Die Feigen (Ficus) sind die einzige Gattung der Tribus Ficeae innerhalb der Pflanzenfamilie der Maulbeergewächse (Moraceae). Die wohl bekannteste Art ist die Echte Feige (Ficus carica), deren Früchte als Feigen bekannt sind. Die große Gattung („Großgattung“) besteht aus 750 bis 1000 Arten immergrüner und laubabwerfender Bäume, Sträucher oder Kletterpflanzen, die weltweit in den tropischen und subtropischen Regionen beheimatet sind. In frostfreien Gebieten werden einige Arten wegen ihrer dekorativen Blätter oder als Schattenspender in Parks und Gärten angepflanzt. Einige Arten und ihre Sorten sind beliebte Zimmerpflanzen.

Beschreibung mini|Illustration eines Gummibaumes (Ficus elastica): aus Koehler 1887

Vegetative Merkmale Alle Ficus-Arten sind verholzende Pflanzen: immergrüne und laubabwerfende Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen. In den Pflanzen befindet sich weißer Milchsaft.

Die meist wechselständigen Laubblätter sind meistens einfach. Es ist ein Nebenblatt zu erkennen, das aus zwei verwachsenen Nebenblättern entsteht. Nur selten sind diese nicht verwachsen. Das Nebenblatt schützt die Blattknospe und fällt beim Entfalten des Laubblattes ab.

mini|Fruchtstände von Ficus gilletii mit etwa 1 Zentimeter Durchmesser

Generative Merkmale Die Blüten sind immer eingeschlechtig und apetal (ohne Kronblätter). Es gibt einhäusige (monözisch) und gynodiözische aber funktionell diözische, zweihäusig getrenntgeschlechtige Arten mit zwittrigen Blüten, die als männliche funktionieren.Jules Janick: Horticultural Reviews. Vol. 34, Wiley, 2008, ISBN 978-0-470-17153-0, S. 165. Jeweils viele Blüten sind in einem Blütenstand, einem krugförmigen, ausgehöhlten Achsengewebe, eingesenkt. Nur eine kleine, durch Schuppen- und Hochblätter verengte, distale Öffnung (Ostiolum) bleibt als Verbindung ins Freie. In einem Blütenstand können drei Blütentypen vorkommen: männliche und fertile weibliche Blüten (langer Griffel, kleineres Ovar, Narbenpapillen) und sterile weibliche (Gallblüten, kurzer Griffel, größeres Ovar, keine Narbenpapillen). Die männlichen Blüten besitzen zwei bis sechs Kelchblätter und meist ein bis drei (selten mehr) Staubblätter. Die fertilen weiblichen Blüten besitzen keine bis sechs Kelchblätter und einen freien Fruchtknoten mit einem oder zwei ungleichen Griffeln.

Die Früchte sind samenähnliche Achänen, gewöhnlich im vergrößerten, hohlen Blütenboden eingeschlossen oder von einem fleischigen Perianth umgeben. Es ist ein Fruchtverband (Achänenfruchtverband), genauer ein Sykonium, Hypanthodium (Scheinfrucht; Pseudocarp), da die vielen weiblichen Blüten sich zu Achänen entwickeln und in den fleischigen, krugförmigen Blütenboden integriert sind.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 13. Bei den meisten Arten liegt Diploidie vor, mit einer Chromosomenzahl von 2n = 26.

Ökologie Bestäubung Die Bestäubung aller Feigenarten erfolgt durch Feigenwespen (Agaonidae). Viele Feigenarten können nur von einer ganz bestimmten Feigenwespenart bestäubt werden. Die Feigenwespen dringen durch die distale Öffnung, das Ostiolum, in den Blütenstand ein. Sie bestäuben manche Feigenblüten und legen ihre Eier in weiteren ab. Die Larven schlüpfen und ernähren sich von Bestandteilen des Fruchtstandes, bis sie sich zur Imago entwickeln. Danach schlüpfen die flugfähigen adulten Erzwespen aus der Öffnung des Fruchtstandes, suchen sich einen Geschlechtspartner und der Zyklus beginnt von Neuem.

In Europa nördlich der Alpen kommen Feigenwespen nur in Ausnahmefällen vor. Die hier angebauten Feigenarten sind daher in der Regel partenokarp (jungfernfrüchtig) und benötigen keine Bestäubung, um reife Früchte auszubilden.

mini|Luftwurzeln einer Feigenart mini|Würgefeige in der Trockenzeit im ausgewachsenen Stadium

Würgefeigen Einige Ficus-Arten sind Würgefeigen. Die Samen werden von Vögeln gefressen und passieren unbeschädigt den Verdauungstrakt. Wenn sie im Kot der Vögel auf den Ast eines Baumes ausgeschieden werden und dort dank der mistelähnlich schleimigen Samenhülle kleben bleiben, keimen die Samen auf dem Ast. Die Feigenpflanzen wachsen direkt dort; es handelt sich also zunächst um Epiphyten. Doch deren Luftwurzeln wachsen zum Boden hinab. Erreichen die Wurzeln den Boden, beginnen die Feigen ein schnelleres Wachstum und bilden von nun an viel mehr Luftwurzeln. Sie umschließen allmählich ihren Trag- oder Wirtsbaum, der schließlich abstirbt, wodurch sich im Inneren der Würgefeige ein Hohlraum bildet. Die Würgefeige profitiert zusätzlich von den bei der Zersetzung des abgestorbenen Tragbaumes freiwerdenden Nährstoffen.

