Die Sankt-Ansgar-Schule (Kurzform: SAS) in Hamburg-Borgfelde ist eine staatlich anerkannte katholische Privatschule (Ersatzschule) im Verbund der Jesuitenschulen. Neben der ebenfalls seit 1946 bestehenden Sophie-Barat-Schule ist sie eines von zwei katholischen Gymnasien in Hamburg. Der Schulpatron ist der Heilige Ansgar von Bremen, ein Mönch aus dem Kloster Corvey, der 834 n. Chr. das Erzbistum Hamburg gründete.

Trägerschaft und Wahlspruch Schulträger des Gymnasiums ist seit dem 1. Januar 2017 das Erzbistum Hamburg.Homepage des Schulträgers, abgerufen am 11. März 2017. Der Wahlspruch der Schule lautet „bonitatem et disciplinam et scientiam doce me, domine“ (nach Psalm 118,66 Vulgata; zu Deutsch „Herr, lehre mich Güte, Disziplin und Wissen“). Er steht über dem Hauptportal des Altbaus und korrespondiert mit dem Anspruch an eine ganzheitliche Bildung.

Geschichte

Frühe Pläne Pläne für eine katholische Jungenschule in Hamburg existierten seit 1917, doch der mit der Planung betraute Pater Joppens SJ wurde in den 1920er-Jahren nach Köln versetzt, womit sie nicht weiterverfolgt wurden. Im August 1945 regt Pater Kugelmeier SJ beim Provinzial der niederdeutschen Ordensprovinz, Pater Wilhelm Flosdorf SJ, in Köln an, die bestehenden Planungen wieder aufzugreifen und umzusetzen. Der Bischof von Osnabrück, Wilhelm Berning, der damals zuständig war für die katholische Kirche in Hamburg, stimmt dem Ansinnen zu. Der Pater Provinzial beauftragt Kugelmeier, zusammen mit dem Stadtdechanten von Hamburg, Prälat Wintermann, mit dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg über die Schulgründung zu verhandeln. Die Gespräche mit dem damaligen Schulsenator Heinrich Landahl (SPD) verlaufen zügig und positiv.

Gründung und erste Jahre Am 17. Januar 1946 informiert Senator Landahl Prälat Wintermann und die Patres Dohle SJ und Overhage SJ, dass er den Plänen des Ordens zustimmen wird. Die Genehmigung erfolgt am 25. März 1946 durch die Schulverwaltung. Am 4. Mai 1946 bestätigt die britische Besatzungsmacht die Entscheidung des Senats und genehmigt zugleich die ersten fünf Lehrer für die neue Schule (Roland Seffrin, August Wilhelm Thies, Rudolf Heinisch, Pater August Dohle SJ, Pater Paul Overhage SJ). Man entscheidet sich nicht für „Sankt-Ansgar-Kolleg“ oder „Sankt-Ansgar-Gymnasium“, sondern neutral für „Sankt-Ansgar-Schule“. Damit war die Gründung der Sankt-Ansgar-Schule vollzogen.

Am 28. Mai 1946 wird ein Eröffnungsgottesdienst in der damaligen Kirche St. Marien in der Danziger Straße abgehalten. Den Schuljahresbeginn hatten die Nationalsozialisten 1941 auf den 1. September festgelegt, diese Regelung war von der britischen Besatzungsmacht 1945 wieder auf Ostern rückverlegt worden. Darum begann am 29. Mai 1946 der Unterricht in zwei Klassenzimmern im Gebäude Danziger Straße 60 mit 48 Jungen, darunter 8 Schüler, die kriegsbedingt freiwillig die 5. Klasse wiederholen.

Ostern 1950 erfolgen keine Neuaufnahmen, da der Senat die Grundschule von 4 auf 6 Jahre in Hamburg verlängerte. Am 26. April 1950 genehmigt die Deputation der Schulbehörde den Antrag der SAS, Abiturexamina abnehmen zu dürfen. Am 29. November 1950 erfolgt der Umzug in das Gebäude der katholischen Gemeindeschule an der Pestalozzistraße am Bahnhof Hamburg-Barmbek; neuer Schulleiter ist Pater Ferdinand Becker SJ.

Umzug in die Bürgerweide miniatur|Straßenansicht des Altbaus von der Bürgerweide aus gesehen (2014)Am 16. April 1951 werden die Pläne für einen Neubau an der Bürgerweide 33 vorgestellt; am 23. Januar 1952 ist die Grundsteinlegung und am 30. Juni 1952 Richtfest. Der Umzug der SAS von Barmbek in den Neubau erfolgt am 25. März 1953.

Die ersten Abiturprüfungen fanden am 1. und 2. März 1954 unter der Schulaufsicht der Schulbehörde statt. Alle zugelassenen Schüler bestehen die Reifeprüfung. Ostern 1954 wird die Grundschule wieder auf 4 Jahre verkürzt, weswegen es zwei neue 5. (damals Sexta) und 7. Klassen (damals Quarta) gibt.

