mini|Evangelisches Gemeindehaus mini|Talsperre Leibis-Lichte (102,5 m)
Lichte (auch: Lichte (Thüringen) / kurz Lichte (Thür.)) ist ein OrtsteilHauptsatzung der Stadt Neuhaus am Rennweg vom 14. März 2019 ($ 3, Ziffer 7) mit Ortsteilverfassung der Stadt Neuhaus am Rennweg im Landkreis Sonneberg gemäß der Thüringer Kommunalordnung. Lichte war zuvor bis zum 31. Dezember 2018 eine Gemeinde und gehörte zur Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig.
Details Die kommunalen Interessen nimmt ein Ortsteilbürgermeister auf dem Weg des Ehrenamtes wahr. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst den gesamten Ort Lichte mit den vier ehemaligen Lichtener Ortsteilen und den zugehörigen Wohnplätzen sowie Ansiedlungen (Siehe Ortsgliederung). Der Ortsteilbürgermeister hat seine Sprechstunde im ehemaligen Rathaus in Wallendorf.
Der Ortsteil besteht aus den vier Gemarkungen Bock und Teich, Lichte, Geiersthal und Wallendorf. Die Gemarkung Lichte hat eine Fläche von 5,586 km².
Ortsgliederung Die Gemeinde Lichte bestand aus vier Ortsteilen mit zugehörigen Wohnplätzen und gehört seit 1. Januar 2019 zu der Stadt Neuhaus am Rennweg. + Lichte mit zugehörigen Orten und Wohnplätzen
Geografie Lichte liegt im Thüringer Schiefergebirge nahe den Städten Coburg, Ilmenau, Saalfeld und Sonneberg. Der gesamte Ort und die umliegenden Berge sind Teil des Naturparks Thüringer Wald. Der Rennsteig und die ehemalige innerdeutsche Grenze verlaufen nur wenig südlich.
Der Ort erstreckt sich weit in den Tälern der Lichte und der Piesau. Beide Flüsse und die Gebirgsbäche der umliegenden Täler speisen eine der größten Trinkwassertalsperren Deutschlands, die Talsperre Leibis-Lichte mit der Vorsperre Deesbach, gelegen unmittelbar am nördlichen Ortsausgang von Lichte (Geiersthal).
Piesau und Lichte formten in Jahrmillionen tief eingeschnittene Täler mit steil abfallenden Berghängen. Vor allem im Unterlauf der Lichte betragen die Unterschiede zwischen Talsohle und Höhenzug bis zu 200 Meter, was für Mittelgebirgsregionen als durchaus beachtlich gilt.
Die Gebirgsbäche in der Umgebung gelten als die goldreichsten Deutschlands.
Berge + Berge nahe Lichte Bezeichnung Höhe NN Richtung Besonderheit Spitzberg 694 m Coordinate n. n. Hausberg von Wallendorf (Lichte) Rauhhügel 801,9 m NO () Aussichtsturm, Sendemast Mutzenberg 770,0 m NO () Nadelwald Petersberg 646,0 m NO () mit Schutzhütte Kirchberg 685,6 m SO Aufstieg Wallendorf, Kirchsteig Mittelberg 803,6 m SSO () Apelsberg 785,3 m SW () Rückersbiel 755,6 m W () Nadelwald Hahnberg 685,3 m W () Weidefläche Sauhügel721,7 m W () Geiersbachkopf717,6 m W Quellgebiet Geiersbach, Nebenfluss Lichte
Geschichte
Lichte wurde erstmals 1414 im Erbteilungsvertrag der Grafen von Orlamünde urkundlich erwähnt.Paul Lattermann: Lichte in Thüringen. Wallendorf, Bock und Teich, Lichte bei Wallendorf, Geiersthal. Entstehung und Entwicklung. Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig, Lichte 1996. Der Ort bestand 1726 aus weit auseinanderliegenden Einzelansiedlungen mit elf Häusern. Die Gemeinde gehörte zum Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, ab 1850 zum Verwaltungsbezirk Landratsamt Königsee und führte bis 1950 die Bezeichnung Lichte bei Wallendorf (kurz: Lichte b/W). Bis 1920 trennte der Grenzfluss Lichte die im Westen liegende Gemeinde von der östlichen Nachbargemeinde Wallendorf, die zum Sachsen-Meiningischen Kreis Saalfeld gehörte.
