Das Bistum Regensburg () wurde 739 von Bischof Bonifatius kanonisch errichtet und besteht ununterbrochen bis heute. Es liegt im östlichen Teil des Freistaats Bayern.

Spätantike Erste Nachweise des Christentums in Regensburg gibt es, seit dieses als Römisches Militärlager Castra Regina die obere Donau beherrschte. Als das älteste Zeugnis christlichen Glaubens gilt ein Grabstein, der um das Jahr 400 zum Gedenken an eine gewisse Sarmannina oder Sarmanna in der Zivilstadt errichtet worden war. Vermutlich hatten römische Soldaten und Zivilisten den christlichen Glauben über die Alpen von Aquilea an der Adria aus nach Norden in die Provinz Raetia gebracht. Auf dem Grabstein steht: „In (Alpha) Chr(isto) (Omega) b(onae) m(emori)a(e) / Saarmanne / quiescenti in pace / martiribus sociata“, zu deutsch: „In Christus in guter Erinnerung. Der in Frieden ruhenden Sarmanna, die den Märtyrern beigestellt ist.“ Unklar ist, ob Sarmannina selbst als Märtyrerin starb oder nur in der Nähe von Märtyrern beigesetzt wurde. Auch wenn dieser Grabstein der erste Beweis für christliches Leben in Regensburg ist, kann doch angenommen werden, dass es schon zuvor christliches Leben in der Stadt gab, da die Stadt zum römischen Reich gehörte und das Christentum sich seit Beginn des vierten Jahrhunderts stark ausbreitete.

Mittelalter Missionierung Regensburgs Über die weitere Geschichte des Christentums in Regensburg ist wenig bekannt. Als gesichert gilt, dass die Missionare Emmeram (gestorben um 700), Erhard (gestorben um 715) und Rupert (gestorben um 718) bereits christliches Leben in Regensburg vorgefunden hatten, einzelne Gemeinschaften also überdauert haben müssen. Um das sechste Jahrhundert begann zudem die Herrschaft der Agilolfinger, die bereits Christen waren.

Emmeram

Im Auftrag der Agilolfinger war der Missionar Emmeram tätig. Emmeram wurde im 7. Jahrhundert in Poitiers (Frankreich) geboren. Der Biografie des Arbeo von Freising nach war Emmeram bereits Bischof, als er Frankreich verließ, um die Ungarn zu missionieren. Auf seinem Weg nach Osten kam er dabei nach Regensburg. Dort wurde er vom Landesherrn Theodo gebeten, die Mission des Volkes in Regensburg zu übernehmen. Die Bevölkerung war zwar christlich, heidnische Kulte waren aber noch immer verbreitet. Emmeram soll etwa drei Jahre in Regensburg tätig gewesen sein. Danach starb er im Kleinhelfendorf als Märtyrer. Emmeram hatte sich auf dem Weg nach Rom befunden. Noch vor seiner Abreise hatte sich Uta, die Tochter des Herzogs, dem Missionar anvertraut. Sie erwartete ein Kind von Sigibald, dem Sohn eines Richters. Emmeram trug den beiden Buße auf, sagte ihnen aber auch, sie sollten die Schuld auf ihn wälzen, um den Zorn des Herzogs nicht auf Uta treffen zu lassen. Auf dem Weg nach Rom holte dann allerdings Lantpert, der Bruder Utas, Emmeram ein und tötete ihn. Der Schilderung von Arbeo von Freising nach wurden Emmeram dabei nach und nach alle Gliedmaßen abgeschnitten. Emmeram wurde in St. Georg in Regensburg beigesetzt. Dort entwickelte sich dann in der Folge eine Mönchsgemeinschaft. Bereits im 8. Jahrhundert begann die Verehrung des Emmeram. Bischof Gaubald ließ seine Gebeine erheben; dies galt als Heiligsprechung.

Erhard

Am Ende des 7. Jahrhunderts kam Erhard nach Regensburg. Auch er war ein Wanderbischof. Erhard wurde um 630 in Narbonne geboren. Vor seiner Zeit in Regensburg soll Erhard in den Vogesen tätig gewesen sein und dort der blinden Herzogstochter Odila das Augenlicht geschenkt haben. In Regensburg scheint Erhard dann Landesbischof und Hofbischof gewesen zu sein. Erhard dürfte um 700 in Regensburg gestorben sein.

