mini|Übersichtsplan der Ruinen, die in Blue Creek ausgegraben wurden Blue Creek ist eine bedeutende archäologische Stätte im Nordwesten von Belize in Mittelamerika.Thomas H. Guderjan: Public Architecture, Ritual, and Temporal Dynamics at the Maya Center of Blue Creek, Belize. In: Ancient Mesoamerica, 2004, vol. 15, 2, S. 235–250; doi:10.1017/S0956536104040167, ; journals.cambridge.org Sie ist nach dem gleichnamigen Flusssystem des Blue Creek (Rio Azul) benannt. Die Stätte steht in Verbindung mit der archäologischen Stätte Río Azul im Departamento Petén, Guatemala, nur wenige Kilometer Luftlinie südwestlich.
Geographie Die Stätte liegt am nördlichen Rand der Klippen des Bravo Escarpment im Nordwesten von Belize, nahe der heutigen Grenze zwischen Belize und Mexiko und erstreckt sich nach Südwesten über die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko.Gregory Zaro, Jon C. Lohse: Agricultural Rhythms and Rituals: Ancient Maya Solar Observation in Hinterland Blue Creek, Northwestern Belize. In: Latin American Antiquity, 2005, vol. 16, 1, S. 81–98; doi:10.2307/30042487, , ; cambridge.org
Sie ist mittlerweile als eine von mehreren archäologischen Stätten in der näheren Umgebung identifiziertT. H. Guderjan, J. Baker, R.J. Lichtenstein: Heterarchy, political economy, and the ancient Maya: The three rivers region of the east-central Yucat’n Peninsula. University of Arizona Press, Tucson AZ, S. 77–91. und liegt in einer Region von drei Flüssen, wo Rio Azul, Booth’s River und Rio Bravo zusammenfließen und gemeinsam den Rio Hondo bilden.N. Dunning, V. Scarborough, J.F. Valdez, S. Luzzadder-Beach, T. Beach, J.G. Jones: Temple mountains, sacred lakes, and fertile fields: ancient Maya landscapes in northwestern Belize. In: Antiquity, 1999, vol. 73, 281, S. 650–660; doi:10.1017/S0003598X0006525X Die Nordgrenze der Stätte liegt an einem Canyon mit Wassertiefen von mehr als 100 m, wo der Rio Hondo über Klippen stürzt.
Blue Creek verbindet das Karibische Meer mit den Küstensiedlungen in Belize über den Rio Hondo und ist geteilt in zwei Sektionen, Eastern Petén und im Belize Coastal Plain (Küstenebene). Das Petén-Plateau ist ein kalksteinreiches Gebiet mit Anhöhen, welche durch Flüsse mit den ‘Bajos’, Senken im Ökosystem, aus Feuchtgebieten verbunden sind.Timothy Beach, Sheryl Luzzadder-Beach, Nicholas Dunning, Jon Hageman, Jon Lohse: Upland Agriculture in the Maya Lowlands: Ancient Maya Soil Conservation in Northwestern Belize. In: Geographical Review, 2002, vol. 92, 3, S. 372–397; doi:10.1111/j.1931-0846.2002.tb00149.x Die Rio Bravo Depression ist ein bedeutendes Beispiel für die ökologische Vielfalt der Stätte, da sie sowohl Feuchtgebiete als auch Trockenzonen umfasst.
Während die flache Umgebung heute weitgehend landwirtschaftlich genutzt wird, ziehen sich die Ruinen in einem noch bewaldeten Streifen entlang des Flusses von Norden zur Grenze zu Guatemala nach Süden.Blue Creek. GeoNames.org; abgerufen am 6. Juli 2021.
Archäologie Zahlreiche Artefakte wurden an der Stelle gefunden und zeigen, dass die Stätte von Blue Creek von mehreren antiken Maya-Gemeinschaften seit der mittleren vorklassischen Periode bis zur spätklassischen Periode der mesoamerikanischen Chronologie besiedelt war. Archäologen kamen erst im 20. Jahrhundert nach Blue Creek, als eine Studie von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, und es sind keine offiziellen Forschungen vor 1973 bekannt. Seither wurde das Gebiet jedoch von verschiedenen Teams von Wissenschaftlern und Landwirtschaftsexperten untersucht.
Daten zeigen, dass die Stätte während der 800er Jahre (A.D.) verlassen wurde. 200 Jahre später fand nochmals eine Teilbesiedlung am Ende der klassischen Periode statt.Thomas H. Guderjan, C. Colleen Hanratty: Events and Processes Leading to the Abandonment of the Maya City of Blue Creek, Belize. In: Gyles Iannone, Brett A. Houk, Sonja A. Schwake (Hrsg.): Ritual, Violence, and the Fall of the Classic Maya Kings. University Press of Florida, 12. April 2016, ISBN 978-0-8130-6275-4, S. 223–242; doi:10.5744/florida/9780813062754.003.0010; florida.universitypressscholarship.comM. L. Morse: Pollen from Laguna Verde, Blue Creek, Belize: Implications for paleoecology, paleoethnobotany, agriculture, and human settlement. Texas A&M University, 2009. Während es viele Theorien zum Fall des Maya-Imperiums gibt, deuten die Funde darauf hin, dass es einen deutlichen Bevölkerungsrückgang und einen langsamen Verfall der Infrastruktur gab. Eine Fallstudie von 2016 zur Rolle der Könige in Blue Creek deutet darauf hin, dass der Umgang mit bedeutenden Umweltproblemen wie Trockenheit oder Bodenerosion zusammen mit dem Umgang mit Ressourcen ein Faktor beim Zusammenbruch der Gesellschaft gewesen sein könnte. Andere vermuten, dass allgemeine Bodenverschlechterung der Grund für den Zusammenbruch der Gesellschaft gewesen sein könnte.
