Isa Beate Vermehren (* 21. April 1918 in Lübeck; † 15. Juli 2009 in Bonn) war eine deutsche Kabarettistin, Filmschauspielerin und später Ordensschwester und Schulleiterin.

Leben Kindheit, Jugend und Schulzeit verbrachte Isa Vermehren in ihrer Heimatstadt Lübeck, wo ihr Großvater, der Senator Julius Vermehren, und ihr Vater Kurt Vermehren zunächst als Rechtsanwälte tätig waren. Weil sie sich weigerte, die Hakenkreuzfahne zu grüßen, wurde sie im Frühjahr 1933 vom Gymnasium Ernestinenschule verwiesen. Daraufhin übersiedelte sie mit ihrer Mutter, der Journalistin Petra Vermehren,eigentlich: Wilhelmine Petra, ihren zweiten Vornamen Petra benutzte sie zunächst als Autorennamen und später ausschließlich, siehe Margret Boveri: Verzweigungen. Eine Autobiographie. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Uwe Johnson. Piper, München 1977, ISBN 3-492-02309-6, S. 230. nach Berlin. Während Petra Vermehren im April 1934 auf Empfehlung des Berliner Rechtsanwalts und Freundes der Familie Paul Leverkuehn als erste Frau in der außenpolitischen Redaktion beim Berliner Tageblatt angestellt wurde, brachte der Herausgeber des Querschnitts, Hermann von Wedderkop, Isa Vermehren dazu, im politisch-literarischen Kabarett von Werner Finck, der Katakombe in Berlin, aufzutreten.Zeit: Kraft durch Glaube – Kabarett-Sängerin und Ordensschwester Dort wurde sie zugleich mit Ursula Herking schnell bekannt. Mit ihren Sticheleien gegen das NS-Regime galt Isa Vermehren als Nachwuchstalent des Berliner Kabaretts. Zu ihrem Markenzeichen wurde ihre Ziehharmonika „Agathe“, zu der sie flotte Seemannslieder und anmutige Liebesballaden sang. Ihr Lied Eine Seefahrt, die ist lustig, in dem sie Nazi-Größen listig karikierte, erschien auf Schallplatte und wurde zum Kassenschlager. Sie übernahm neben bekannten UFA-Stars Rollen in zahlreichen Filmen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Isa Vermehren zur Truppenbetreuung an die Front einberufen.

1935 wurde die „Katakombe“ auf Anordnung der Nationalsozialisten geschlossen. Isa Vermehren holte ihr Abitur auf der Abendschule nach. 1938 lernte sie Elisabeth von Plettenberg kennen und konvertierte unter dem Eindruck dieser Bekanntschaft zur Römisch-katholischen Kirche.

Vermehren gehörte dem regimekritischen Solf-Kreis an. bei www.ravensbrueck-projekt.de Nachdem einer ihrer Brüder, Erich Vermehren, 1944 als Diplomat zu den Briten übergelaufen war, wurde sie mit den Eltern und ihrem weiteren Bruder Michael verhaftet und im Zuge der „Sippenhaft“ interniert. Sie überlebte den Aufenthalt in den Konzentrationslagern Ravensbrück, Buchenwald und Dachau. Sie gehörte zu über 140 Sonder- und Sippenhäftlingen, die nach Südtirol verschleppt und dort in Niederdorf am 30. April 1945 durch Hauptmann Wichard von Alvensleben aus den Händen der SS befreit wurden.Peter Koblank: Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol, Online-Edition Mythos Elser 2006 Die Erlebnisse jener Tage schilderte sie 1946 in ihrem Buch Reise durch den letzten Akt, das allerdings Fehlinterpretationen zum Hitler-Attentäter Georg Elser enthielt: Dieser sei von den Nazis bestochen worden, eine Bombe im Bürgerbräu-Keller zu platzieren, damit man mit dem Attentat den britischen Geheimdienst beschuldigen könne. Diese Geschichte wurde ihr von einem Mitgefangenen erzählt, sie war jedoch unwahr.Peter Koblank: Vierzigtausend Mark für eine Zeitbombe, Online-Edition Mythos Elser 2010 1947 übernahm sie eine Rolle in Helmut Käutners Trümmerfilm In jenen Tagen.

