Dettelbach ist der Hauptort der Stadtgemeinde Dettelbach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Er bildet heute, als einwohnerreichster und größter Gemeindeteil, den Mittelpunkt der politischen Gemeinde Dettelbach. Durch die Fürstbischöfe von Würzburg stieg der ehemalige Meierhof im 15. Jahrhundert zu einer städtischen Siedlung auf. Die Förderung machte Dettelbach zu einem Amtssitz mit zentralem Charakter für die Orte der Umgebung. Erst im 19. Jahrhundert verlor die Stadt diese Funktionen.
Bekannt ist die Stadt insbesondere für ihre jahrhundertealte Wallfahrtstradition. Seit dem 16. Jahrhundert suchen Menschen ein vermeintlich wundertätiges Gnadenbild auf. Im Zuge der Gegenreformation wurde diese Pietà im beginnenden 17. Jahrhundert mit einer Kirche umgeben. Noch heute bildet die Wallfahrt zur Dettelbacher Maria-im-Sand-Kirche das bedeutendste Anlaufziel für Pilger in der Diözese Würzburg. Die Wallfahrt brachte dem Ort Reichtum. In Dettelbach siedelten sich Wachszieher für die Votivkerzenproduktion an, die auch Honig produzierten und eine eigene Lebkuchentradition etablieren konnten.Ferdinand Leuxner: Vom Wachs und einer Kerze. Menschen und Bienen in zwei Wunderberichten zur Wallfahrt nach Dettelbach. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst Bd. 75 (2023). S. 269 f.
Neben der Wallfahrt zieht heute auch die erhaltene, frühneuzeitliche Altstadt Touristen an. Kunsthistorisch besonders bedeutsam ist das Rathaus im Zentrum der Siedlung. Der Weinbau spielt heute keine wirtschaftliche Rolle mehr, ist aber für die kulturelle Identität der Stadt von einiger Bedeutung. Dettelbach bildet durch seine Lage am Main das Verbindungsstück zwischen der Weinbaustadt Volkach und der alten Weinhandelsstadt Kitzingen, weswegen insbesondere der Fahrradtourismus eine große Rolle spielt.
Geografie Gemarkung Die Gemarkung Dettelbach hat eine Fläche von 16,490 km². Sie ist in 4305 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3830,44 m² haben.
Geografische und naturräumliche Lage mini|hochkant|Der Dettelbach im Zentrum der Altstadt, dem Alten Rathaus Dettelbach liegt im Südosten des Gebietes der politischen Gemeinde. Die Gemeindeteile ordnen sich halbkreisförmig um die Stadt an. Im Norden beginnt die Gemarkung von Brück, nordnordöstlich ist Neuses am Berg zu finden. Im Osten beginnt das Gebiet des Marktes Schwarzach am Main, der einzige linksmainische Gemeindeteil Schwarzenau liegt Dettelbach am nächsten. Südöstlich, getrennt durch den Main, erhebt sich Hörblach, das ebenfalls ein Schwarzacher Gemeindeteil ist. Im Süden, ebenfalls auf der anderen Mainseite, ist der Dettelbacher Gemeindeteil Mainsondheim zu finden. Südsüdwestlich stoßen die Gemarkungen der Gemeinde Mainstockheim und Dettelbach aneinander. Im Uhrzeigersinn schließen sich die Dettelbacher Gemeindeteile Bibergau (Westen), Euerfeld (Nordwesten) und Schernau (Nordnordwesten) an.
Nächstgelegene, größere Städte sind Kitzingen, mit einer Distanz von etwa 7 Kilometern und Volkach, das ungefähr 8 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 17 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich liegt Dettelbach am Übergang zweier Räume innerhalb der Mainfränkischen Platten. Der Großteil der Altstadt und der Neubaugebiete sind im Kitzinger Maintal zu finden, das sich als Flusstalabschnitt mit steilem Westhang und flachem Osthang präsentiert. Bei Dettelbach geht der Talabschnitt langsam in das Schwarzacher Becken über, sodass insbesondere die östlichen, flussnahen Bereiche der Gemarkung wesentlich flacher erscheinen. Die nördliche Gemarkung ist dagegen Teil der Gäufläche im nördlichen Maindreieck. Die Landschaft zeichnet sich durch ihre kleinen Bäche aus, die ohne tiefe Kerbtäler zu bilden, in Richtung Main abfließen.
Die Stadt liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau in der Umgebung. Das Kleinklima im Kitzinger Maintal verstärkt diese Tendenzen weiter. Insgesamt gibt es hier entlang des Maines relativ geringe Jahresniederschläge, zugleich weist das Gebiet im Sommer ein sehr hohes Temperaturmittel auf. Geologisch überwiegen auf der Westseite des Maines Lösssande, der Anstieg zu den Gäuflächen wird von Lösslehm dominiert.
