miniatur|Mike Lindell (2025)
Michael „Mike“ James Lindell (geboren am 28. Juni 1961 in Mankato, Minnesota) ist ein US-amerikanischer Unternehmer, Vertrauter des US-Präsidenten Donald Trump und Verschwörungsideologe. Er wurde 2009 als My Pillow Guy („Typ der Mein-Kissen-Werbung“) bekannt, der in Fernsehwerbespots seines Unternehmens auftrat.
Unternehmer Ab den 1980er Jahren gründete Lindell als Selfmademan verschiedene Unternehmen, hauptsächlich Betriebe der Gastronomie. Er war lange Zeit drogenabhängig und zweimal verheiratet. Seine erste Ehe dauerte zwanzig Jahre, seine zweite (2013) zwei Wochen.Inside The MyPillow Guy's Relationship With His Ex-Wife. TheList.com, 8. Juni 2020
2004 kam ihm die Idee, formhaltende Schaumstoff-Kissen zu vermarkten. 2009 gelang ihm der Durchbruch durch eine weithin ausgestrahlte Infomercial-Sendung, die seiner Kissenmarke My Pillow zu großer Bekanntheit verhalf. Lindells Unternehmen beschäftigte 2010 bereits 500, bis 2017 rund 1500 Mitarbeiter. Sein Umsatz wuchs bis dahin auf 300 Millionen US-Dollar. So wurde Lindell zum Multimillionär.How this entrepreneur went from a crack addict to a self-made multimillionaire. CNBC, 20. September 2017 Klagen gegen irreführende Werbung für die angeblich auch therapeutisch wirksamen Kissen legte Lindell 2016 mit einer außergerichtlichen Zahlung von einer Million US-Dollar bei.Filipa A. Ioannou: MyPillow maker to pay $1 million in false advertising settlement. San Francisco Chronicle, 1. November 2016
Im Januar 2025 verurteilte ein Gericht in Minnesota das Unternehmen My Pillow, dem Logistikunternehmen DHL 778.000 Dollar zu zahlen. Die Summe entstand durch unbezahlte Rechnung zuzüglich Zinsen und Anwaltskosten.Newsweek: "Judge Orders Mike Lindell's MyPillow to Pay DHL for Unpaid Bills", 8. Januar 2025
Wahlkampfhelfer für Trump miniatur|Lindell im Wahlkampf 2020 Seit der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 trat Lindell als Unterstützer des republikanischen Kandidaten Donald Trump hervor. Fortan verknüpften beide wechselseitig ihre geschäftlichen und politischen Interessen miteinander. So pries Trump Lindell bei einem Auftritt 2018 als „den größten“ Geschäftsmann und Unterstützer: Lindell stelle „tolle Kissen“ her, die er, Trump, selbst benutze. Weil Lindell „tolle Deals“ erreiche, wolle er ihn als Werbeanzeigenkäufer. Lindell, der sich als gläubiger Christ darstellt, pries Trump bei der jährlichen Conservative Political Action Conference (CPAC) 2019 als „auserwählt von Gott“. Er nahm an Trumps Neujahrsparty 2020 in Mar-a-Lago teil. Im Februar 2020 trafen sich beide im Weißen Haus. Dabei soll Trump Lindell wie schon 2018 ermutigt haben, im Wahljahr 2022 für das Gouverneursamt von Minnesota zu kandidieren. 2018 hatte Lindell die Idee fallen lassen, weil Entlassungen in seiner Firma kurz bevorstanden; im Jahr 2019 entließ er 150 Arbeiter. Am 29. Februar 2020 machte Trump Lindell zum Vorsitzenden der Kampagne in Minnesota für Trumps Wiederwahl bei der US-Präsidentschaftswahl 2020. Am 30. März 2020 durfte Lindell neben Trump im White House Rose Garden auftreten und Werbung für seine Firma machen. Er verkündete, diese stelle nun auch Gesichtsmasken zum Schutz vor einer Infektion mit COVID-19 her. Er werde 75 Prozent der Produktion seiner Firma auf Gesichtsmasken umstellen. Dann lobte er Trump für seinen Umgang mit der COVID-19-Pandemie in den USA: Trump habe eine Nation gerettet, die „Gott den Rücken zugewandt“ habe.John Bodner et al.: Covid-19 Conspiracy Theories. McFarland, North Carolina 2021, S. 192 Mit der Herstellung von mehr als 50.000 Gesichtsmasken täglich folge er Trumps Linie America First, Arbeitsplätze in den USA zu schaffen, statt Masken von Übersee zu importieren.Daniel Lippman, Tina Nguyen: Trump has been nudging MyPillow CEO Mike Lindell to run for office. Politico, 30. März 2020 Lindells Auftritt wurde als bisheriger Höhepunkt von Trumps Einbindung prominenter Unternehmer in seine Wiederwahlkampagne bewertet.Gail Collins: Well, at Least Trump Hasn’t … Always look on the bright side of life. The New York Times (NYT), 1. April 2020
