Die Europäische Rundfunkunion (, EBU; , UER) ist ein Zusammenschluss von derzeit 68 Rundfunkanstalten in 56 Staaten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens mit Sitz in Genf (Stand: September 2023).Mitgliedsliste, September 2023 Hinzu kommen etwa halb so viele assoziierte Sender aus der ganzen Welt (30 aus 19 Staaten).ebu.ch, abgerufen am 7. September 2023.
Im Oktober 2020 wurde Delphine Ernotte – Präsidentin von France-Télévisions – als erste Frau zur Präsidentin der EBU gewählt. Generaldirektor ist seit September 2017 der Ire Noel Curran. Die EBU ist Mitglied der World Broadcasting Unions.
Geschichte mini|hochkant|Ehemaliges Logo der EBU (bis 2012) mini|Ehemaliges Logo der EBU (2012–2025)
Vorgänger der EBU war der Weltrundfunkverein (Internationale Rundfunkunion; englisch: International Broadcasting Union, IBU; französisch: Union Internationale de Radiophonie, UIR) mit Sitz in Genf und technischem Büro in Brüssel (1925–50).
Die Europäische Rundfunkunion wurde am 12. Februar 1950 auf einer Konferenz im britischen Torquay mit dem Ziel gegründet, ein Netzwerk zum Austausch von Nachrichtenfilmen aufzubauen. Des Weiteren soll die EBU technische Entwicklungen im Radio- und Fernsehbereich vorantreiben und standardisieren. Gründungsmitglieder waren 23 Rundfunkanstalten aus Europa und dem Mittelmeerraum.
Im Jahre 1953 übertrug die EBU als erste internationale Livesendung überhaupt die Krönung von Königin Elisabeth II. Die erste „offizielle“ Eurovisionssendung war die Übertragung des Narzissenfestivals am 6. Juni 1954 aus Montreux. 1956 fand die Ausstrahlung des ersten Eurovision Song Contest statt.
Nach der Auflösung der Organisation Internationale de Radiodiffusion et de Télévision (OIRT) im Jahr 1992 schlossen sich deren frühere Mitglieder der EBU an.
Im November 2011 kündigte Andorra seine Mitgliedschaft wegen finanzieller Schwierigkeiten. Allerdings wurde die Kündigung nicht umgesetzt, weshalb Andorra immer noch ein Mitglied ist.
Am 31. Mai 2021 teilte die EBU den Vorstandsbeschluss mit, die Mitgliedschaft der belarussischen Rundfunkanstalt Belaruskaja Tele-Radio Campanija (BTRC) zu suspendieren.EBU: EBU suspendiert Mitgliedschaft von Belarus. 31. Mai 2021. eurovision.de (31. Mai 2021) Sie begründete die Entscheidung damit, dass die Rundfunkanstalt Interviews gesendet habe, die offenbar unter Druck zu Stande gekommen seien. Im Zusammenhang mit den Protesten in Belarus ab 2020 hatte die Europäische Rundfunkunion bereits zuvor den Schutz von Journalisten in dem Staat gefordert. Am 30. Juni 2021 schloss die EBU die Belaruskaja Tele-Radio Campanija vollständig aus der Organisation aus.
Am 25. Februar 2022 wurde Russland wegen des Überfalls auf die Ukraine vom Eurovision Song Contest 2022 ausgeschlossen. Daraufhin erklärten die russischen Sender Perwy kanal, WGTRK und das Radiozentrum Ostankino den Austritt aus der EBU.
Projekte Hörfunk 1991 wurde das Hörspiel „Das Treffen in Valladolid“ des britischen Schriftstellers Anthony Burgess (A Clockwork Orange, dt. Uhrwerk Orange) als Auftragsarbeit der EBU von allen ihren Mitgliedsländern in ihrer jeweiligen Sprache produziert und zeitgleich mit allen Sendeanstalten der ARD urgesendet.Deutschlandfunk, Das Hörspiel, 11. Februar 2012. In: dradio.de (12. Februar 2012)
Fernsehen Mehrere Fernsehsender der EBU betreiben gemeinsam den weltweit sendenden Nachrichtenkanal Euronews.
Eine der bekanntesten Produktionen der EBU ist der jährlich stattfindende Eurovision Song Contest, welcher jeweils von der Sendeanstalt des Staates produziert wird, die den Vorjahresgewinner gestellt hat.
Von 1965 bis 1999 wurde von der EBU die Spielshow Spiel ohne Grenzen ausgestrahlt. Darüber hinaus produzierte sie in Eigenregie den Wettbewerb Eurovision Young Dancers, aber weiterhin verschiedene Kinderprogramme und Dokumentarfilme.
Zusätzlich betreibt die EBU einen Satellitenkanal, über den die Mitglieder-Sender sich gegenseitig eigenes (Video-)Material zur Verfügung stellen.