Im 21. Jahrhundert wird die Forschung mit Hilfe von Nichtregierungsorganisationen und freiwilligen Helfern fortgeführt und die Stätte wird weiterhin dokumentiert, geschützt und konserviert.Blue Creek Archaeological Project: Field School. Maya Research Program, 2020; mayaresearchprogram.org
Landwirtschaft Da Blue Creek in einem Gebiet mit zahlreichen Ökotonen (Anbaustandorten) liegt, gibt es erhebliche Unterschiede in den Land- und Bodenarten. Die Maya hatten dadurch das ganze Jahr über die Möglichkeit zur konstanten Nahrungsmittelproduktion. Besonders der fruchtbare Boden oberhalb der Bravo Escarpments, wo sich Blue Creek befindet, wurde von modernen Landwirten empfohlen zum Anbau von Trockenfeldfrüchten. Pollenproben von Laguna Verde am Standort Blue Creek und ihre Position im Pollenspektrum haben es Historikern ermöglicht, die vergangene Vegetation und die Umweltbedingungen von Blue Creek zu rekonstruieren. mini|Grenze zwischen Guatemala und Mexiko
Die Terrassen der Maya bildeten auch die Grundlage für die heutige nachhaltige Landwirtschaft. Die Anlage der Terrassen schränkte die Bodenerosion ein und boten eine gute Grundlage für die Pflanzungen und diente zur besten Durchfeuchtung der Böden. Außerdem erschlossen sie das Land auch in Gebieten mit steilen Hängen, die sonst für Pflanzungen ungeeignet gewesen wären. Diese Technik lässt sich bis in die frühe klassische Periode in Blue Creek nachweisen, wohl in Reaktion auf eine verstärkte Erosion, die sich schon in der vorklassischen Periode nachweisen lässt. Es lassen sich Kontrolldämme und natürlich vorkommende Kanäle feststellen. Später entwickelten sich Trockenterrassen, welche zur Stadtentwicklung von Blue Creek beitrugen. Viele der antiken Terrassen werden heute noch genutzt.
Darüber hinaus zeigen archäologische Überreste, die im Hochland von Blue Creek freigelegt wurden, dass die alten Maya Sonnenbeobachtung, Wassermanagement und die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit nutzten. Das Wissen über die Sonne und ihren Platz im Sonnensystem war für die Maya ein entscheidender Faktor in der Nahrungsmittelproduktion. Ethnographische Berichte über die Maya-Kultur zeigen, dass die mesoamerikanischen Gemeinschaften tief verwurzelte Rituale in ihre landwirtschaftliche Praktiken einbezogen. Opfer und Spenden wurden gemacht, um Regen und erfolgreiche Ernten zu garantieren. Die Quincunx-Gruppe im Hinterland, nur 2,5 km von Blue Creek entfernt, ist ein architektonisches Ensemble aus fünf Strukturen gruppiert um einen strategischen Platz und mit einer weiteren Konstruktion in der Mitte. Diese Anordnung wurde für Rituale genutzt und half den Menschen der späten klassischen Periode, kosmologische Vorgänge und Sonnenwenden zu bestimmen. Der Zugang zum Fluss war ein lebenswichtiger Vorteil für eine erfolgreiche Landwirtschaft.
Architektur und Sozialstruktur mini|Ajaw-Maske Die meisten architektonischen Strukturen von Blue Creek folgten dem Rand des Bravo Escarpments und weisen ähnliche Strukturen auf wie andere nahe gelegene Siedlungen. Es wird angenommen, dass das 20 km große Kerngebiet von Blue Creek das soziale Zentrum des Bezirks war. Man hat die Überreste von zwei Plaza-Komplexen identifiziert sowie einen in der frühen klassischen Zeit errichteten Ballplatz und zwei Höfe, deren Zweck noch immer diskutiert wird. Die Organisation der Siedlung wurde von den Maya-Leuten sehr berechnet angelegt, um Strukturen zu schaffen, welche die heilige und kulturelle Bedeutung widerspiegeln.W. D. Driver, L. J. Kosakowsky: Transforming Identities and Shifting Goods: Tracking Sociopolitical Change through the Monumental Architecture and Ceramic Assemblages at Blue Creek. In: J. C. Lohse (Hrsg.): Classic Maya Political Ecology: Resource Management, Class Histories, and Political Change in Northwestern Belize. Cotsen Institute of Archaeology Press, 2013, S. 69–89. Die Anordnung der Gebäude spiegelt die Kommunikationsstrukturen wider und bot Räume für landwirtschaftliche, religiöse und verwaltungstechnische Aktivitäten, die zutiefst auf ritualistischer Ideologie beruhten. Vier Bauperioden konnten innerhalb der verschiedenen Besiedlungszeiten unterschieden werden: in der letzten präklassischen Ära, der frühen klassischen Ära und in der späten klassischen Ära.
Man nimmt an, dass Blue Creek irgendwann im Jahr 500 n. Chr. von einer größeren benachbarten Macht übernommen wurde. Dies wird durch das Fehlen von Bauten und durch das Vorkommen von Jade nach dieser Zeit deutlich. Weitere Hauptbestandteile der Blue-Creek-Site werden von Archäologen als Western Group bezeichnet. Bauwerke der Eliten wurden im Allgemeinen von Historikern klassifiziert, indem sie ihren architektonischen Maßstab und ihre Lage in Bezug auf das Zentrum des Bezirks sowie auf wesentliche Ressourcen untersuchten.