Am 9. Juni 2020 nahm Lindell an einem Beratertreffen teil, das Trumps folgende Wahlkampfauftritte plante und den ersten Auftritt zunächst unbedacht, dann auf Trumps Bestehen bewusst auf den Juneteenth in Tulsa festlegte. Lindell sorgte also mit dafür, dass Trump am jährlichen Feiertag der Befreiung der Afroamerikaner aus der Sklaverei in jenem Ort auftrat, wo rund 100 Jahre zuvor das rassistische Massaker von Tulsa an bis zu 300 Afroamerikanern stattgefunden hatte. Die Wahl des Datums und des Ortes wurden als Wink an die weiße Wählerbasis Trumps und Ausdruck eines Geschichtsrevisionismus des Wahlkampfteams verstanden. Die erhoffte Massenbeteiligung in Tulsa blieb aus.Michael C. Bender: Frankly, We Did Win This Election: The Inside Story of How Trump Lost. Twelve, 2021, ISBN 1-5387-3480-X, S. 211 f.
Im Juli 2020 erwarb Lindell Anteile an der Firma Phoenix Biotechnology, bewegte US-Präsident Trump dazu, sich mit dem Firmeneigner zu treffen, und warb zusammen mit Bauminister Ben Carson bei Trump für ein Oleandrin-Produkt dieser Firma: Der Pflanzenextrakt könne COVID-19 vorbeugen oder heilen. Belege dafür fehlten; das Mittel war nie durch Tierversuche oder klinisch an Menschen als COVID-19-Heilmittel getestet worden. Stephen Hahn, der Chef der für die Heilmittelzulassung zuständigen Food and Drug Administration (FDA), war nicht beim Treffen mit Trump anwesend. Gleichwohl wollte Trump die FDA Lindell zufolge zur Zulassung des Mittels drängen. Dies löste bei FDA-Experten und Infektiologen große Besorgnis aus, da Trump zuvor schon öfter für COVID-19-Patienten unwirksame und gefährliche Mittel angepriesen und auf ihre Zulassung gedrängt hatte.Jonathan Swan: Trump eyes new unproven coronavirus “cure”. Axios, 16. August 2020
Im September 2020 erklärte Trump bei einem Wahlkampfauftritt, Lindell könne Minnesotas nächster Gouverneur werden; er unterstütze Lindells Kandidatur voll und ganz. Daraufhin unterstützte auch die Republikanische Partei in Minnesota Lindells Kandidatur, obwohl sie ihren Kandidaten sonst erst im Wahljahr bestimmte.MyPillow's Mike Lindell is Trump's choice vs. Walz in 2022. Star Tribune, 26. September 2020
Propagandist eines angeblichen Wahlbetrugs
Nach seiner Wahlniederlage im November 2020 machte Trump Lindell mit der Anwältin und QAnon-Anhängerin Sidney Powell und dem vorbestraften Ex-General Michael T. Flynn zu seinen engsten Beratern. Auf ihren Rat hin propagierte Trump ab Mitte November die Verschwörungsthese einer Manipulation der Wahl mit den Maschinen der Firma Dominion Voting Systems.Michael C. Bender: Frankly, We Did Win This Election, 2021, S. 416
Am 5. Dezember 2020 rief Lindell die regierenden Republikaner der Bundesstaaten Georgia, Pennsylvania und Nevada öffentlich dazu auf, mit legislativen Beschlüssen Trump den Wahlsieg zuzusprechen und so die Wählermehrheiten für Joe Biden und die entsprechende Mehrheit des Electoral College umzustürzen. Zudem behauptete er, republikanische Gegner dieser Maßnahmen würden im Gefängnis landen.Bob Brigham: ‘MyPillow Guy’ Mike Lindell calls for Republicans to overturn the election in 3 states Trump lost. Raw Story, 5. Dezember 2021 Er bezeichnete die Wahlmaschinen von Dominion als „größten Betrug“ und behauptete, mit ihrer Technik seien Millionen Wählerstimmen für Trump in solche für Biden umgewandelt worden. Experten widerlegten diesen Verschwörungsmythos vollständig. Lindell vertrat diesen jedoch kontinuierlich weiter und engagierte sich stark in