zentriert|200px|Wappen des Corps Marchia Berlin Universität: Freie Universität BerlinTechnische Universität BerlinHumboldt-Universität zu Berlin Stiftungsdatum: 26. November 1810 in Berlin Dachverband: KSCV Senioren-Convent: Berliner SC Wahlspruch: Vir fortis contemnit mortem Wappensprüche: Virtute pauci magna valent Sola mors foedus solvit Farben: zentriert|100px|Bildbeschriftung hier hinzufügen Fuchsenfarben: zentriert|88px|Bildbeschriftung hier hinzufügen Zirkel: 100px|zentriert|Zirkel des Corps Marchia Homepage: www.corps-marchia.de

Das Corps Marchia Berlin ist die älteste Studentenverbindung in Deutschlands Hauptstadt. Sie ist Mitglied des Berliner Senioren-Convents und steht von jeher zu Mensur und Couleur. Es vereint Studenten und Alumni der Humboldt-Universität zu Berlin, der Freien Universität Berlin und der Technischen Universität Berlin. Der Name Marchia bezieht sich auf die Mark Brandenburg.

Couleur und Sprüche Die „Märker“ tragen die Farben orange–weiß–gold mit goldener Perkussion. Die Füchse tragen ein Band in den Farben orange–weiß–orange, ebenfalls mit goldener Perkussion. Dazu wird eine orangefarbene kleine Mütze (Hinterhauptcouleur) getragen. Die Kneipjacken sind schwarz mit einer orange-weiß-goldenen Kordelierung.

Die Farbe Orange bezieht sich auf Luise Henriette von Oranien, die Ehefrau des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg („Großer Kurfürst“).Erich Röhlke, Orange – Studie zum Symbolgehalt einer Kösener Corpsfarbe, in: Einst und Jetzt, Bd. 14 (1969), S. 137–148.

Das Corps hat den Wahlspruch „Vir fortis contemnit mortem!“ („Der mutige Mann verachtet den Tod!“) sowie die beiden Wappensprüche „Virtute pauci magna valent!“ („Wenige vermögen durch Tapferkeit viel!“) und „Sola mors foedus solvit!“ („Nur der Tod löst den Bund!“).

Grundsätze Gemäß den Grundsätzen seines Dachverbands, des Kösener Senioren-Convents-Verbands (KSCV), vertritt auch das Corps Marchia das Toleranzprinzip. Das bedeutet, dass das Corps eine neutrale Haltung zu politischen Themen einnimmt und als Personenvereinigung keine einheitliche politische Richtung vertritt. Das einzelne Corpsmitglied kann sich unabhängig davon privat politisch betätigen. Außerdem kann jeder an einer Berliner Hochschule immatrikulierte männliche Student ungeachtet von Ethnie, Nationalität oder Religion Mitglied des Corps werden.Christian Helfer, Kösener Brauch und Sitte, Ein corpsstudentisches Wörterbuch, 2. Aufl., Saarbrücken 1991, S. 152, 207

Geschichte

Anfänge in Frankfurt an der Oder (1786–1810) Als offizielles Stiftungsjahr des Corps Marchia wird 1810 geführt. Seine Wurzeln reichen jedoch rund 25 Jahre weiter zurück. Als Opposition zu den damals bestehenden Studentenorden an der Brandenburgischen Universität Frankfurt riefen mehrere frühere Ordensangehörige unter der Führung des späteren Kriegsrats Grothe am 3. Juli 1786 eine Reformverbindung ins Leben, die sich mit wachsender Mitgliederzahl auf der Grundlage der landsmannschaftlichen Herkunft in die Kränzchen der Preußen, Pommern, Schlesier und Märker aufspaltete. Die personalschwachen Pommern schlossen sich 1800 an die Märker an und bildeten mit ihnen das märkisch-pommersche Kränzchen (auch als märkisch-pommersche Verbindung bezeichnet). Eine frühe Fassung einer Constitution aus dem Jahr 1802 belegt den Organisationsgrad in dieser Zeit und deren Abgrenzung zu den älteren Orden.Abgedruckt bei Meyer-Camberg (Hrsg.): 21 der ältesten Constitutionen der Corps und ihrer Vorläufer bis zum Jahr 1810, Sonderheft Einst und Jetzt 1981, S. 51–53. Die Aufhebung der Universität Halle 1806 führte wieder zu einem vermehrten Zuzug von pommerschen und märkischen Studenten nach Frankfurt, sodass sich die beiden Gruppen wieder trennten. Die Aufspaltung wurde am 16. November 1807 vollzogen. Am folgenden Tag konstituierte sich das märkische Kränzchen neu.Erich Röhlke: Über das Stammbuch der Märkischen Verbindung zu Frankfurt a. O. und Berlin seit dem 17. November 1807. In: Einst und Jetzt 10 (1965), S. 146ff.

