Bei den IX. Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck fanden sieben Wettbewerbe im Skilanglauf statt. Diese galten gleichzeitig als 25. Nordische Skiweltmeisterschaften somit wurden neben olympischen Medaillen auch Weltmeisterschaftsmedaillen vergeben. Austragungsort war die Olympiaregion Seefeld.
Bei den Frauen wurde als dritte Disziplin das 5-Kilometer-Rennen neu ins Programm aufgenommen.
Letztmals bei Olympischen Winterspielen starteten die Bundesrepublik Deutschland und die DDR als gesamtdeutsche Mannschaft. Die schon von vergangenen Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen bekannte Dominanz der Nordländer sowie der Sowjetunion war auch hier in Innsbruck wieder vorzufinden.
Bilanz Medaillenspiegel PlatzLand20x20px|Gold20x20px|Silber20x20px|BronzeGesamt1314822226322154–2–2Gesamt77721
Medaillengewinner Männer DisziplinGoldSilberBronze15 km Eero Mäntyranta (FIN) Harald Grønningen (NOR) Sixten Jernberg (SWE)30 km Eero Mäntyranta (FIN) Harald Grønningen (NOR) Igor Worontschichin (URS)50 km Sixten Jernberg (SWE) Assar Rönnlund (SWE) Arto Tiainen (FIN)4 × 10 km Staffel
Frauen DisziplinGoldSilberBronze5 km Klawdija Bojarskich (URS) Mirja Lehtonen (FIN) Alewtina Koltschina (URS)10 km Klawdija Bojarskich (URS) Jewdokija Mekschilo (URS) Marija Gussakowa (URS)3 × 5 km Staffel
Vorschau Sport Zürich befasste sich in seiner Ausgabe vom 29. Januar 1964 mit einer Vorschau. Hinsichtlich der Langlaufbewerbe wurde ein erstarktes norwegisches Team erwartet, worauf der Staffelsieg gegen Schweden und Finnland vom Dezember 1963 schließen ließ. Ein Fragezeichen stand hinter dem Leistungsvermögen der Sowjetteilnehmer, die vor zwei Jahren bei den Weltmeisterschaften in Zakopane enttäuscht hatten. Die Loipen in Seefeld erforderten nicht nur Kondition, sondern ebenso sehr Schnelligkeit und Souplesse. Bei den Italienern wisse man faktisch wenig über die Form ihrer Asse Giulio Deflorian und Marcello De Dorigo, die sich zur Vorbereitung im Norden aufgehalten hatten, dort aber in den Testprüfungen mit Norwegen und Schweden jeweils auf schlechten Plätzen gelandet waren. Es sei schwer, an die Wiederholung der Sensation von 1963 zu glauben. Jedenfalls würden außer den Skandinaviern, Sowjets und Italienern all die übrigen chancenlos sein.
Ergebnisse Männer 15 km PlatzLandAthletZeit (min)1Eero Mäntyranta50:54,12Harald Grønningen51:34,83Sixten Jernberg51:42,24Väinö Huhtala51:45,45Janne Stefansson51:46,46Pawel Koltschin51:52,07Igor Worontschichin51:53,98Magnar Lundemo51:55,29Kalevi Laurila51:59,810Franco Nones52:18,022Walter Demel54:37,024Enno Röder54:52,829Hans Ammann55:44,931Hans-Sigfrid Oberer55:47,932Franz Kälin55:50,336Helmut Weidlich56:04,640Konrad Hischier56:42,344Karl Buhl57:10,248Hermann Lackner58:04,052Hubert Schrott59:01,753Anton Kogler59:10,659Günther Rieger61:07,3 Datum: 2. Februar 1964, 09:30 Uhr Höhenunterschied: 192 m; Maximalanstieg: 68 m; Totalanstieg: 492 m 71 Teilnehmer aus 21 Ländern, davon 69 in der Wertung.
