mini|Luca Giordano: Selbstbildnis, etwa 1675-80 (?), Pio Monte della Misericordia, Neapel mini|hochkant=0.7|Krates von Theben (aus der „Philosophen-Serie“), um 1660, Palazzo Barberini, Rom Luca Giordano (* 18. Oktober 1634 in Neapel;Maria Giovanna Sarti: "GIORDANO, Luca", in: Dizionario Biografico degli Italiani, Volume , 2001, online, abgerufen am 1. Dezember 2018 † 3. Januar 1705 ebenda), genannt Fa Presto, war ein italienischer Maler und Radierer des Barock, der vor allem für seine Freskenkunst berühmt ist.

Leben

Er war der Sohn von Isabella Imparato und Antonio Giordano, einem Kunsthändler aus Apulien, der auch als Maler arbeitete. Seinen ersten Unterricht bekam Luca wahrscheinlich von seinem Vater, der den erst achtjährigen Luca in eins seiner eigenen Bilder in einer Seitenkapelle der Kirche Santa Maria la Nova zwei Putti malen ließ, die man noch heute sehen kann (De Dominici: Vite de’ pittori…, Bd. III, Neapel 1743, S. 394f). Laut einer anderen Anekdote soll Antonio seinem Sohn beim Malen immer zugerufen haben: „Luca, fa presto!“ („Luca, mach schnell!“) und ihm damit seinen Spitznamen verpasst haben."Giordano, Luca", in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7, Leipzig 1907, S. 854–855. Nach anderen Quellen basiert der Name Fa Presto ganz einfach auf seiner ungewöhnlich schnellen Malweise und großen Produktivität,Giordano, Luca. In: Lexikon der Kunst, Band 5, Wolf Stadler (Gesamtleitung), Karl Müller Verlag, Erlangen 1987/1994, S. 85 die so legendär waren, dass in der älteren Literatur behauptet wird, er habe „ein großes Altarblatt bei den Jesuiten zu Neapel (Franciscus Xaverius, die Japaner taufend)“ „innerhalb von 1 1/2 Tagen vollendet“. Außerdem habe man ihn auch als „Proteus der Maler“ bezeichnet, weil er „jeden Stil“ nachahmen konnte.

Allgemein wird angenommen, dass Giordano ein Schüler von Jusepe de Ribera war, zumal sein Vater ein Bekannter des spanischen Malers und 1616 einer von dessen Trauzeugen gewesen war. Ein Einfluss Riberas auf Luca Giordanos frühes Werk ist jedenfalls nicht zu verkennen, z. B. in seiner teilweise humorvollen Serie von Philosophen (in diversen Museen, siehe Abb. oben), und selbst noch in dem monumentalen Gemälde Der Erzengel Michael stürzt die abtrünnigen Engel, 1666, im Kunsthistorischen Museum, Wien.

mini|rechts|Raub der Europa, um 1670–80 (?), Privatsammlung 1652, im Todesjahr Riberas, ging Luca nach Rom, wo er anscheinend ein Schüler Pietros da Cortona wurde; in der Folge besuchte er auch zum ersten Mal Venedig. 1654 war er wieder zurück in Neapel, wo er seinen ersten öffentlichen Auftrag erhielt, zwei großformatige Bilder für den Chor in San Pietro ad Aram. 1657 schuf er zum ersten Mal ein Bild für den Vizekönig von Neapel García de Avellaneda, Graf von Castrillo: eine Rosenkranzmadonna, die sich heute im Museo di Capodimonte befindet.

1658 heiratete Luca in Neapel die noch sehr junge Angela Margherita Dardi, die seine Lebenspartnerin wurde und ihm viele Kinder schenkte (mindestens 10). Sie wohnten in den ersten zehn Jahren bis 1668 in der Via Trinità degli Spagnoli, danach in der Nähe von Sant’Anna di Palazzo und ab 1686 in der Via Nardone. Giordano sorgte dafür, dass alle seine Kinder eine vernünftige Ausbildung im Collegio della Solitaria erhielten, und gab seinen Töchtern auch eine angemessene Mitgift, damit sie sich gut verheiraten konnten.

Für den mächtigen Kardinal und Kunstsammler Ascanio Filomarino bemalte Luca 1660–61 die Flügel der 1652 gebauten Orgel im Dom zu Neapel mit einer Verkündigung Mariä und Stadtpatronen Neapels (Orgel nicht erhalten, Bilder heute im linken Querschiff). In den nächsten Jahren folgten zahlreiche Werke für den neuen Vizekönig Gaspar de Bracamonte, Graf von Peñaranda, unter anderem für die kleine Kirche Santa Maria del Pianto (Neapel) und für Santa Teresa a Chiaia (1664). Daneben schuf er auch viele Werke für Auftraggeber in Spanien.

mini|Darstellung Mariens im Tempel, Santa Maria della Salute, Venedig, 1674 Um 1665 reiste Giordano wieder nach Venedig, wo er vermutlich Werke der Maler Giovan Battista Langetti, Carl Loth oder Antonio Zanchi kennenlernte und unter anderem eine Gnadenmadonna mit den Seelen im Purgatorium für die Cappella Vendramin in San Pietro di Castello schuf. Nach einem „Zwischenaufenthalt“ in Neapel war er 1667 wieder in der Lagunenstadt und malte für Santa Maria della Salute eine Himmelfahrt Mariä, und später noch zwei weitere Gemälde: die Geburt Mariens und die Darstellung Mariens im Tempel (um 1674 ?; siehe Abb.).

