Bei einem Zeckenstich (fachlich korrekt) oder Zeckenbiss (umgangssprachlich) wird die Haut von einer Zecke mit den Kieferklauen angeritzt und anschließend der „Stachel“ (das Hypostom) in die Wunde hineingeschoben und dort verankert. Die Zecke sticht dabei keine Ader an, sondern reißt eine Wunde, die aus verletzten Kapillaren voll Blut läuft (sogenannte Pool feeder). Vor Beginn und während der Nahrungsaufnahme gibt die Zecke ein Speichelsekret ab, das eine Vielzahl wichtiger Komponenten enthält:

Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien), die eine Verstopfung des Stechrüssels (Hypostom) verhindern und den Blutfluss hin zur Einstichstelle steigern. Thrombozytenaggregationshemmer, welche die Verklumpung von Blutplättchen hemmen. Bindemittel (Klebstoffe), die die Mundwerkzeuge fest in der Haut verankern und den Bereich um ihre Mundwerkzeuge an der Einstichstelle abdichten. Gefäßerweiternde Stoffe (Vasodilatatoren), die die Durchblutung an der Einstichstelle steigern. Betäubungsmittel (Analgetika), die die Einstichstelle unempfindlich machen. Entzündungshemmende und immunmodulatorische Wirkstoffe, die eine Stimulation der körpereigenen Immunabwehr an der Einstichstelle vermeiden sollen.

Die Oberseite des Hypostoms bildet eine eingesenkte Rinne aus, die mit der Unterseite der Cheliceren einen Nahrungskanal bildet. Die Mundöffnung liegt oberhalb des Hypostoms, an dessen Basis. Die Unterseite des Hypostoms trägt Reihen von Zähnen, die artspezifisch geformt sind. Diese sind umso gröber, je länger die entsprechende Zeckenart im Wirt verankert bleibt.Harald W. Krenn, Horst Aspöck: Form, function and evolution of the mouthparts of blood-feeding Arthropoda. In: Arthropod Structure & Development. Band 41, Nr. 2, März 2012, S. 101–118, doi:10.1016/j.asd.2011.12.001. mini|Vorderkörper einer Zecke mit den Palpen (Sinnesorgane), darunter der Saugrüssel

Befall von Menschen und Tieren Zecken lassen sich nicht – wie oft falsch angenommen – von Bäumen fallen, sie halten sich im Gras oder Gebüsch bis zu einer Höhe von maximal 1,5 Metern auf und warten darauf, sich von Menschen oder Tieren „abstreifen zu lassen“. Danach benötigen sie oft Stunden, bis sie eine geeignete „Bissstelle“ – genau genommen „stechen“ Zecken – gefunden haben. Der eigentliche Biss bleibt meist unbemerkt, da sie an der Bissstelle „Betäubungsmittel“ einspritzen. Die Übertragung von Borrelien in den ersten zwölf Stunden nach dem Stich ist gering.

Infektionsgefahr Beim Saugakt würgt beziehungsweise spuckt (regurgiert) die Zecke in regelmäßigen Abständen während der Blutmahlzeit unverdauliche Nahrungsreste in ihren Wirt zurück. Speziell bei diesem Vorgang können Krankheitserreger, die zuvor bei einem früheren Wirt aufgenommen wurden und sich im Zeckenkörper erhalten oder vermehrt haben, auf den nachfolgenden Wirt übertragen werden. Erreger, die sich bei einer infizierten Zecke in ihrem Darmtrakt befinden, werden nicht unbedingt sofort, sondern mitunter erst während des Saugaktes nach einigen Stunden übertragen. Bei Borreliose kommt es in den ersten 12 Stunden nach einem Zeckenstich nur selten zu einer Infektion, nach 72 Stunden hat die Zecke den Erreger mit hoher Wahrscheinlichkeit übertragen.Sibylle Rahlenbeck, Volker Fingerle: Wie man sich vor Zecken schützt. In: Deutsches Ärzteblatt, 2014, Band 111, Nr. 25, S. 1142–1143 (aerzteblatt.de). Deshalb ist eine möglichst rasche und vorsichtige Entfernung einer Zecke dringend angeraten.

Übertragene Krankheiten mini|Warnung vor Zecken in einem Waldgebiet in Mecklenburg-Vorpommern mini|Erythema migrans als Frühmanifestation eines Zeckenstichs mit Borrelioseinfektion (Stadium I) am Unterschenkel eines Mannes

Die verschiedenen Zeckenfamilien beziehungsweise -gattungen können folgende Erreger beziehungsweise Toxine (und Krankheiten) auf den Menschen übertragen. Lone Star und Holzbock können auch eine Fleischallergie auslösen.

