mini|Porträtfoto von Nicolae Ceaușescu (1965) mini|klasse=skin-invert-image|Ceaușescus Unterschrift Nicolae Ceaușescu []John C. Wells: Longman Pronuciation Dictionary. Beijing: Commercial Press, 2005. (; * 26. Januar 1918 in Scornicești, Königreich Rumänien; † 25. Dezember 1989 in Tîrgoviște, SR Rumänien) war ein rumänischer Politiker. Als Generalsekretär der Rumänischen Kommunistischen Partei, Staatspräsident und Vorsitzender des Staatsrates war er von 1965 bis 1989 der neostalinistischeThomas Kunze: Nicolae Ceaușescu. Ch. Links Verlag, 2000, S. 356 () Diktator der Sozialistischen Republik Rumänien.
Leben
Herkunft und Jugend mini|hochkant|Ceaușescu auf einem Polizeifoto (1933) mini|hochkant|Als Funktionär der RKP im Jahr 1939 Laut Geburtsregister wurde Nicolae Ceaușescu am 23. Januar 1918 als drittes von neun Kindern des Kleinbauern Andruță Ceaușescu und dessen Ehefrau Alexandrina geboren. Offiziell wurde als sein Geburtstag jedoch der 26. Januar angegeben. Er wuchs in einfachen Verhältnissen in seinem Geburtsort Scornicești auf, einem Dorf mit damals etwa 2000 Einwohnern in der Großen Walachei. Sein jüngster Bruder Ioan wurde später Staatssekretär, ein anderer Bruder, Ilie, stellvertretender Verteidigungsminister. Ceaușescu besuchte zunächst die vierjährige Grundschule in seinem Heimatort und zog als Elfjähriger in die Hauptstadt Bukarest, wo er im Haushalt seiner älteren Schwester Niculina und deren Ehemann lebte. In Bukarest absolvierte er eine Lehre zum Schuhmacher und kam erstmals mit der Ideologie des Kommunismus in Kontakt. Sein Meister Alexandru Săndulescu war aktives Mitglied der damals noch illegalen Rumänischen Kommunistischen Partei (PCR/RKP), der er im Frühjahr 1932 selbst beitrat.
1933 wurde Ceaușescu aus bis heute nicht genau bekannten Gründen erstmals verhaftet. Im August 1934 wurde er beim Verteilen regierungsfeindlicher Flugblätter gefasst, erneut festgenommen und der Hauptstadt verwiesen. Unter Polizeibegleitung musste Ceaușescu in seinen Heimatort Scornicești zurückkehren und wurde in seiner Polizeiakte als „gefährlicher kommunistischer Agitator“ und „aktiver Verteiler kommunistischer und antifaschistischer Propaganda“ geführt. Ceaușescu opponierte gegen die Politik König Carols II., dessen Regierung sich bis 1940 immer mehr zur Königsdiktatur entwickelte, und ging in den Untergrund. Nach einer weiteren Verhaftung 1936 wurde er wegen antifaschistischer Aktivitäten zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Während seiner Haftstrafe im Gefängnis Doftana traf er auf Gheorghe Gheorghiu-Dej sowie weitere führende Mitglieder der RKP. Nachdem er Ende 1938 aus der Haft entlassen worden war, nahm Ceaușescu 1939 eine Tätigkeit als kommunistischer Jugendfunktionär auf und lernte die zwei Jahre ältere Lenuța Petrescu kennen, die er am 23. Dezember 1947 heiratete.
Nach der Machtübernahme des faschistischen Militärdiktators Ion Antonescu im September 1940 setzte die systematische Verfolgung politischer Gegner ein. Als Mitglied der RKP wurde Ceaușescu verhaftet und 1943 in einem Internierungslager nahe Târgu Jiu inhaftiert. Dort teilte er sich eine Zelle mit Gheorghe Gheorghiu-Dej, und die beiden entwickelten eine enge Freundschaft. Ceaușescu kam erst nach dem Sturz des Antonescu-Regimes am 23. August 1944 frei. Die Parteimitglieder, die gemeinsam inhaftiert gewesen waren, nannten sich später die Gefängnisfraktion und setzten sich in den folgenden Jahren innerhalb der RKP gegen die Moskauer Fraktion um Ana Pauker durch.
Funktionärskarriere im sozialistischen Rumänien Unter dem Druck der vorrückenden sowjetischen Roten Armee (Operation Jassy-Kischinew) war es der Opposition mit der Unterstützung König Michaels I. gelungen, das Antonescu-Regime zu stürzen. Die Kommunisten traten in eine Mehrparteienregierung ein und übernahmen bis 1947 die gesamte Staatsmacht. Mit Ausrufung der Volksrepublik Rumänien dankte Michael I. am 30. Dezember 1947 ab.
