Jetzt! Die Kraft der Gegenwart (im Englischen: The Power of Now: A Guide to Spiritual Enlightenment) ist ein 1997 erschienenes Selbsthilfebuch von Eckhart Tolle. Das Buch soll ein Leitfaden für das tägliche Leben sein und betont, wie wichtig es ist, im gegenwärtigen Moment zu leben und Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft zu transzendieren.

Geschichte Das Buch wurde 1997 veröffentlicht,Tolle, Power of Now, 2005, p. xi. und in 33 Sprachen übersetzt.Eckhart Tolle Biography New York Times, Times Topics, March 5, 2008. Von Oprah Winfrey empfohlen wurde es ab 2009 schätzungsweise drei Millionen Mal allein in Nordamerika verkauft. Stand 2025 wurde das Buch weltweit 16 Millionen Mal verkauft.

In Deutschland erreichte das Buch beim Kamphausen Verlag die 30. Auflage, während bei seinem neuen Verlag Arkana momentan die 5. Auflage vorliegt (Stand Mai 2025).

Sichtweisen Das Buch bezieht sich auf eine Vielzahl spiritueller Traditionen und ist laut einem Kritiker „Buddhismus, welcher mit Mystizismus und anderen Referenzen zu Jesus Christus, einer Art von New Age und überarbeitetem Zen vermischt wurde“. Laut einem Artikel in der New York Times wird im Buch auf der Basis dieser Traditionen „ein Glaubenssystem, welches auf dem Leben im gegenwärtigen Moment basiert“, entwickelt. Die Hauptbotschaft ist, dass emotionale Probleme von Menschen auf ihrer Identifikation mit dem eigenen Verstand wurzeln. Der Autor schreibt, dass ein Individuum auf den „gegenwärtigen Moment“ achten soll, statt sich selbst in Angst und Sorge um die Vergangenheit oder Zukunft zu verlieren.

Nur der gegenwärtige Moment sei real und wichtig, und beides, individuelle Vergangenheit wie auch Zukunft, seien von den Gedanken konstruiert. Der Autor vertritt den Standpunkt, dass Menschen auf einem Gefühl beharrten, ihr Leben unter Kontrolle zu haben, was aber nur eine Illusion sei, die „nur Schmerzen bringt“.

Das Buch beschreibt außerdem Methoden zur Entspannung und Meditation, um der Leserschaft dabei zu helfen, sich im gegenwärtigen Moment zu verankern. Diese Vorschläge schließen als „slowing down life“ die Vermeidung von Multitasking, das Verbringen von Zeit in der Natur und das Loslassen von Zukunftsängsten ein. Einige der in Jetzt! Die Kraft der Gegenwart enthaltenen Konzepte, wie das menschliche Ego und seine negativen Auswirkungen auf das Glück, werden in späteren Büchern des Autors weiter ausgeführt, insbesondere in Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung.

Kapitel Die Kapitel in der deutschen Übersetzung des Buches heißen: Einleitung, Du bist nicht dein Verstand, Bewusstsein: Der Weg aus dem Schmerz heraus, Eine Bewegung tief in die Gegenwart hinein, Strategien des Verstandes, um die Gegenwart zu vermeiden, Der Zustand von Gegenwärtigkeit, Der innere Körper, Portale und Zugänge zum Unmanifesten, Erwachte Beziehungen, Jenseits von Glücklichsein und Unglücklichsein ist Frieden und Die Bedeutung von Hingabe.Tolle, The Power of Now, 2005, "Contents" Laut dem New-York-Times-Artikel betont der Autor in verschiedenen Kapiteln, dass man die Dominanz eines Bewusstseins auflösen muss, welches auf ein Ego zentriert ist, um dadurch den „Schmerzkörper“ (siehe Kapitel „Bewusstsein“) zu überwinden. Der Autor richtet sich mit seinem Gedankengut an Menschen, die nach ihrem persönlichen Glück suchen. Das Buch hat aber auch das Potenzial Einblicke in historisches Unheil zu geben, wie es laut Tolle bei der Rechtfertigung des Übels vom Kapitalismus der Fall sein soll.

