Rhodium ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Rh und der Ordnungszahl 45. Es ist ein silberweißes, hartes, unreaktives Übergangsmetall. Im Periodensystem zählt es zusammen mit Cobalt, Iridium und Meitnerium zur 9. Gruppe oder Cobaltgruppe. Rhodium besitzt große Ähnlichkeit mit anderen Platinmetallen wie Platin oder Palladium. Dies betrifft beispielsweise die für Edelmetalle charakteristische geringe Reaktivität und eine hohe katalytische Aktivität.
Rhodium wird daher, oft in Form von Legierungen, vorwiegend als Katalysator eingesetzt. Als wichtiger Bestandteil von Fahrzeugkatalysatoren wird es zur Reduktion von Stickoxiden eingesetzt. Auch in industriellen Prozessen zur Herstellung einiger chemischer Grundstoffe wie dem Ostwald-Verfahren zur Salpetersäure-Produktion werden Rhodiumkatalysatoren genutzt. Da das Metall in der Natur sehr selten vorkommt und gleichzeitig eine breite Anwendung findet, zählt es zu den teuersten Metallen überhaupt.
Im menschlichen Körper kommt Rhodium normalerweise nicht vor, eine biologische Bedeutung ist nicht bekannt.James E. Huheey, Ellen A. Keiter, Richard L. Keiter: Anorganische Chemie. 3. Auflage. de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017903-2.
Geschichte mini|links|William Hyde Wollaston Im Jahr 1800 kauften William Hyde Wollaston und Smithson Tennant 5959 Feinunzen (etwa 185 Kilogramm) Platinerz aus Kolumbien und untersuchten es, indem sie das Erz in Königswasser lösten. Dabei löste sich ein Großteil des Erzes, es blieb aber auch ein unlöslicher Rückstand. Daraufhin teilten die beiden Chemiker die weitere Untersuchung. Tennant erforschte die unlöslichen Bestandteile und entdeckte darin 1804 Osmium und Iridium.W. P. Griffith: Bicentenary of Four Platinum Group Metals Part I: Rhodium and Palladium – Events Surrounding their Discoveries. In: Platinum Metals Review. 47, 4, 2003, S. 175–183, .
Wollaston untersuchte dagegen die löslichen Bestandteile. Bei der Entdeckung des späteren Rhodiums entfernte er zunächst einen Großteil des Platins mit Ammoniumchlorid durch Fällung als Ammoniumhexachloroplatinat(IV). Zum Filtrat gab er Zink, wodurch Rhodium und einige weitere Bestandteile ausfielen. Nach der Abtrennung von Kupfer und Blei mit verdünnter Salpetersäure, erneutem Lösen in Königswasser und Zugabe von Natriumchlorid bildete sich Na3[RhCl6] · n H2O, das beim Verdunsten der Flüssigkeit als rosarotes Salz zurückblieb. Aus diesem konnte Wollaston durch Extraktion mit Ethanol und Reduktion mit Zink das elementare Rhodium gewinnen. Der Name wurde von Wollaston nach dem griechischen („rosenfarbig“) gewählt, da verdünnte Lösungen von Rhodium-Salzen eine rosa Farbe aufweisen.William Hyde Wollaston: On a New Metal, Found in Crude Platina. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Band 94, 1804, S. 419–430, . Seine Entdeckung und den Namen Rhodium stellte er am 21. Juni 1804 der Royal Society vor, am gleichen Tag wie Tennant die Entdeckung des Osmiums. Schon 1802 entdeckte Wollaston ein weiteres Element in dem Erz, das er zunächst Ceresium (nach (Ceres), später Palladium (Pallas) nannte. Da er die Entdeckung zunächst über anonyme Anzeigen verkündete, in denen er ein neues Metall zum Kauf anbot, untersuchte Richard Chenevix das Material und behauptete, dass es eine Platin-Quecksilber-Legierung sei. 1805 verkündete Wollaston offiziell bei der Royal Society die Entdeckung des Palladiums, was auch akzeptiert wurde.
Als Atomsymbol des Rhodiums schlug Jöns Jakob Berzelius zunächst R vor, dies wurde später auf das heutige Rh geändert.
