mini|hochkant|Dominique Strauss-Kahn (2008) Dominique Gaston André Strauss-KahnFAZ: Strauss-Kahn muss sich gedulden vom 9. Juli 2007 (abgerufen am 3. April 2016, im Internet Archive) [], auch [] (* 25. April 1949 in Neuilly-sur-Seine als Dominique Gaston André Strauss), in Frankreich oft DSK genannt, ist ein ehemaliger französischer Politiker der Sozialistischen Partei Frankreichs. Von 1997 bis 1999 war er Wirtschafts- und Finanzminister unter Premierminister Lionel Jospin. Vom 1. November 2007 bis zum 18. Mai 2011 war er der geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Eine Reihe von Vorwürfen zu sexuellen Straftaten beendete seine politische Karriere 2011.
Leben Dominique Strauss-Kahn stammt väterlicherseits aus einer Familie französischer Juden aus dem Elsass.Affaire DSK : Anne Sinclair, combative et effondrée, Le Monde vom 18. Mai 2011. Er ist zweisprachig aufgewachsen und spricht neben Französisch auch Deutsch fließend.
Seine französisch-tunesische, aus einer sephardischen Familie stammende Mutter war Journalistin der sozialistischen Zeitung Le Populaire, sein Vater war Rechts- und Finanzberater. Aus Verbundenheit mit seinem Großvater, Marius Kahn, fügte Dominique Strauss seinem Namen später dessen Familiennamen hinzu.Szenen einer Ehe, auf FAZ.net vom 29. Juni 2011, abgerufen am 29. Juni 2011 (im Internet Archive).
Die Familie lebte seit 1951 im französischen Protektorat Marokko. Nach dem Erdbeben von Agadir 1960 siedelte sie nach Monaco über. Anschließend studierte Strauss-Kahn an der Wirtschaftshochschule École des hautes études commerciales de Paris und an der Grande école Sciences Po in Paris.
Strauss-Kahn war dreimal verheiratet und hat vier Kinder.Vom Elysée-Palast und Hotelzimmern Porträt, auf sueddeutsche.de, 16. Mai 2011, abgerufen am 24. November 2025. 1991 heiratete er in dritter Ehe Anne Sinclair (* 1948), die damals Reporterin beim Fernsehsender TF1 und Moderatorin der Politiksendung 7 sur 7 war.Stefan Ulrich: Anne Sinclair, unerschütterlich in ihrer Treue, auf sueddeutsche.de, 17. Mai 2011, abgerufen am 24. November 2025. Anfang September 2012 wurde bekannt, dass Sinclair in einem InterviewInterview mit der Zeitschrift Le Parisien: www.leparisien.fr 31. August 2012: Anne Sinclair : «Je vais très bien, merci» die Trennung von ihm bestätigt hatte.Strauss-Kahn ist wieder Single, auf handelsblatt.com, 31. August 2012, abgerufen am 5. September 2012 (im Internet Archive) Seit März 2013 ist Strauss-Kahn von Sinclair geschieden.DSK et Anne Sinclair ont officiellement divorcé la semaine dernière. La page est définitivement tournée (französisch). voici.fr. 23. März 2013. Abgerufen am 1. Januar 2016.
In Interviews bezeichnete sich Dominique Strauss-Kahn als Freund des deutschen Politikers Oskar Lafontaine.
Berufliche und politische Laufbahn mini|Strauss-Kahn hält eine Rede auf einer Sozialistentagung im Mai 2007 Von 1977 bis 1980 hatte Strauss-Kahn eine Professur für Wirtschaft an der Hochschule II von Nancy. 1981 wechselte er an die Universität Paris-Nanterre und die Verwaltungshochschule École nationale d’administration (ENA). Bis 2007 gab er Kurse in Mikroökonomie und Makroökonomie an der Hochschule Sciences Po Paris.
Im Jahre 1971 arbeitete er am marxistisch orientierten Studien- und Bildungszentrum unter Jean-Pierre Chevènement (Centre d'études, de recherches et d'éducation socialiste, CERES) über Sparverhalten und veröffentlichte 1982 ein Buch unter dem Titel L’épargne et la retraite (Das Sparen und die Rente). Im selben Jahr trat er eine Stelle im Planungsamt (Commissariat général du Plan) an, dessen stellvertretender Leiter er wurde. 1986 wurde er zum Abgeordneten der Nationalversammlung für das Département Haute-Savoie gewählt und zwei Jahre später wiedergewählt, aber diesmal für das Département Val-d’Oise. Im Rahmen dieser Mandate übernahm er den Vorsitz des Finanzausschusses.