Bereits 1764 wurde in Wallendorf Porzellan hergestellt, die Wallendorfer Porzellanmanufaktur gehörte somit zu den ältesten Europas. Wallendorfer Porzellan erlangte schnell Zuspruch weit über die damaligen Landesgrenzen hinaus. So wurde bereits 1822 durch Johann Heinrich Leder, unterstützt von der Fürstlich Schwarzburgischen Landesregierung, in Lichte eine weitere Porzellanmanufaktur, die spätere Lichte Porzellan GmbH, gegründet. Obwohl das neue Unternehmen im Wettbewerb zu Wallendorf stand, gelang rasch die Erschließung eigener Märkte, die lange gehalten werden konnten, obwohl auch hier die beiden Weltkriege und die Abschottung zu DDR-Zeiten kaum förderlich waren. Während des Zweiten Weltkrieges mussten Arbeitskräfte aus Polen in Wallendorf Zwangsarbeit verrichten, woran vier Namen auf einem Grabstein auf dem dortigen Friedhof erinnern. An zwei Opfer des Todesmarsches von Häftlingen des KZ Buchenwald im April 1945, die im Finsteren Grund am Eisenbahnviadukt gefunden wurden, erinnert eine Gedenktafel auf dem Friedhof von Lichte.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 237.
Nach der Eröffnung des neuen Schulhauses 1926 baute die evangelische Kirchgemeinde Lichte den bis dahin schon für Gottesdienste genutzten alten Schulsaal komplett für kirchliche Zwecke aus. Ein zusätzlicher Glockenturm mit einem neuen Geläut aus drei Bronzeglocken wurde 1930 errichtet. Im Jahr 1991 musste das baufällige Gebäude mit dem Betsaal abgebrochen werden. Ein Neubau wurde am 10. Mai 2014 als Gemeindehaus eingeweiht.Doris Hein: Der Glockenturm ist fest verwurzelt. In: insuedthueringen.de, 17. Februar 2023
Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Bock und Teich, Geiersthal und Wallendorf nach Lichte eingegliedert. Die neue Gemeinde hatte den Namen der einwohnerstärksten Gemeinde. Am 18. Juni 1994 wurde die Verwaltungsgemeinschaft Lichte-Piesau-Schmiedefeld gegründet, die nach dem Beitritt von Reichmannsdorf Ende 2004 in Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig umbenannt wurde. Zuvor hatten die Gemeinden jeweils eine eigene Gemeindeverwaltung. Von 1922 bis 1952 gehörte die Gemeinde Lichte zum Landkreis Saalfeld, zwischen 1952 und 1994 zum Kreis Neuhaus und zwischen 1994 und 2018 zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Zum 1. Januar 2019 wurde die Gemeinde Lichte als Ortsteil in die Stadt Neuhaus am Rennweg eingegliedert und wechselte hierdurch vom Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in den Landkreis Sonneberg.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohnerzahl Lichte Einwohnerzahl Summe Lichte, Wallendorf, Geiersthal sowie Bock und Teich 1870 1035Ortsverzeichnis der Thüringischen Staaten, Jena 1870, S. 442475 1900 14303426 1939 1380Michael Rademacher: Landkreis Saailfeld. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.3293 1994 2149Thüringer Landesamt für Statistik 2018 1493 2025 1348Stadtkurier Neuhaus, Amtsblatt der Stadt Neuhaus am Rennweg und der Gemeinde Goldisthal, 37. Jahrgang, 18. September 2026, S. 9
Politik Gemeinderat und Ortsteilrat Der Rat der Gemeinde Lichte bestand aus zwölf Ratsfrauen und -herren einschließlich des Bürgermeisters, der erste Ortsteilrat besteht aus 9 Mitgliedern.
+ Gemeinderat 2009 und 2014, Ortsteilrat 2019 Wahljahr CDU Bürgerinitiative (BI) Summe 2009 5 7 12 Mandate 2014Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2014 in Thüringen – Lichte 7 5 12 Mandate 2019 9 9 Mandate
Bürgermeister (Lichte) n. n. ... Strömsdorfer Emil Franke Albin Pohle Franz Kuhn Jürgen Wenzel Walter Knappe (....–2010) Jürgen Rosenbaum (2010–2016) Holger Koch (seit 2016Thüringer Landesamt für Statistik: Bürgermeisterwahl 2016 in Thüringen – Lichte)
Landtagswahl 2014 Lichte fiel durch die landesweit geringste Wahlbeteiligung aller Thüringer Gemeinden auf. Von 1369 Wahlberechtigten gingen 392 (28,6 %) zur Wahl. Sie gaben 379 gültige Zweitstimmen ab. Bemerkenswert war der hohe Stimmenanteil der AfD mit 24,4 %.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=1.4|Piesau-Viadukt Lichte, Wahrzeichen von Lichte Heimatmuseum Lichte (Ortsteil Geiersthal) Kirche zu Wallendorf – erbaut 1733 im Stil des Bauernbarocks Piesau-Viadukt im Bereich der Hammerwiesen zu Lichte, zehn Gewölbebögen, L = 258 m, H = 34 m – überspannt das Tal, die Bundesstraße 281 und die Piesau im Bereich der Hammerwiesen am ehemaligen Lipfertshammer Finstergrund-ViaduktHans-Joachim Kirsche: Eisenbahndirektion Erfurt 1882–1993. VBN Verlag B. Neddermeyer, Berlin 2006, ISBN 3-933254-76-0, S. 64. über die Kleine Lichte, Ortsausgang Lichte (Waschdorf) Zeichen- und Modellierschule, Gründung 1862 (Ortsteil Geiersthal in der Ferienanlage Lichte-Geiersthal neben dem Waldhotel Feldbachtal)
→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Neuhaus am Rennweg (PDF; 629 kB).
