mini|400px|Kupfermünze des Herodes: Vorderseite Helm mit Wangenschutz, Umschrift: „des Königs Herodes“; Rückseite makedonischer SchildAbbildung aus: Frederic William Madden: History of Jewish coinage and of money in the Old and New Testament. London 1864, S. 85. mini|Klientelkönigreich des Herodes (Angabe moderner Städte mit altertümlichen Namen, rein zur geographischen Orientierung, da angegebene Städte wie Tiberias teils erst in folgenden Generationen gegründet wurden). Zum Vergleich das moderne Staatsgebiet Israels inklusive der von Israel kontrollierten Territorien

Herodes (geboren 73 v. Chr. in Idumäa, wahrscheinlich in Marissa;Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 29. 34. gestorben im März 4 v. Chr. in Jericho), auch Herodes der Große, war ein jüdischer Klientelkönig Roms.

Sein Vater Antipatros führte bis zu seiner Ermordung die Regierungsgeschäfte für den Ethnarchen und Hohenpriester Hyrkanos II. aus der Dynastie der Hasmonäer. An diesen Verwaltungsaufgaben wurden auch Herodes und sein Bruder Phasael beteiligt. Als die Parther 40 v. Chr. in Judäa einfielen, ersetzten sie Hyrkanos durch dessen innerfamiliären Feind Antigonos Mattatias. Herodes floh nach Rom. Er genoss das Vertrauen des Marcus Antonius. Deshalb erklärte ihn der römische Senat zum befreundeten König – zunächst ein Titel ohne Land. Herodes eroberte mit römischer Unterstützung 37 v. Chr. Jerusalem und entmachtete die bis dahin regierende Familie der Hasmonäer. Nach der Schlacht bei Actium wechselte Herodes ins Lager des Octavian, der sein Königtum bestätigte (30 v. Chr.) und sein Herrschaftsgebiet vergrößerte. Das Reich des Herodes war ein neuartiges territoriales Gebilde mit multiethnischer und multireligiöser Bevölkerung.

Herodes hatte 37 v. Chr. Mariamne, die Enkelin Hyrkanos’ II., geheiratet. Sie scharte am Hof eine Hasmonäerpartei um sich und unterhielt Kontakte zu Kleopatra VII. Als Klient des Marcus Antonius war Herodes hier zu einem defensiven Agieren gezwungen. Nachdem er ins Lager des Octavian gewechselt war, schuf er klare Verhältnisse: Er brauchte die Söhne aus der Ehe mit Mariamne, aber nicht mehr Mariamne selbst. 29 v. Chr. ließ Herodes die Königin hinrichten. Zwei Söhne aus dieser Ehe, Alexander und Aristobulos, ließ er für die Thronnachfolge erziehen, fühlte sich dann aber zunehmend von dem Brüderpaar bedroht. Gleichwohl waren Alexander und Aristobulos lange in das Regierungssystem ihres Vaters eingebunden und stärkten dessen Legitimität. Aber 7 v. Chr. verurteilte ein römisches Gericht die beiden wegen Hochverrats zum Tode. Herodes zog nun unter seinen Söhnen verschiedene Kandidaten als Erben seines Reichs in Betracht, eine Problematik, die bis an sein Lebensende nicht gelöst wurde.

Die Regierungszeit des Herodes ist durch zahlreiche große Bauprojekte gekennzeichnet, von denen einige noch als Bodendenkmäler erhalten sind (Caesarea Maritima, Herodium, Masada, Jericho); die Jerusalemer Bauten, vor allem der Neubau des Tempels, wurden jedoch bei der römischen Einnahme der Stadt 70 n. Chr. weitgehend zerstört.

Die Biografie des Herodes schrieb der jüdisch-hellenistische Historiker Flavius Josephus: Einer eher positiven Darstellung in seinem Werk Jüdischer Krieg (Buch 1) folgte eine stark negativ getönte Darstellung des Herodes in seinem späteren Hauptwerk Jüdische Altertümer (Bücher 14 bis 17). Josephus nutzte das verlorene Werk des Nikolaos von Damaskus, eines Gelehrten am Hof des Herodes.

In den Kindheitsgeschichten des Matthäusevangeliums spielt Herodes eine zentrale Rolle als Rivale und Verfolger des neugeborenen Jesus von Nazareth (Mt 2,1-12: Kindermord in Bethlehem).