Nach seiner Freilassung 1944 wurde Ceaușescu im selben Jahr führendes Mitglied der kommunistischen Jugendbewegung und im Oktober 1945 durch die Unterstützung seines Förderers Gheorghiu-Dej Mitglied im Zentralkomitee (ZK) der RKP. Am 19. November 1946 wurde er als Abgeordneter für den Distrikt Olt in die Große Nationalversammlung gewählt und behielt diesen Sitz bis zu seinem Tod 1989. Auf dem Vereinigungsparteitag der RKP mit der sozialdemokratischen PSD zur Rumänischen Arbeiterpartei (PMR, Partidul Muncitorilor din România) im Februar 1948 wurde Ceaușescu nicht wieder ins ZK gewählt, obwohl das Gremium auf 41 Personen aufgestockt wurde. Vorläufig war Ceaușescu eines von 16 stellvertretenden ZK-Mitgliedern, konnte sich jedoch der weiteren Protektion seines Förderers Gheorghiu-Dej sicher sein. Dieser verhalf ihm im März 1948 auf den Posten des stellvertretenden Landwirtschaftsministers unter Vasile Vaida, der ebenso wie Ceaușescu Schuhmacher war. Allerdings zog er in dieser Funktion als Hauptverantwortlicher für die Bodenreform starke Kritik auf sich. Ceaușescu folgte in dieser Phase den Vorstellungen Ana Paukers, die als Mitglied des sogenannten Moskauer Flügels der Ideologie Josef Stalins nahestand. Die Radikalität in der Frage der Bodenreform führte zu Zweifeln bei Gheorghiu-Dej, der sich entschloss, den Enthusiasmus seines Protegés auf ein anderes Feld zu lenken. Ceaușescu wurde am 9. Januar 1950 für vier Jahre stellvertretender Verteidigungsminister, gleichzeitig wurde er zum Generalleutnant der Infanterie befördert und war Chef der Obersten Politischen Direktion der Volksarmee (rumänisch Șef al Direcției Superioare Politice a Armatei Populare).
Am 23. Juli 1953 kam es zu einer Aufwertung seines Amtes, indem Ceaușescu sich fortan Erster stellvertretender Verteidigungsminister nennen durfte und damit in der Ministerialhierarchie direkt hinter Verteidigungsminister Emil Bodnăraș stand. In der Zwischenzeit wurde er im Mai 1952 im Zuge der „Säuberungen“ gegen die Moskauer Fraktion um Ana Pauker auch wieder Mitglied des ZK der PMR.
Sein innerparteilicher Aufstieg begann spätestens, als Ceaușescu mit dem Ende seiner Zeit im Verteidigungsministerium am 19. April 1954 zum Sekretär des Zentralkomitees für Organisationsfragen sowie zum Kandidaten für das Politbüro aufstieg. Der Posten des ZK-Sekretärs für Organisationsfragen stellte in den kommunistischen Parteien eine wichtige Machtposition dar, weil damit unter anderem auch der Zugriff auf innerparteiliche Personalentscheidungen gegeben war. Die endgültige Aufnahme Ceaușescus in das Politbüro, das aus elf Personen bestand, fand im Dezember 1955 statt.
Nachfolger von Gheorghe Gheorghiu-Dej Zehn Jahre später starb der bis dahin unbestrittene Führer der rumänischen Kommunisten, Gheorghe Gheorghiu-Dej, an Krebs. Die Nachfolge war nur wenige Stunden nach Gheorghiu-Dejs Tod zugunsten Ceaușescus entschieden. Im engsten Führungszirkel, dem Politbüro, das die Entscheidung traf, hatte sich Ceaușescu schon zuvor seine Wahl gesichert. Die Nominierung zum Ersten Sekretär des ZK der PMR durch das ZK am 22. März 1965, drei Tage nach dem Ableben seines Förderers, war nur eine Formsache, genauso wie die formell nötige Wahl durch den Parteitag im Juli 1965. Bei diesem Parteitag setzte Ceaușescu auch durch, dass die PMR wieder in RKP zurückbenannt wurde. Nach dem bisher weitgehend allein herrschenden Gheorghiu-Dej musste sich Ceaușescu die Macht anfangs mit anderen Personen teilen, die ihn bei der Wahl innerparteilich gegen Konkurrenten unterstützt hatten. Man versprach sich, mit Ceaușescu einen leicht lenkbaren Spitzenfunktionär gefunden zu haben.Kunze, S. 155. So übernahm Chivu Stoica das Amt des Vorsitzenden des Staatsrates und Ion Gheorghe Maurer behielt seinen Posten als Ministerpräsident. Auf dem bewussten Parteitag wurde diese Ämterteilung formalisiert, indem festgeschrieben wurde, dass Parteimitglieder zukünftig nur noch eine Führungsfunktion als Vollzeitstelle besetzen sollten.
