Die Geschichte der Mongolei umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des heutigen Mongolischen Staates von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Das Territorium der heutigen Mongolei wurde seit jeher von Nomaden beherrscht, die zeitweise, wie die Xiongnu oder die Xianbei, Reiche gründeten. 1190 gelang es Dschingis Khan, die Mongolen zu einen und in Folge das riesige Mongolische Reich zu errichten. Die Mongolen übernahmen die Herrschaft in China, wo sie die Yuan-Dynastie etablierten. Nach dem Zerfall ihres Reiches 1262 lebten die meisten Mongolen wieder nomadisch, verschiedene Nachfolgestaaten existierten bis ins 16. Jahrhundert. Zur selben Zeit kam das Land unter den Einfluss des Buddhismus, etwas später wurde der Großteil der Mongolei durch die Qing-Dynastie beherrscht. Nach deren Zusammenbruch lehnte sich die Mongolei stark an Russland bzw. die Sowjetunion an. 1911 erlangte sie die Unabhängigkeit und 1924 wurde die Mongolische Volksrepublik ausgerufen, die politisch, militärisch und wirtschaftlich von der Sowjetunion abhängig war. Infolge der Veränderungen in Osteuropa wurde 1992 eine neue Verfassung angenommen und die parlamentarische Demokratie eingeführt.
Zeitliche Abschnitte mini|Silberbaum in Karakorum, Nachbildung, 2008 In der Geschichte der Mongolei werden folgende Zeitabschnitte unterschieden:
Vor- und Frühgeschichte (bis ins 11. Jh.) Einigung der Stämme und Eroberung eines Weltreichs (12.–14. Jh.) Die Dunkle Epoche (1368–1636) Die Mongolen unter der Qing-Dynastie (1637–1911) Autonomiebestrebungen und Mongolische Volksrepublik (ab 1911) Wende zur Demokratie und zum Kapitalismus (ab 1990)
In der Antike war die Mongolei aufgrund des unwirtlichen Klimas fast ausschließlich von nomadischen Hirtenvölkern besiedelt; im weiten Land existierten nur sporadisch kleinere Städte der Samojeden, Uiguren sowie einige unter chinesischem Einfluss. Während dieser Zeit kam es bereits mehrfach zu Angriffen einzelner Stämme auf China oder die westlich gelegene Seidenstraße durch Zentralasien.
mini|Berittene Bogenschützen der Mongolenaus der Universalgeschichte von Raschid ad-Din Im Mittelalter gelang es Dschingis Khan (1155–1227), die mongolischen Stämme in einem Staat zu vereinen und mit Hilfe überlegener Kriegführung für Jahrhunderte ein Weltreich zu errichten, das auf seinem Höhepunkt von Mitteleuropa bis in den Fernen Osten reichte. Es stellte das größte zusammenhängende Reich der Geschichte dar; in seinem Inneren herrschte die Pax Mongolica. Dschingis Khans Enkel Kublai Khan († 1294 in Peking) errichtete die Yuan-Dynastie in China und übertrug buddhistischen Mönchen die Verwaltung von Tibet.
Das Ende der Yuan-Dynastie 1368 markierte den Beginn der "Dunklen Epoche": Die Mongolen waren häufig zerstritten und schwach. Im Osten bestand das eigentliche Mongolische Khanat – geschwächt – fort und wird heute als Herrschaftsgebiet zumeist Nördliche Yuan genannt. Im Westen wurde 1368 der Stammesbund Dörben Oirat gegründet und 1640 das Dsungarische Khanat. Im 18. Jahrhundert dehnten sich das China der Qing-Dynastie und Russland in der Mongolei aus.
Nach dem Zusammenbruch Chinas 1911 erklärte sich die Mongolei für unabhängig, allerdings dauerte es (trotz russischer Hilfe) bis 1921, die chinesischen Truppen endgültig aus dem Land zu vertreiben. 1924 wurde die Mongolische Volksrepublik als zweiter sozialistischer Staat der Geschichte proklamiert, in der Folge wurde das Land ein Satellitenstaat der UdSSR.
Unter dem Eindruck der Veränderungen in Osteuropa entstand 1990 auch in der Mongolei eine Demokratiebewegung, eine neue Verfassung wurde verabschiedet und 1992 fanden freie Wahlen statt. Von 1990 bis 1996 regierten die Mongolische Revolutionäre Volkspartei (MRVP) das Land, dann die liberalere „Demokratische Partei“ bis 2000. Seit der Parlamentswahl 2004 gibt es eine Große Koalition der MRVP mit einem Bündnis demokratischer Parteien.