Einige der zahlreichen Arten von Würgefeigen sind: Hohe Feige (Ficus altissima ) Ficus aurea , in Amerika bekannt als Florida strangler fig (Florida-Würgefeige) Ficus barbata , Bartfeige oder bearded fig Ficus benghalensis Ficus burtt-davyi Ficus citrifolia , ebenfalls Bartfeige genannt Ficus craterostoma Ficus macrophylla Ficus obliqua Ficus tinctoria Ficus virens Ficus watkinsiana : Von diesem Endemiten sind nur drei Populationen in Queensland bekannt.

mini|Illustration von Ficus subulata

Nahrung für Tiere Da die meisten Ficus-Arten sehr viele Früchte ausbilden, sind sie für viele Tierarten, darunter Fledertiere, Primaten und Vögel und außerdem für fruchtfressende Käfer wie den Großen Rosenkäfer eine wichtige Nahrungsquelle.

Systematik und Verbreitung Äußere Gliederung Die Gattung Ficus wurde durch Carl von Linné in Species Plantarum 2, 1753, S. 1059 und Genera Plantarum, 5. Auflage, 1754, S. 482, aufgestellt. Lectotypusart ist Ficus carica Der Gattungsname Ficus leitet sich vom lateinischen Wort für die Echte Feige, ficus, ab, das auch mit dem altgriechischen sykea verwandt ist. Aus dem Lateinischen wurde auch der deutschsprachige Trivialname übernommen. Ficus ist die einzige Gattung der Tribus Ficeae Gaudich. innerhalb der Familie Moraceae.

Die Gattung Ficus enthält 750 bis 1000 Arten, die weltweit in den tropischen und subtropischen Regionen gedeihen.

mini|Habitus von Ficus abutilifolia im Habitat mini|Laubblätter und Früchte der Hohen Feige (Ficus altissima) mini|Ficus americana mini|Zweige mit Früchten der laubabwerfenden Art Ficus arnottiana mini|Eine Sorte von Ficus aspera mit panaschierten Laubblättern mini|Habitus und Laubblätter von Ficus auriculata mini|Habitus von Ficus aurea, der Florida-Würgfeige mini|Zweig mit Laubblättern und Früchten von Ficus bahiensis mini|Laubblätter und Früchte der Banyan-Feige (Ficus benghalensis) mini|Laubblätter und Früchte der Birkenfeige (Ficus benjamina) mini|Habitus von Ficus burtt-davyi mini|Zweig mit Laubblättern und Früchten von Ficus callosa mini|Feigen von Ficus capreifolia mini|Ficus celebensis mini|Ficus cestrifolia mini|Habitus von Ficus chirindensis mini|Habitus von Ficus citrifolia mini|Habitus von columnaris mini|Habitus von Ficus cordata im Habitat mini|Zweig mit Laubblättern und Früchten von Ficus coronata mini|Habitus von Ficus cotinifolia im Habitat mini|Zweig mit Laubblättern und Feigen von Ficus craterostoma mini|Habitus von Ficus curtipes mini|Habitus und Laubblätter von Ficus cyathistipula mini|Blattunterseite von Ficus cyclophylla mini|Feigen von Ficus dalhousiae mini|Ficus dammaropsis mini|Laubblätter und Feigen von Ficus deltoidea mini|Früchte von Ficus drupacea mini|Gestieltes, einfaches Laubblatt und darauf Feigen von Ficus elastica mini|Zweige mit Laubblättern und Feigen von Ficus erecta mini|Zweige mit Feigen von Ficus exasperata mini|Feigen bei der kaulifloren Art Ficus fistulosa mini|Herbarbeleg - Typusexemplar von Ficus forstenii mini|Laubblätter und Feigen von Ficus fraseri mini|Habitus von Ficus glaberrima mini|Habitus von Ficus glumosa mini|Zweig mit wechselständigen, gestielten Laubblättern und Feigen von Ficus heterophylla mini|Feigen bei der kaulifloren Art Ficus hispida mini|Laubblätter von Ficus hispida mini|Habitus von Ficus ilicina im Habitat mini|Habitus von Ficus ingens im Habitat mini|Zweige mit Feigen von Ficus ingens mini|Habitus von Ficus insipida mini|Reife Feigen bei der kaulifloren Art Ficus itoana mini|Habitus von Ficus kerkhovenii mini|Habitus von Ficus kurzii mini|Laubblätter von Ficus longifolia mini|Die kauliflore Art Ficus lutea mini|Laubblatt und darauf Feigen der Geigen-Feige (Ficus lyrata) mini|Großblättrige Feige (Ficus macrophylla) mini|Habitus von Ficus magnoliifolia mini|Feigen von Ficus mauritiana mini|Habitus der Chinesischen Feige (Ficus microcarpa) mini|Laubblätter und Feigen von Ficus montana mini|Habitus von Ficus natalensis mini|Laubblätter von Ficus nervosa mini|Zweig mit Laubblättern und Feigen von Ficus nota mini|Stamm mit Borke und Laubblätter von Ficus nymphaeifolia mini|Laubblätter und Feigen von Ficus obliqua mini|Laubblätter und Feigen von Ficus odorata mini|Gegenständige Laubblätter und Feigen von Ficus odorata mini|Habitus von Ficus organensis mini|Laubblätter und Feigen von Ficus padana mini|Geglapptes Laubblatt von Ficus palmata mini|Gestielte Laubblättern und Feigen von Ficus palmeri mini|Zweig mit gestielten Laubblättern und Feigen von Ficus platypoda mini|Zweig mit gestielten Laubblättern und Feigen von Ficus pleurocarpa mini|Feigen bei der kaulifloren Art Ficus polita mini|Habitus und Laubblätter von Ficus pseudopalma mini|Habitus und Laubblätter der Kletter-Feige (Ficus pumila) mini|Laubblätter und reife Früchte der Maulbeer-Feige (Ficus sycomorus) mini|Untersektion Urostigma: Laubblätter und Feigen von Ficus virens