1966 begann Ceaușescu ein Fernstudium (fără frecvență, ), welches er mit einem Diplom der Bukarester Wirtschaftsakademie abschloss. Man geht davon aus, dass seine Diplomarbeit Ausgewählte Probleme der industriellen Entwicklung Rumäniens im 19. Jahrhundert von einem Ghostwriter verfasst wurde.Kunze, S. 161.
Schnell zeigte sich die Zielstrebigkeit Ceaușescus, der bereits am 9. Dezember 1967 zusätzlich das Amt des Vorsitzenden des Staatsrates übernahm. Damit war das Prinzip der Ämtertrennung in Rumänien aufgehoben. Ceaușescu war zusätzlich zum Parteivorsitzenden, Staatsoberhaupt und zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt worden.
Ausbau der Popularität und Hinwendung zum Westen Ceaușescu erlangte schnell große Popularität in Rumänien. Die äußeren Bedingungen waren günstig. Die Industrialisierungspolitik begann in den späten 1960er Jahren zu wirken und Rumänien erlebte eine Zeit nie dagewesenen Wohlstands. Außenpolitisch betonte Ceaușescu die Unabhängigkeit Rumäniens und distanzierte sich öffentlich vom Führungsanspruch der Sowjetunion innerhalb der kommunistischen Bewegung. Indirekt auf die Sowjetunion bezogen erklärte er auf einer Beratung des Zentralkomitees der Rumänischen Kommunistischen Partei im März 1968:
Während des sowjetisch-chinesischen Disputs unterbrach Rumänien im Gegensatz zu anderen osteuropäischen sozialistischen Staaten seine Beziehungen zur Volksrepublik China nicht und näherte sich teilweise sogar den sowjetfeindlichen chinesischen Kommunisten an.
1967 sorgte Ceaușescu dafür, dass Rumänien das erste Land des sowjetischen Einflussbereichs wurde, das diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland aufnahm. Damit brüskierte er die Führung der DDR um Walter Ulbricht, die versucht hatte, ihn von diesem Schritt abzubringen.Kunze, S. 171. Nach dem Ausbruch des Sechstagekriegs im Nahen Osten blieb Rumänien das einzige Land im Einflussbereich der Sowjetunion, das weiterhin diplomatische Beziehungen zu Israel unterhielt.
Im August 1968 verweigerte Ceaușescu die Teilnahme rumänischer Truppen an der militärischen Niederschlagung des Prager Frühlings. Darüber hinaus verurteilte er am 21. August 1968 auf einer Massenveranstaltung in Bukarest die Besetzung der Tschechoslowakei in scharfen Worten. Ceaușescu befand sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Popularität nicht nur in Rumänien, sondern auch im Westen. Im August 1969 besuchte US-Präsident Richard Nixon Rumänien, im Dezember des darauffolgenden Jahres flog Ceaușescu zum Staatsbesuch in die USA. Es folgte die Aufnahme in den Internationalen Währungsfonds und in die Weltbank.
1971 erhielt Ceaușescu die höchste von der Bundesrepublik Deutschland für Staatsoberhäupter zu vergebende Auszeichnung, die Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Während seiner Amtszeit beteiligte sich Rumänien auch als einziger Ostblockstaat nicht am Boykott der Olympischen Sommerspiele 1984.Unser Jahrhundert in Wort, Bild und Ton. Die 80er Jahre. Bertelsmann-Lexikothek-Verlag, Gütersloh 1990, ISBN 3-570-07945-7, S. 247.
Personenkult mini|Propagandabild auf den Straßen Bukarests im Jahr 1986 mini|Die rumänische Post feierte 1988 den 70. Geburtstag und „55 Jahre revolutionärer Tätigkeit“ Ceaușescus mit einer Sondermarke Eine Reise Ceaușescus nach China und Nordkorea im Jahre 1971 brachte ihn mit dem dort praktizierten Personenkult in Berührung. Davon angeregt begann er, diesen konsequent auf Rumänien zu übertragen.