30 km PlatzLandAthletZeit (h)1Eero Mäntyranta1:30:50,72Harald Grønningen1:32:02,33Igor Worontschichin1:32:15,84Janne Stefansson1:32:34,85Sixten Jernberg1:32:39,66Kalevi Laurila1:32:41,47Assar Rönnlund1:32:39,68Einar Østby1:32:41,49Torsten Samuelsson1:33:07,810Walter Demel1:33:10,227Konrad Hischier1:39;43,628Hans Ammann1:39:55,729Heinz Seidel1:40:01,031Andreas Janc1:40:23,332Rudolf Dannhauer1:40:35,734Alfons Dorner1:41:09,536Hansjörg Farbmacher1:41:37,139Georges Dubois1:42:26,843Alphonse Baume1:42:41,8 Datum: 30. Januar 1964, 08:30 Uhr Höhenunterschied: 245 m; Maximalanstieg: 72 m; Totalanstieg: 964 m 69 Teilnehmer aus 23 Ländern, davon 66 in der Wertung.
Der Kurs bestand aus der 10-Kilometer-Damenstrecke und danach einer 20-Kilometer-Schleife. Im Ziel war es zu Rennbeginn −13,5 Grad Celsius kalt, es gab völlig klares Wetter, der Schnee war sehr hart und gut. Die Startintervalle betrugen 30 Sekunden. Mäntyranta startete als Letzter und hatte das gesamte Feld vor sich. Sein Landsmann Laurila machte vor ihm das Tempo (nach 10 km Dritter, nach 20 Kilometer Zweiter), erfüllte diese undankbare taktische Aufgabe und fiel auf Rang 6 zurück. Grønningen, als langsamer Starter bekannt, war vorerst Siebter, dann Vierter und überholte noch Worontschichin, der von Rang 5 auf 3 vorgestoßen war. Sixten Jernberg lief trotz einer Netzhauterkrankung überraschend stark, jedoch war der deutsche Meister Walter Demel als echte Sensation zu betrachten, der als bester Mitteleuropäer mit nur rund eineinhalb Minuten Rückstand Rang 10 belegte Der Südkoreaner Yong-Ok lief mit Skibruch einen Kilometer weiter; ihm wurde von der Rennleitung ein Ersatzski angeboten, was er vorerst mit höflicher Verbeugung ablehnte, doch nach längerem Hin und Her nahm er das Angebot an.«Jäger Maentyranta holte sich Gold im 30-km-Skimarathon». In: Kronen-Zeitung, 31. Januar 1964, S. 18.«Weltmeister Maentyranta auch Olympiasieger». In: Kleine Zeitung Graz, 31. Januar 1964, S. 11.
50 km PlatzLandAthletZeit (h)1Sixten Jernberg2:43:52,62Assar Rönnlund2:44:58,23Arto Tiainen2:45:30,44Janne Stefansson2:45:36,65Sverre Stensheim2:45:47,26Harald Grønningen2:47:03,67Einar Østby2:47:20,68Ole Ellefsæter2:47:45,89Eero Mäntyranta2:47:47,110Melcher Risberg2:48:03,020Alois Kälin2:56:30,521Andreas Janc2:58:43,824Siegfried Weiß3:00:43,026Alphonse Baume3:03:49,129Franz Kälin3:06:09,330Herbert Steinbeißer3:06:52,231Georges Dubois3:07:21,833Hermann Mayr3:08:48,6 mini|Sixten Jernberg während des 50-Kilometer-Rennens Datum: 4. Februar 1964, 08:30 Uhr Höhenunterschied: 196 m; Maximalanstieg: 98 m; Totalanstieg: 1597 m 41 Teilnehmer aus 15 Ländern, davon 30 in der Wertung.
Infolge der tiefen Nachttemperaturen war die Strecke sehr schnell. Die Schneeverhältnisse waren gut, der Schnee war hart und körnig, in den Schattenstellen gab es Pulverschnee. Tiainen legte mit Startnummer 1 bereits eine großartige Zeit vor. Bis 37,5 Kilometer führte dann der mir Nr. 35 gestartete Finne Kalevi Hämäläinen, zuletzt noch mit 20 Sekunden Vorsprung auf Jernberg, doch der amtierende Weltmeister (Nr. 41) und Rönnlund (Nr. 18) holten unnachgiebig auf; am Ende fand sich Hämäläinen Rang 16. Jernberg feierte den Sieg einen Tag vor seinem 35. Geburtstag.«Jernberg: Schönstes Geburtstagsgeschenk»: In: Kleine Zeitung Graz, 6. Februar 1964, S. 14.«Unter dem „Heja“ der Landsleute: Jernberg gewann Skimarathon». In: Kronen-Zeitung, 6. Februar 1964, S. 19.
