L’innocenza giustificata ist ein Libretto zu einer Opera seria in drei Akten von Francesco Silvani. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Benedetto Vinaccesi am 26. Dezember 1698 im Teatro San Salvatore in Venedig. Es wurde bis 1739 immer wieder überarbeitet und von vielen verschiedenen Komponisten unter unterschiedlichen Titeln neu vertont.

Handlung

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte ist im Vorwort des Librettos folgendermaßen angegeben:

Kurzfassung

Erster Akt. Nach dem Tod von Ludovico Pio hat Lotario, sein Sohn aus erster Ehe, die Kaiserwürde übernommen. Ludovicos Witwe Giuditta will Edvige, ihrer Tochter aus erster Ehe, mit Lotarios Sohn Adalgiso vermählen. Lotario akzeptiert nicht, dass ihr Sohn Carlo aufgrund eines spät geänderten Testaments einen Teil des Reichs erben soll. Er hat mit dem Ritter Asprando einen heimlichen Verbündeten an Giudittas Hof, der ihn über alle Pläne seiner Rivalin informiert. Asprando hat bereits das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Carlo gar nicht Ludovicos Sohn sei, sondern ein Spross von Giudittas Vertrautem Berardo, mit dem sie Ehebruch begangen habe. Berardo wiederum soll auf Giudittas Wunsch deren zweite Tochter Gildippe heiraten. Vorerst stellt sich Adalgiso Giuditta gegenüber freundlich. Erst als sie ihm Carlo vorstellt, gibt er zu erkennen, dass er ihn nicht als Ludovicos Erben anerkennt. Giuditta verbietet ihrer Tochter daraufhin die Verbindung mit Adalgiso. Als Lotario wenig später Giuditta und Berardo offen des Ehebruchs bezichtigt und ein Handgemenge ausbricht, verteidigt Adalgiso die Beschuldigten.

Zweiter Akt. Adalgiso bleibt seinem Vater gegenüber standhaft. Edvige will dennoch dem Wunsch ihrer Mutter Folge leisten und ihre Beziehung zu ihm lösen. Adalgiso versichert ihr jedoch nachdrücklich seine tiefe Liebe. Lotario gelingt es durch eine List Asprandos, Carlo in seine Gewalt zu bringen. Berardo macht sich sofort auf den Weg, ihn zu befreien. Während er Lotarios Palast stürmt, droht dieser, den Knaben zu töten.

Dritter Akt. Adalgiso versichert Edvige, dass er auf ihrer Seite stehe und als Geisel für Carlos Rückkehr bürgen wolle. Er versteckt sich hinter der Tür, als Giuditta hereinkommt und Lotario ihr den Jungen bringt. Lotario schickt allerdings heimtückisch die Wachen hinaus und verschließt den Raum, um Giuditta ungestört zu erpressen: Sollte sie nicht unterschreiben, dass Carlo kein Sohn Ludovicos ist, werde er den Jungen in ihrem Beisein töten. Adalgiso kann Carlo jedoch in Sicherheit bringen und lässt die Wachen herein. Daraufhin gibt Lotario seine Pläne endgültig auf und versöhnt sich mit Giuditta. Vor der Hochzeit Adalgisos und Edviges muss noch die Unschuld Giudittas und Berardos bewiesen werden. Berardo erklärt öffentlich, dass die Vorwürfe eine Verleumdung seien. Wer anderes behaupte, möge dies in einem Duell bekräftigen. Tatsächlich tritt ein Gegner mit verhülltem Visier hervor. Berardo bezwingt und entwaffnet ihn. Es ist Asprando. Er gibt seine Schuld zu und verlangt nur noch einen schnellen Tod. Giuditta vergibt ihm jedoch. Edvige und Adalgiso sowie Berardo und Gildippe können heiraten.

Erster Akt

Königlicher Hof mit einer Treppe, die zu den Gemächern führt, die Giuditta für Lotarios vorgesehen hat

Szene 1. Adalgiso begrüßt seinen Vater, den neuen Kaiser Lotario, der zur Feier seiner Hochzeit mit Giudittas Tochter Edvige gekommen ist. Lotario entgegnet, dass Europa diese Verbindung sehnsüchtig erwarte.

Szene 2. Asprando richtet Lotario die Willkommensgrüße Giudittas und ihrer Tochter aus, während Adalgisos Gedanken seiner Braut gelten (Adalgiso: „In doi begl’occhi, amor“).

Szene 3. Unter vier Augen bespricht Lotario mit Asprando seine eigentlichen Ziele. Er kann nicht akzeptieren, dass Carlo einen Teil seines Reiches erben soll, und will es um jeden Preis behalten. Die Hochzeit ist lediglich ein Täuschungsmanöver, um Giuditta abzulenken (Lotario: „Amor codardo“).

Szene 4. Berardo warnt Giuditta vor den geheimen Absichten Lotarios. Er rät ihr, das Heer zu vergrößern, und versichert ihr seine bedingungslose Treue (Berardo: „Adorator il cor“).