Innere Gliederung Die Gattung der Feigen (Ficus) wird in sechs Untergattungen mit Sektionen, Untersektionen und Serien gegliedert:

Untergattung Ficus: Es gibt zwei Sektionen: Sektion Ficus: Es gibt zwei Untersektionen: Untersektion Ficus: Sie Enthält drei Arten: Echte Feige (Ficus carica ): Es gibt Subtaxa. Diese Art liefert als Nutzpflanze die Feigen. Ficus iidaiana Ficus palmata Untersektion Frutescentiae: Sie enthält etwa 25 Arten: Ficus abelii Ficus boninsimae Ficus chapaensis Mistel-Feigenbaum (Ficus deltoidea ): Sie kommt in Thailand, Indonesien und Malaysia vor. Ficus edanoi Ficus erecta Ficus filicauda Ficus formosana Ficus gasparriniana Ficus glareosa Ficus heteromorpha Ficus ischnopoda Ficus kofmanae Ficus oleifolia Ficus neriifolia Ficus pandurata Ficus pedunculosa Ficus pustulata Ficus pyriformis Ficus stenophylla Ficus tannoensis Ficus tikoua Ficus trivia Ficus variolosa Ficus vaccinioides Sektion Eriosycea: Es gibt zwei Untersektionen: Untersektion Auratae : Sie enthält etwa 14 Arten: Ficus androchaete Ficus aurata Ficus aureocordata Ficus auricoma Ficus bruneiensis Ficus brunneoaurata Ficus diamantiphylla Ficus endospermifolia Ficus eumorpha Ficus inaequipetiolata Ficus macilenta Ficus paramorpha Ficus setiflora Ficus subglabritepala Untersektion Eriosycea: Sie enthält etwa 13 Arten: Ficus hirta Ficus lamponga Ficus langkokensis Ficus litseifolia Ficus mollissima Ficus oreophila Ficus padana Ficus ruficaulis Ficus schefferiana Ficus simplicissima Ficus subfulva Ficus tricolor Ficus tuphapensis Untergattung Pharmacosycea : Es gibt zwei Sektionen: Sektion Pharmacosycea: Es gibt zwei Untersektionen: Untersektion Bergianae : Sie enthält etwa 14 Arten: Ficus adhatodifolia Ficus apollinaris Ficus carchiana Ficus crassiuscula Ficus dulciaria Ficus ernanii : Sie wurde 2012 erstbeschrieben. Ficus gigantosyce Ficus insipida (Syn.: Ficus glabrata ): Auch Amatlbaum, Amate genannt. Die Rinde wird zur Herstellung des papierartigen Schreibmaterials Amatl verwendet. Er ist vom nördlichen Mexiko über Zentralamerika bis Südamerika weitverbreitet. Ficus mutisii Ficus obtusiuscula Ficus petenensis Ficus piresiana Ficus pulchella Ficus yoponensis Untersektion Petenenses: Sie enthält etwa acht Arten: Ficus ecuadorensis Ficus guajavoides Ficus lacunata Ficus lapathifolia Ficus macbridei Ficus maxima Ficus rieberiana Ficus tonduzii