Einleitung In der Einleitung stellt der Autor dar, wie er sich durch eine kritische Zuspitzung in seinem Leben als junger Erwachsener in einen spirituellen Lehrer verwandelt habe. Sein Leben sei von lang andauernden Angstgefühlen und Phasen lebensmüder Depression geprägt gewesen. Kurz nach seinem neunundzwanzigsten Geburtstag habe er eines Nachts ein intensives inneres Erlebnis gehabt und habe dabei, wie im Innern seiner Brust gesprochen, die Worte gehört: „Wehre dich nicht“. Er fühlte sich in eine Leere hineingesaugt, in die er sich hineinfallen ließ, so dass er plötzlich keine Angst mehr hatte. Fünf Monate lang habe er danach in einem Zustand tiefen Friedens und tiefer Glückseligkeit gelebt. Eine Konsequenz dieser Verwandlung sei es gewesen, dass Leute ihn gefragt hätten: „Ich möchte haben, was du hast. Kannst du es mir geben oder zeigen, oder zeigen, wie man es bekommt?“ Aus der Antwort auf diese Frage sei später das Buch geworden. Und so sei er auch zu einem spirituellen Lehrer geworden.Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart : Ein Leitfaden zum spirituellen Erwachen. J. Kamphausen Verlag; 13. Auflage 2005, Seite 17–18

Du bist nicht dein Verstand In Kapitel 1 beschreibt Tolle das „Sein“ als unabhängig vom Verstand, als unsere wahre Natur. Der Verstand sei unser größtes Hindernis auf dem Weg zur Erleuchtung. Als Erleuchtung beschreibt der Autor die Einheit mit dem Sein. Alles, was dem Leben wahren Wert verleiht – Schönheit, Liebe, Kreativität, Freude, innerer Friede – hat nach Tolles Ansicht seinen Ursprung jenseits des Verstandes. Als Weg, uns vom Verstand zu befreien, empfiehlt Tolle, den Denker in uns zu beobachten, vorurteilslos und ohne Bewertung. Weiterhin empfiehlt er, die Aufmerksamkeit auf das Jetzt zu richten, dies führe zu einer Unterbrechung im Strom der Gedanken, verbunden mit höchster Wachsamkeit und Aufmerksamkeit.

Der Autor beschreibt das „Ego“ als Phantom-Selbst und Produkt des Verstandes. Das Ego lebe in der Vergangenheit oder der Zukunft, aber nicht im gegenwärtigen Moment.

Emotionen seien die Reaktion des Körpers auf den Verstand. Wir seien nicht unsere Emotionen oder unser Verstand und könnten lernen, diese zu beobachten, ohne uns mit ihnen zu identifizieren. Gemäß Tolle sind alle Emotionen Abwandlungen einer grundlegenden, undifferenzierten Emotion, des Schmerzes. Liebe, Freude und Frieden bezeichnet er als tiefe Zustände des Seins, jenseits des Verstandes.Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart J. Kamphausen Verlag; Sonderausgabe 2016, 9. Auflage, Seite 25–48

Tolle schreibt, dass Schmerz unvermeidlich sei, solange man mit seinem Verstand identifiziert sei und führt aus: „Viele Menschen leben mit einem Peiniger im Kopf, der sie ununterbrochen angreift und bestraft und ihnen die Lebensenergie abzieht. Hier liegt die Ursache für unzähliges Leid, für Unglück und auch für Krankheit.“

Bewusstsein: Der Weg aus dem Schmerz heraus In Kapitel 2 beschreibt Tolle als Ursache von psychischem Schmerz den Widerstand, dieser wiederum geboren aus mentaler Beurteilung beziehungsweise Negativität. Damit der Verstand die Kontrolle behält, decke er unentwegt das Jetzt mit Vergangenheit und Zukunft ab. Es entstehe eine Last von Zeit (in einem späteren Kapitel unterscheidet der Autor zwischen psychologischer, also von Verstand geschaffener Zeit und der Uhr-Zeit, welche wir zum Beispiel beim Planen eines Termines benutzen). Um keinen neuen Schmerz zu erschaffen, empfiehlt Tolle, aufzuhören, Zeit zu erschaffen, das heißt, im Jetzt zu leben und den Moment zu akzeptieren.Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart J. Kamphausen Verlag; Sonderausgabe 2016, 9. Auflage, Seite 49–64

Tolle fordert den Leser auf, dass er sein persönliches Ego erkennen soll, „ohne dass das Ego eine antagonistische Reaktion auf seine eigene Verleugnung oder Zerstörung erzeugt“ und er legt die Sinnlosigkeit dar, an den „seelischen Schmerzen und Qualen“ festzuhalten. In diesem Kapitel schreibt der Autor: „Schmerz kann nur von Schmerz ernährt werden. Schmerz kann nicht von Freude ernährt werden. Er findet sie ziemlich unverdaulich“.

