Die Los-Angeles-Klasse ist eine Klasse atomgetriebener Jagd-U-Boote (SSN) der United States Navy. Mit 62 zwischen 1972 und 1992 auf Kiel gelegten Einheiten ist sie die zahlenmäßig größte Klasse von Atom-U-Booten, die bislang in Dienst gestellt wurde. Die Einheiten werden bis weit ins 21. Jahrhundert das Gros der US-amerikanischen U-Boot-Flotte ausmachen.
Der Entwurf der Los-Angeles-Klasse wurde während der Bauzeit modifiziert, so dass insgesamt drei Baulose, genannt Flights, existieren. Einheiten der Los-Angeles-Klasse dienen in jeder Flugzeugträgerkampfgruppe der US Navy als Geleitschutz, sie können jedoch auch für Angriffe auf Landziele und zur Aufklärung eingesetzt werden.
Geschichte Planung mini|hochkant|links|Hyman Rickover (1955) Ende der 1960er Jahre wurde in der US Navy der Ruf nach einem Nachfolger für die Sturgeon-Klasse laut. Es gab jedoch früh Streit über die Ausrichtung der neuen Klasse. Das Marine-Oberkommando hatte vom Naval Sea Systems Command (NAVSEA) einen Entwurf bekommen, der unter dem Namen Conform bekannt war. Dieser stellte eine geringe Geräuschentwicklung und hohen Komfort für die Besatzung in den Mittelpunkt. Admiral Hyman Rickover, der sogenannte Vater der Nuklearmarine, favorisierte dagegen einen eigenen Entwurf, der vor allem auf hohe Geschwindigkeit setzte. Diese U-Boote sollten nach Rickovers Vorstellungen in der Lage sein, mit den nuklear getriebenen Flugzeugträgern mitzuhalten, um diese direkt zu unterstützen. Dafür wären Geschwindigkeiten von bis zu 35 Knoten notwendig gewesen, was beim NAVSEA auf wenig Verständnis stieß.
Die Entscheidung zugunsten des Rickover-Entwurfs wurde schließlich aufgrund eines Ereignisses von Anfang des Jahres 1969 gefällt: Die Enterprise war zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg zu einem Einsatz in Vietnam, als der Marinegeheimdienst erfuhr, dass ein sowjetisches U-Boot der November-Klasse aus seinem Hafen auf der Halbinsel Kamtschatka ausgelaufen war, um die Big E (Spitzname der Enterprise) abzufangen. Das Oberkommando der Navy ordnete an, dass der Träger und seine Kampfgruppe dem feindlichen U-Boot mit hoher Geschwindigkeit davonfahren solle. Weil das gegnerische U-Boot mithielt und das Absetzen auch bei Geschwindigkeiten von über 30 Knoten nicht gelang, brach die Enterprise die Hochgeschwindigkeitsfahrt ab. Dieser Vorfall machte dem Oberkommando der Navy klar, dass die Sowjetunion bereits sehr schnelle U-Boote besaß, und daher fiel die Entscheidung für die von Admiral Rickover geforderte Klasse schneller Jagd-U-Boote.
Die Navy verlangte von Rickover, die Finanzierung von zwölf dieser Boote im US-Kongress durchzusetzen. Zu diesem Zweck brach Rickover mit der alten Marinetradition, U-Boote nach Meerestieren zu benennen, und beeinflusste zwölf Kongressabgeordnete in ihrer Entscheidung, indem er ihnen vorschlug, die Boote nach ihren Heimatstädten zu benennen. Der Legende nach überzeugte er sie mit den Worten , zu deutsch .
Bau mini|Stapellauf der Portsmouth Die Boote unterschieden sich allerdings vom ursprünglichen Konzept Rickovers, da der vorgesehene S6G-Druckwasserreaktor zu schwer für dessen Entwurf wurde. Um dies auszugleichen, wurde die Materialstärke des Rumpfes verringert, was die maximale Tauchtiefe auf etwa 1000 Fuß (etwa 300 Meter) reduzierte. Außerdem wurde Platz für die Besatzung gestrichen, sodass mehr Seeleute das Prinzip der warmen Koje (englisch: hot bunking) praktizieren mussten, also das Teilen einer Koje mit einem Kameraden, wobei je einer schläft und einer Wache hat.