der Stop-the-Steal-Bewegung.Grace Dean: Dominion Voting Systems is threatening to sue MyPillow CEO Mike Lindell over his 'false and conspiratorial' election-fraud claims. Business Insider, 19. Januar 2021 Er finanzierte eine zweiwöchige Bustour von Trumpanhängern durch die USA, die am 14. Dezember 2020 in Washington, D.C. endete, und sprach dabei an fünf Orten über den angeblichen Wahlbetrug. Die Tour mobilisierte zahlreiche Trumpanhänger für den späteren Sturm auf das Kapitol in Washington 2021.Bhargav Acharya: Twitter permanently suspends My Pillow CEO for election misinformation. Reuters, 26. Januar 2020
Nach diesem gewaltsamen Putschversuch am 6. Januar 2021 zertifizierte der US-Kongress noch am selben Tag Trumps Wahlniederlage. Lindell spielte den Putschversuch herunter und erklärte zugleich, er bete für einen Militärputsch. Er bot Kunden, die den Code „Kämpft für Trump“ benutzten, einen Preisnachlass auf seine Produkte an. Am 8. Januar 2021 kündigte die Firma Dominion eine Klage auf Schadensersatz in Milliardenhöhe gegen ihn und andere Trumpverteidiger an. Sie schrieb Lindell, mit seiner „Verleumdungskampagne“ in sozialen Medien habe er dem Namen und den Geschäftsbeziehungen der Firma größtmöglichen Schaden zugefügt und keinerlei zuverlässige Beweise für seine Verschwörungstheorie vorlegen können, weil es diese nicht gebe. Lindell behauptete, die Klage werde ihm helfen, seine angeblichen Beweise bekannt zu machen.
Am 15. Januar 2021 sprach Trump mit Lindell über letzte Möglichkeiten, trotz der zertifizierten Wahlniederlage im Präsidentenamt zu bleiben. Beim Eintritt in das Weiße Haus hielt Lindell ein Merkblatt in der Hand, auf dem Medienkameras unter anderem die Stichpunkte “Insurrection Act now as a result of the assault on the [election]” („Aufstandsgesetz jetzt als Ergebnis des Anschlags auf die Wahl“), “martial law if necessary” („Kriegsrecht, falls nötig“) und den Satz “Move Kash Patel to CIA Acting” („Mache Kash Patel zum CIA-Chef“) fotografierten. Im Fall einer Wahlniederlage Trumps hatten ihm schon mehrere Berater, darunter Roger Stone, zum Ausrufen des Kriegsrechts geraten. Lindell griff diese Idee somit auf.Martin Pengelly: Trump ally Mike Lindell of My Pillow pushes martial law at White House. The Guardian, 16. Januar 2021 Er griff auch Trumps Plan vom Dezember 2020 wieder auf, die CIA-Direktorin Gina Haspel durch den unerfahrenen, aber loyalen Sicherheitsberater Patel als neuen CIA-Chef zu ersetzen. Nach Recherchen von Axios-Reportern hatten Vizepräsident Mike Pence und der Berater Pat Cipollone den Plan zuvor gestoppt.Jonathan Swan: Episode 5: The secret CIA plan. Axios, 18. Januar 2021
Nach Bidens Amtsantritt als neuer US-Präsident am 20. Januar 2021 erklärte Lindell, er werde erst nach dem Beweis für Trumps Wahlsieg über seine Kandidatur zum Gouverneursamt in Minnesota entscheiden. Solange die Wahlmaschinen für den (angeblichen) Wahlbetrug nicht ersetzt würden, sei eine Kandidatur sinnlos. Dies wurde als Vorwand für einen eventuellen Rückzug von der Kandidatur gedeutet. Viele führende Republikaner sahen Lindells Kandidatur als katastrophal für die Aussichten eines nationalen Wahlsiegs ihrer Partei im Jahr 2022 an.Torey Van Oot: Mike Lindell moves the goalposts on a run for Minnesota governor. Axios, 25. Januar 2021
Am 16. Januar hatte Lindell in einem Tweet behauptet, er besitze ein Beweisdokument, wonach Trump elf Millionen mehr Stimmen als Biden erhalten habe. Twitter flaggte den Tweet als umstritten und blockte dann seine Weiterverbreitung. Am 26. Januar 2021 sperrte Twitter die Benutzerkonten von Lindell und seinem Unternehmen wegen wiederholter, gegen die Richtlinien verstoßender Falschinformationen zur Präsidentschaftswahl 2020 dauerhaft. Lindell hatte auf Twitter fast 500.000 Follower.