Ein weiterer prestigereicher Auftrag war seine 1668 entstandene Dekoration der Neuen Sakristei der Cappella del Tesoro di San Gennaro im Dom von Neapel, mit dem Hauptbild Glorie des San Gennaro an der Decke und diversen kleineren Bildern mit Heiligen und anderen christlichen Szenen.

Neben vielen Aufträgen in den Kirchen Neapels entstanden in den 1670er Jahren verschiedenen Gemälde für Kirchen in Padua und Verona und 1677 in der Abtei Montecassino ein Freskenzyklus über das Leben des Hl. Benedikt, der 1943 den Zerstörungen durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel. Zu seinen Meisterwerken wird auch das Kuppelfresko in Santa Brigida in Neapel (1678) gezählt und ein weiterer Benediktszyklus in San Gregorio Armeno (Neapel), wo er überhaupt im Laufe seines Lebens fast die ganze Kirche mit insgesamt 52 Bildern dekorierte.

In den 1680er Jahren malte er mehrere bedeutende Werke für den Norden Italiens. Sein großes Bild Durchgang durch das Rote Meer (1681) für Santa Maria Maggiore in Bergamo wurde so sehr bewundert, dass die Auftraggeber ihm 100 Dukaten mehr bezahlten als vereinbart.

mini|Die Ewigkeit und die Geburt des Menschen, Deckenfresko (Detail) der Galerie des Palazzo Medici-Riccardi, Florenz, 1682–85 In Florenz schuf er von Februar bis August 1682 die Kuppelfresken der Cappella Corsini in Santa Maria del Carmine und die Vision des Hl. Bernhard für die Kirche der Madonna della Pace. Das vielbewunderte Deckengemälde in der Galerie des Palazzo Medici-Riccardi (1682–85) folgt einem ikonografischen Programm von Alessandro Segnis und gehört ebenfalls zu Giordanos Meisterwerken. Daneben malte er diverse Bilder für die Familie Medici in den Appartements des Palazzo Pitti. Ende 1682 musste er relativ plötzlich von Florenz nach Neapel zurückkehren, weil er schlechte Nachrichten über die Gesundheit seines Vaters erhielt; dieser starb im November 1683.

Im gleichen Jahr folgte in Neapel das Fresko Vertreibung der Händler aus dem Tempel an der Innenfassade der Chiesa dei Girolamini. 1685 kehrte er nochmals nach Florenz zurück, um seine Fresken im Palazzo Medici-Riccardi zu beenden; auf der Durchreise machte er Halt in Rom, wo er eine Heilige Anna für Santa Maria in Campitelli ablieferte.

In dieser Zeit entstanden zahlreiche Werke in Neapel, von denen einige für immer verloren sind: darunter die biblischen Szenen der Cappella Merlino in Gesù Nuovo, die bereits 1688 durch ein Erdbeben ruiniert wurden, und die gesamte Dekoration in der Chiesa dell’Annunziata, die 1757 komplett abbrannte.

mini|Der Traum des Salomon, Museo del Prado, Madrid mini|Triumph der Judith, 1704, Cappella del Tesoro, Certosa di San Martino, Neapel Im Jahr 1692 folgte er einem Ruf Karls II. nach Spanien, zusammen mit seinem Sohn Nicolò, seinem Neffen Giuseppe, drei weiteren Gehilfen, einem Diener und einem Beichtvater. Zu seinen ausgezeichnetsten Arbeiten dieser Lebensphase gehören die Fresken in der Kirche und im Treppenhaus vom Escorial (1692–94) sowie Gemälde und Fresken für das Schloss Buen Retiro und in der Sakristei der Kathedrale von Toledo (1697–1700). Giordano kam auch mit der bedeutenden spanischen Kunst in Berührung und setzte sich mit ihr auseinander, wovon insbesondere seine sogenannte Hommage an Velázquez in der National Gallery in London zeugt – ein Gruppenportrait seiner eigenen Familie nach dem Vorbild von Velazquez’ Las meninas.

Nach dem Tod Karls II. kehrte er 1702 nach Neapel zurück, wo er noch zahlreiche Aufträge annahm und mit Hilfe seiner Werkstatt ausführte. Als eines seiner anerkannten Meisterwerke aus dieser Spätphase gilt das Deckenfresko Triumph der Judith in der Cappella del Tesoro der Kartause von Neapel.