Die Publikation von 1964 zur SAS beinhaltet eine Berufsstatistik der Eltern mit Stand vom Mai desselben Jahres. Die Reihenfolge listet Angestellte, Beamte, Kaufleute, Ärzte, Juristen und Ingenieure als meistgenannte Berufe auf. Die Statistik belegt zudem 11 % Arbeiter und Handwerker sowie den Umstand, dass 5 % der Schüler keinen Vater haben. Zudem stellt die Publikation 9 ehemalige Ansgar-Schüler mit Kurzporträts vor, die zwischen 1960 und 1964 zum Priester geweiht wurden.Sankt-Ansgar-Schule, P. Hans Hartmann SJ: Sankt-Ansgar-Schule Hamburg. 1960–1964. Hamburg, 1964, keine ISBN.

Zum Schuljahr 1967/1968 wird die deutschlandweite Regelung an der SAS umgesetzt, künftig jedes Schuljahr am 1. August beginnen zu lassen. Die bisherigen Aufnahmeprüfungen für die Zulassung zum Gymnasium werden 1968 in Hamburg abgeschafft, was zu einem deutlichen Anstieg der Schülerzahlen führt. Am 29. November 1968 wird zum letzten Mal eine Abiturprüfung ausschließlich mit dem Fach Musik abgenommen.

Für einen Erweiterungsneubau wird die Liegenschaft längs der Alfredstraße am 20. Juni 1969 dazugekauft, die SAS besuchten damals 758 Schüler. Der Bebauungsplan von 1961 hielt dieses Grundstück zwischen Schule und der Bahnstrecke Lübeck–Hamburg als Fläche für ein neues Umspannwerk für die Hamburgischen Electricitäts-Werke vor. Der Orden konnte sich erfolgreich mit den HEW einigen und für die Änderung des Bebauungsplans einsetzen. Die Pläne für den Neubau stammen von der Neuen Heimat.

Zum Schuljahr 1973/1974 wird anstelle der 11. (bisher Obersekunda), 12. (bisher Unterprima) und 13. Klasse (bisher Oberprima) die Reformierte Oberstufe an der SAS mit Vorsemester und Studienstufen eingeführt. Die Ausgestaltung der gymnasialen Oberstufe als Kurssystem sowie die Reform des Abiturs als ausbildungsbegleitende kumulative Prüfung geht auf eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zurück.

Im Sommer 1977 besuchen 835 Jungen die SAS und das Kollegium umfasst 46 Lehrer und erstmals 3 Lehrerinnen.

Eine Mitarbeitervertretung wird erstmals am 7. Mai 1979 gewählt.

Koedukation Zum Schuljahresbeginn 1979/1980 werden erstmals 29 Mädchen eingeschult und damit die Koedukation an der SAS eingeführt.

Missbrauchsfälle Nach Bekanntwerden von Fällen sexuellen Missbrauchs von Schülern durch Patres und weltliche Mitarbeiter am Canisius-Kolleg in Berlin im Jahr 2010 kam ans Licht, dass es ähnliche Taten ebenfalls an anderen Jesuitenschulen gegeben hat. Mitgrund dafür ist das „Rotationsprinzip“ des Jesuitenordens, das dafür sorgte, dass die Täter faktisch reihum an allen deutschen Jesuitenschulen einige Jahre tätig waren.

An der SAS arbeitete von 1981 bis 1983 Pater Bernhard Ehlen SJ als Lehrer und Jugendseelsorger.Festschrift zum 50. Bestehen der SAS, 1996. Seite 109. Anfang 2010 wurden Vorwürfe gegen ihn publik, die er in einem Fall zugab und sich selbst anzeigte.https://web.archive.org/web/20100207151542/http://haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Angesehener-Jesuit-gesteht-sexuelle-Uebergriffe-in-Hannover Hannoversche Allgemeine Zeitung: „Angesehener Jesuit gesteht sexuelle Übergriffe in Hannover“, abgerufen am 12. Februar 2016Pater gesteht Kindes-Missbrauchgerman-doctors.de (PDF; 184 kB) Ärzte für die Dritte Welt: „Erklärung des Generalsekretärs“, abgerufen am 12. Februar 2010 Daraufhin wurde er vom damaligen Pater Provinzial Stefan Dartmann SJ vom Priesteramt suspendiert.3. Februar 2010, 10:04 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbHBerliner Morgenpost: „Früherer Canisius-Lehrer gesteht Missbrauch“, 3. Februar 2010 Danach lebte er zeitweise im „Ignatiushaus“ für pensionierte Jesuiten in Frankfurt am Main. Heute lebt er in der Seniorenkommunität „Friedrich-Spee-Haus“ des Ordens in Köln-Mülheim., abgerufen am 12. Februar 2016. Im öffentlichen Bericht zu den Missbrauchsfällen wird hinsichtlich der Taten ein Opfer zitiert mit „alles bis auf Oralverkehr“; zudem wird erwähnt, dass das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren umgehend eingestellt wurde, (PDF), abgerufen am 13. Februar 2016. denn gemäß den 2010 geltenden Gesetzen waren alle Taten Ehlens bereits verjährt.

