mini|Hauptsynagoge mini|Spinka-Synagoge mini|Alte Synagoge Die Jüdische Gemeinde Mukatschewo ist eine jüdische Gemeinde in der ukrainischen Stadt Mukatschewo in der Oblast Transkarpatien.

mini|Chaim Sofer (1821–1886) mini|Isaak Weiss, 2. Spinker Rebbe (geb. 1875; ermordet in Auschwitz 1944), um 1930 mini|Zwi Hirsch Spira (1850–1913), Rabbi in Mukatschewo von 1893 bis 1913 mini|Yissachar Dov Rokeach I. (1854–1926) mini|Chaim Elazar Spira, 1937 mini|Schalom Beinhorn, genannt Schulam Flicker, Schochet in Mukatschewo, in Auschwitz ermordet am 25. Mai 1944 mini|Baruch Yehoshua Yerachmiel Rabinovich (1914–1997) (rechts) Geschichte 17. und 18. Jahrhundert Im 17. Jahrhundert gehörte Mukatschewo abwechselnd zu Siebenbürgen, zum Königreich Ungarn (Komitat Bereg) und schließlich zum Kaisertum Österreich. Infolge der Chmelnyzkyj-Pogrome in den Jahren 1648–1657 zogen Juden von Galizien und der Ukraine nach Mukatschewo. Die Juden von Mukatschewo beschäftigten sich mit der Herstellung und dem Verkauf von Spirituosen, dem Verkauf von Fleisch, Kerzen und Seife. Außerdem transportierten sie Holz zum Hafen von Danzig. 1718 gab es 5 jüdische Familien mit insgesamt 25 Personen. 1741 wurde in Mukatschewo die jüdische Gemeinde mit 80 Gemeindemitgliedern und die erste Synagoge gegründet. 1769 gab es in Mukatschewo eine aktive jüdische Gemeinde mit einem Beit Midrasch zum Studium der Tora und mehreren Chadarim. Der Vorraum der Synagoge (Pallisch, Pollosch) diente als Treffpunkt für Diskussionen und wohltätige Veranstaltungen.

Als 1772 Polen zum ersten Mal geteilt wurde, gelangte Galizien unter die Herrschaft von Österreich-Ungarn. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Ersten Weltkrieg wanderten Juden aus Galizien nach Mukatschewo, wo sie ein besseres Leben führen konnten. So kam es, dass die ersten Rabbiner von Mukatschewo aus Galizien stammten. Mukatschewo entwickelte sich zu einem Zentrum des jüdischen Lebens des ganzen Komitats Bereg.

19. Jahrhundert Anfang des 19. Jahrhunderts erhielten die Juden das Recht, Land zu besitzen. Daraufhin kaufte die jüdische Gemeinde von Mukatschewo ein Stück Land in der Stadt, wo sie eine Synagoge errichtete. 1814 wurde eine Beerdigungsbruderschaft gegründet.

Von 1825 bis 1829 führte der chassidische Rabbi Tzvi Elimelech Spira die jüdische Gemeinde von Mukatschewo. In dieser Zeit entstanden Spannungen zwischen den verschiedenen jüdischen Strömungen in Mukatschewo. Spira trat schließlich wegen Differenzen mit den Misnagdim von seinem Amt zurück.

1840 entstand eine Poalei-Tzedek-Vereinigung, die Händlern Kredite gewährte. Im selben Jahr wurde ein jüdisches Krankenhaus mit angestellten Ärzten und Apothekern geschaffen. 1871 arbeiteten dort 5 jüdische Ärzte, 1903 waren es schon 8 Ärzte. 1846 entstand ein Wohltätigkeitsverein. Außerdem gab es eine Frauenvereinigung, die sich um Waisen, Witwen und Gebrechliche kümmerte.

Jedes Jahr wurden innerhalb der jüdischen Gemeinde Gemeindevorstand, Schochet, Synagogenvorsteher, Gabbai, Schammes, Kantor und Sofer gewählt. Der Oberrabbiner und der Dajan wurde gewählt und dann dauerhaft angestellt. Wahlberechtigt war nur eine kleine Anzahl von Gemeindemitgliedern, meistens die Reichen. So waren im Jahr 1900 von den 6576 Juden der Stadt nur 550 Juden wahlberechtigt.

1871 gründete Rabbi Pinchas Blayer die erste jüdische Druckerei von Mukatschewo. Diese wurde die zentrale Druckerei für hebräische Schriften in Ungarn. Der Besitzer eines Verlagshauses in Mukatschewo, Simon Nomis, brachte einen Katalog hebräischer Bücher heraus. 1904 gab es bereits 5 jüdische Druckereien in Mukatschewo.

1867 wurden Ungarns Juden zu gleichberechtigten Bürgern. Regional blieben jedoch Beschränkungen in Steuerangelegenheiten und Geschäftsgenehmigungen erhalten.