Ministerämter Unter Präsident François Mitterrand wurde er 1991 delegierter Minister für Industrie und Außenhandel in der Regierung von Édith Cresson. In der Regierung von Pierre Bérégovoy wurde ihm dieses Amt erneut angetragen, bis er 1993 nach den Wahlen zur Nationalversammlung als Anwalt ins Justizwesen wechselte. Im selben Jahr übernahm er die Leitung einer Expertenkommission innerhalb der Sozialistischen Partei und gründete die Kanzlei DSK Consultants, die sich auf Lobbyarbeit in Brüssel konzentrierte. 1995 wurde er zum Bürgermeister von Sarcelles gewählt.
Als 1997 Lionel Jospin die Regierung übernahm, ernannte dieser ihn zum Minister für Wirtschaft, Finanzen und Industrie. Damit wurde Strauss-Kahn zu einer der zentralen Figuren des Kabinetts Jospin. Erfolge in der französischen Wirtschaftspolitik, insbesondere ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosenquote, festigten seine Stellung auch innerhalb der Partei. Neben der Privatisierung von Staatsunternehmen fanden die Vorbereitungen Frankreichs auf die Euro-Einführung internationale Anerkennung.
Infolge eines Justizskandals, der mit seiner Tätigkeit als Anwalt in Verbindung stand, trat er 1999 von seinem Ministeramt zurück. Er wurde am Ende in der fraglichen Angelegenheit vollständig entlastet und 2001 in einer Nachwahl im Val-d’Oise wieder in die Nationalversammlung gewählt. 2002 und 2007 wurde er wiedergewählt. Am Ende des Jahres 2004 stieg er außerdem neben Jack Lang und Martine Aubry wieder in die Spitze der Sozialistischen Partei auf.
Präsidentschaftsanwärter und IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn unterlag Ségolène Royal als Kandidat der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahl 2007. Im November 2006 wurde Ségolène Royal mit über 60 % der Stimmen der Parteimitglieder zur Präsidentschaftskandidatin gewählt.
So wie der 2007 neu gewählte konservative Präsident Nicolas Sarkozy führende Mitglieder der Sozialistischen Partei mit Ämtern in sein Lager zog (u. a. Bernard Kouchner als Außenminister), so schlug er auch Strauss-Kahn für den Posten des Direktors des Internationalen Währungsfonds vor. Mit der Unterstützung der EU und der Vereinigten Staaten wurde Dominique Strauss-Kahn am 28. September 2007 zum Nachfolger des scheidenden IWF-Direktors Rodrigo de Rato gewählt. Er trat sein Amt zum 1. November 2007 an.Strauss-Kahn wird neuer Chef des Währungsfonds, auf nzz.ch, 28. September 2007, abgerufen am 31. August 2010, im Internet Archive.
Ab 2010 und bis zu seiner Festnahme in den USA am 14. Mai 2011 wurde Strauss-Kahn als der vielversprechendste Kandidat des Linksbündnisses für das Amt des Staatspräsidenten Frankreichs gehandelt.. IFOP Wahlumfrage vom April 2011 erschienen im France Soir. Während dieses Zeitabschnitts überflügelte er in den meisten Umfragen den amtierenden bürgerlichen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy IFOP Wahlumfrage vom 20/21. April 2011 erschienen im Paris Match. und bereitete sich, trotz der wegen seiner Funktion beim IWF nötigen Zurückhaltung, aktiv auf die Präsidentschaftswahl 2012 vor. Einem Bericht auf BFM TV zufolge hatte er vor, seine Kandidatur am 28. Juni 2011 offiziell bekannt zu geben. In: Le Parisien am 3. Mai 2011. In einem Fernsehinterview am 18. September 2011 bestätigte er erstmals öffentlich, dass er bei den Präsidentschaftswahlen 2012 hätte antreten wollen.Strauss-Kahn gesteht „moralischen Fehler“ ein. In: faz.net vom 18. September 2011. Er schloss aber eine Kandidatur nach seiner Verhaftung und anschließenden Freilassung in den USA aus. In: Focus Online vom 18. September 2011.