Erkennungsmelodien Die EBU verwendet verschiedene Erkennungsmelodien zur Kennzeichnung ihrer Sendungen. Die bekanntesten sind die Eurovisions-Fanfare mit einem Motiv aus dem Präludium zum Te Deum des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier und die Euroradio-Fanfare nach einem Motiv aus der Ouvertüre zur Oper L’Orfeo von Claudio Monteverdi.
Technische Entwicklungen Zur Übertragung von Audiodateien in die einzelnen Mitgliedsländer wird das FLAC-Format verwendet.Pro-Linux News: „European Broadcasting Union verwendet FLAC“ Außerdem beteiligt sich die Organisation aktiv an der Forschung und Entwicklung von neuen Standards wie DAB, DVB und HDTV und konzipierte u. a. das Radio Data System (RDS).
Mitglieder mini|350px|Mitglieder der EBU in Europa mini|350px|Erweiterung der EBU seit 1950
Vollmitglieder Die EBU hat 69 Vollmitglieder aus 57 Staaten, die innerhalb der von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) definierten Europäischen Rundfunkzone liegen. Diese geht über Europa hinaus und umfasst Nordafrika und Vorderasien. Die Vollmitglieder sind öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten oder private Anstalten mit einem öffentlichen Informationsauftrag.
In Deutschland gehören der EBU die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF an; Österreich ist mit dem ORF und die Schweiz mit der SRG vertreten.
Im Dezember 2024 wurde der deutsch-französische Sender Arte als erstes internationales Vollmitglied in die EBU aufgenommen.
Am 25. Juni 2026 wurde CBC/Radio-Canada als erstes Vollmitglied aus Nordamerika aufgenommen, nachdem die EBU-Statuten angepasst worden waren. Neben Rundfunkanstalten aus Staaten innerhalb der Europäischen Rundfunkzone können nun auch solche aus Staaten mit Beobachterstatus beim Europarat aufgenommen werden. Neben Kanada sind dies Japan, Mexiko und die Vereinigten Staaten.
Aktiv Staat Rundfunkanstalt Abk. Beitritt National Media Authority NMA 1985 Radio Televizioni Shqiptar RTSH 1999 Entreprise nationale de radiodiffusion sonoreÉtablissement public de télévisionTélédiffusion d’Algérie EPRSEPTVTDA 1970 Ràdio i Televisió d’Andorra RTVA 1999 Public Television and Radio Armenia: Public Radio of Armenia (ARMR) Public Television Company of Armenia (ARMTV) AMPTV 2005 İctimai Televiziya və Radio Yayımları Şirkəti İTV 2007 Radio-télévision belge de la Communauté françaiseVlaamse Radio- en Televisieomroep RTBFVRT 1950 Bosanskohercegovačka radiotelevizija BHRT 1993 Balgarsko Nationalno Radio BNR 1993 Balgarska Nationalna Televizija BNT 1993 Danmarks Radio DR 1950 TV2 Danmark DK/TV2 1989 Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichenRundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland: Bayerischer Rundfunk (BR) Hessischer Rundfunk (HR) Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) Norddeutscher Rundfunk (NDR) Radio Bremen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) Saarländischer Rundfunk (SR) Südwestrundfunk (SWR) Westdeutscher Rundfunk (WDR) Deutsche Welle (DW) Deutschlandradio ARD 1952 Zweites Deutsches Fernsehen ZDF 1963 Eesti Rahvusringhääling ERR 1993 Yleisradio YLE 1950 Groupement des radiodiffuseurs français de l'UER: France Médias Monde France Télévisions Radio France GRF 1950 20x20px Frankreich/Deutschland Arte ARTE 2025 Georgian Public Broadcaster GPB 2005 Elliniki Radiofonia Tileorasi ERT 2015 Radio Telefís Éireann RTÉ 1950 TG4 TG4 2007 Ríkisútvarpið RÚV 1956 Israeli Public Broadcasting Corporation IPBC 2018 Radiotelevisione Italiana RAI 1950 Jordan Radio and Television Corporation JRTV 1970 CBC/Radio-Canada CBC 2026 Hrvatska Radiotelevizija HRT 1993 Latvijas Sabiedriskais medijs LSM 1993 Télé Liban TL 1980 Lietuvos nacionalinis radijas ir televizija LRT 1993 RTL Group RTL 1950 Média de service public 100,7 MSP 1997 Public Broadcasting Services PBS 1970 Société nationale de radiodiffusion et de télévision SNRT 1950 Teleradio-Moldova TRM 1993 Groupement de Radiodiffusion