Denkmale der Gefallenen der Weltkriege in Lichte (Ascherbach/Waschdorf) in Lichte (Bock-und-Teich), B 281 Saalfelder Str., Einmündung Piesauer Str. in Lichte (Geiersthal) am Dürrer Berg in Lichte (Wallendorf) am Kirchsteig
Denkmale Zweiter Weltkrieg Friedhof Wallendorf: Grab zur Erinnerung an vier polnische Zwangsarbeiter Friedhof Lichte: Gedenktafel an zwei Opfer des Todesmarsches im April 1945 aus dem KZ Buchenwald (Fundort Finstern Grund unter dem Eisenbahnviadukt).
Wiederkehrende Veranstaltungen mini|Lichte (Wallendorf), Porzellanprinzessin mit 3000 Kaffee- und Teekannen (2010) Porzellanmarkt, am letzten Wochenende im Juli mit Krönung der Porzellanprinzessin endete Mitte der 2010er Jahre.Porzellanfabrik Lichte Porzellanweihnacht am 1. Advent Lichtner Kirmes – geht auf eine Genehmigung des Landesfürsten (1825) zurück, vor Michaeli (29. September) Jahrmärkte halten zu dürfen (Thür.St.Archiv Rudolstadt: A/XVII,C.1.Nr.49; F/LXXII, Nr.21)
Persönlichkeiten
In Lichte geborene Persönlichkeiten Carolus Magnus Hutschenreuther (1794–1845), Gründer „C. M. Hutschenreuther AG“ Hohenberg, später „Hutschenreuther AG“ Selb Alois Eckardt (1845–1906), Öl- und Porzellanmaler Wilhelm Ulbrich (1846–1922), Modelleur, Plattenporzellanmaler, Journalist und Heimatdichte Gebrüder Heinz (Perlenheinz), Heinrich Heinz ( …–….) & Louis Heinz (16. Januar 1869 – 12. Februar 1937), Gründer & Eigentümer „Perlenfabrikation Heinz“ Geiersthal (Lichte) Gebrüder Scherf, Louis Scherf (1870–1955) & Albert Scherf (1876–1953) Porzellanplattenmaler, Goldmedaille auf Weltausstellung 1904 in St. LouisHeiko Haine (Hrsg.): Alte Meister en miniature – Thüringer Porzellanplattenmalerei (= Schriften und Kataloge des Museums Otto Ludwig Eisfeld. 1, ). Museum Otto Ludwig, Eisfeld 2011. Hugo Meisel (1887–1966), Porzellangestalter und Museumsdirektor in der DDR Wilhelm Dietrich (1889–1961), Kunstmaler und Keramikhandwerker, von 1926 bis 1945 Leiter der Cadiner Werkstätten Albert Brödel (1897–1944), Lehrer, Heimatdichter und Chronist Arno Häckel, Porzellanplattenmaler, Dekorgestalter und Obermaler „Porzellanmanufaktur Wallendorf“ Hildegard Heinert (geb. Häckel), Porzellanmalerin und Heimatdichterin, Mitglied Zirkel Schreibender Arbeiter
Persönlichkeiten mit Verbindung zu Lichte Alexander Hermann von Wartensleben (1650–1734), Generalfeldmarschall, 1704 Besitzer „Rittergut zu Lichte (Wallendorf)“ Peter Hohmann (1663–1732), Edler von Hohenthal 1709 Besitzer „Rittergut zu Lichte (Wallendorf)“ Johann Wolfgang Hammann (1713–1785), Mitbegründer der „Porzellanmanufaktur Wallendorf“ Gotthelf Greiner (1732–1797), Miterfinder des Porzellans, Mitbegründer „Porzellanmanufaktur Wallendorf“ Johann Heinrich Leder (????–????), 1822 Gründer Fabrik Lichte Porzellan Oberlichte Gebrüder Georg Christoph und Pilipp Jakob Heubach, ab 1840 Innhaber Lichte Porzellan Heinz Schaubach (1886–1970), Inhaber „Wallendorfer Porzellanmanufaktur“ und „Schaubach Kunst Unterweißbach“ Gottfried Stöhr (1932–2016), bildender Künstler und Designer „Porzellanmanufaktur Wallendorf“
Wirtschaft und Infrastruktur Die Wirtschaft Lichtes ist (typisch für das Thüringer Schiefergebirge) von Tourismus, Glas-, Porzellan- und Holzindustrie geprägt.
Verkehr