Juri Nikolajewitsch Semjonow (; * in Wladikawkas, Russisches Kaiserreich; † 1977 in Uppsala) war ein russisch-deutscher Geograph und Schriftsteller.

Leben

Juri Semjonow wurde 1894 in Wladikawkas, im Oblast Terek und der Kaukasischen Statthalterschaft (Кавказское наместничество) als Sohn des höheren Verwaltungsbeamten Nikolai Sergejewitsch Semjonow (Николай Сергеевич Семёнов, 1844–1900) und dessen Frau Emilia geboren. Sein Vater Nikolai war zudem ein auf den Kaukasus spezialisierter Historiker und Volkskundler und gehörte zu den ersten, die tschetschenische Sagen und Märchen herausgaben, die er unter dem Pseudonym Nanu Semjonow (Нану Семёнов) veröffentlichte (Сказки и легенды чеченцев, 1882). Juri hatte acht Geschwister, von denen ein weitaus älterer Bruder der später bedeutende Architekt und Stadtplaner für Moskau Wladimir Semjonow (1874–1960) war.

Während Juri Semjonow in Moskau studierte, brach der Erste Weltkrieg aus. In der Zeit des sich anschließenden russischen Bürgerkrieges ließ er sich ebenso wie viele andere „weiße Emigranten“ in Berlin nieder, wo er sein Studium fortsetzte und mit der Promotion abschloss.

Semjonow veröffentlichte in der von Karl Haushofer herausgegebenen Zeitschrift für Geopolitik.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Semjonow Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Er wohnte in Berlin-Wilmersdorf mit seiner Frau Tatiana, geborene Lutkowskaja. Im Jahre 1934 veröffentlichte er zusammen mit dem Militärgeographen Oskar von Niedermayer eine Abhandlung über die Sowjetunion, die dem Osteuropahistoriker Karl Schlögel zufolge in der Tradition des russischen Historikers Wassili Kljutschewski steht.

In der Buchreihe Unterhaltsame Wissenschaft veröffentlichte Semjonow 1936 eine Wirtschaftsgeographie für Jedermann. Sein populärstes Werk Die Eroberung Sibiriens von 1937 erschien noch während der Zeit des Nationalsozialismus in mehreren europäischen Ländern.

Während des Zweiten Weltkrieges veröffentlichte Semjonow in der Zeitung Das Reich.

Nach Ende des Krieges emigrierte Semjonow nach Schweden. Im Jahre 1955 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala verliehenFilosofiska fakultetens hedersdoktorer, 1955 Semjonow, Georgij N., FDhc, författare, Uppsala Universitet., an der er später an der „humanistiska fakulteten“ tätig war.

Juri Semjonow starb im Jahre 1977 in Uppsala.

Publikationen Der „Kultur-Bolschewismus“ in seiner Heimat, in: Zeitschrift für Geopolitik, VIII, H. 6., 1931 Die Sowjet-Union, eine geopolitische Problemstellung, zus. mit Dr. Oskar von Niedermayer, 1934 Die Güter der Erde. Eine Wirtschaftsgeographie für Jedermann, 1936 auf Rumänisch: Averile pământului. O geografie economică pentru oricine, 1943 auf Holländisch: De rijkdommen der aarde. Over het huishouden der mensheid: Economische aardrijkskunde voor iedereen, 1943 auf Französisch: Les Biens de la terre, 1957 auf Spanisch: Las riquezas de la tierra, 1962 Die Eroberung Sibiriens. Ein Epos menschlicher Leidenschaften. Roman eines Landes, 1937 auf Französisch: La conquête de la Sibérie du IXe au XIXe siècle, 1938 auf Tschechisch: Dobývaní Sibiře: epos lidských vášní, román jedné země, 1941 auf Holländisch: De verovering van Siberië: een epos van menschelijke hartstochten, 1944 auf Englisch: The Conquest of Siberia. An Epic of Human Passions, 1944 auf Italienisch: La conquista della Siberia. Epopea di un popolo e di un paese, Bompiani, Milano, 1947 Glanz und Elend des französischen Kolonialreiches, 1942, 2. Aufl. 1944 Einleitung zu der von Johannes von Guenther hrsg. Anthologie Neue russische Lyrik, 1960 Похвала праздности: Опыт историко-социологической интерпретации некоторых текстов Пушкина (dt. Das Lob der Muße), 1960 Du und der Reichtum der Erde, 1961 Nachwort zu den Aufzeichnungen von Vater Alexander Eltschaninow (Александр Викторович Ельчанинов), 1964 "Das Häuschen in Kolomna" in der poetischen Erbschaft A. S. Puskins. Text, Interpretation und literatur-historischer Kommentar, 1965 Johannes von Guenther zum 80. Geburtstag, Würdigungsschrift zus. mit Erich Müller-Kamp, 1966 Erdöl aus dem Osten. Die Geschichte der Erdöl- und Erdgasindustrie in der Sowjetunion, 1973 Sibirien. Schatzkammer des Ostens, 1976

Literatur Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1939 u. 1943. Hans Halm: Achtzig Jahre russischer Geschichtsschreibung außerhalb Rußlands, Jahrbücher für Geschichte Osteuropas B. 5. H. 1/2, 1957 Зарема Ибрагимова: Мир чеченцев. XIX век, 2016 Amjad M. Jaimoukha: The Chechens. A Handbook, 2005 Karl Schlögel: Das Russische Berlin. München 2007

Einzelnachweise

Kategorie:Geograph (20. Jahrhundert) Kategorie:Theoretiker der Geopolitik Kategorie:Mitglied der Reichsschrifttumskammer Kategorie:Ehrendoktor der Universität Uppsala Kategorie:Russe Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1977 Kategorie:Mann