Tolle definiert den „Schmerzkörper“ als eine Ansammlung von emotional-psychischem Schmerz. Dieser werde dadurch erzeugt, dass - solange kein Bewusstseinswandel stattgefunden hätte - „emotionale Verletzungen, die dir widerfahren, einen Restschmerz hinterlassen, der in dir weiterlebt“. Der Restschmerz vermische sich „mit alten Schmerz, der bereits da ist, und bleibt in Verstand und Körper hängen“. Dieser könne sich zum Beispiel äußern als Verärgerung, Ungeduld, finstere Stimmung, als Wunsch zu verletzen, als Wut oder als Depression. Der Schmerzkörper lebe davon, dass wir uns mit ihm identifizieren. Tolle meint, dass, wenn wir den Schmerzkörper beobachten, dieser unser Denken nicht mehr kontrollieren könne. Gemäß dem Buch besteht der Schmerzkörper aus gefangener Lebensenergie, die sich aus dem umfassenden Energiefeld abgespalten hat und vorübergehend durch den unnatürlichen Prozess der Verstandesidentifikation autonom wurde.

Der Autor unterscheidet zwei Arten von Angst: Angst, wenn wir im gegenwärtigen Moment beispielsweise bedroht werden und psychologisch begründete Angst als Produkt des Egos – was könnte passieren. Letztere äußert sich zum Beispiel als Angst vor Verlust, Angst vor Versagen oder als Angst vor Verletzung.

Gemäß Tolle erzeugt der Ego-Verstand ein Gefühl des Mangels und der Unvollkommenheit. Dieses äußere sich in unzulänglichem Selbstwertgefühl, als Habenwollen oder Bedürftigkeit.Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart J. Kamphausen Verlag; Sonderausgabe 2016, 9. Auflage, Seite 49–64

Eine Bewegung tief in die Gegenwart hinein Der Autor beschreibt in Kapitel 3 die Wurzel der „Unbewusstheit“ als die Identifikation mit dem Verstand, der ein falsches Selbstbild, das „Ego“ erschaffe. Dies bedeute auch, in der Zeit gefangen zu sein: die Vergangenheit verleihe Identität, die Zukunft verspreche Erfüllung.Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart J. Kamphausen Verlag; Sonderausgabe 2016, 9. Auflage, Seite 65–90

Er schreibt:

Im Jetzt gebe es keine Probleme. Wir könnten erkennen, ob die psychologische Zeit uns ergriffen hat, wenn wir in Last und Kampf anstelle von Freude und Leichtigkeit leben. Frei von psychologischer Zeit verfolgten wir unsere Ziele mit spielerischer und freudiger Energie – in dem Wissen, dass wir auf höherer Ebene bereits vollkommen seien.Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart J. Kamphausen Verlag; Sonderausgabe 2016, 9. Auflage, Seite 65–90

Strategien des Verstandes, um die Gegenwart zu vermeiden

In Kapitel 4 schreibt Tolle, dass „die Rechnungen von morgen nicht das Problem sind“ und eine „Kerntäuschung“ sein können, die eine „bloße Situation, ein Ereignis oder eine Emotion“ in einen Grund für Leiden und Unglück verwandelt. Laut Tolle sei das „Warten“ ein „Geisteszustand“, aus dem wir uns selbst befreien sollten.

Tolle beschreibt zwei Ebenen der Unbewusstheit: die gewöhnliche Unbewusstheit als ständiges Rauschen von Unbehagen, Langeweile, Unzufriedenheit oder Nervosität (als normalen Zustand der meisten Menschen) und die tiefe Unbewusstheit, verbunden mit Leid und Unglück mit oftmals aktiviertem Schmerzkörper.

Die Auflösung der Unbewusstheit wäre beispielsweise durch Selbstbeobachtung möglich: „Bin ich in diesem Moment entspannt?“ Er schreibt:

Die Unbewusstheit äußere sich in Klagen, Widerstand gegen Jetzt und Hier, Stress (ich bin „hier“, will aber „dort“ sein), Festhalten an der Vergangenheit, Angst vor der Zukunft oder Warten (zum Beispiel auf die nächsten Ferien, bessere Arbeit, Reichtum oder Erleuchtung).Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart J. Kamphausen Verlag; Sonderausgabe 2016, 9. Auflage, Seite 91–114

Es gebe drei Möglichkeiten mit einer Situation umzugehen. „Wenn du dein Hier und Jetzt unerträglich findest und es dich unglücklich macht..: Verlasse die Situation, ändere sie oder akzeptiere sie ganz.“ Dadurch würde keinerlei „psychische Verschmutzung“ entstehen.

Der Zustand der Gegenwärtigkeit Laut Tolle zeichnet sich intensive Gegenwärtigkeit, Satori, dadurch aus, dass ich frei von Gedanken bin, dabei ruhig und höchst wach, tief in mir selbst verwurzelt und meinen Körper von innen spüre.