Am 31. Dezember 1704 machte Luca Giordano sein Testament und erklärte seinen erstgeborenen Sohn Lorenzo zum Haupterben. Der große Maler starb am 3. Januar 1705 in Neapel. Am folgenden Tag wurde er in Santa Brigida aufgebahrt, wo er auch begraben liegt, und

Zu Giordanos Schülern gehören Nicola Malinconico und Giuseppe Simonelli, die auch einige von ihm begonnene Fresken fertigstellten.

Werk mini|rechts|hochkant|Verkündigung, Metropolitan Museum, New York Luca Giordano hinterließ ein sehr umfangreiches und enorm vielseitiges Œuvre, sowohl Gemälde in Öl auf Leinwand als auch Fresken, und inhaltlich sowohl religiöse Bilder, als auch Historienmalerei und mythologische Werke. Sein Frühwerk ist noch von dem Tenebrismo von Ribera und der neapolitanischen Caravaggisten geprägt, später kommen Einflüsse durch Mattia Preti, Pietro da Cortona, Rubens, Lanfranco, und venezianischer Maler (Tizian, Tintoretto, Veronese) hinzu. So zeigt der größte Teil seines Werkes ein deutlich aufgehelltes Kolorit, das im Spätwerk sehr zart und luftig wird und bereits deutlich auf das Rokoko vorausweist. Vor allem seine Fresken beeinflussten nicht nur seine neapolitanischen Nachfolger (Nicola Malinconico, Francesco Solimena, Sebastiano Conca u. a.), sondern gelten auch als eine der Grundlagen für die venezianische Malerei des 18. Jahrhunderts mit den Protagonisten Sebastiano Ricci,"Luca Giordano", Text zur Ausstellung im Jahr 2001 im Museo di Capodimonte Neapel und im Kunsthistorischen Museum Wien, abgerufen am 5. Dezember 2018 Piazzetta und Tiepolo, sowie für den süddeutsch-österreichischen Barock mit Martino Altomonte und Johann Michael Rottmayr.

Ein großer Teil der Werke von Giordano, vor allem seine Fresken, befindet sich in Kirchen oder Palästen Neapels und anderen Orten, wie Venedig, Florenz und in Spanien, aber auch in Museen auf der ganzen Welt. Es folgt eine Auflistung seiner Hauptwerke (Auswahl !):

In Neapel: mini|rechts|hochkant|Madonna del baldacchino (oder Rosenkranzmadonna), ca. 1686, Museo di Capodimonte, Neapel

die Dekoration der Kirche San Gregorio Armeno in Neapel, mit insgesamt 52 Freskoszenen, darunter auch die Kuppel (u. a. 1669, 1679, 1684) Fresken in der Neuen Sakristei der Cappella del Tesoro di San Gennaro im Dom von Neapel, 1668 Weitere Werke im Dom von Neapel: Verkündigung Mariä und Stadtpatrone von Neapel (ehemalige Orgelflügel im linken Querschiff); Bildnisse von Aposteln, Heiligen Schutzpatronen Neapels sowie Kirchenvätern (unter starker Beteiligung der Werkstatt), 1678 Die Übergabe der Schlüssel an Petrus und Begegnung der Hl. Petrus und Paulus auf dem Wege zum Martyrium, in San Pietro ad Aram, Neapel, 1654 Rosenkranzmadonna, Museo di Capodimonte, Neapel, 1657 2 Altarbilder: der Hl. Michael im Kampf gegen die rebellischen Engel und die Hl. Anna mit der Jungfrau Maria als Kind, in der Chiesa dell’Ascensione a Chiaia, Neapel, 1657 San Gennaro bittet um die Beendigung der Pest in Neapel und Die Schutzheiligen Neapels verehren das Kreuz, Palazzo Reale, Neapel, 1662 Bilder in der Kirche Santa Maria del Pianto, Neapel Rast auf der Flucht nach Ägypten und Die Heiligen Anna und Joachim mit Maria als Kind, Santa Teresa a Chiaia, Neapel, 1664. Grablegung Christi, Pio Monte della Misericordia, Neapel, 1671 5 Bilder in den Seitenkapellen von Santa Maria della Sanità, Neapel (u. a. 1671-72) 3 Bilder in der Cappella di San Francesco Saverio in der Kirche Gesù Nuovo, Neapel, Ende 1670er Jahre Kuppelfresko in Santa Brigida, Neapel, 1678 5 Gemälde in der Cappella del Crocifisso und in der Cappella di S. Agostino, in der Kirche Santa Maria Regina Coeli, Neapel, 1681–84. Jesus verjagt die Händler aus dem Tempel, Innenfassade der Chiesa dei Girolamini, Neapel, 1684