Diagnostische Kriterien für Craniomandibuläre Dysfunktion (, kurz DC/TMD) sind ein 2014 entwickelter zahnmedizinischer Leitfaden zum Diagnostizieren der Krankheit „Craniomandibuläre Dysfunktion“. Der Leitfaden beruht auf vielen wissenschaftlichen Studien und soll die Diagnosestellung international vereinheitlichen.

Die „DC/TMD“ sind der Nachfolger der 1992 erstmals veröffentlichten und mittlerweile im Forschungsbereich als Quasi-Standard etablierten „Research Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (RDC/TMD)“.

Inhalt

Die Untersuchung gemäß DC/TMD besteht aus zwei Komponenten, welche als Achsen bezeichnet werden. Die Achse I enthält klinische Befunde (Untersuchungsbogen) und zugehörige anamnestische Informationen (Symptomfragebogen). Mittels eines Flussdiagramms kann aus einer Kombination der Informationen aus den Untersuchungs- und Symptomfragebögen die Diagnose gebildet werden. Für die deutsche Version der DC/TMD ist ein Instruktionsvideo verfügbar, in welchem die Untersuchungstechniken und das Ausfüllen des Untersuchungsbogens erläutert werden.Rauch A, Hahnel SF, Schierz O. Development of an instructional movie illustrating a standardized clinical examination on patients with TMD symptoms. GMS J Med Educ. 2020;37:Doc39. Die Achse II enthält psychosoziale Informationen. Dazu gehören die Erfassung des Grades der Schmerzchronifizierung, psychosozialer Beeinträchtigungen mittels Gesundheitsfragebögen, aber auch funktioneller Einschränkungen.

Während sich die ausführliche Version der DC/TMD an die spezialisierte Praxis richtet, soll die seit 2024 verfügbare Kurzversion (brief DC/TMD, bDC/TMD) allgemeine Zahnarztpraxen und Physiotherapeuten adressieren. Darüber hinaus ist sie aufgrund ihrer Kürze für bevölkerungsrepräsentative Studien geeignet. Auch wurde eine für Kinder adaptierte Version publiziert.

Geschichte

In einem gemeinsamen Projekt der Universitäten Heidelberg und der Universität Leipzig, mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) wurden diese Kriterien kulturadäquat in die deutsche Sprache übersetzt.Asendorf A, Möllenkamp J, Schierz O et al. Interexaminer reliability of the German version of the DC/TMD. J Oral Rehabil. 2021;48(1):28-34. Diese Übersetzung wurde 2019 durch das zuständige Konsortium (International Network for Orofacial Pain and Related Disorders Methodology - INfORM) bestätigt.

Mögliche Diagnosen nach DC/TMD-Algorithmus

Myalgie Lokale Myalgie Myofaszialer Schmerz mit ausbreitendem Schmerz Myofaszialer Schmerz mit übertragenem Schmerz

Arthralgie

CMD-assoziierter Kopfschmerz

Diskusverlagerungen mit Reposition mit Reposition mit intermittierender Kieferklemme ohne Reposition mit eingeschränkter Kieferöffnung ohne Reposition ohne eingeschränkter Kieferöffnung

Degenerative Gelenkerkrankung

Kieferluxation

Es existiert eine erweiterte Taxonomie, in welcher jedoch bislang nicht alle Diagnosen mit Algorithmen hinterlegt werden konnten.Peck CC, Goulet JP, Lobbezoo F et al. Expanding the taxonomy of the diagnostic criteria for temporomandibular disorders. J Oral Rehabil. 2014;41(1):2-23.

Weblinks Instruktionsvideos für die Untersuchung von Patienten mit Verdacht auf craniomandibuläre Dysfunktion Aktuelle DC-TMD Übersetzungen auf inform-iadr.com oder dctmd.de

Einzelnachweise

Kategorie:Diagnostisches Verfahren in der Zahnmedizin