4 × 10 km Staffel PlatzLand / AthletenZeit1Karl-Åke AsphSixten JernbergJanne StefanssonAssar Rönnlund2:18:34,6 h35:14,2 min35:00,0 min34:16,8 min34:03,6 min2Väinö HuhtalaArto TiainenKalevi LaurilaEero Mäntyranta2:18:42,4 h34:52,8 min35:37,6 min34:01,4 min34:10,6 min3Iwan UtrobinGennadi WaganowIgor WorontschichinPawel Koltschin2:18:46,9 h34:58,7 min34:42,8 min34:18,0 min34:47,4 min4Magnar LundemoErling SteineideEinar ØstbyHarald Grønningen2:19:11,9 h35:04,8 min34:48,3 min34:19,8 min34:59,0 min5Giuseppe SteinerMarcello De DorigoGiulio DeflorianFranco Nones2:21:16,8 h35:36,2 min34:28,2 min35:57,5 min35:14,9 min6Victor ArbezFélix MathieuRoger PiresPaul Romand2:26:31,4 h36:30,1 min36:08,9 min35:46,6 min38:05,8 min7Heinz SeidelHelmut WeidlichEnno RöderWalter Demel2:26:34,4 h38:00,6 min36:49,4 min36:43,3 min35:01,1 min8Józef Gut-MisiagaTadeusz JankowskiEdward BudnyJózef Rysula2:27:27,0 h37:46,4 min37:06,3 min36:25,6 min36:08,7 min9Konrad HischierAlois KälinFranz KälinHans-Sigfrid Oberer2:31:52,8 h37:32,7 min37:05,1 min38:18,3 min38:56,7 min10Hidezō TakahashiKazuo SatōTatsuo KitamuraChogoro Yahata2:32:05,5 h38:02,0 min37:18,4 min37:18,1 min39:27,0 min11Günther RiegerHansjörg FarbmacherAnton KoglerAndreas Janc2:34:48,9 h39:05,8 min39:11,0 min38:47,0 min37:45,1 min12Roman SeljakMirko BavčeJanko KobentarCveto Pavčič2:37:30,6 h13Mike GallagherMike ElliottJim SheaJohn Bower2:39:17,3 h14John MooreJohn DentDavid ReesRoderick Tuck2:42:55,8 h15Donald MacLeodMartti RautioEric LuomaFranz Portmann2:44:29,1 h Datum: 8. Februar 1964, 09:00 Uhr Höhenunterschied: 140 m; Maximalanstieg: 43 m; Totalanstieg: 354 m 15 Staffeln am Start, alle in der Wertung.
Ergebnisse Frauen 5 km PlatzLandAthletinZeit (min)1Klawdija Bojarskich17:50,22Mirja Lehtonen17:52,93Alewtina Koltschina18:08,44Jewdokija Mekschilo18:16,75Toini Pöysti18:25,36Toini Gustafsson18:25,77Barbro Martinsson18:26,48Eeva Ruoppa18:29,89Senja Pusula18:45,710Rita Atschkina18:51,112Rita Czech-Blasel19:09,115Renate Dannhauer19:17,017Christine Nestler19:21,419Elfriede Uhlig19:52,320Heiderun Ludwig20:11,3 Datum: 4. Februar 1964, 09:00 Uhr Höhenunterschied: 64 m; Maximalanstieg: 39 m; Totalanstieg: 150 m 32 Teilnehmerinnen aus 11 Ländern, alle in der Wertung.
Favoritinnen waren die Läuferinnen aus der Sowjetunion, sie konnten aber die Spitzenränge nicht en bloc vereinnahmen. Die Voraussagen hinsichtlich Schweden und Finnland als größte Widersacherinnen bewahrheiteten sich: Lehtonen lag zur Halbdistanz noch knapp hinter Bojarskich, doch die Lehrerin aus Sibirien verfügte über genügend Reserven, um im Finish die Finnin auf Distanz zu halten.«Russin gewann 5-km-Langlauf der Damen». In: Kleine Zeitung Graz, 6. Februar 1964, S. 16.
