Anton Scheibmaier (* 22. März 1818 in München; † 7. Dezember 1893 ebenda) war ein deutscher Historienmaler, Zeichner, Turnlehrer und Pionier das Feuerlöschwesens. Von 1850 bis 1891 leitete er die Öffentliche Turnanstalt in München und prägte damit die Entwicklung des organisierten Turnunterrichts in Bayern. Daneben befasste er sich mit dem Feuerlöschwesen und veröffentlichte hierzu eine grundlegende Schrift. Sein Nachlass befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek.

Leben Scheibmaier wurde als Sohn des Akademiedieners Paul Scheibmaier (* 1777) und seiner Frau Antonia Scheibmaier (geb. Stängle, * 1783) geboren. Zunächst besuchte er die Münchner Gewerbeschule und das Polytechnikum. Bereits in jungen Jahren kam er mit der damals aufkommenden deutschen Turnbewegung in Berührung. Er wurde als Hauslehrer für die Kinder des Mediävisten und Turnpädagogen Hans Ferdinand Maßmann tätig, der selbst noch von Friedrich Ludwig Jahn unterrichtet worden war. Scheibmaier entwickelte sich unter Maßmann zu einem begeisterten Turner und engagierten Mitarbeiter der Münchner Turnbewegung.

Vor seinem Studium der Malerei erhielt Scheibmaier Unterricht im Freihandzeichnen bei Joseph Anton Rhomberg. Anschließend studierte er an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München Historienmalerei. Seine Ausbildung erfolgte zunächst unter Joseph Schlotthauer und später unter Julius Schnorr von Carolsfeld.Allgemeine Zeitung, Nr. 340, München, 8. Dezember 1893.

Schnorr von Carolsfeld beschäftigte seinen Schüler von 1845 bis 1848 bei den Wandmalereien in der Münchner Residenz. Zu Scheibmaiers bekanntesten Arbeiten gehörte ein großformatiger Karton mit der Darstellung des Todes des Mose, den er später auch als Ölgemälde ausführte. Das Gemälde gelangte in den Besitz des Münchner Geographen und Optikers Ludwig Merz.

Tätigkeit als Turnlehrer Während seiner künstlerischen Ausbildung blieb Scheibmaier der Turnbewegung eng verbunden. Bereits 1832 gehörte er zusammen mit seinem Freund Franz Pfeiffer zu den Teilnehmern des neu eingerichteten Münchner Turnplatzes. Scheibmaier wurde als Vorturner und Mitarbeiter der Turnbewegung bald zu einem engen Schüler und Freund Maßmanns.

Als Maßmann 1841 nach Berlin übersiedelte, übernahm Scheibmaier die verantwortliche Leitung des Münchner Turnplatzes. 1848 wurde er als Turnlehrer an der Öffentlichen Turnanstalt in München angestellt und übernahm zwei Jahre später deren Leitung. Diese Funktion übte er bis 1891 aus.Gertrude Krombholz: Die Entwicklung des Schulsports und der Sportlehrerausbildung in Bayern von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. München 1982, S. 121.

Unter Scheibmaiers Leitung entwickelte sich der Turnunterricht in München von einer zunächst weitgehend auf die Sommermonate beschränkten Tätigkeit zu einer dauerhaften Einrichtung. Dazu waren feste Übungsstätten und eine gesicherte Finanzierung erforderlich. In den 1870er Jahren leitete Scheibmaier unter anderem die Königliche Turnanstalt an der Sonnenstraße und den Turnunterricht an den Münchner Gymnasien.

Scheibmaier setzte sich für die stärkere Einbindung des Turnens in den schulischen Unterricht ein. Unter seiner Mitwirkung wurde der Turnunterricht in Bayern zunehmend institutionalisiert und die Ausbildung von Turnlehrern ausgebaut. Außerdem förderte er das Männerturnen und gehörte zu den Initiatoren des Münchner Männerturnens.

Seine Erfahrungen fasste Scheibmaier auch in eigenen Veröffentlichungen zusammen. Bereits 1849 erschien seine Schrift Turn-Regeln nebst Ordnungs-Eintheilung und kurze Andeutungen über den Nutzen und Einfluß der Uebungen auf die Gesundheit und körperliche Erziehung.

Zum 50-jährigen Bestehen der Münchner Turnanstalt veröffentlichte Scheibmaier 1878 die Schrift Die Gründung der Kgl. Öffentlichen Turnanstalt München und ihre Aufgabe und Wirksamkeit in den ersten Jahren ihres Bestehens.

Engagement für das Feuerlöschwesen Neben dem Turnwesen widmete sich Scheibmaier dem damals noch unzureichend organisierten Feuerlöschwesen. Auf Reisen nach Berlin, Köln, Göttingen und Wien sammelte er Kenntnisse über die dortigen Feuerwehreinrichtungen und übertrug seine Beobachtungen auf die Verhältnisse in München.

1860 veröffentlichte er in München den Entwurf von Grundlagen und Vorschriften zur Bildung militärisch-organisierter, freiwilliger Feuerwehren mit allen ihren Einrichtungen und Brandverfahren. Das Werk umfasste 108 Seiten und enthielt neben organisatorischen Vorschlägen auch eine Bibliographie der einschlägigen Fachliteratur.