Name Der Name Herodes, , später kontrahiert zu (mit Iota subscriptum), ist in Inschriften und Papyri auch für andere Personen bezeugt. Der Name geht auf das altgriechische „Held“ zurück.

Als römischer Bürger lautete sein Name Gaius Iulius HerodesSo z. B. auf einer Ehreninschrift auf der Insel Kos: „Das Volk hat geehrt den König Gaius Iulius Herodes wegen seiner Leistung und seines Wohlwollens ihm gegenüber.“ (IG XII 4, 2, 882); zur Inschrift David M. Jacobson: King Herod, Roman Citizen and Benefactor of Kos. In: Bulletin of the Anglo-Israel Archaeological Society. Band 13, 1993–1994, S. 31–35 (online)., die Nachwelt kannte ihn als Herodes den Großen.So schon Flavius Josephus: Jüdische Altertümer 18,130. Walter Otto vermutete, „daß hier gar nicht ‚den Großen‘, sondern vielmehr nach hebräischer Sprachweise einfach den Älteren bezeichnen soll“. In: Ders.: Herodes. Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses, Stuttgart 1913, Sp. 150. Dagegen meint Ernst Baltrusch, dass Josephus dem Herodes eine so wichtige Rolle in seinem Geschichtswerk zuweise, dass er diesen in der Tat als „den Großen“ sehe. Vgl. Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 419 Anm. 1. Im Babylonischen Talmud wird sein Name mit Hōrdōs wiedergegeben (Jüdisch-babylonisches Aramäisch).b Bava Batra 3b

Leben Herkunft und Jugend mini|„Stets war er [Herodes] ein ausgezeichneter Jäger, dabei kam ihm seine Fähigkeit im Reiten im hohen Maße zustatten.“ Jagdszene, Detail des sog. Sidoniergrabs (2. Jahrhundert v. Chr.) in Herodes’ mutmaßlichem Geburtsort Marissa (2011) Die Welt, in der Herodes heranwuchs, war römisch dominiert. Aber das Römische Reich befand sich in einer Umbruchssituation, die im östlichen Mittelmeergebiet zu einer tiefen Verunsicherung der Eliten führte. Man konnte kaum abschätzen, wer in Rom tatsächlich an der Macht war und auf welche Seite man sich also stellen sollte. Die Bevölkerung der Levante war von den römischen Bürgerkriegen durch hohe Kriegstribute, Truppendurchzüge und Plünderungen betroffen.Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 21.45.

Herodes war der zweite Sohn des Antipatros und seiner Frau Kypros, einer Nabatäerin. Er hatte drei Brüder und eine Schwester; seine Familie gehörte zur Oberschicht Idumäas. Die Idumäer waren im 2. Jahrhundert v. Chr. zum Judentum konvertiert – das war aus der Sicht der Jerusalemer Elite ein Makel. Herodes ließ sich später von seinem Hofhistoriker Nikolaos von Damaskus einen Stammbaum konstruieren, der ihn zum Nachkommen jüdischer Rückkehrer aus dem Babylonischen Exil machte, „doch sagt er das wohl nur, um … Herodes, der durch Zufall König der Juden wurde, … einen Gefallen zu erweisen,“ merkte Josephus kritisch an.Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 21.36.181f. Vgl. Flavius Josephus: Jüdische Altertümer 14,9. (Übers. Clementz) Herodes genoss eine hellenistische Schulbildung, so dass ihm später Liebe zu Philosophie, Geschichte und Rhetorik nachgerühmt werden konnten. Dem gleichen Bildungsideal entsprach es, dass Josephus ihn als sehr guten Jäger und Reiter sowie erfolgreichen Athleten schilderte.Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 52f. 328. Vgl. Flavius Josephus: Jüdischer Krieg 1.429f.