Lederzecken (Argasidae) Die Gattung Ornithodorus: überträgt Borrelia duttoni; führt zum Zeckenrückfallfieber die Gattung Argas: lokale Hautreaktionen und seltener toxische Allgemeinsymptome wie Pulsbeschleunigung, Atemnot und Erbrechen

Schildzecken (Ixodidae) Wichtigste Überträger in Mitteleuropa sind die Arten der Gattung Ixodes mit der häufigsten einheimischen Art, dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), in den östlichen USA Ixodes scapularis, in Russland die Taigazecke (Ixodes persulcatus). Weitere Gattungen sind Rhipicephalus, Dermacentor, Haemaphysalis, Amblyomma.

Im Speichel kommen Krankheitserreger (Viren, Bakterien, einzellige oder mehrzellige Parasiten) vor, die die Zecke bei einer vorangegangenen Nahrungsaufnahme bei einem infizierten Opfer zusammen mit dem Blut aufgenommen hat. Wenn diese Krankheitserreger in der Zecke nicht nur überleben, sondern sich auch noch in ihr vermehren oder wandeln, ist die Zecke ein Wirt beziehungsweise Zwischenwirt für diese Krankheitserreger und infiziert in schon beschriebener Weise ihr nächstes Nahrungsopfer. Zecken, darunter der in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Gemeine Holzbock, sind Vektoren, das heißt Überträger von Viren (Arboviren) und Bakterien. Sie können also durch ihren Stich die verschiedensten Infektionskrankheiten auf den Menschen und viele Wirbeltierarten übertragen. Auch eine rein mechanische Übertragung von auf dem Stechorgan anhaftenden Viren ist möglich.

Folgende Krankheitserreger beziehungsweise Krankheiten können übertragen werden: Babesia microti und Babesia divergens: Babesiose Francisella tularensis: Tularämie Anaplasmosen: Humane Granulozytäre Anaplasmose (früher: Ehrlichiose) Ehrlichiose: Humane monozytäre Ehrlichiose (HME) Rickettsien: Rickettsiosen wie das Rocky-Mountain-Fleckfieber durch Rickettsia rickettsii Boutonneuse-Fieber oder Mittelmeer-Zeckenfleckfieber, Kenia-Fieber; durch Rickettsia conorii Fleckfieber durch Rickettsia prowazekii Q-Fieber: Coxiella burnetii Borrelien: Borreliosen wie die Lyme-Borreliose; durch den Erreger Borrelia burgdorferi verschiedene Viren wie das FSME-Virus: Frühsommer-Meningoenzephalitis RSSE-Virus: Russische Frühsommerenzephalitis Louping-ill-Virus: Louping Ill Powassan-Virus: Powassan-Enzephalitis Kyasanur-forest-Virus: Kyasanur-Wald-Fieber CCHF-Virus: Hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber; der Erreger wurde auf der Krim und im Kongo nachgewiesen. Omsk-hämorrhagisches Fieber-Virus: Omsk-hämorrhagisches Fieber Colorado-Tick-Virus: Colorado-Zeckenfieber und etwa 50 weitere Krankheiten weltweit wie das Texasfieber – die wichtigsten Erkrankungen werden unten in Kurzform vorgestellt.

Borreliose

Die Borreliose ist in der nördlichen Hemisphäre die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung; sie geht oft mit schweren neuropathischen Symptomen einher und wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi aus der Gruppe der Spirochaeten ausgelöst. Eine Borrelieninfektion durch Zecken ist in ganz Deutschland, im Schweizer Mittelland sowie im mittleren und östlichen Österreich möglich. Zecken gibt es auch in Städten: eine Studie am Max von Pettenkofer-Institut für Hygiene und Mikrobiologie (LMU München) zeigte, dass „der direkte Kontakt mit Büschen in Gärten ein bisher unterschätztes Risiko“ ist, durch einen Zeckenstich an Lyme-Borreliose zu erkranken. Robert Koch-Institut, Pressemitteilung, 31. Mai 2001; abgerufen am 17. Januar 2019.Risikofaktoren für Lyme-Borreliose: Ergebnisse einer Studie in einem Brandenburger Landkreis. In: Epidemiologisches Bulletin (Robert Koch-Institut), Nr. 21/2001, 23. Mai 2001, S. 147–149; Volltext (PDF).