1880 gab es über 4000 Juden und 1900 6567 Juden in Mukatschewo. Nun wuchs der Anteil der Juden an der Wirtschaft der Stadt. Sie arbeiteten im Handel mit Holz, Nahrungsmitteln, Stoffen, Möbeln, Haushaltswaren, Tabak, Schießpulver und Jagdwaffen. Es gab unter ihnen auch Fabrikeigentümer und Landwirte. Außerdem waren sie im Bankgewerbe tätig und etablierten die ersten Banken von Mukatschewo. Ungefähr 115 Juden gehörten 1873 zur prominenten Oberschicht der Stadt.

Die Bildung der jüdischen Jungen übernahmen Chederim und Jeschiwot, wo allerdings vorwiegend religiöse Kenntnisse vermittelt wurden. 1866 wurde gegen den heftigen Widerstand der konservativen Rabbis eine jüdische Schule gegründet, die eine allgemeine Bildung vermittelte. Diese Schule hatte drei Klassenräume.

Von 1882 bis 1893 leitete Rabbi Schlomo Spira, Enkel von Tzvi Elimelech Spira, die Gemeinde. 1890 wurde die Synagoge angezündet und brannte ab. Drei Jahre später wurde eine neue Synagoge errichtet.

20. Jahrhundert 1903 wurde das Beit Midrasch angezündet und brannte ab. Die jüdische Gemeinde von Mukatschewo sammelte Geld, teilweise durch den Verkauf von Sitzen, 168 für Männer und 141 für Frauen auf der Frauen-Galerie. Dann wurde es neu aufgebaut.

Erster Weltkrieg Während des Ersten Weltkrieges versuchten viele Juden von Mukatschewo dem Kriegsdienst zu entgehen. Sie hatten Angst, dass sie ihr religiöses Leben und dessen Gebote in der Armee nicht würden erfüllen können. Andere Juden dienten in der Armee und trafen dort teilweise auf feindliche und antisemitische Umgebungen. Sie wurden des Betruges und des Schwarzhandels beschuldigt. Einige Juden sahen jedoch im Militärdienst einen Einstieg in die bürgerliche Gesellschaft. Viele dieser Juden waren Einwanderer aus der Subkarpathen Rus und bewarben sich um ein Aufenthaltsrecht in Mukatschewo.

1915 drang die Kaiserlich Russische Armee in Richtung Mukatschewo vor. Daraufhin flohen viele Juden aus der Stadt. Allerdings gelang es den Russen nicht, Mukatschewo einzunehmen. Als die Gefahr schwand, kehrten die Juden in die Stadt zurück.

Dagegen gelang es den russischen Truppen fast ganz Galizien zu erobern. Aus den vom Krieg betroffenen galizischen Gebieten flohen viele Juden nach Mukatschewo und Umgebung. Einige davon blieben und integrierten sich in die jüdische Gemeinde von Mukatschewo. Unter diesen galizischen Flüchtlingen waren berühmte chassidische Rabbis, so der Admor von Belz und der Admor von Wisnicz. Die Aufnahme von tausenden von Flüchtlingen bedeutete eine schwere Belastung der jüdischen Gemeinde von Mukatschewo. Bei der Organisation der Bewältigung dieser Aufgabe spielte Rabbi Chaim Elazar Spira eine leitende Rolle. Er war Oberrabbiner und Admor der Chassidim von Mukatschewo.

Der Erste Weltkrieg versetzte Mukatschewo und Umgebung in großes Elend. Als 1919 Vertreter des American Jewish Joint Distribution Committees nach Mukatschewo kamen, fanden sie verhungernde, kranke Menschen in Lumpen. In ihrem Bericht beschrieben sie, dass die Gegend eine Brutstätte für Cholera sei. Außerdem zitierte der Bericht Bewohner, die sagten, dass jede Straße von Mukatschewo ihren eigenen Wunderrabbi mit seinen galizischen Anhängern habe.

Am Ende des Ersten Weltkrieges zerfiel Österreich-Ungarn und die Tschechoslowakei wurde gegründet. Nun war Mukatschewo umstritten zwischen Ungarn, Rumänien und der Tschechoslowakei. Zeitweise war es sogar in einen rumänischen und einen tschechischen Teil geteilt. Schließlich wurde es der Tschechoslowakei zugeschlagen. Die Juden von Mukatschewo hatten bis zu dieser Zeit einen sehr traditionellen Lebensstil gepflegt. Nun wurden sie starken politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen unterworfen.

Zwischen den Kriegen In der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich ein sehr lebendiges und vielfältiges jüdisches Leben in Mukatschewo. 1921 lebten um die 10.000 Juden in Mukatschewo, das war ungefähr die Hälfte der Stadtbevölkerung. Es gab ungefähr 30 Synagogen in der Stadt. Sie wohnten in der Latorica-Straße und in deren Umgebung.