Da Isa Vermehren in eine Ordensgemeinschaft eintreten wollte, studierte sie von 1946 bis 1951 an der Universität Bonn Katholische Theologie, Deutsch, Englisch, Geschichte und Philosophie. Dort förderte sie tatkräftig 1949 bis 1951 das Studentenkabarett „Wintergärtchen“. Am 15. September 1951 trat sie in das Herz-Jesu-Kloster St. Adelheid der Kongregation der in der Mädchenerziehung wirkenden Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu in Pützchen ein. Die Ordensoberen erkannten Isa Vermehrens Fähigkeit, anspruchsvolle Inhalte lebendig zu vermitteln. Sie durfte unterrichten und wurde ab 1961 mit der Leitung des Sankt-Adelheid-Gymnasiums in Beuel-Pützchen betraut; von 1969 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1983 leitete sie die Sophie-Barat-Schule in Hamburg.

Erneut wurde Schwester Isa einem breiten Publikum bekannt, als sie von 1983 bis 1995 in der ARD Das Wort zum Sonntag sprach. Zuletzt lebte sie wieder im Herz-Jesu-Kloster in Bonn-Pützchen, wo sie auch ihre letzte Ruhestätte auf dem Klosterfriedhof fand. Ihre Ziehharmonika „Agathe“ befindet sich im Haus der Geschichte.

Tagebücher Ende 2016 erschienen Sr. Isas bisher unveröffentlichte Tagebücher aus den Jahren 1950 bis 2009 im Aachener Patrimonium-Verlag. Als Grundlage für die Edition dienten für die Jahre von 1950 bis 1960 ausschließlich handschriftliche Notizen, ab 1961 lagen auch maschinenschriftliche Aufzeichnungen vor. Sie spannen inhaltlich einen breiten Bogen von Isa Vermehrens Eintritt ins Kloster bis zu ihrem Tode im Jahr 2009.

Werke Filme 1934: Musik im Blut 1934: Grüß mir die Lore noch einmal 1935: Knock out 1935: Eine Seefahrt, die ist lustig 1941: Das Mädchen von Fanö 1947: In jenen Tagen

Fernsehsendungen Das Wort zum Sonntag. (ARD 1983 bis 1995) Zeugen des Jahrhunderts – Isa Vermehren. (ZDF 2002) Ein weites Herz – Schicksalsjahre einer deutschen Familie. Verfilmung nach Matthias Wegners 2003 erschienenem Buch mit Nadja Uhl in der Hauptrolle. (ZDF 1. April 2013), zdf.de, abgerufen am 30. März 2013 Das Schicksal der Sippenhäftlinge wurde verfilmt in dem zweiteiligen Doku-Drama Wir, Geiseln der SS. Gebrüder Beetz Filmproduktion, Autor und Regie: Christian Frey, Szenenregie: Carsten Gutschmidt, ZDF/ARTE, Deutschland 2014.SS-Dokumentarspiel auf Arte – 139 Gefangene auf der Fahrt ins Ungewisse auf http://www.faz.net/.

