mini|hochkant|Manfred Nowak im September 2007 Manfred Nowak (* 26. Juni 1950 in Bad Aussee, Steiermark) ist ein österreichischer Jurist und Menschenrechtsanwalt. Von 2004 bis 2010 war er als Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Folter tätig. Nowak war wissenschaftlicher Direktor am Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte und ehemaliger Richter der Menschenrechtskammer von Bosnien und Herzegowina. Er leitete als unabhängiger Experte die Globale Studie über Kinder, denen die Freiheit entzogen wurde.
Nowak ist Generalsekretär des European Inter-University Centre for Human Rights and Democratisation (EIUC) in Venedig, Italien; Professor für Internationale Menschenrechte und wissenschaftlicher Direktor des Wien-Master-Artium für Menschenrechte. Im Jahr 2016 wurde er als unabhängiger Experte der Leiter globaler Studien der Vereinten Nationen für Kinder, die ihrer Freiheit beraubt wurden. Nowak setzt sich für Menschenrechte in verschiedenen Ländern ein, in denen Menschen gefoltert und misshandelt werden.
Nowak ist Unterstützer der Kampagne für die Einrichtung einer parlamentarischen Versammlung der Vereinten Nationen, einer Organisation, die sich für demokratische Reformen in den Vereinten Nationen einsetzt, und ist dafür, dass ein internationales politisches System mit größerer Verantwortung gegründet wird.
Nowak berichtete über seine Arbeit als Sonderberichterstatter im Journal of Human Rights Practice.
Nowak war Schüler von Felix Ermacora und arbeitete bis zu dessen Tod 1995 mit ihm zusammen. Sie gründeten 1992 gemeinsam mit Hannes Tretter das Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte. Von 1992 bis 2019 war Nowak wissenschaftlicher Direktor des Ludwig-Boltzmann-Instituts, außerdem war er von 2011 bis 2016 Professor für Internationales Recht an der Universität Wien.
Leben
Ausbildung Manfred Nowak besuchte die Volksschule in Leonding und danach das 2. Bundesrealgymnasium (BG/BRG Ramsauerstrasse) in Linz, wo er am 28. Mai 1968 seine Matura machte.
Von 1968 bis 1969 studierte er Rechte an der Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Linz, dem von 1969 bis 1972 ein Studium in Recht und Volkswirtschaft an der Universität Wien folgte. 1970 bis 1973 studierte Nowak Werbung und Verkauf an der Hochschule für Welthandel in Wien und wurde im März 1973 zum Doktor iuris der Universität Wien befördert. Von 1974 bis 1975 absolvierte er ein Studium in Rechtswissenschaften an der Columbia University in New York, wo Nowak anschließend zum Master of Law der Columbia University befördert wurde. In den Jahren 1973 bis 1978 war Nowak Vertragsassistent und Lehrbeauftragter und von 1979 bis 1987 Professor am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Seit 1986 ist er Dozent an der Universität Wien.
Von 1987 bis 1989 war Nowak außerordentlicher Universitätsprofessor und Direktor des niederländischen Menschenrechtsinstituts an der Universität Utrecht. Von 1989 bis 2001 leitete Nowak die Rechtsabteilung der österreichischen Bundesakademie für öffentliche Verwaltung in Wien. Und von 1989 bis 2002 arbeitete Nowak hauptberuflich als Dozent an der Verwaltungsakademie des Bundes in Wien: verantwortlich für die rechtswissenschaftlichen Seminare im Bereich der berufsbegleitenden Fortbildung und Führungskräfteschulung einschließlich EU-Curriculum.
Wissenschaftlicher Leiter des Wiener Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte (BIM) ist Nowak seit 1992, dieses hatte er, zusammen mit Felix Ermacora und Hannes Tretter gegründet. Im folgenden Jahr wurde er Mitglied einer Expertengruppe der Vereinten Nationen, der er bis 2001 angehörte. Ab 1994 arbeitete Nowak für drei Jahre als UN-Experte für vermisste Personen im ehemaligen Jugoslawien. Mitglied der Internationalen Juristenkommission (ICJ) ist er seit 1995. In diesem Jahr schloss er sich auch dem Komitee des Internationalen Menschenrechts-Tribunals gegen die Republik Österreich wegen der Verfolgung und Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen in Österreich von 1945 bis 1995 an und sprach anlässlich dessen Urteilsverkündung.Lambda Nachrichten 3/1995
Zwischen 1996 und 2003 arbeitete Nowak als Richter des Internationalen Gerichtshofs in Bosnien-Herzegowina. Dort erlebte er im Januar 2002, wie Agenten der CIA sechs Terrorverdächtige verschleppten, die zuvor aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden waren. In den Jahren 2002 bis 2003 war Nowak als Olof-Palme-Gastprofessor für Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht an der Universität Lund in Schweden tätig.