Idumäa war innerhalb des Hasmonäerreichs eine randständige Region; Aufstiegschancen boten sich nur in der Hauptstadt Jerusalem. Herodes’ Vater Antipatros ging erfolgreich diesen Weg. Er war politischer Berater des Ethnarchen und Hohepriesters Hyrkanos II., erwarb sich aber auch in Rom einen guten Ruf, da er mehrfach militärische Unterstützung bereitstellte.Abraham Schalit: König Herodes, der Mann und sein Werk. Walter de Gruyter, 2. Auflage Berlin u. a. 2001, S. 37f. Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 44. Bei den Machtkämpfen innerhalb der Hasmonäerfamilie stand Antipatros loyal zu Hyrkanos. „Rom dagegen war die alles beherrschende Macht, der man die Treue halten mußte; Pompejus, Gabinius und all die andern Persönlichkeiten waren lediglich die austauschbaren Repräsentanten dieser Macht,“ so kennzeichnet Ernst Baltrusch die Grundlinien von Antipatros’ Politik, die Herodes gewissermaßen vom Vater lernte.Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 39.

Seit 48 v. Chr. beschränkte sich Hyrkanos II. auf sein religiöses Amt als Hohepriester und überließ Antipatros die Verteidigung und Besteuerung des Reichs; dieser beteiligte seine beiden Söhne Phasael und Herodes an diesen Aufgaben. 47 v. Chr. erwarb Antipatros das römische Bürgerrecht und wurde in die gens Iulia aufgenommen. Antipatros setzte seinen älteren Sohn Phasael als Strategos von Jerusalem ein; den noch jugendlichen Herodes machte er zum Strategos von Galiläa.Zum Alter des Herodes vgl. Nadav Sharon: Herod’s Age When Appointed Strategos of Galilee: Scribal Error or Literary Motif? In: Biblica 95 (2014), S. 49–63 (online). Es handle sich bei der Altersangabe „15 Jahre“ um ein literarisches Motiv, das Josephus aus dem Werk des Nikolaos von Damaskus übernommen habe. Der spätere König werde so als eine Art militärisches Wunderkind herausgestellt, andererseits habe Nikolaos mit der (falschen) Altersangabe ein symbolträchtiges Geburtsjahr 63 v. Chr. kreiert. Es war das Jahr, in dem Pompejus durch sein Betreten des Jerusalemer Tempels die jüdische Bevölkerung schockierte. Zugleich war es das Geburtsjahr des (in mancher Hinsicht mit Herodes vergleichbaren) Augustus. Dort ging Herodes gegen Rebellen vor, die er verhaften und ohne Gerichtsverfahren hinrichten ließ.Abraham Schalit: König Herodes, der Mann und sein Werk, Berlin/New York 2001, S. 42. Vgl. Flavius Josephus: Jüdischer Krieg 1,204–209; Jüdische Altertümer 14,159–167. Wegen der Exekutionen musste er sich vor dem Synhedrium in Jerusalem verantworten. Dieses Gremium unterschätzte, wie stark Sextus Iulius Caesar, der Statthalter von Syrien, Herodes unterstützte.Abraham Schalit: König Herodes, der Mann und sein Werk, Berlin/New York 2001, S. 43. Herodes wurde freigelassen; die Jerusalemer Elite hatte gelernt, dass hinter Herodes und seiner Familie Rom stand.Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 54–58.

Nachdem Antipatros Anfang 42 v. Chr. von Malichos, einem innenpolitischen Rivalen, vergiftet worden war, versank die Region fünf Jahre im Chaos. In Tyros erschlugen römische Soldaten den Malichos, aber sein Bruder führte den Kampf gegen die idumäischen Brüder Phasael und Herodes weiter. Weitere lokale Akteure griffen ein: Helix in Jerusalem (womöglich ein bestochener römischer Beamter), Marion von Tyros, der in Galiläa aktiv wurde, Ptolemaios von Chalkis und ein von Cassius in Damaskus eingesetzter Präfekt namens Fabius. Der Hohepriester Hyrkanos wurde von seinem innerfamiliären Rivalen Antigonos Mattatias bedrängt und setzte zum Machterhalt auf Phasael und Herodes. Um sich die Unterstützung der Brüder zu sichern, versprach er dem Herodes seine elfjährige Enkelin Mariamne als künftige Frau.Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 63–67. Herodes verstieß seine erste Frau Doris, mit der er einen Sohn Antipatros hatte. (Diese Doris, die später noch einmal mit ihrem Sohn an den Hof zurückkehren sollte, war Jüdin aus einer Jerusalemer Oberschichtfamilie.Ernst Baltrusch: Herodes. König im Heiligen Land, München 2020, S. 275.)