Völker, Natur und Nachbarn Im Laufe der Zeit wurde die mongolische Hochebene von verschiedenen bedeutenden Stämmen wie den Xiongnu, Kök-Türken und den Mongolen beherrscht.
Stammeskonföderationen Historiker bemühen sich nun, die zahlreichen asiatischen Nomadenstämme nach gewissen sprachlichen, kulturellen und historischen Gesichtspunkten in Gruppen zu ordnen. Man unterscheidet sie so mehr oder minder begründet nach indogermanischer, hunnischer, türkischer, mongolischer, tibetischer oder tungusischer Herkunft.
Folgende Stammeskonföderationen werden demnach als Herren der mongolischen Hochebene verzeichnet, die zum Teil gleichzeitig auch in China regierten. Xiongnu 3. Jh. v. Chr. – 1. Jh. Xianbei 1. Jh. – 4. Jh. Rouran 4. Jh. – 6. Jh. Kök-Türken 6. Jh. – 8. Jh. Uiguren 8. Jh. – 9. Jh. Kirgisen 9. Jh. – 10. Jh. Kitan (vgl. Liao-Dynastie) 10. Jh. – 12. Jh. Mongolen (vgl. Yuan-Dynastie) 12. Jh. – 17. Jh. Mandschu (vgl. Qing-Dynastie) 17. Jh. – 20. Jh.
Das Prinzip der Bildung einer Stammeskonföderation war immer das gleiche. Ein Fürst scharte Anhänger unterschiedlicher Herkunft um sich und versuchte so, seine eigenen Sippen besser unter Kontrolle zu bringen. Diese Leute legten sich Adelstitel zu und verfügten bald über eine eigene Dienerschaft und eigene Hirten. Der Fürst begann dann mit ihrer Hilfe die Nachbarstämme anzugreifen und auszubeuten, bis er auf zu viel Widerstand traf.
Dabei ist zwischen der direkten Gefolgschaft eines Stammes-Häuptlings (Khan) und dem von diesen Leuten abhängigen „Volk“ zu unterscheiden. Wurde die direkte Gefolgschaft des Khans besiegt, so lösten sich diese Stammes-Herrschaften auf. Der Name des herrschenden Stammes war aber oft auf sämtliche vereinigte Stämme übertragen worden, auch wenn die Machthaber in den Wirren der Geschichte verschwanden.
Religion Die Nomaden der mongolischen Hochebene hingen meist dem Tengrismus an. Erst im 16. Jahrhundert konnte der tibetische Buddhismus unter Altan Khan und seinen Verwandten seinen Siegeszug antreten – auch wenn es vorher bereits vielfältige religiöse Kontakte zu Buddhisten, Moslems und nestorianischen Christen gab. Der heutige Glaube der Mongolen ist eine Kombination aus Tengrismus und Buddhismus.
Natur Aufgrund der klimatischen Bedingungen mit ihren extremen Temperaturschwankungen war die Mongolei mit wenigen Ausnahmen kein Land, in dem sich Ackerbau und ein damit verbundenes sesshaftes Leben hätte entwickeln können.
Man konzentrierte sich auf die spezialisierte Viehzucht von Pferden und Schafen, die die Lebensgrundlage bildeten, alles andere stellte allenfalls einen Nebenerwerb dar. Aber mit Viehzucht konnte man keine großen Völker ernähren und folglich auch keine große Kultur hervorbringen. Die Nomaden Eurasiens wurden so von ihren Nachbarn als Barbaren betrachtet, wobei die Han-Chinesen sie in Rohe (feindliche) und Gekochte (freundliche) Barbaren unterschieden.
Es gab kleinere Zentren des Weizen- und Hirseanbaus. Darüber hinaus wurden an mehreren Stellen im Gebiet von Tuwa Ruinen von Städten der Samojeden und Uiguren entdeckt. Auch im Ordos-Gebiet gab es unter chinesischem Einfluss kleinere Städte. Salz, Kohle, Gold und Silber wurden gelegentlich abgebaut. Ferner verfügte man über versklavte chinesische Handwerker zur Herstellung von Waffen und Webwaren.
Nomaden mini|Reiter in der Mongolei, 2012 Bis in die Neuzeit kannten die innerasiatischen Nomaden keine Grenzen. Sie waren aufgrund weidewirtschaftlicher Erfordernisse zu ständigen Ortswechseln gezwungen. War die wirtschaftliche Situation aufgrund von Kälteeinbrüchen, Trockenheit oder zu großem Bevölkerungswachstum schlecht, schlossen sie sich zusammen und griffen die Nachbarländer an, um sich dort zusätzliche Nahrungsmittel, Weidegründe und Kulturgüter zu beschaffen. Die Nomaden lebten so in ständiger innerer Unruhe.