Szene 5. Gildippe teilt ihrer Mutter mit, das Lotario freundlich gesinnt sei. Giuditta rät dennoch zur Vorsicht. Sie will, dass Gildippe Berardo heiratet. Gildippe ist einverstanden (Gildilppe: „Se si potesse amar“).

Szene 6. Giuditta ist bereit, sich Lotario entgegenzustellen (Giuditta: „E’ senza Gloria“).

Szene 7. Giuditta stellt Lotario ihren Sohn Carlo vor und weist auf dessen Ähnlichkeit mit seinem Vater Ludovico Pio hin. Lotario sieht diese aber nicht. Er behauptet, Carlos Gesicht lasse Berardos Streitsucht und Schamlosigkeit erkennen. Als Giuditta diese Beleidigung zurückweist, erklärt Lotario, dies sei die Meinung des ignoranten Pöbels. Er selbst habe nicht vor, sie zu entehren. Giuditta warnt ihn vor ihrem Zorn (Giuditta: „Illustre il sangue mio“).

Szene 8. Lotario wartet geduldig auf den richtigen Zeitpunkt, um seinen Plan auszuführen (Lotario: „Mascherata amor conduce“).

Szene 9. Adalgiso schwört Edvige seine tiefe Liebe. Ihre bösen Vorahnungen kann er vertreiben (Edvige: „Un guardo solo“).

Szene 10. Giuditta schickt Adalgiso hinaus, um mit ihrer Tochter unter vier Augen zu sprechen.

Szene 11. Empört über das Verhalten Lotarios verbietet Giuditta ihrer Tochter Edvige, dessen Sohn zu heiraten (Giuditta: „Ti sovenga di quel sangue“).

Szene 12. Edvige beklagt diese Entwicklung (Edvige: „Vi amai vezzosi rai“).

Bankettsaal

Szene 13. Gildippe ist sich nicht sicher, ob sie Berardos Gefühle erwidert. Sie glaubt aber, dass sie ihn lieben könnte (Gildippe: „Se mai dovessi amar“).

Szene 14. Auch die anderen betreten den Saal. Lotario beschuldigt Berardo öffentlich des Ehebruchs mit der Kaiserin. Berardo weist dies vehement zurück. Die Situation eskaliert, und es kommt zu einem Handgemenge zwischen Lotarios Soldaten und den Wachen Giudittas, die Berardo verteidigen. Entschlossen tritt Adalgiso zwischen die Streitenden und ergreift Partei für Giuditta. Lotario und seine Leute ergreifen die Flucht. Adalgisio hindert die Wachen daran, sie zu verfolgen. Zu Edviges Leid bekräftigt Giuditta noch einmal ihr Heiratsverbot (Edvige: „Lascia almeno“).

Szene 15. Asprando und Berardo versprechen Giuditta, den Thron zu verteidigen.

Szene 16. Giuditta verlässt sich auf Berardo (Giuditta: „Alla spada, che al fianco ti pende“).

Szene 17. Berardo ist fest entschlossen, sein Leben dem Schutz Giudittas, Carlos und Gildippes zu widmen (Berardo: „Si viva, e si speri“).

Zweiter Akt

Zurückgezogener Ort in den Gemächern Lotarios

Szene 1. Wegen Giudittas Wachsamkeit sieht Lotario seine Pläne gefährdet. Asprando versichert ihm jedoch, dass sie ihm noch vertraue.

Szene 2. Als Lotario Adalgiso wegen seines Verhaltens wütend zur Rede stellen will, weist sein Sohn alle Anschuldigungen zurück. Er habe im Gegenteil seine Braut verteidigt und durch sein Eingreifen Lotarios Ehre gerettet. Seinen Thron auf diese Weise zu erobern sei verabscheuungswürdig. Lotario dagegen glaubt an das Recht des Stärkeren. Darauf zu verzichten hält er für Schwäche und Feigheit (Lotario: „Troppo bella è quella colpa“).

Szene 3. Adalgiso will seinen Prinzipien und seiner Geliebten treu bleiben (Adalgiso: „Non sò, sdegnose, ò lusinghiere pupille del mio ben“).

Garten bei den Gemächern der Prinzessin

Szene 4. Gildippe ist beunruhigt über das Geschehene und sorgt sich um die Zukunft.

Szene 5. Die beiden Schwestern schütten einander ihr Herz aus. Gildippe beruhigt Edvige mit einem Hinweis auf ihre große Tugendhaftigkeit (Gildippe: „Hà lusinghe, e non hà forza“). Edvige fühlt sich dadurch gestärkt (Edvige: „Eroici penseri d’illustre costanza“).

Szene 6. Edvige möchte ihrer Mutter gehorchen und ihre Beziehung mit Adalgiso beenden. Der versichert ihr aber so glaubwürdig seine ungebrochene Liebe, dass Edvige ihre Tränen kaum zurückhalten kann.

Szene 7. Adalgiso reflektiert seine eigenen Gefühle für Edvige (Adalgiso: „Amar per potere“).