Bonifatius

739 unterteilte Bischof Bonifatius (Winfrid; ca. 673 bis 754) als Legat des Papstes das bayerische Herrschaftsgebiet der Agilolfinger in vier Bistümer: Neben Regensburg wurden die Bistümer Freising, Passau und Salzburg gegründet und Bonifatius errichtete damit das Bistum Regensburg kanonisch. Bonifatius bestimmte allerdings keinen Metropoliten unter diesen vier Diözesen. Dies wurde erst 798 nachgeholt, als der Salzburger Bischof Arn zum Metropoliten ernannt wird. Seit der Bistumsgründung durch Bonifatius ist die Kette Regensburger Bischöfe ununterbrochen. Dem Bischof Bonifatius kam dabei weniger die Aufgabe der Missionierung zuteil; er übernahm vielmehr eine kirchliche Strukturreform. Den christlichen Glauben hatten in Regensburg bereits irofränkische Missionare, unter ihnen namentlich Emmeram und Erhard verkündet; auch der heilige Rupert hat sich eine Zeit lang in Regensburg aufgehalten. Bonifatius setzte Gaubald zum ersten kanonisch bestellten Bischof von Regensburg ein.Karl Hausberger: 1250 Jahre Bistum Regensburg. In: Bischöfliches Ordinariat Regensburg (Hrsg.): Jubiläumsjahr 1989. 1250 Jahre Bistum Regensburg. Rückblick. Erhardi-Druck Regensburg, Regensburg 1989, 11–20, hier 11. Von da an waren die Bischöfe von Regensburg für mehr als 200 Jahre immer auch die Äbte des Klosters St. Emmeram.Karl Hausberger: 1250 Jahre Bistum Regensburg. In: Bischöfliches Ordinariat Regensburg (Hrsg.): Jubiläumsjahr 1989. 1250 Jahre Bistum Regensburg. Rückblick. Erhardi-Druck Regensburg, Regensburg 1989, 11–20, hier 11–12. Erst Bischof Wolfgang löste diese Personalunion 975.

Erster Dombau Zwischen 739 und 778 wurde eine erste Domkirche errichtet, die vermutlich von Bischof Gaubald errichtet wurde.

Klosterfrühling Im Anschluss an des Wirken des Bonifatius, in der späten Agilolfingerzeit kann von einem „ersten Klosterfrühling“Karl Hausberger: Das Bistum Regensburg. I. Mittelalter. Echo, Kehl 1991,11. bzw. einem „monastischen Frühling“ gesprochen werden: bald entstehen neue Klostergründungen in Münchsmünster, Engelbrechtsmünster, Weltenburg, Regensburg St. Emmeram, Wörth an der Donau, Pfaffmünster bei Straubing, Metten, Berg im Donaugau (das mit dem heutigen Paring gleichzusetzen sein könnte), Münster bei Rottenburg und Chammünster. Diese Klöster haben dabei nicht nur Beiträge zum religiösen Leben geleistet. Klöster waren „Stätten organisierter Arbeit“, Orte der Wirtschaft und der Agrarwirtschaft. Zudem waren die Klöster Orte der Kultur, „Brückenpfeiler hin zur Antike“. In den mittelalterlichen Klöstern wurde das aus der Antike übernommene Wissen gesammelt und so weiteren Generationen überliefert.

Missionierung Böhmens Von Regensburg aus wurde das Evangelium in Böhmen verkündet. Wichtiger Stützpunkt dafür war die Further Senke, wo das Kloster Chammünster – eine Filialgründung von St. Emmeram – lag. Der genaue Zeitpunkt dieser Mission ist nicht bekannt; allerdings scheint schon um 800 das christliche Begräbnis die Feuerbestattung abgelöst zu haben Dies stellt einen ersten Hinweis auf bereits bestehendes Christentum dar. Im Jahr 845 wurden 14 böhmische Fürsten vor König Ludwig dem Deutschen getauft; die Taufe dürfte in Regensburg stattgefunden haben und wird als Frucht der Missionsbemühungen angesehen. Nach 845 stießen die Missionsbemühungen dann wohl eher ins Leere. Böhmen scheint in der Folgezeit, jedenfalls im 10. Jahrhundert, gleichwohl vom Bistum Regensburg kirchenrechtlich abhängig gewesen zu sein – andernfalls ließe es sich nicht erklären, dass der Regensburger Bischof später an der Errichtung des Bistums Prag beteiligt war. Gleichwohl war wohl nicht der Regensburger Bischof tonangebend, sondern der böhmische Landesfürst. 973 wurde Böhmen aus dem Bistumsbereich abgetrennt. Seither ist der Bestand des Bistums Regensburg, abgesehen von Verlusten an das protestantische Sachsen im 16. Jahrhundert und der Eingliederung des Egerlandes in das Bistum Prag im 19. Jahrhundert weitestgehend gleich geblieben.