Andere Fälle betreffen Pater Wolfgang Statt SJ.Website der Opfervereinigung Eckiger Tisch, Eintrag vom 21. Januar 2014, abgerufen am 12. Februar 2016. Er war von 1979 bis 1982 Religions- und Sportlehrer an der SAS und gilt als Erfinder des noch immer populären „Alsterlaufs“.2. Kapitel: Hamburg. In: Süddeutsche Zeitung. 18. März 2010, abgerufen am 12. Februar 2016. Im Frühjahr 2010 wurden fünf Fälle bekannt, bei denen es „Schläge mit der Hand oder dem Stock auf den nackten Hintern, in der Umkleidekabine, vor den Augen der Kameraden“ gegeben habe. In einem Interview mit dem Redakteur und ehemaligen Ansgarschüler Martin Spiewak schilderte der betreffende Pater seine Taten ausführlich, wobei er selbst erklärte: „Gleichzeitig haben die Ordensverantwortlichen jedoch versäumt, mich parallel zur anlaufenden Therapie aus jedem pädagogischen Kontext zu verbannen.“»Sozusagen im Vorübergehen«, Zeit online vom 11. Februar 2010, abgerufen am 13. Februar 2016. Der damalige Schulleiter der SAS schloss im Frühjahr 2010 nicht aus, dass es weitere Fälle gebe. Statt war nach Hamburg versetzt worden, um in Kiel an einer Therapie aufgrund seiner intern bekannten Taten zuvor am Canisius-Kolleg in den 1970er Jahren teilzunehmen. Als der Therapieort nach Freiburg im Breisgau verlegt wurde, erfolgte zugleich die Versetzung Statts ans Kolleg St. Blasien.Drittes Kapitel: St. Blasien. In: Süddeutsche Zeitung. 18. März 2010, abgerufen am 12. Februar 2016. Obwohl dem Orden die Problematik bekannt war, wurden Statt immer wieder Aufgaben mit Kindern und Jugendlichen zugewiesen. Nach seinem Tertiat, der endgültigen Aufnahme in den Orden, wurde Statt mit der Leitung einer Pfarrei in Arica im Norden Chiles betraut. Dort lernte er eine Chilenin kennen, ließ sich 1991 laisieren, heiratete sie und bekam zusammen mit seiner Frau eine Tochter. Statt ist, entgegen einer früheren Zusage seinerseits, nicht wieder nach Deutschland zurückgekehrt; seine Taten sind verjährt.Die Jahre danach In: Süddeutsche Zeitung. 18. März 2010, abgerufen am 12. Februar 2016.

Zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen beauftragte der Jesuitenorden bereits 2007 die Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue, die im Mai 2010 einen Bericht vorlegte, der online abrufbar ist. (PDF), abgerufen am 13. Februar 2016. In diesem wird die Zahl von mindestens 205 Opfern, die in Einrichtungen der Jesuiten körperlich misshandelt und/oder sexuell missbraucht worden waren, genannt. Die Dunkelziffer an Opfern ist erfahrungsgemäß höher; das Hamburger Abendblatt berichtete im Februar 2010 zudem von seinerzeit drei bekannten Tätern an der Sankt-Ansgar-Schule.Artikel „Sankt-Ansgar-Schule: Noch mehr Missbrauchs-Fälle in Hamburg“ vom 3. Februar 2010, abgerufen am 13. Februar 2016. Raue lagen sechs Opfermeldungen hinsichtlich gewalttätiger und sexueller Handlungen an der SAS vor. Sie kritisierte in ihrem Bericht, dass „die Taten durch Angehörige des Ordens systematisch vertuscht“ worden waren.Artikel in der Welt vom 27. Mai 2010, abgerufen am 13. Februar 2016. Nach mehrfacher Kritik an ihrer Arbeit durch die Opfer und aufgrund der Tatsache, dass der Jesuitenorden ihr Mandant war, sie also nicht unabhängig agierte, beendete Raue von sich aus im August 2014 ihre Tätigkeit als Missbrauchsbeauftragte.Beitrag im Blog der Opfervereinigung „Eckiger Tisch“ vom 26. August 2014, abgerufen am 14. Februar 2016.

Ebenfalls 2010 bildete sich die Opfervereinigung „Eckiger Tisch“; auf deren Blog wurde 2014 kritisiert, dass in der Mehrzahl der bekannten Fälle noch immer keine Entschädigungsleistungen gezahlt worden seien.Website bzw. Blog der Opfervereinigung „Eckiger Tisch“, abgerufen am 13. Februar 2016.Pressemitteilungen der Opfervereinigung „Eckiger Tisch“, abgerufen am 13. Februar 2016.

Neuausrichtung der Schule