecht, trägt, wurde 1952 die neue Dreifaltigkeits-Kirche eingeweiht. Die Kapelle am Isarhang für 1000 Katholiken in Großhesselohe und nur Platz für 100, von denen wiederum nur 42 sitzenErnst Leibrecht in 50-jähriges Kirchenjubiläum Hl. Dreifaltigkeit Großhesselohe S. 20 konnten, war definitiv zu klein. Die enge Verbundenheit, die infolge der langen gemeinsamen kirchlichen Geschichte zwischen Pullach und Großhesselohe gewachsen war, wurde mit der Errichtung des Pfarrverbands Pullach-Großhesselohe 1992 in der Hand nur eines Pfarrers amtlich. Gemeinsam ist nun die Pfarrgemeinde unterwegs, wobei die alte Dreifaltigkeitskapelle eingebunden bleibt, vor allem am Fronleichnamsfest, bei dem bei gutem Wetter die traditionelle Gebetsprozession von Pullach nach Großhesselohe an der Dreifaltigkeitskapelle den letzten Altar erreicht und die Waldwirtschaft zur weltlichen Nachfeier einlädt.
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