Umzug nach Berlin und frühe Jahre 1810 bis 1837 mini|Frankfurter und Berliner Märker 1811 1810 wurde die Universität Berlin neu gegründet. Einige von Frankfurt nach Berlin übergesiedelte Angehörige des märkischen Kränzchens stifteten 1810 in Berlin ebenfalls eine Marchia, die jedoch nicht von allen Frankfurter Märkern anerkannt wurde und sich deshalb im Herbst 1810 zunächst wieder auflöste. Am 26. November 1810 wurde sie mit Farben und Wahlspruch (Sucurre cadenti, deutsch: „Eile dem Fallenden zu Hilfe!“) der märkischen Verbindung in Frankfurt neu gestiftet. Auch die Frankfurter Uniform wurde explizit beibehalten. Nachdem die Frankfurter Universität im August 1811 aufgelöst und nach Breslau verlegt wurde und weitere Märker von Frankfurt nach Berlin wechselten, verschmolz sie im September 1811 mit den Resten der Frankfurter Märker.Kurt Meyer: Die farbentragenden Korporationen an der Berliner Universität von 1810 bis 1870. In: Einst und Jetzt 6 (1961), S. 131. Die Kontinuität belegen auch Einträge im Stammbuch des Märkers August Hermann Klaatsch.Egbert Weiß: Frankfurter und Berliner Märker 1811. In: Einst und Jetzt 37 (1992), S. 186. Damit ist Corps Marchia die Gruppierung, die die studentischen Bräuche des 18. Jahrhunderts an die 1810 neu gegründete Universität brachte und dort etablierte. Sie ist die älteste Studentenverbindung Berlins.Dëus-von Homeyer: 1810–2010, 200 Jahre Berliner Universität, 200 Jahre Berliner Corps, S. 96.

Die kurz nach der Gründung des Corps ausgebrochenen Befreiungskriege brachten das Aktivenleben im Februar 1813 zum Erliegen, da sich die Märker geschlossen als Freiwillige zu den Waffen meldeten.Zu den Märkern und den anderen Berliner Corpslandsmannschaften in den Befreiungskriegen im Einzelnen siehe: Friedrich D. Hoffbauer, J. A. Voigt Skizzen aus dem Leben Friedrich David Ferdinand Hoffbauers: Ein Beitrag zur Geschichte des Lützow’schen Corps, Waisenhaus, 1869 (Digitalisat). Im Stammbuch der Märkischen Verbindung heißt es dazu: „Die Mitglieder der Verbindung waren am 17. Februar 1813 zum letzten Male unter dem Senior Peter Schmidt im Convent versammelt. Dem am 9. dieses Monats erfolgten Aufruf zur Verteidigung des Vaterlandes gemäß, wurde am 10. unsere Verbindung für aufgelöst erklärt und jeder, dem nicht Gesundheit fehlte, eilte den Hieber mit dem Schwerte zu vertauschen“.Marth: Geschichte des Corps Marchia. Berlin 1919 Nach der Rückkehr der meisten Mitglieder aus dem Feld nahm Marchia im November 1814 den Betrieb wieder auf.Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps, S. 300, Meyer: Die farbentragenden Korporationen an der Berliner Universität, S. 131; Beleg nach Stammbuch Löper. Die Fortsetzung der Kriegshandlungen 1815 unterbrachen den Aktivenbetrieb erneut bis April 1816. Unter dem Einfluss der burschenschaftlichen Bewegung kam es vom 9. März 1818 bis 24. Januar 1819 zu einer weiteren Suspension. Bei der Rekonstitution 1819 nahm Marchia die Farben orange-weiß und den Wahlspruch vires concordia firmat (deutsch: „Einigkeit stärkt die Kräfte.“) an. 1819 wird sie erstmals als Corps bezeichnet.Meyer: Die farbentragenden Korporationen an der Berliner Universität, S. 131.

