Die Ruschmeyer R90 ist ein einmotoriges, viersitziges Flugzeug des deutschen Herstellers ATC Aircraft Technology Center.
Geschichte Das Flugzeug wurde, basierend auf der Ruschmeyer MF-85, von Horst Ruschmeyer (Geschäftsführer der Firma Ruschmeyer Aircraft Production KG, heute ATC Aircraft Technology Center) und Reinhard Molck (Entwicklungsleiter) in Melle entwickelt. Dabei wurde bei der R90-230 RG anstatt des damals und heute üblichen Epoxidharzes zum ersten Mal mit Hilfe der Firma BASF im Flugzeugbau Vinylesterharz in Verbindung mit Glas- und Kohlenstofffasern als Faserverbundwerkstoff offiziell von der Firma Ruschmeyer für den Flugzeugbau zugelassen und verwendet.
Der Erstflug der ab 1985 entwickelten MF-85 P-RG (M für Molck und 85 für den Entwicklungsbeginn) fand noch mit einem 6-Zylinder-Porsche PFM 3200-Flugmotor am 8. August 1988 in Bückeburg mit Heiner Neumann als Pilot statt (Luftfahrzeugkennzeichen: D-EEHE). Die nächsten beiden Maschinen waren schon im Bau, als Porsche sich im März 1990 aus Kostengründen aus der Luftfahrtmotorenproduktion zurückzog. Daraufhin wurde die Maschine auf den bewährten Sechszylinder-Motor IO-540 des amerikanischen Herstellers Lycoming umkonstruiert, die den Namen R90-230RG (R für Ruschmeyer und 230 für die Motorleistung in PS, RG für das Einziehfahrwerk, retractable gear) bekam. Den Erstflug der R90 führte Heiner Neumann am 23. September 1990 durch und am 12. Juni 1992 erhielt die Maschine die Zulassung durch das Luftfahrt-Bundesamt. 1993 wurde der zweite Prototyp mit einer Propellerturbine des Typs Allison 250-N17B mit 420 PS ausgerüstet, welche die Bezeichnung R90-420AT Lightning erhielt. 1994 kam noch eine Variante mit festem Fahrwerk als Einsteigerversion auf den Markt. 1995 wurde Ruschmeyers Firma (nach Investitionen von 40 Mio. DM) zahlungsunfähig und im März 1996 aufgelöst. Es fliegen heute noch 27 der 29 Maschinen dieses Typs (26 Serienmaschinen und 3 Prototypen) und werden noch von der Firma ATC in Melle am Flugplatz Melle-Grönegau geprüft und gegebenenfalls gewartet.Fliegerrevue Dezember 2010, S. 56–59, Kunststoff auf dem Vormarsch
Konstruktion Als Antrieb ist ein Lycoming-Triebwerk vom Typ IO-540-C4D5 eingebaut. Der Sechszylinder-Boxermotor liefert 172 kW (234 PS) bei 2400 min−1 im gedrosselten Zustand und macht das Flugzeug damit zum leisesten und sparsamsten seiner Klasse. Der Vierblatt-Propeller mit konstanter Drehzahl und hydraulischer Blattverstellung wird von MT-Propeller geliefert. Im Reiseflug erreicht die Maschine eine Geschwindigkeit von 165 Knoten (305 km/h). Das als Tiefdecker gebaute Flugzeug verfügt über ein einziehbares Dreibeinfahrwerkpilotfriend.com: Ruschmeyer R90 aircraft history, performance and specifications.
Versionen Folgende Versionen der R90 waren geplantRolf Wurster: 50 Jahre Deutsche Motorflugzeuge Books on Demand, (2001); ISBN 3-8311-1854-X:
R90-180 FG, mit fixem Fahrwerk (Fixed gear) und schwächerem Motor R90-230 RG, realisierte Version mit einziehbarem Fahrwerk (Retractable gear) R90-230 FG, mit fixem Fahrwerk R90-250 T-RG, Turboantrieb mit 250 PS R90-300 T-RG, Turboantrieb mit 300 PS R90-420 AT, mit Allison 250B20 als Turboprop R90-Aerobat, Kunstflugversion
Technische Daten Kenngröße Daten R90-230 RG Besatzung 1 Passagiere 3 Länge 7,93 m Spannweite 9,50 m Höhe 2,73 m Flügelfläche 12,94 m² Nutzlast 452 kg Leermasse 898 kg max. Startmasse 1350 kg Reisegeschwindigkeit 317 km/h Höchstgeschwindigkeit 324 km/h Dienstgipfelhöhe 6050 m Reichweite 1380 km Triebwerke Lycoming IO-540 C4D5 mit 172 kW
Siehe auch Liste von Flugzeugtypen
Weblinks
Website des Herstellers ATC Ruschmeyer family (mit Kennzeichen)
Einzelnachweise
Kategorie:Ziviler Flugzeugtyp Kategorie:Verkehr (Melle) Kategorie:Erstflug 1988