Am 8. Januar 2002 legte Nowak der UN-Menschenrechtskommission einen Bericht vor. In diesem kritisierte er, dass die bestehenden Menschenrechtsinstrumente keinen ausreichenden Schutz vor dem Verschwindenlassen gewähren würden. Angeregt durch Nowaks Bericht rief die Menschenrechtskommission eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus 70 Ländern in die Welt, die für den Entwurf der am 23. Dezember 2010 in Kraft getretenen UN-Konvention gegen das Verschwindenlassen zuständig war.
Am 1. Dezember 2004 wurde er von der UN-Menschenrechtskommission zum Sonderberichterstatter über Folter benannt. Im Jahr 2004 war Nowak Gastprofessor für Menschenrechte und Demokratisierung am European Inter-University Centre for Human Rights and Democratization (EIUC) in Venedig tätig. Von 2007 bis 2008 hatte Nowak den Lehrstuhl für internationalen Menschenrechtsschutz an der Universität Wien. In den Jahren 2008 bis 2014 war Nowak Leiter der interdisziplinären Forschungsplattform „Human Rights in the European Context“ an der Universität Wien.
2006 intervenierte Manfred Nowak in einem Fall schwerer Misshandlungen eines Schubhäftlings durch Beamte einer Wiener Sondereinheit."Folter als alltägliche Methode der Wahrheitsfindung" derstandard.at, abgerufen am 27. August 2012
Von 2008 bis 2009 was Nowak Inhaber des Schweizer Lehrstuhls für Menschenrechte am Institut de hautes études Internationales et du développement in Genf, Schweiz. 2010 leitete Nowak die Initiativ-Fachschule „Empowerment through Human Rights“ der Universität Wien. Nowak war 2010 einer der vier Autoren eines UN-Berichtes über geheime Inhaftierungen im Kampf gegen Terrorismus.
Seit 2011 Professor für Internationales Recht und Menschenrechte am Institut für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung bzw. davor Professor am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.Manfred Nowak, Stiftungsprofessur an der Universität Wien In diesem Amt legte Nowak 2006 einen kritischen Bericht über die Zustände im US-Internierungslager in Guantánamo vor. Die US-Regierung kritisierte ihn dafür scharf. Nowak, der das Lager nicht besuchen durfte, rügte folterähnliche Zustände und erniedrigende Behandlung von Häftlingen. Im Wesentlichen berief er sich auf Aussagen von Häftlingen und Anwälten und zitierte interne Vollzugsanordnungen des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten.
In Österreich arbeitet er für den Menschenrechtsbeirat des Innenministeriums. Auch hier setzt sich Nowak für menschenrechtskonforme Haftbedingungen ein. Nowak ist derzeit Vizepräsident der Österreichischen UNESCO-Kommission. intlaw.univie.ac.at, abgerufen am 11. Mai 2011 Nowak leitet das EU-Projekt Atlas of Torture – Monitoring and Preventing Torture Worldwide am Boltzmann Institut für Menschenrechte.Eine Weltkarte der Folter; Atlas of Torture - Monitoring and Preventing Torture Worldwide univie.ac.at, abgerufen am 11. Mai 2011
Von 2012 an leitete Manfred Nowak den internationalen, interdisziplinären, zweijährigen Lehrgang „Vienna Master of Arts in Human Rights“ an der Universität Wien.Wie werde ich MenschenrechtsexpertIn, Artikel der Online-Zeitung uni:view der Universität Wien vom 19. März 2012, abgerufen am 1. April 2012; Otto Kammerlander: . jusportal.at, 19. März 2012; Website des Vienna Masters in Human Rights: humanrights.univie.ac.at Der Studiengang liegt derzeit auf Eis und wird im Jahr 2021 neu aufgelegt."Vienna Master of Arts in Human Rights" postgraduatecenter.at, abgerufen am 9. Juni 2020
2014 war Nowak Gastprofessor an der Stanford University, Palo Alto, Kalifornien, und Leiter des interdisziplinären Forschungszentrums für Menschenrechte der Universität Wien.