Hydrologisch wird Dettelbach vom Main geprägt. Der Fluss fließt in einem langgestreckten Bogen von Osten nach Süden und bildet zugleich die Grenze der Gemarkung. Historisch bedeutsamer für die Stadtentwicklung als der schiffbare Strom ist allerdings der namensgebende Bach Dettel (oder Dettelbach). Er fließt von Norden her kommend in Richtung der Altstadt und versorgte mehrere zur Stadt gehörigen Mühlenbetriebe. Der Dettelbach teilt bis heute die Altstadt in zwei Teile und mündet schließlich bei Flusskilometer 294 in den Main.
Daneben prägen mehrere kleinere Gewässer die Gemarkung von Dettelbach. Der Gembachsgraben mündet aus westlicher Richtung in der Dettelbach, genauso wie der Bibergauer Mühlbach, der sich bereits am Rande der nördlichen Altstadt mit dem Dettelbach vereinigt. Südlich fließt der Tirschgraben direkt in den Main. Außerdem bildet der Rotamergraben den Grenzbereich zur Gemarkung der Gemeinde Mainstockheim. Der Osten der Gemarkung wird dagegen von mehreren, unbenannten Gräben durchzogen, die teilweise unterirdisch geführt werden.
Ortsgliederung Die Dettelbacher Altstadt liegt im Süden der Gemarkung. Sie war ein mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Verkehrsknotenpunkt mit zeitweise fünf Toren, von denen sich noch zwei erhalten haben. Die Altstadt weist eine markante Zweiteilung auf, der ältere Ostteil wird von der Pfarrkirche dominiert, im Westen siedelte man das Spital an. Der Dettel-Bach, der der Stadt den Namen gab, fließt mittendurch. Die Stadt blieb viele Jahrhunderte auf das ummauerte Areal beschränkt. Lediglich ganz im Norden entstand vor dem Dreißigjährigen Krieg die sogenannte Kühngasse als Vorstadt außerhalb der Mauern. → siehe auch: Kühngasse (Dettelbach) mini|Gliederung der Dettelbacher Kernstadt und ihrer Gemarkung Seit dem 16. Jahrhundert besteht die Wallfahrt zur heiligen Muttergottes von Maria im Sand. Die Wallfahrtskirche liegt heute, östlich der Altstadt, inmitten der Neubaugebiete des 20. Jahrhunderts. Bereits im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt insbesondere im Nordwesten und Osten aus der Ummauerung heraus. Zwischen Altstadt und Wallfahrtskirche entstand ein kleines Krankenhaus und die Verwaltungsbauten für das Landgericht Dettelbach. Um die Wallfahrtskirche legte man, ebenfalls im 19. Jahrhundert den städtischen Friedhof an.
Die nördliche Gemarkung Dettelbachs wird noch heute von den charakteristischen Mühlenbauten dominiert. Der Dettel-Bach und der Bibergauer Mühlbach trieben zeitweise zwölf Mühlen an, von denen heute keine mehr in Betrieb ist. Im Jahr 1900 wurde in unmittelbarer Nähe zur Kühngassenmühle der Bahnhof Dettelbach Stadt eingeweiht. Er verband den Ort mit der Haltestelle Dettelbach Bahnhof, der auf Effeldorfer Gemarkung verortet ist. Das Bahnhofsgebäude ist seit 1960 entwidmet und zum Wohnhaus umgewandelt.
Dettelbach besitzt ein großes Industriegebiet, das etwas entfernt von der Altstadt im äußersten Südosten der Gemarkung am Main errichtet wurde und den Namen Dettelbach-Ost trägt. Zuvor hatte man im gleichen Areal die Staustufe Dettelbach im kanalisierten Main erbaut. Im Zuge der Stauung entstand der sogenannte Kleidersee südöstlich der Altstadt. Es handelt sich um einen Baggersee, der nach wie vor vergrößert wird. Die einzige, größere Parkanlage liegt südlich der Altstadt und verbindet diese mit dem Main.
Um die heutige Stadt existieren auch landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Die Weinberge beschränken sich heute weitgehend auf die südlich der Stadt aufragenden Herz-Jesu-Höhe, Josefshöhe und den Krackenberg. Ausgedehnte Feldflächen schließen sich im Nordosten der Altstadt unmittelbar an die bebauten Areale an. Insbesondere der Galgenberg, der historische Richtplatz der Stadt, und der Geißberg im Osten des Stadtgebiets werden von Getreidefeldern dominiert.