Die erste Anwendung des neuen Metalls waren die ab 1820 von William Wollaston entwickelten Spitzen von Schreibfedern aus einer Rhodium-Zinn-Legierung, die für einen Sixpence verkauft wurden. Diese wurden später jedoch durch härtere Osmium-Iridium-Legierungen abgelöst. 1823 entdeckten Louis Jacques Thénard und Pierre Louis Dulong die katalytische Wirkung von Rhodium, als sie die von Johann Wolfgang Döbereiner bei Platinschwamm gefundene Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff bei Raumtemperatur auch bei feinverteiltem Rhodium, Palladium und Iridium bestätigen konnten.Jaime Wisniak: Louis-Jacques Thenard. In: Revista CENIC Ciencias Químicas. Band 33, Nr. 3, 2002, S. 141–149 (online, pdf).Pierre Louis Dulong, Louis Jacques Thénard: Nouvelles Observations sur la Propriété dans jouissent certains corps de favoriser la combinaison des fluides élastiques. In: Annales de chimie et de physique. Band 24, 1823, S. 380–387 ().
Vorkommen mini|links|Miassit Rhodium zählt zu den seltensten nicht-radioaktiven Elementen auf der Erde. Seine Häufigkeit in der oberen kontinentalen Erdkruste beträgt nur etwa 0,018 ppb. Dies ist vergleichbar mit der Häufigkeit von Ruthenium und Iridium.Jung-Woo Park, Zhaochu Hu, Shan Gao, Ian H. Campbell, Hujun Gong: Platinum group element abundances in the upper continental crust revisited – New constraints from analyses of Chinese loess. In: Geochimica et Cosmochimica Acta. Band 93, 2012, S. 63–76, . Dies liegt darin, dass Rhodium ein stark siderophiles (eisenliebendes) Element ist und daher bei der Entstehung der Erde große Mengen Rhodium in den Erdkern gelangt sind. Es wird geschätzt, dass sich über 99 % des auf der Erde vorhandenenen Rhodium im Erdkern befinden und dass dieser einen Rhodiumgehalt von 0,756 mg/kg besitzt.Rebecca A Fischer, William F McDonough: Earth’s core composition and core formation. In: Ariel Anbar, Dominique Weis (Hrsg.): Treatise on Geochemistry. 3. Auflage, Elsevier, 2025, ISBN 978-0-323-99763-8, S. 27–31.
Rhodium ist immer mit den anderen Platinmetallen vergesellschaftet. Es wird häufig zur Platin-Gruppe der Platinmetalle (PPGE) gezähltKula C. Misra: Platinum-Group Element (PGE) Deposits. In: Understanding Mineral Deposits. Springer, Dordrecht 2000, S. 319, .J. Sanz, O. Tomasa, A. Jimenez-Franco, N. Sidki-Rius: Rhodium (Rh) [Z = 45]. In: Elements and Mineral Resources. Springer, Cham 2022, S. 177, . verhält sich jedoch eher wie die Elemente der Iridium-Gruppe (IPGE) Osmium, Iridium und Ruthenium. Diese wirken in Magmaschmelzen im Erdmantel als kompatible Elemente und werden daher bevorzugt in Mineralgitter eingebaut. Dadurch kommt es beim teilweisen Schmelzen von platinmetallreichen Gesteinen zu einer Entmischung der Elemente und zur Anreicherung von Rhodium und den IPGE-Elementen in bestimmten Erzen.Igor S. Puchtel: Platinum Group Elements. In: William White (Hrsg.): Encyclopedia of Geochemistry. Springer, 2018, ISBN 978-3-319-39311-7, S. 1236–1239. Besonders Chromit begünstigt die Anreicherung von Rhodium. Daneben findet man auch in sulfidischen Eisen-Nickel-Erzen wie Pentlandit hohe Gehalte an Rhodium.Sarah‐Jane Barnes, Edward M. Ripley: Highly Siderophile and Strongly Chalcophile Elements in Magmatic Ore Deposits. In: Reviews in Mineralogy and Geochemistry. 2015, Band 81, Nummer 1, S. 725–774 .
Die höchsten Gehalte an Rhodium findet man im Merensky Reef des Bushveld-Komplexes in Südafrika, Great Dyke in Simbabwe, in den Nickel-Erzen von Norilsk und Talnach in Russland, dem Stillwater-Komplex in Montana (Vereinigte Staaten) sowie dem Sudbury-Becken in Kanada.