Nowak ist seit 2016 Generalsekretär der EIUC in Venedig, Italien, die für den globalen Campus der Menschenrechte mit sieben Masterprogrammen in allen Weltregionen und vielen weiteren Aktivitäten im Bereich der Menschenrechts- und Demokratieerziehung verantwortlich ist. Er lehrt regelmäßig an verschiedenen anderen Universitäten, unter anderem an der American University in Washington, D.C.
Ab März 2021 leitet Nowak an der Universität für angewandte Kunst Wien den postgradualen Studiengang „The Vienna Master of Arts in Applied Human Rights“."The Vienna Master of Arts in Applied Human Rights" dieangewandte.at, abgerufen am 15. Oktober 2020
Forschungs- und Studienreisen 1975: Studienreise durch zahlreiche Länder Lateinamerikas zu den Themen „Agrarreform“ und Verfassungsrechtsvergleichung 1978: Forschungsaufenthalt an der London School of Economics and Political Science (LSE, bei Cedric Thornberry): Arbeit an der Habilitationsschrift zum Thema „Politische Grundrechte“ 1980: Forschungsaufenthalt an den Universitäten Amsterdam und Bielefeld sowie bei den Vereinten Nationen in Genf zur Weiterarbeit an der Habilitationsschrift 1983–1984: Forschungsreise durch zahlreiche Länder Afrikas zum Thema: „Österreichische Bildungszusammenarbeit mit Afrika“ 1986–1987: Forschungsaufenthalt bei den Vereinten Nationen in Genf: Arbeit am Kommentar zum UNO-Pakt über bürgerliche und politische Rechte
Menschenrechtsverletzungen China Manfred Nowak, Sonderberichterstatter der UN-Menschenrechtskommission für Folter und andere grausame Behandlungen, besuchte 2005 die Volksrepublik China und behauptete, dass Folter dort „weit verbreitet“ sei. Nowak sagte, obwohl die Folter, vor allem in städtischen Gebieten, rückläufig ist, sei sie in China nach wie vor weit verbreitet. Nowak gab einige Empfehlungen von Gesetzesreformen, die bis zu einem unabhängigen Überwachungssystem reichten. Nowak klagte auch über die Einmischung chinesischer Beamter in seine Arbeit. Nowak sagte, dass es schwerwiegende Vorkommnisse gab, die seine Mission behinderten.
Nowak legte im März 2007 bei der Generalversammlung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf einen Bericht über Folter und andere grausame Misshandlungen vor. Unter anderem verwies er auf die Verfolgung und Misshandlungen von Dissidenten in China, wie Uiguren, Tibetern, Christen, Falun-Gong-Anhängern, Autoren und Menschenrechtsanwälten. Nowak erwähnte direkt den Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden in China, der an vielen Orten ausgeführt werden würde, um Organe für Transplantationsoperationen zur Verfügung zu stellen. 2009 sagte Nowak gegenüber der Zeitung Epoch Times: „Die Erklärung, dass die meisten dieser Organe aus dem Todestrakt stammen, ist nicht eindeutig. Wenn ja, dann muss die Zahl der ausgeführten Schwerverbrecher viel höher sein, als bisher angenommen. Ich habe die chinesische Regierung um Klarheit und um genaue Daten gebeten.“ Die chinesische Regierung gab keine Erklärung und bestritt die Anschuldigungen.
2007 sprach Nowak als UN-Sonderberichterstatter über seine Untersuchungen gegen die Anschuldigungen des Organraubs durch die chinesische Regierung. Er erwähnte, dass die Indizienbeweise der beiden Kanadier, David Kilgour und David Matas, besorgniserregend seien. Nowak sagte er wolle seine Untersuchungen erst noch weiter verfolgen, bevor er ein Urteil abgeben würde.
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