Der Auftrag über die ersten zwölf Boote der Klasse ging an die Werft Electric Boat, ein Tochterunternehmen von General Dynamics in Groton, Connecticut. Die Kostenkalkulation von Electric Boat basierte auf Folgeaufträgen, um die Entwicklungskosten zu amortisieren. Diese blieben jedoch aus, vor allem, da die Schweißnähte an einigen Booten nicht den Vorgaben der Navy entsprachen und demzufolge in erheblichem Umfang nachgebessert werden mussten. Diese Mängel führten unter anderem dazu, dass fünf der ersten zwölf Los-Angeles-Einheiten bei Newport News Shipbuilding in Newport News, Virginia gebaut wurden. Die Navy entzog Electric Boat den Exklusivvertrag, musste allerdings große Teile der angefallenen Kosten selbst bezahlen. Von den restlichen 19 Booten, die bis 1977 gefertigt wurden, sind dennoch elf bei Electric Boat gebaut worden, nachdem das Unternehmen seine technischen Probleme zwischenzeitlich in den Griff bekommen hatte. Die anderen acht Einheiten wurden von Newport News Shipbuilding auf Kiel gelegt und gefertigt. Damit war das Bauprogramm vorerst abgeschlossen.
Als Ronald Reagan 1980 sein Programm Marine der 600 Schiffe vorstellte, war in diesem ein neues Bauvorhaben für weitere Einheiten der Los-Angeles-Klasse enthalten. Es wurde eine verbesserte Version, genannt Flight II, in Auftrag gegeben. Diese erhielten zusätzliche vertikale Startrohre für Marschflugkörper. In einer dritten Modifikationsstufe ab 1985 (Flight III, die sogenannten 688(I) für improved, zu deutsch: verbessert) wurden nochmals 23 Einheiten gefertigt, die neben einem verbesserten Reaktor auch eine günstigere Anordnung der Tiefenruder erhielten.
Während die ersten beiden Baulose noch traditionell gebaut wurden, wurde ab der Scranton ein Modulbauverfahren angewendet, bei dem die einzelnen Bauabschnitte schon einen großen Teil ihrer Innenausrüstung erhielten und danach zusammengeschweißt wurden. Aus diesem Grund gab es beginnend mit SSN-756 die klassische Kiellegung nicht mehr – diese Boote liefen nicht mehr in der klassischen Weise vom Stapel, stattdessen wurde das Baudock geflutet und das Boot ausgeschwommen.
Einheiten
Die erste Einheit der Klasse, die ihr auch den Namen gab, war die Los Angeles. Sie wurde im Januar 1971 bestellt und im November 1976 an die Marine ausgeliefert. Die letzte Einheit der Klasse, die Cheyenne, wurde im November 1989 bestellt und ist seit 1996 in Dienst. Insgesamt wurden 62 Einheiten gefertigt.
Als erste wurde Anfang 1995 die Baton Rouge außer Dienst gestellt, bis 2023 folgten weitere 31 Einheiten.
Die Rumpfnummern der Boote laufen von SSN-688 bis SSN-725 und SSN-750 bis SSN-773. Dazwischen liegen auf SSBN-726 bis SSBN-743 die 14 SSBN- und 4 SSGN-U-Boote der Ohio-Klasse, die Nummern 744 bis 749 wurden nicht vergeben.
Alle Einheiten wurden nach Städten der Vereinigten Staaten benannt; lediglich SSN-709 wurde Hyman G. Rickover getauft, um den Initiator dieser U-Boot-Klasse zu ehren.
Kosten Der Bau einer Einheit kostet, den Geldwert von 1990 zugrunde gelegt, rund 900 Mio. US-Dollar. Die Betriebskosten für ein Boot liegen laut Navy Visibility and Management of Operating and Support Costs bei etwa 21 Mio. US-Dollar jährlich. Allerdings müssen die erheblichen Kosten für den Austausch der nuklearen Brennelemente des Reaktors bei Flight I-Einheiten ungefähr alle 15 bis 20 Jahre berücksichtigt werden. Auch aus diesem Grund wurden einige der frühen Boote der Los-Angeles-Klasse bereits nach dieser Zeitspanne außer Dienst gestellt. Die Kosten für eine Grundüberholung mit Brennelementwechsel liegen bei rund 406 Mio. US-Dollar. Die Ersparnis gegenüber dieser Engineered Refueling Overhaul liegt bei knapp 210 Mio. US-Dollar, da die Außerdienststellungkosten mit zirka 196 Mio. US-Dollar zu Buche schlagen.
Zukunft Im Jahre 1995 wurde die erste Einheit der Klasse außer Dienst gestellt, weitere Einheiten des Flight I folgten. Es ist zu erwarten, dass die modifizierten Boote des Flight II und 688(I) bis weit ins 21. Jahrhundert hinein im Dienst verbleiben. Ursprünglich waren 30 Jahre Dienstzeit vorgesehen, allerdings zeigen Erfahrungen mit Booten der Sturgeon-Klasse, dass Dienstzeitverlängerungen um bis zu zehn Jahre möglich und realistisch sind. Zusammen mit einer Werftliegezeit von etwa zwei Jahren für die notwendigen Arbeiten sind somit Gesamteinsatzzeiten von 42 Jahren realisierbar.