In Süddeutschland lag 2004 die mittlere Durchseuchungsrate der Zecken mit Borrelien (B. burgdorferi Spezies) bei 30 %.Carolin Rauter, Rainer Oehme, Isabel Diterich, Matthias Engele, Thomas Hartung: Distribution of Clinically Relevant Borrelia Genospecies in Ticks Assessed by a Novel, Single-Run, Real-Time PCR. In: Journal of Clinical Microbiology, Band 40, Nr. 1, Januar 2002, S. 36–43, doi:10.1128/JCM.40.1.36-43.2002. Die Zahl der Neuinfektionen pro Jahr wird für Deutschland auf 50.000 bis 100.000 geschätzt.Monika Anthes, Beate Greindl: Panikmache bei Zeckenschutzimpfungen. Die verantwortungslosen Kampagnen der Pharmaindustrie. Report Mainz, 4. Mai 2009; abgerufen am 2. Oktober 2014. Gegen die Borreliose existiert keine Impfmöglichkeit, sie kann aber bei frühzeitiger Erkennung gut mit Antibiotika behandelt werden. In Deutschland ist die Borreliose in den neuen Bundesländern und Berlin eine meldepflichtige Krankheit.

Frühsommer-Meningoenzephalitis

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird ebenfalls in Europa von Zecken übertragen. Sie wird durch Viren verursacht und führt zur Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute. Die Übertragung dieser in den Speichelzellen der Zecke befindlichen Viren beginnt sofort nach dem Stich und kann sich im Verlaufe der Nahrungsaufnahme deutlich bis zum Erreichen einer für eine Infektion mit anschließendem Krankheitsausbruch notwendigen Viruslast steigern. Allerdings ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis nicht nur auf den Frühsommer begrenzt, sondern Zecken können den Erreger auch im Spätsommer oder Herbst übertragen. Die Zeckensaison ist von März bis Oktober, bei milder Witterung aber auch länger.

Gegen die FSME ist eine Schutzimpfung möglich. Im deutschen Sprachraum besteht die Gefahr einer FSME-Infektion nur in bestimmten Gebieten, die sich jedoch von Jahr zu Jahr entlang der Flüsse ausdehnen. Während man sonst davon ausgeht, dass jede 20.000ste Zecke das Virus in sich trägt, so sind in diesen Epidemiegebieten in Deutschland 0,1–5 % der Zecken betroffen.Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). RKI-Ratgeber für Ärzte, 7. Juni 2011; abgerufen am 2. Oktober 2014. Die FSME wird nur bei 30 Prozent der Fälle auch wirklich übertragen.Wie gefährlich sind Zecken wirklich? derStandard.at, 12. April 2007; abgerufen am 2. Oktober 2014.

Q-Fieber Der für das Q-Fieber verantwortliche Erreger, das Bakterium Coxiella burnetii, das insbesondere bei Rindern, Schweinen, Pferden, Schafen, Ziegen, aber auch bei Wild- und Haustieren – wie zum Beispiel Rehen, Füchsen, Katzen und Hunden – diese Erkrankung auslöst, wird vor allem im Süden Deutschlands nicht in erster Linie, aber auch von der Frühjahrswaldzecke (Dermacentor marginatus) aus der Gattung der Schafzecken gelegentlich auf den Menschen übertragen. Die Infektion erfolgt, wenn die Zecke zunächst ein infiziertes Tier sticht und anschließend einen Menschen. Es genügt aber auch schon, den Kotstaub der Zecke einzuatmen. Das Q-Fieber ist eine nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung.

Babesien Die Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus) aus der Gattung der Buntzecken ist besonders in letzter Zeit auch in Deutschland bei den Haltern von Hunden und Katzen als Überträger der Blutparasiten Babesien (Babesia canis canis) gefürchtet. Diese Einzeller befallen die Haustiere und zerstören wie die Malaria die roten Blutkörperchen. Daher wird bei der Babesiose (Piroplasmose) als häufigstes Symptom eine Blutarmut festgestellt. Weitere Symptome können bei den befallenen Tieren hohes Fieber, roter oder grünlicher Urin oder Gelbsucht sein. Einige Babesienarten werden von der Wiesenzecke auch auf den Menschen übertragen. Diese Erreger sind jedoch für den Menschen nicht sehr gefährlich. Nur in seltenen Fällen lösen sie grippeähnliche Symptome aus, wenn das Immunsystem vorher schon geschwächt war. Die im April 2005 erstmals auch im deutschen Bundesland Brandenburg festgestellte Erregerart Babesia canis canis befällt nach einer Übertragung durch die Wiesenzecke nur Hunde oder hundeartige Tiere wie zum Beispiel den Fuchs. Dieser Krankheitserreger ist also streng wirtsspezifisch und kann daher nicht auf den Menschen übertragen werden.