Die folgenden Jahre verliefen ausgesprochen wechselhaft für das Corps. So gründeten sich in den kommenden Jahren einige neue Landsmannschaften an der Berliner Universität und schlossen sich dem örtlichen Senioren-Convent an. Aber auch an anderen Universitätsstandorten gründeten sich immer mehr Verbindungen, die sich den Prinzipien der späteren Corps verpflichtet fühlten, teils unter Unterstützung von Berliner Märkern. So war der einzige der Stifter des Corps Saxo-Borussia Heidelberg, der vorher einer anderen Verbindung angehört hatte, Berliner MärkerRügemer: Kösener Korps-Listen 1798 bis 1910, S. 482 Nr. 2, Starnberg 1910. In den Folgesemestern wurde auch einige weitere Märker bei Saxo-Borussia aktiv. 1821 schloss sich das Corps mit der 1819 gestifteten Landsmannschaft Thuringia zusammen, wobei den ursprünglichen Farben, orange und weiß, als dritte Farbe gold hinzugefügt wurdeFabricius: Die Deutschen Corps, S. 303. Während dieser Jahre waren zwei der prominentesten Mitglieder Marchias, der spätere Oberbürgermeister von Berlin, Heinrich-Wilhelm KrausnickRügemer: Kösener Korps-Listen 1798 bis 1910, S. 13 Nr. 96, Starnberg 1910 und der preußische Finanzminister und designierte Ministerpräsident Preußens, Albrecht Graf von AlvenslebenRügemer: Kösener Korps-Listen 1798 bis 1910, S. 13 Nr. 44, Starnberg 1910 aktiv.

Wegen des Verbots studentischer Verbindungen in den Karlsbader Beschlüssen konnte der Aktivenbetrieb nur noch mehr oder weniger geheim stattfinden. Im Jahr 1822 sah sich das Corps erneut zur Auflösung gezwungen. Unter dem Druck der Exekutive konnte man nur noch verdeckt agieren, und der Geist der Corps wurde in sogenannten Bierkönigreichen weitergelebt. Die Angehörigen der Marchia schlossen sich zunächst dem Bierkönigreich der Joachimsthaler an, aus dem auch ein wenig erfolgreicher Versuch einer Rekonstitution des Corps im Verborgenen erfolgte, der 1828 an der Wachsamkeit der Behörden scheiterteFabricius: Die Deutschen Corps, S. 349. Anschließend sammelte man sich im Bierkönigreich Flandern und Brabant, aus dem 1838, begünstigt durch die Entspannung des politischen Klimas, die Marchia neu gegründet werden konnte. Dieses Jahr wurde bis 1919 auch als Gründungsjahr des Corps geführt und es entstand ein Vorgänger des heutigen Corpswappens, sowie der bis in die Gegenwart verwendete ZirkelMarth: Geschichte des Corps Marchia, S. 134.

Das Corps von 1838 bis 1914 mini|Früheres Haus des Corps Marchia um 1910, Englische Straße 14 mini|Berliner Märker auf Adolph von Menzels Studentenfackelzug (1859) In den kommenden Jahren bis circa 1860 gab es starke Auf- und Abwärtsbewegungen in den Aktivenzahlen und das Corps musste aus Nachwuchsmangel wiederholt für wenige Semester schließen, so von Juni 1840 bis Juli 1852, Wintersemester 1845 bis November 1848 und von 1854 bis November 1855 sowie zuletzt 1870/71. An der Rekonstitution von 1848 war der Jenenser Thüringer Felix Freiherr von Stein maßgeblich beteiligt.Albert Lindner: Das Corps Thuringia. Nebst einem Anhange: Das Herzogthum Lichtenhain. Jena 1870, S. 56 (Digitalisat) Die Rekonstitution von 1871 geschah im Wesentlichen durch drei Angehörige der Rhenania HeidelbergHeinz-Eberhardt Andres: Die geschichtlichen Beziehungen der Rhenania-Heidelberg zu den anderen heute noch bestehenden Kösener Corps. Heidelberg 1955, S. 13, die von 1868 bis 1873 offizielle Beziehungen zu Marchia unterhielt. Das 50. Universitätsjubiläum der Friedrich-Wilhelms-Universität wurde im Oktober 1860 unter Einbeziehung der studentischen Verbindungen, darunter Marchia als ältester Berliner Verbindung an hervorgehobener Stelle mit großem Programm und Festumzug, einem abendlichen Fackelzug sowie einem von der Stadt Berlin finanzierten studentischen Kommers im Exercierhaus des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2 am heutigen Heinrich-Heine-Platz gefeiert.Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin (Hrsg.): Urkunden zur Geschichte der Jubelfeier der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin im October 1860, J. Guttentag, 1863, S. 20 ff. (Studentische Festordnung…)(Digitalisat)