Giudittas Zimmer; Nachts

Szene 8 (nicht vertont). Giuditta stärkt sich im Gebet.

Szene 9. Asprando teilt Giuditta mit, dass ihr Sohn im Palast nicht mehr vor den Nachstellungen Lotarios und seiner Leute sicher sei. Er überredet sie, ihm das Kind zu übergeben, damit er es in Sicherheit bringen kann (Asprando: „Hò l’alma tutta fede“).

Szene 10. Giuditta lässt Carlo holen. Asprando verkleidet den Jungen als Dorfbewohner und bringt ihn fort.

Szene 11. Giuditta erzählt Gildippe besorgt, dass sie um Carlos Leben fürchtet.

Szene 12. Edvige berichtet, dass Asprando sie verraten und Carlo Lotario übergeben habe. Giuditta fleht Berardo an, ihren Sohn zu retten. Berardo verspricht dies (Berardo: „Calcherò l’armi rubelle“).

Szene 13. Gildippe und Edvige beklagen das launische Schicksal (Gildippe: „Non sempre è dolce“).

Szene 14. Edvige verliert die Hoffnung (Edvige: „Non spero più di ribaciarvi ò belle“).

Großer Platz vor dem Palast Lotarios mit einer Loggia

Szene 15. Berardo nähert sich mit seinen Soldaten dem Palast, in dem Carlo gefangen gehalten wird (Berardo: „Sù guerrieri à l’alta impresa“).

Szene 15b. Asprando stürmt mit seinen Soldaten aus dem Tor. Berardo greift sie mit den Seinigen an. Nach einem kurzen Handgemenge ziehen sich Asprandos Leute in den Palast zurück und schließen das Tor. Während Berardos Soldaten sich anschicken, das Tor in Brand zu stecken, tritt Lotario mit Carlo auf die Loggia und droht damit, das Kind in den Fluss zu werfen. Obwohl Berardo die Mauern sichern lässt, will Lotario nicht aufgeben (Lotario: „Tuona il Ciela, e i lampi oppone“).

Dritter Akt

Edviges Zimmer mit einem Kabinett

Szene 1. Auf Bitten Adalgisos hält Gildippe zu seinen Gunsten Fürsprache bei Edvige (Gildippe: „Un sereno pensier mi nasce in petto“).

Szene 2. Adalgiso erscheint in Edviges Zimmer, um sich selbst als Geisel anzubieten. Er hofft, dadurch Carlo aus der Gewalt seines Vaters retten zu können.

Szene 3. Gildippe teilt Edvige mit, dass Giuditta gleich kommen werde, um sie zu sprechen. Adalgiso schwört Edvige erneut seine Liebe und zieht sich in das Kabinett zurück.

Szene 4. Giuditta teilt ihren Töchtern mit, dass Lotario versprochen habe, ihr Carlo zurückzugeben. Er verlange nur zuvor eine kurze Unterredung mit ihr. Die Töchter schöpfen wieder Hoffnung (Gildippe/Edvige: „Mi palpita in seno“).

Szene 5. Giuditta glaubt, nie wieder glücklich werden zu können, wenn sie wieder enttäuscht werden sollte (Giuditta: „Non ti credo mai più“).

Szene 6. Lotario bringt Carlo zu seiner Mutter und bittet sie, alle außer Carlo herauszuschicken, da er ihr seine Absichten nur persönlich mitteilen wolle. Nachdem dies geschehen ist, schließt er die Tür ab, bedroht Carlo mit dem Messer und zwingt Giuditta, zu unterschreiben, dass sie Ehebruch begangen habe und Carlo nicht Ludovicos Sohn sei. Giuditta versucht, ihm den Dolch zu entreißen. Als Lotario daher den Jungen für einen Moment loslassen muss, bringt ihn Adalgiso in Sicherheit, schließt die Tür auf und lässt die Wachen herein.

Szene 7. Nach einer eindringlichen Rede Adalgisos gesteht Lotario Giuditta ihren Sieg zu. Giuditta erkennt den Großmut Adalgisos an und ist bereit, ihm die Hand ihrer Tochter zu geben (Adalgiso/Giuditta: „Serenati sono i cieli“).

Der für die Hochzeit Adalgisos und Edviges vorgesehene Ort mit einem Thron und einem abgezäunten Bereich

Szene 8. Das Brautpaar wird in einem Ruhmestempel herabgelassen. Giuditta muss nun, da ihr Sohn gerettet ist, noch ihre und Berardos Unschuld beweisen. Berardo will dafür im Kampf eintreten.

Szene 9. Nachdem die anderen eingetroffen sind, erklärt Giuditta den Frieden (Giuditta: „Coronata il crin d’olivo“). Berardo betritt mit zwei Knappen den Platz und schwört, dass Giuditta und er unschuldig und Opfer einer Verleumdung geworden seien. Sollte jemand etwas anderes behaupten, möge er hervortreten und seine Anschuldigungen im Kampf bekräftigen.