Schutzgebiete Obwohl Dettelbach viele von den Naturschutzbehörden eingetragene Schutzgebiete besitzt, besteht um die Stadt kein einziges echtes Naturschutzgebiet. Stattdessen haben sich, insbesondere entlang des Dettelbaches im Norden der Stadt, dem Bibergauer Bach und den westlichen Mainauen, viele Biotope erhalten. Insbesondere die mesophilen Gebüsche, Streuobstwiesen und Hecken stehen unter Schutz. Der Main im Süden der Altstadt wird dagegen von einem Auwaldstreifen gesäumt. Geschützt sind auch die Naturdenkmäler um Dettelbach. Es handelt sich um eine alte Hecke entlang des Wallfahrtsweges zur Sandkirche sowie einen alten Baum am Sommeracher Weg.
Das ausgedehnte Vogelschutzgebiet „Maintal zwischen Schweinfurt und Dettelbach“ endet in der Gemarkung der Stadt. Den Endpunkt bildet die Staustufe, deren Anlage die Kulturlandschaft um sie herum stark veränderte. Deshalb ist auch der Mainabschnitt zwischen Dettelbach und Mainsondheim nicht geschützt. Zu einem Fauna-Flora-Habitat erklärte man dagegen den südlichsten Abschnitt des Mains. Es ist Teil des ausgedehnten Schutzgebietes „Mainaue zwischen Grafenrheinfeld und Kitzingen“.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die Umgebung von Dettelbach besitzt eine lange Siedlungsgeschichte. Allerdings haben sich in der Gemarkung der Stadt nur wenige Bodendenkmäler erhalten. Lediglich im Südwesten des Stadtgebietes ist eine größere Fläche bereits seit Jahrtausenden zumindest zeitweise dauerhaft besiedelt gewesen. Weitere Areale nördlich der Staustufe sind heute vom Wasser des Kleidersees bedeckt. Hier grub man sogar Klingen, Schaber und Kratzer der Altsteinzeit aus. Aus der mittleren Steinzeit haben sich sogenannte Mikrolithen erhalten, die darauf verweisen, dass der Main an dieser Stelle ein Rastplatz für nomadische Gruppen war.
Im Laufe der Jungsteinzeit begannen die Menschen sesshaft zu werden. Nun siedelten sich auf dem Krackenberg erstmals dauerhaft Menschen auf Dettelbacher Gebiet an. Der Siedlungsplatz an der Staustufe blieb nun während der Bronzezeit, der Urnenfelderzeit, der Hallstattzeit, der Latènezeit und der Völkerwanderungszeit nahezu durchgängig besiedelt. Geplante Ausgrabungen wurden 1978/1979 vorangetrieben, weil in den folgenden Jahren das Ausbaggern des Sees begann.Hans Bauer: Von der Steinzeit bis zum Stadtjubiläum – ein kurzer Rückblick auf die Dettelbacher Stadtgeschichte. In: Stadt Dettelbach (Hrsg.): Dettelbach 1484–1984. Festschrift und kleine Charakteristik einer 500jährigen Stadt. Dettelbach 1984. S. 18 f.
Lebten während der jüngeren Eisenzeit noch keltische Stämme in der Gegend um die heutige Stadt, wurden diese bis ins 2. nachchristliche Jahrhundert von den Alemannen verdrängt. Diese machten um das Jahr 260 den Burgunden Platz, die bis ins 4. Jahrhundert zwischen Main und Dettelbach siedelten. Ab dem 6. Jahrhundert begannen fränkische Stämme von Westen kommend in das Gebiet vorzustoßen und verdrängten die etablierte Bevölkerung langsam. Die Franken brachten das Christentum an den Main mit und etablierten erste Verwaltungsgrenzen, die sogenannten Gaue. Die Gegend um Dettelbach kam zum Gotzfeldgau. Um 700 besiedelten die Franken die Stelle der heutigen Stadt.
Früh- und Hochmittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dettelbach als eine der ersten Gemeinden im heutigen Landkreis Kitzingen. Im Jahr 889 tauchte der „fiscus dominicus Thetilabah“ in der Stiftungsurkunde des Bistums Würzburg auf, die allerdings auf die Jahre 741/768 rückdatiert wird. An der Stelle der heutigen Pfarrkirche bestand ein fränkischer Meierhof, der von Leibeigenen des Königs bewirtschaftet wurde. Die Lage des Hofs auf einer Geländeerhebung diente zur Überwachung und Sicherung des südlich gelegenen Mainübergangs. Dem Hof wurden schnell die Ausbauorte Mainsondheim (= Mainsüdheim) und Ostheim (am Rennfurt) zugeordnet.Hans Bauer: Dettelbach. Geschichte einer romantischen Stadt am Main und ihrer Ortsteile. Dettelbach 1983. S. 10.