Scheibmaier richtete darüber hinaus Berichte und Vorschläge an den Münchner Magistrat sowie an staatliche Behörden. Seine Bemühungen zielten auf eine bessere Organisation des Brandschutzes und auf die Einrichtung freiwilliger Feuerwehren.

Verhältnis von Kunst und Turnwesen Mit der Übernahme der Leitung der Turnanstalt trat Scheibmaiers Tätigkeit als Maler zunehmend in den Hintergrund. Die Münchner Kunstwelt der 1840er Jahre hatte ihm durch die Ausbildung bei Schlotthauer und Schnorr von Carolsfeld sowie durch seine Mitarbeit an der Residenz eine vielversprechende künstlerische Laufbahn eröffnet. Dennoch entschied er sich für die pädagogische und organisatorische Arbeit im Turnwesen.

Die zeitgenössische Würdigung in der Allgemeinen Zeitung anlässlich seines Todes hob insbesondere seine Persönlichkeit, seine langjährige Tätigkeit als Turnlehrer und sein Engagement für seine Schüler hervor. Scheibmaier wurde als pflichtbewusster und seinen Schülern eng verbundener Lehrer beschrieben.

Tod und Nachwirkung Scheibmaier starb am 7. Dezember 1893 nach längerer Krankheit im Alter von 75 Jahren in München. Die Allgemeine Zeitung würdigte ihn am folgenden Tag als früheren Direktor der Königlichen Turnanstalt und als Persönlichkeit, die sich über Jahrzehnte um das Münchner Turnwesen verdient gemacht hatte.

Sein Nachlass wird heute von der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrt. Er trägt die Signatur Ana 646 und umfasst unter anderem Korrespondenz, Lebensdokumente, Skizzenbücher, Familienunterlagen sowie weitere handschriftliche Materialien. Die Bayerische Staatsbibliothek führt Scheibmaier als „Maler, Direktor der öffentlichen Turnanstalt in München“.

Familie Anton Wilhelm Scheibmaier war verheiratet zunächst mit Emilie Scheibmaier geb. Hiessmannseder (* 1825), die 1861 verstarb. Daraufhin heiratete er seine 2. Ehefrau Auguste Scheibmaier (* 1825 – † 1861) geb. Stengl (* 1831 – † 1918) Aus der ersten Ehe gingen drei Kinder hervor: Joseph Scheibmaier (1850–1918), Gymnasialdirektor in Freising Aloysia Scheibmaier (1853–1882) Anton Emil Scheibmaier (1855–1871)

Aus der Zeiten Ehe stammt die Tochter: Julie Scheibmaier (1864–1950)

Grabstätte mini|250px|Grab von Anton Scheibmaier auf dem Alten Südlichen Friedhof in München

Die Grabstätte von Anton Scheibmaier befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 26 – Reihe 1 – Platz 4) . In dem Grab liegen auch: 1. Ehefrau Emilie Scheibmaier geb. Hiessmannseder (* 1825 – † 1861)

2. Ehefrau Auguste Scheibmaier (* 1825 – † 1861) geb. Stengl (* 1831 – † 1918) Sohn Josef Scheibmaier (* .  1850; † .  1918)

Werke Die Deutsche Digitale Bibliothek liste folgende Werke: Turn-Regeln nebst Ordnungs-Eintheilung und kurze Andeutungen über den Nutzen und Einfluß der Uebungen auf die Gesundheit und körperliche Erziehung. München 1849. Entwurf von Grundlagen und Vorschriften zur Bildung militärisch-organisirter, freiwilliger Feuerwehren mit allen ihren Einrichtungen und Brandverfahren. München 1860. Ueber Erziehung und Turnwesen. München. Die Gründung der Kgl. Öffentlichen Turnanstalt München und ihre Aufgabe und Wirksamkeit in den ersten Jahren ihres Bestehens. München 1878. Maßmann in München. Seine Tätigkeit, sein Wirken und sein Denkmal. In: Deutsche Turn-Zeitung, Jg. 22, 1877, H. 17, S. 105–108, H. 18, S. 113–116.

Ehrenmitgliedschaften Anton Wilhelm Scheibmaier war Ehrenmitglied in vielen Turnvereinen: Ernennung zum Ehrenmitglied des Akademischen Turnvereins München, 1879 Ernennung zum Ehrenmitglied des Männer-Turn-Vereins (MTV) München, 1880 Ernennung zum Ehrenmitglied des Turnvereins Au-München, 1885 Ernennung zum Ehrenmitglied der Turngemeinde München, 1888 Ernennung zum Ehrenmitglied des Turn Club München, 1888 Ernennung zum Ehrenmitglied des Münchener Turnlehrer-Vereins, 1892 Ernennung zum Ehrenmitglied des Turn-Vereins Freising, 1911 Ernennung zum Ehrenmitglied des Historischen Vereins Freising, 1917

Literatur Horst Ludwig: Münchner Maler im 19. Jahrhundert. Band 4. München 1981, S. 21. Gertrude Krombholz: Die Entwicklung des Schulsports und der Sportlehrerausbildung in Bayern von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. München 1982, S. 121. Allgemeine Zeitung, Nr. 340, München, 8. Dezember 1893. Anton Scheibmaier: Die Gründung der Kgl. Öffentlichen Turnanstalt München und ihre Aufgabe und Wirksamkeit in den ersten Jahren ihres Bestehens. München 1878.

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Einzelnachweise

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