monégasque: Monaco Media Diffusion (MMD) TVMonaco GRMC 1950 Radio i Televizija Crne Gore RTCG 2006 Nederlandse Publieke Omroep: AVROTROS & PowNed BNNVARA Evangelische Omroep (EO) KRO-NCRV Nederlandse Omroep Stichting (NOS) NTR Omroep MAX & WNL Omroep ZWART Ongehoord Nederland VPRO & HUMAN NPO 1950 Makedonska Radio-Televizija MKRTV 1993 Norsk rikskringkasting NRK 1950 TV 2 NO/TV2 1993 Österreichischer Rundfunk ORF 1953 Polskie Radio i Telewizja: Polskie Radio (PR) Telewizja Polska (TVP) PRT 1993 Rádio e Televisão de Portugal RTP 1950 Societatea Română de Radiodifuziune ROR 1993 Televiziunea Română TVR 1993 San Marino RTV SMRTV 1995 Sveriges Television och Radio Grupp: Sveriges Television (SVT) Sveriges Radio (SR) Utbildningsradion (UR) STR 1950 Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR 1950 Radio-Televizija Srbije RTS 2006 Slovenská televízia a rozhlas STVR 1993 Radiotelevizija Slovenija RTVSLO 1993 Radiotelevisión Española RTVE 1955 Český rozhlas ČRo 1994 Česká televize ČT 1994 Radio tunisienne et Télévision tunisienne: Radio tunisienne (RT) Télévision Tunisienne (TT) RTTT 1950 Türkiye Radyo ve Televizyon Kurumu TRT 1950 Suspilne Ukraine UA:PBC 1993 Hungarian Media Group: Duna Média Médiaszolgáltatás-támogató és Vagyonkezelő Alap (MTVA) HMG 2014 Radio Vatikan RV 1950 British Broadcasting Corporation BBC 1950 United Kingdom Independent Broadcasting: ITV plc Sianel 4 Cymru (S4C) UKIB 1960 Cyprus Broadcasting Corporation CyBC 1969
Suspendiert Der belarussische Rundfunk BTRC wurde 2021 aufgrund der Instrumentalisierung des Senders durch die Regierung infolge der Proteste im Land vom EBU-Vorstand suspendiert. Die russischen EBU-Mitglieder wurden 2022 als Reaktion auf den Überfall auf die Ukraine suspendiert. Staat Rundfunkanstalt Abk. Beitritt Susp. Belteleradyjokampanija BTRC 1993 2021 Libya National Channel LNC 1974 Perwy kanal C1R 1996 2022 Rossijskoje Teleradio RTR 1993 Radio Dom Ostankino: Radio Majak (RM) Radio Orpheus (RO) RDO 1996
Zusätzliche Mitglieder Die Kategorie der zusätzlichen Mitglieder () wurde 2026 neu geschaffen. Sie umfasst Rundfunkanstalten aus „großen autonomen sprachlichen Gemeinschaften“, die regional reguliert werden.
Staat Region Rundfunkanstalt Abk. Beitritt Corporació Catalana de Mitjans Audiovisuals 3Cat 2026
Assoziierte Mitglieder Die EBU hat 27 assoziierte Mitglieder aus 17 weiteren ITU-Mitgliedsstaaten außerhalb der Europäischen Rundfunkzone. Die assoziierten Mitglieder haben keinen Zugang zur Eurovision.
Staat Rundfunkanstalt Abk. Beitritt Australian Broadcasting Corporation ABC 1950 Special Broadcasting Service SBS 1979 Rádio Cultura RC 2012 Canal 13 UCTV 1971 China Media Group CMG 2010 Shanghai Media Group SMG 2016 Rustawi 2 RB 2003 Teleimedi TEME 2004 Radio Television Hong Kong RTHK 1983 Islamic Republic of Iran Broadcasting IRIB 1969 Nippon Hoso Kyokai NHK 1951 TBS Television TBS 2000 Khabar KA 2016 Instituto Cubano de Radio y Televisión ICRT 1992 Radio Televisyen Malaysia RTM 1970 Mauritius Broadcasting Corporation MBC 1980 Radio New Zealand RNZ 1950 Television New Zealand TVNZ 1950 Public Authority for Radio and TV PART 1976 Korean Broadcasting System KBS 1974 Organisation de la Radio et la Télévision Arabe Syrienne ORTAS 1978 American Public Media APM 2004 American Broadcasting Company ABC 1959 CBS Corporation CBS 1956 National Public Radio NPR 1971 National Broadcasting Company NBC 1953 WFMT Radio Network WFMT 1980
Zugelassene Teilnehmer Staat Organisation Abk. Euronews – Institut national de l’audiovisuel INA TV5 Monde TV5 JP Nazionalna Radiodifuzija MKNRD Radio Televizija Vojvodine RTV Cellnex Telecom CELLNEX
Siehe auch Organisation Internationale de Radiodiffusion et de Télévision
Weblinks
Offizielle Website der EBU (englisch und französisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Europäischer Interessenverband Kategorie:Internationale Organisation (Genf) Kategorie:Verbandsgründung 1950 Kategorie:Organisation (Rundfunk)