Im Vergleich zur Erdkruste enthalten Meteoriten hohe Gehalte an Rhodium. So enthalten Eisenmeteoriten durchschnittlich 1 ppm RhodiumE. R. D. Scott: Iron Meteorites: Composition, Age, and Origin. In: Oxford Research Encyclopedia of Planetary Science. 2020, . In CI-Chondriten wurden durchschnittlich 133 μg/kg an Rhodium gefunden.M. Fischer-Gödde, Harry Becker, Frank Wombacher: Rhodium, gold and other highly siderophile element abundances in chondritic meteorites. In: Geochimica et Cosmochimica Acta. 2009, Band 74, Nummer 1, S. 356–379 .
Es sind einige, überwiegend sulfidische Minerale mit Rhodium als essentiellem Bestandteil bekannt. Das häufigste davon ist Hollingworthit (RhAsS). Daneben wurden auch Cuprorhodsit ((Cu+0,5Fe3+0,5)Rh3+2S4), Bowieit (Rh2S3), Cherepanovit (RhAs), Rhodarsenid (Rh,Pd)2As, Zaccariniit (RhNiAs) und Miassit (Rh17S15) an einigen Orten gefunden. Wie alle Platinmetalle kommt es auch gediegen vor. Insgesamt sind (Stand Juni 2026) 22 rhodiumhaltige Minerale von der International Mineralogical Association anerkannt. Zu den wichtigsten Fundorten zählen Haraigawa bei Misato in der Präfektur Kumamoto sowie Tomamae in Hokkaidō in Japan, die Onverwacht-Mine bei Steelpoort in Südafrika, die Flüsse Miass und Anabar in Russland und der Coldwell-Komplex bei Marathon in Kanada.The mineralogy of Rhodium In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 25. Juni 2026.
Rhodium als Mineral Entdeckung und Fundorte Rhodium wurde 1974 von Louis J. Cabri und J. H. Gilles Laflamme entdeckt. Es handelte sich um ein einzelnes, 175 · 195 μm großes Korn, das aus einer Rhodium-Platin-Legierung mit 57 % Rhodium und 43 % Platin bestand (Rh0,57Pt0,43). Fundort und damit die Typlokalität war der Stillwater-Komplex im US-Bundesstaat Montana. Das Typmaterial wird im Royal Ontario Museum in Toronto (Kanada) unter der Sammlungsnummer M33257 aufbewahrt.
Neben der Typlokalität wurde das Mineral in den Vereinigten Staaten noch im Fox Gulch am Salmon River in Alaska und bei Webster in North Carolina gefunden. Weitere Fundorte sind bei Rustenburg, dem Pilanesberg, Madibeng und Fetakgomo Tubatse in Südafrika, Ballina, Rosebery und Kalgoorlie-Boulder City in Australien, Qusum in China, Bodaibo in Russland, Riosucio in Kolumbien, der Kleva gruva in Alseda, Schweden und Shurugwi in Simbabwe.
Klassifikation Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Rhodium zur Mineralklasse der „Elemente“ und dort zur Abteilung „Metalle und intermetallische Legierungen (ohne Halbmetalle)“, wo er gemeinsam mit Iridium, Palladium, Platin, Stannopalladinit und Zvyagintsevit in der „Platin-Reihe“ mit der Systemnummer I/A.05b steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/A.14-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“, wo Rhodium zusammen mit Damiaoit, Hongshiit, Iridium, Kitagohait, Palladium, Platin, Skaergaardit und Yixunit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/A.14 bildet.
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet Rhodium in die Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Das Mineral ist hier entsprechend in der Unterabteilung „Platin-Gruppen-Elemente (PGE)“ zu finden, wo es zusammen mit Iridium, Palladium und Platin die „Rhodiumgruppe“ mit der Systemnummer 1.AF.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Rhodium die System- und Mineralnummer 01.02.01.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“. Hier findet es sich in der „Platingruppe“ mit der Systemnummer 01.02.01, in der auch Platin, Iridium, und Palladium eingeordnet sind.
Gewinnung und Darstellung links|mini|Rhodiumfolie und -draht links|mini|Rh-Verarbeitung: 1 g Pulver, 1 g verpresst, 1 g Regulus