Bischof Wolfgang

Eine große Bedeutung für das Bistum Regensburg übte dabei Bischof Wolfgang aus. Er wurde um 924 wohl im schwäbischen Pfullingen geboren. Ausgebildet wurde er auf der Insel Reichenau und in Würzburg. Anschließend leitete er in Trier die Domschule und war als Domdekan tätig. Danach wurde Wolfgang in die kaiserliche Kanzlei in Köln berufen.Werner Chrobak: Der Heilige Bischof Wolfgang. Geschichte-Legende-Verehrung. Das Bistum Regensburg III. Echo, Kehl 1993, 6–9. Wolfgang sehnte sich allerdings nach einem ruhigen und klösterlichem Leben. Wohl 966 trat er deswegen dem Kloster Einsiedeln bei. Dort war er wiederum als Leiter der Klosterschule tätig. 968 wurde er zum Priester geweiht, 971 brach er als Missionar nach Ungarn auf.Werner Chrobak: Der Heilige Bischof Wolfgang. Geschichte-Legende-Verehrung. Das Bistum Regensburg III. Echo, Kehl 1993, 11. Bischof Pilgrim von Passau allerdings war dem Mönch gegenüber misstrauisch und ließ ihn zu sich kommen. Die Skepsis schwand und als der Regensburger Bischofsstuhl vakant wurde, wurde Wolfgang auf Anraten Pilgrims 972 zum Bischof von Regensburg ernannt.Karl Hausberger: Karl, Das Bistum Regensburg. I. Mittelalter. Echo, Kehl 1991, 15.

In den ersten Jahren traf er bereits wichtige Entscheidungen, indem er die Einwilligung zur Abtrennung des Bistums Prag erteilte und die Personalunion zwischen Bischofsamt und Abtswürde von St. Emmeram löste. Als Abt von St. Emmeram berief er Ramwold aus St. Maximin in Trier, dessen an den Reformen von Gorze orientierten Reformen auch vermittelt durch seine Schüler auf mehrere Klöster übergriffen. Mit dieser Abtseinsetzung beendete Wolfgang die Personalunion zwischen dem Abt von St. Emmeram und dem Regensburger Bischof. Dies kann auch als Ausdruck umfassender Reformbestrebungen gesehen werden. Reformbemühungen betrafen auch die Regensburger Kanoniker: Diese sollten nach der Regel des Chrodegangs von Metz leben; diese Regel orientierte sich an monastischen Regeln und war etwa von der Benediktsregel beeinflusst. Die Beachtung der Regel war allerdings verfallen; Wolfgang stellte sie wieder her. Auch die Damenstifte in Obermünster und Niedermünster wollte Wolfgang reformieren. Diese unterstanden jedoch der weltlichen Gewalt. Zudem war Judith, die Herzoginmutter, Äbtissin in Niedermünster; gegen sie konnte Wolfgang nicht vorgehen.Josef Klose: St. Wolfgang als Mönch und die Einführung der Gorzer Reform in Bayern. In: Georg Schwaiger, Josef Staber (Hrsg.): Regensburg und Böhmen. Festschrift zur Tausendjahrfeier des Regierungsantrittes Bischof Wolfgangs von Regensburg und der Errichtung des Bistums Prag. Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg. 6. Regensburg 1972, 61–88, hier 76. 983 gründete Wolfgang daher ein neues Frauenkloster: Mittelmünster. 987 konnte Wolfgang dann auch in den anderen Klöstern Reformen durchsetzen und die Benediktsregel einführen.

975 gründete Bischof Wolfgang zudem eine Domschule zur Ausbildung des Kleriker-Nachwuchses. In der Folge entwickelte sich die Regensburger Domschule zu einer hoch angesehenen Bildungseinrichtung. Aus der Schule und dem ihr angeschlossenen Chor entwickelten sich die Regensburger Domspatzen.

Eine Auseinandersetzung zwischen Herzog Heinrich II. und Kaiser Otto II. veranlasste Wolfgang, kurz nach seiner Einsetzung als Bischof eine Zeit lang – möglicherweise anderthalb Jahre – in Österreich im Mondseeland zu verbringen.

Am 31. Oktober 994 starb Wolfgang in Pupping bei Eferding (Oberösterreich). Dort hatte das Bistum Regensburg Güter, die Wolfgang inspizieren wollte. Nach seinem Tod wurde Wolfgang nach Regensburg überführt und in St. Emmeram beigesetzt. 1052 wurde Wolfgang durch Papst Leo IX. heiliggesprochen.Werner Chrobak: Der Heilige Bischof Wolfgang. Geschichte-Legende-Verehrung. Das Bistum Regensburg III. Echo, Kehl 1993, 24, 31.

Bedeutung des Bistums Regensburg im Hochmittelalter