Spätere Aufgaben Seit Mai 2013 ist er Mitglied im Strategieausschuss der neu gegründeten National Credit Bank (NCB) im Südsudan.Sebastian Bräuer: In: NZZ am Sonntag vom 19. Mai 2013. Im Juli 2013 wurde bekannt, dass er ein Aufsichtsratmandat der Russian Regional Development Bank, eines Tochterunternehmens des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, übernehmen werde.Spiegel Online - Dominique Strauss-Kahn wird Aufseher bei Rosneft-Tochter. Artikel vom 15. Juli 2013. Im selben Jahr wurde er zum Wirtschaftsberater der Regierung des serbischen Premierministers Aleksandar Vučić ernannt. Des Weiteren war er Aufsichtsratschef und Mitgesellschafter der Investmentbank Leyne, Strauss-Kahn & Partners in Luxemburg.Strauss-Kahn und sein zwielichtiger Geschäftsfreund in: Wall Street Journal vom 5. Dezember 2014, abgerufen am 30. März 2015. 2016 wurde Strauss-Kahn Mitglied im Aufsichtsrat der ukrainischen Bank Kredit Dnipro, deren Eigentümer Wiktor Pintschuk ist.
Vorwürfe
Vorwurf des Amtsmissbrauches beim IWF Mitte Oktober 2008 wurde bekannt, dass der IWF eine Untersuchung gegen Strauss-Kahn eingeleitet hatte. Externe Anwälte sollten prüfen, ob der Direktor des IWF sein Amt für eine sexuelle Beziehung zu einer Mitarbeiterin missbraucht habe. Laut eigenen Angaben arbeitete Strauss-Kahn mit den Ermittlern zusammen und wertete die Affäre als „Vorfall, der sich in meinem Privatleben abspielte“. Er dementierte, seine Machtposition missbraucht zu haben.Strauss-Kahn wegen Sex-Affäre in Bedrängnis. In: Süddeutsche Zeitung vom 18. Oktober 2008 (abgerufen am 16. Mai 2011). Der IWF entlastete Strauss-Kahn nach der Untersuchung des Vorfalls, bezeichnete diesen aber gleichzeitig als bedauerlich. In: Radio France Internationale vom 26. Oktober 2008 (abgerufen am 16. Mai 2011)
Vergewaltigungsvorwurf in den USA Während einer privaten ReiseIMF Statements on IMF Managing Director Dominique Strauss-Kahn wurde Strauss-Kahn am 14. Mai 2011 am John F. Kennedy International Airport in New York festgenommen.The New York Times: I.M.F. Chief, Apprehended at Airport, Is Accused of Sexual Attack vom 14. Mai 2011 (abgerufen am 16. Mai 2011) Er wurde von der New Yorker Staatsanwaltschaft wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung des Zimmermädchens Nafissatou Diallo des New Yorker Hotels Sofitel angeklagt.FAZ: Strauss-Kahn festgenommen vom 15. Mai 2011 (abgerufen am 4. März 2015)Die Zeit: IWF-Chef Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt vom 15. Mai 2011 (abgerufen am 16. Mai 2011)Die Welt: Strauss-Kahn wegen Sex-Attacke verhaftet vom 15. Mai 2011 (abgerufen am 16. Mai 2011) Nachdem eine Richterin eine Freilassung gegen Kaution wegen Fluchtgefahr abgelehnt hatte, wurde er auf die New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island verlegt.FTD: vom 17. Mai 2011 (abgerufen am 18. Mai 2011) Strauss-Kahn genoss zum Zeitpunkt seiner Festnahme keine Immunität, weder in persönlicher noch in funktionaler Hinsicht.Vgl. Przemyslaw Roguski: Festnahme von "DSK": IWF-Amt schützt vor Strafe nicht. In: Legal Tribune Online, 16. Mai 2011. Abruf am 20. Mai 2011. Zu den juristischen Hintergründen siehe auch Hauptartikel Diplomatenstatus. Am 18. Mai 2011 trat er von seinem Amt als geschäftsführender Direktor des IWF zurück.IMF Managing Director Dominique Strauss-Kahn Resigns. Pressemitteilung in: IWF vom 18. Mai 2011.IWF-Chef Strauss-Kahn tritt zurück in: Spiegel Online vom 19. Mai 2011. Tags darauf entschied ein New Yorker Gericht, dass Strauss-Kahn gegen Auflagen, unter anderem Hinterlegung einer Kaution in Höhe von sechs Millionen US-Dollar, am 20. Mai 2011 aus der Haft entlassen wird. Er stand seitdem unter Hausarrest und musste eine elektronische Fußfessel tragen.Strauss-Kahn kommt gegen Kaution frei in: Spiegel Online vom 19. Mai 2011. Verteidigt wurde Strauss-Kahn von dem Rechtsanwalt Benjamin Brafman, der bereits zuvor als Strafverteidiger prominenter Personen in Erscheinung getreten war.Ein Mann für verzweifelte Fälle in: Süddeutsche Zeitung vom 16. Mai 2011 Am 6. Juni 2011 plädierte Strauss-Kahn zum Prozessauftakt auf nicht schuldig. auf tagesschau.de, abgerufen am 6. Juni 2011.