Der direkte Nachfolger der Los-Angeles-Klasse, die Seawolf-Klasse, besteht aus lediglich drei Einheiten, da ein Weiterbau dieser Klasse nicht zuletzt aufgrund der enormen Stückkosten nicht zu finanzieren war. Von der neuesten Klasse von Jagd-U-Booten, der Virginia-Klasse, sind im Jahre 2012 erst neun Einheiten in Dienst gestellt. Es ist geplant, diese Zahl bis 2020 auf 30 zu steigern. Aufgrund der hohen Kosten beider Modelle – um zwei Mrd. US-Dollar pro Einheit – ist jedoch eine Reduzierung des Bauprogramms nicht auszuschließen.
Aus diesen Gründen kann davon ausgegangen werden, dass die Los-Angeles-Klasse bis etwa 2025 den größten Teil der U-Boot-Flotte der US Navy stellen wird.
Technik Die Einheiten der Los-Angeles-Klasse sind atombetriebene Unterseeboote, die für Geleitschutz, U-Boot-Jagd, Angriffe gegen Landziele mit konventionellen Marschflugkörpern, SEAL-Kommandounternehmen und Aufklärungszwecke eingesetzt werden. Angetrieben werden sie von einem Druckwasser-Kernreaktor, der eine einzelne Schraube am Heck antreibt.
Rumpf mini|Greeneville im Trockendock Der Rumpf der Boote der Los-Angeles-Klasse ist bei einer Breite von 10 Metern etwa 110 Meter lang. Er besteht aus einer zylindrischen Röhre, die am Bug mit einem halbrunden Deckel abgeschlossen ist und zum Heck konisch verjüngend ausläuft. Diese Bauweise hat im Vergleich zu einem Albacore-Rumpf geringe Nachteile für die Manövrierfähigkeit, ist jedoch erheblich leichter zu bauen und ermöglicht höhere Geschwindigkeit durch einen geringeren Strömungswiderstand. Um möglichst wenig Wasserwiderstand zu bieten, verfügt das Boot über einen relativ kleinen und schmalen Turm, und das Deck ist nahezu frei von hervorstehenden Teilen. Unverzichtbare Einrichtungen, wie die Poller zum Festmachen der Leinen im Hafen, sind einziehbar. Insgesamt bietet diese Bauweise verringerten Wasserwiderstand und eine sehr gute Geräuschdämmung.
Druckkörper Der Druckkörper besteht aus hochelastischem HY-80-Stahl mit einer garantierten Streckgrenze (Yield strength) von 80.000 psi (Pfund pro Quadratzoll). Dies ist die Belastungsgrenze von Werkstoffen, bis zu der keine bleibende Verformung auftritt und entspricht einem Druck von etwa 5516 bar. Ein weiterer Vorteil dieses vorwiegend im Schiffbau verwendeten Stahls ist seine gute Schweißbarkeit.
Die vorderen Tiefenruder waren bei Flight I und Flight II aufgrund der besseren hydrodynamischen Wirkung noch am Turm angebracht. Da der Einsatzraum im Nordpolargebiet immer größere Bedeutung erhielt, wurden sie – beginnend mit den Booten von Flight III – an den vorderen Rumpf verlegt, um ein Auftauchen durch arktisches Eis hindurch zu erleichtern.
Die Hauptballasttanks liegen am vordersten Ende des Bugs sowie am hintersten Ende des Hecks. Zwischen ihnen sind kleinere Trimmtanks angeordnet, um den Schwebezustand unter Wasser präzise steuern zu können. Die größeren Ballasttanks liegen außerhalb der Druckhülle.
Der gesamte Rumpf ist seit Flight II standardmäßig mit schallabsorbierenden Kacheln versehen. Dieser schaumstoffartige Belag absorbiert von außen auftreffende Sonarwellen, anstatt sie zum Sender zurückzulenken, und erschwert damit die feindliche Aufklärung. Außerdem übt die weiche Struktur dieser Kacheln eine dämpfende Wirkung auf die Übertragung von Eigengeräuschen des Bootes in das umgebende Wasser aus. Die älteren Einheiten des Flight I wurden mit diesen Kacheln nachgerüstet.
Innenaufteilung mini|Die Steuerruder der Pasadena Die Boote der Los-Angeles-Klasse gliedern sich in zwei Abteilungen, die durch wasserdichte Schotten voneinander getrennt sind. Der achtere Teil ist dabei etwas länger als der vordere.
Der vordere Teil des Bootes besteht aus drei Decks. Im unteren Deck befindet sich der Torpedoraum, in dem sich die Torpedorohre und deren Bedieneinrichtungen befinden. Die Torpedos sind bis zum Laden der Rohre in Gestellen an den Wänden gestapelt. Das mittlere Deck beherbergt die Unterkünfte sowie Aufenthaltsräume für die Besatzung. Weiterhin liegen dort die Unteroffiziermesse (auch Ziegenstall genannt), die Offiziermesse sowie die Schiffsküche.