Das Hauptziel der Stämme in der heutigen Mongolei, Mandschurei und an der Grenze zu Tibet war das reiche China. Wähnte man sich stark genug, so griff man das Land an. Erwies sich China als ein zu starker Gegenspieler, so wich man nach Westen und auf die Länder an der Seidenstraße aus.
Die Nomaden waren mit ihrer hochspezialisierten Nomadenwirtschaft auf den Handel zur Beschaffung fehlender Güter angewiesen, die sie wie viele Eisenwaren nicht selbst herstellen konnten. Deshalb schützten ihre Khane in aller Regel den Handel und die meist muslimischen Händler. Beschränkungen des Handels, wie sie von China im 15. und 16. Jahrhundert als politisches Druckmittel verwendet wurden, waren ein Kriegsgrund.
Vor- und Frühgeschichte
Vor 500.000 Jahren war das Territorium der heutigen Mongolei von Homo erectus besiedelt. Dies belegen Funde von primitiven Werkzeugen aus Stein. Damals war das Klima milder als heute. Die Berge waren mit Laub- und Nadelwäldern bedeckt. Auf den saftigen Wiesen lebten Antilopen und Mammuts.
Im Tal des Flusses Tolbor, einem Nebenfluss der Selenga, wurden in der Fundstelle Tolbor-16 annähernd 45.000 Jahre alte Steinwerkzeuge entdeckt, die ältesten Belege für die Anwesenheit der anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) auf dem Gebiet der heutigen Mongolei. Das älteste Fossil des anatomisch modernen Menschen, das in der Mongolei gefunden wurde, ist der rund 34.000 Jahre alte Salkhit-Schädel.
Aus der späteren Steinzeit, also von vor 40.000 bis 12.000 Jahren, stammen Höhlenmalereien in der Provinz Chowd. Das Land war damals von Mammuts, Nashörnern, Hirschen, Bisons, Eseln und Antilopen besiedelt. Im Mesolithikum, etwa vor 12.000–7000 Jahren, begann man, Pfeil und Bogen zu benutzen und Haustiere zu halten. Es wird auch vermutet, dass Menschen der Region über die damals existierende Landbrücke in die Beringstraße nach Nordamerika wanderten.
Die ersten schriftlichen Belege stammen aus chinesischen Chroniken. Sie bezeugen die Feindschaft zwischen den zwei Völkern und beschreiben die Mongolen wie Wölfe und Barbaren, deren einziges Ziel es war, chinesische Vorräte zu rauben. Man darf davon ausgehen, dass die Vorgänger der Mongolen damals eine primitive Form von Landwirtschaft betrieben und dass es Handelsbeziehungen mit anderen Völkern gab, da Geschirr aus Nephrit gefunden wurde, wofür das Rohmaterial im weiteren Umkreis der Fundstätte nicht zu finden ist.
In der Bronzezeit, etwa 2500 v. Chr. bis 1000 v. Chr., entwickelte sich die Kultur der Region aufgrund der zahlreich vorhandenen Lagerstätten an Kupfer in der Mongolei schnell. Zur gleichen Zeit kühlte das Klima jedoch weiter ab, so dass es zu kalt wurde, um Ackerbau zu betreiben, wodurch die Menschen hier endgültig zu viehzüchtenden Nomaden wurden. Kunstgegenstände, die aus dieser Zeit stammten, belegen, dass Pferde, Ziegen und Schafe in der Gesellschaft bereits damals eine große Rolle spielten.
Im dritten Jahrhundert v. Chr. fiel der Stamm Xiongnu in den südlich gelegenen chinesischen Staaten ein (→ archäologische Fundstätte Bayan bulag). Sie wurden erfolgreich zurückgeschlagen, und als Antwort auf die häufigen mongolischen Einfälle begann Kaiser Qin Shihuangdi mit dem Bau der Chinesischen Mauer, indem er bereits vorhandene Befestigungsmauern verband und ausbaute. Die Völker aus der Steppe, wie die Xianbei, die Tuoba und die Rouran, überwanden die Mauer jedoch wiederholt und plünderten die chinesischen Gebiete, zeitweise errichteten sie sogar ihre eigenen Reiche und akkulturierten sich.
Im 8. Jahrhundert übernahmen Turkvölker, vor allem die Uiguren die Vormachtstellung, im 10. Jahrhundert gründeten die Kitan die Liao-Dynastie, die bis 1125 überdauerte.Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. 2003, S. 1–6.Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 3–6.
Einigung der Stämme und Eroberung eines Weltreichs