Im Mukatschewo dieser Jahre gab es viele unterschiedliche jüdische Richtungen: Chassiden: Munkács Chassiden, geführt von Rabbi Elazar Spira Belzer Chassiden Spinka Chassiden Wisnicz Chassiden Satmar Chassiden Misnagdim Neologen Zionisten: religiöse Zionisten säkulare Zionisten Mizrachi Beitar Haschomer Hatzair Anti-Zionisten: religiöse Anti-Zionisten sozialistische Anti-Zionisten

In der Zeit zwischen den Kriegen hatte die jüdische Gemeinde von Mukatschewo große finanzielle Probleme. Ihre Einnahmen kamen aus folgenden Quellen: Gabla, Gabala Gelt, Gebühren für das koschere Fleisch und das Schächten kleinere Zuschüsse von der staatlichen Gemeinde Gebühren für die Benutzung der Mikwe Gebühren für Sitze in der Synagoge Spenden für die Alijah laTorah (Aufruf zur Tora-Lesung) Spenden der reicheren Gemeindemitglieder

Der Joint für die Subkarpathen Rus hatte sein Zentrum in Mukatschewo. Er half der jüdischen Gemeinde, bewahrte einzelne Gemeindemitglieder vor dem Verhungern und half in Notfällen.

Wladimir Zeev Jabotinsky, Menachem Begin und Berl Katznelson gehörten zu den berühmten jüdischen Politikern, die in dieser Zeit Mukatschewo besuchten.

Zweiter Weltkrieg und Holocaust mini|Mukatschewo Holocaust-Denkmal mini|Gedenktafel für die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg Durch das Münchner Abkommen 1938 wurde die Tschechoslowakei geteilt.

Unter ungarischer Herrschaft

Durch den Ersten Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 wurde Mukatschewo von Ungarn annektiert. Dadurch verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Juden. Junge jüdische Männer wurden zum Arbeitsdienst in die ungarische Armee gepresst.

Die ungarischen staatlichen Autoritäten verjagten die Juden aus ihren Geschäften und stahlen ihr Eigentum. Sie verboten die jüdischen Vereine und Aktivitäten. Auf der Straße wurden jüdische Menschen, insbesondere Religiöse, angegriffen und gedemütigt. Die Polizei verhaftete viele Juden und verhörte sie. Sie versuchte kommunistische und zionistische Aktivitäten aufzudecken. Die reichen Juden wurden verhört, um ihnen ihr Eigentum zu stehlen. Viele Zionisten flohen nach Israel, darunter auch Chaim Kugel, der Leiter des jüdischen Gymnasiums. Das jüdische Gymnasium blieb trotzdem während der ungarischen Herrschaft geöffnet.

Die Ungarn erließen mehrere Gesetze, die das Leben der Juden einschränkten: 1. Gesetz, 1938:VEJ 15/14 Der Anteil der jüdischen Wirtschaft und der freien Berufe wurde auf 20 % der ungarischen Gesamtwirtschaft beschränkt. 2. Gesetz, 1939:VEJ 15/29 Den Juden wurde verboten im Öffentlichen Dienst zu arbeiten, die Anzahl der jüdischen Studenten wurde beschränkt. Juden war es verboten zu publizieren, Zeitungen herauszugeben, Kinos oder Theater zu besitzen. Die Anzahl der jüdischen Fabrikbesitzer und die Anzahl der in privaten Fabriken Arbeitenden wurde beschränkt. 3. Gesetz, 1941:VEJ 15/51 Gemischte Heiraten und Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nicht-Juden wurden verboten. 1942 wurde den Juden per Gesetz verboten, landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Flächen zu besitzen.

Die Ungarn begannen bereits 1938 zu versuchen, Juden, die keine ungarische Staatsbürgerschaft hatten, aus Ungarn auszuweisen. Ab 1939 drang die deutsche Wehrmacht nach dem Überfall auf Polen auch auf Russland vor und begann in den eroberten Gebieten eine systematische Judenverfolgung. Große Flüchtlingsströme zogen in die Subkarpathen Rus, speziell auch nach Mukatschewo. Die Ungarn trieben nun große Zahlen von Juden zusammen und deportierten sie in Richtung Ostgalizien in die Gegend von Kamjanez-Podilskyj, wo Ende August 1941 innerhalb weniger Tage im Massaker von Kamenez-Podolsk mehr als 23.600 Juden von der deutschen SS ermordet wurden.

Unter den Deportierten war Rabbi Baruch Jehoschua Rabinowitz mit seinem Sohn. Den beiden gelang die Flucht und sie kehrten nach Mukatschewo zurück.

Unter deutscher Herrschaft