Bibliografie Jahreszahlen der Erstveröffentlichung nur teilweise gesichert

1946: Reise durch den letzten Akt. Ravensbrück, Buchenwald, Dachau: eine Frau berichtet, Christian Wegner Verlag, ISBN 3499240076 1966: Mutter Barat – Gestalt und Sendung der Stifterin des Sacré Coeur (mit E. Smith). 1968: Sexualaufklärung und Sexualerziehung: Eine Diskussion mit Isa Vermehren (u. a.). 1987: Edith Stein – Botschaft Gottes in unserer Zeit (mit anderen) ISBN 389857010X 1989: Christsein in einer Ordensgemeinschaft. ISBN 3779411350 1991: Führe sie zu Gott. Radio-Exerzitien 1991. ISBN 3779411946 1991: Mit brennendem Herzen. ISBN 3779412241 1992: Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen – aktuell oder überholt? Eine Besinnung zum Thema Zölibat 1993: Gottesbotschaft an Maria. ISBN 3779412845 1993: Sühne für uns. Herz-Jesu-Verehrung noch aktuell? ISBN 3779412918 1994: Starke Frauen (zusammen Jutta Burggraf und Monika Hohlmeier). MM-Verlag, ISBN 3928272381 1995: Vom Reichtum der Ehelosen., in: Klaus M. Becker; Jürgen Eberle (Hrsg.): Zölibat des Priesters, St. Ottlien, EOS-Verlag 1995 (Sinn und Sendung; Bd. 9), ISBN 3-88096-879-9, S. 73–96. 1996: Aufstand zum Leben. Wegbereitungen für Ostern. Herder, ISBN 3451238373 1990: Blickpunkt Frau, Band V. Die Frau als Mutter (mit Inge Dunkelberg). ISBN 3922727530 2000: Der Christ heute auf der Suche nach seiner Identität. 2016: Tagebücher 1950–2009 (Hrsg. und bearbeitet von Helga Böse). Patrimonium-Verlag, Aachen. ISBN 978-3-86417-072-0

Tonträger Schön ist die Liebe im Hafen. (Bazant/Schachner) Vortrag: Isa Vermehren und Erwin Hartung mit Chor und kleinem Begleitorchester, 1935, Telefunken Nr. A 1786 Eine Seefahrt, die ist lustig. (Borders/Schultze) Adalbert Lutter und das Telefunken-Tanzorchester, Gesang: Isa Vermehren und Erwin Hartung mit Chor, 1935, Telefunken Nr. A 1821 Auf der Reeperbahn nachts um halb eins. (Ralph Arthur Robert) Adalbert Lutter mit seinem Orchester, Gesang: Isa Vermehren und Erwin Hartung mit Chor und Gesangs-Quartett, 1936, Telefunken Nr. A 2096 Das Lied von der Knautschkommode. (Nick/Giesen) Gesang: Isa Vermehren mit Begleitorchester unter Leitung von Edmund Nick, 1938, Telefunken Nr. 2722 Windstärke 12: Seemannslieder und Balladen. Compact Disc (28 Titel), 2002, Edition Berliner Musenkinder. www.duo-phon-records.de. LC 08681 Ich bin nicht immer laut … – Vom Kabarett ins Kloster – Der lange Weg der Isa Vermehren. Hörbuch mit Originalaufnahmen, 2005, gelesen von Judy Winter, Duophon

Ehrungen und Preise Bundesverdienstkreuz 1. Klasse Predigtpreis des Verlags für die Deutsche Wirtschaft 2005 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen

Literatur Ingrid Geschwentner-Blachn: Isa Vermehren (* 1918). Ja-sagen zu Gott und seinen Geschöpfen – Schule als Ort praktizierter Nächstenliebe. In: Annebelle Pithan (Hg.): Religionspädagoginnen des 20. Jahrhunderts. Göttingen 1997, S. 272–285, ISBN 3-525-61175-7. Matthias Wegner: Ein weites Herz. Die zwei Leben der Isa Vermehren. Claassen, München 2003, ISBN 3-546-00339-X; (= List-Taschenbuch 60516), Ullstein, Berlin 2004, ISBN 3-548-60516-8. Barbara Degen: „Das Herz schlägt in Ravensbrück“. Die Gedenkkultur der Frauen (= Schriften aus dem Haus der FrauenGeschichte. Bd. 5). Barbara Budrich, Opladen u. a. 2010, ISBN 978-3-86649-288-2, (Biografien im Anhang; PDF; 1,2 MB). Thomas Brechenmacher: Isa Vermehren (1918–2009). In: Jürgen Aretz, Thomas Brechenmacher, Stefan Mückl (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Katholische Persönlichkeiten des 20. und 21. Jahrhunderts, Band 13. Aschendorff Verlag, Münster 2022, ISBN 978-3-402-26678-6, S. 227–240.

Weblinks

21.04.1918 – Geburtstag von Isa Vermehren bei Zeitzeichen

Nachlass Bundesarchiv N 1801

Einzelnachweise

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