10 km PlatzLandAthletinZeit (min)1Klawdija Bojarskich40:24,32Jewdokija Mekschilo40:26,63Marija Gussakowa40:46,64Britt Strandberg40:54,05Toini Pöysti41:17,46Senja Pusula41:17,87Alewtina Koltschina41:26,28Toini Gustafsson41:41,19Eeva Ruoppa41:58,110Mirja Lehtonen42:06,913Christine Nestler43:38,214Renate Dannhauer43:52,715Rita Czech-Blasel44:07,816Elfriede Uhlig44:08,825Heiderun Ludwig47:27,6 Datum: 1. Februar 1964, 09:30 Uhr Höhenunterschied: 103 m; Maximalanstieg: 37 m; Totalanstieg: 256 m 35 Teilnehmerinnen aus 12 Ländern, alle in der Wertung.
3 × 5 km PlatzLand / AthletinnenZeit1Alewtina KoltschinaJewdokija MekschiloKlawdija Bojarskich0:59:20,2 h21:17,9 min19:08,5 min18:53,8 min2Barbro MartinssonBritt StrandbergToini Gustafsson1:01:27,0 h21:53,9 min19:51,3 min19:41,8 min3Senja PusulaToini PöystiMirja Lehtonen1:02:45,1 h23:45,9 min19:39,8 min19:19,4 min4Christine NestlerRita Czech-BlaselRenate Dannhauer1:04:29,9 h22:34,1 min21:00,8 min20:55,0 min5Rosa DimowaNadeschda WassilewaKrastana Stoewa1:06:40,4 h24:41,4 min21:27,1 min20:31,9 min6Jarmila ŠkodováEva BřízováEva Paulusová1:08:42,8 h24:48,3 min21:44,1 min22:10,4 min7Teresa TrzebuniaCzesława StopkaStefania Biegun1:08:55,4 h25:53,4 min22:15,6 min20:46,4 min8Éva BalázsMaria TarnaiFerencne Hemrik1:10:16,3 h24:24,8 min22:59,4 min22:52,1 min Datum: 7. Februar 1964, 09:30 Uhr Höhenunterschied: 64 m; Maximalanstieg: 39 m; Totalanstieg: 150 m 8 Staffeln am Start, alle in der Wertung.
Obwohl über Nacht 15 Zentimeter Neuschnee gefallen war, war die Loipe morgens bei schönem Wetter recht schnell und im guten Zustand. Die Sowjetunion, die sowohl 1956 durch Finnland als auch 1960 durch Schweden besiegt worden war, war aufgrund der bisherigen Einzelkonkurrenzen der logische Favorit und übernahm schon nach 500 Metern die Führung, die sie nicht mehr abgab und sogar auf mehr als zwei Minuten ausbaute; jede Läuferin lief auf ihrem Abschnitt Bestzeit. Seltsames ereignete sich bei der finnischen Startläuferin Pusula, die eine derart schwache Zeit lief, sodass sie von ihrer Konkurrentin Koltschina um zweieinhalb Minuten distanziert wurde. Sie war in der gleißenden Sonne schneeblind geworden und taumelte durch die zweite Streckenhälfte. Doch schon auf der zweiten Teilstrecke konnte Pöysti den dritten Platz zurückerobern. Harte Positionskämpfe spielten sich hinter den Medaillenstaffeln ab, wobei sich Bulgarien noch auf Rang 5 vorschieben konnte.«Damenstaffel: 1. UdSSR, 2. Schweden». In: Kleine Zeitung Graz, 8. Februar 1964, S. 14.«UdSSR-Staffel unter einer Stunde». In: Kurier Wien, 8. Februar 1964, S. 9.«Erstmals russischer Sieg im Damen-Staffellauf». In: Sport Zürich, 8. Februar 1964, S. 6.
Literatur Skilanglauf bei den Olympischen Winterspielen: Liste der Olympiasieger im Skilanglauf. Hrsg. Bucher Gruppe, Verlag General Books, 2010, 188 Seiten.
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