hochkant=1.4|mini|Heckenlandschaft im Isarwinkel
Eine Hecke (von althochdeutsch: hegga = Hecke, Wall, Schanze, ae. hecg, engl. hedge, frz. haie, nndl. heg, all diesen Begriffen ist derselbe Wortstamm „hag“ zu eigen) ist ein linienförmiger Aufwuchs (ein- oder mehrreihig) dicht stehender verzweigter Sträucher. Die Silbe heck bedeutet beschützen, behüten, Hecke und beschreibt die Abgrenzung eines Ortes im Allgemeinen oder durch eine Heckenumpflanzung im Speziellen. Ortsbezeichnungen mit hagen oder ha(a)g im Namen sind häufig.
Geschichte und Nutzung mini|Haushohe Rotbuchenhecke als Wetterschutz in den Höhenlagen der Eifel bei Monschau mini|Den ganzen Winter über verlieren Rotbuchenhecken nicht ihr Vorjahreslaub und sind so ein Wetterschutz
Bereits im Jahr 57 v. Chr. beschwerte sich der römische Feldherr Cäsar bei seinem Feldzug durch Gallien über die von dem Volksstamm der Nervier angelegten Hecken. In seinem Bericht De bello Gallico heißt es: „Um die Reiterei ihrer Nachbarn umso leichter abzuwehren, wenn sie auf Beutezügen zu ihnen kommen, sägen sie junge Bäume an und bewirken durch die vielen in die Breite nachwachsenden Äste, auch mit zwischengepflanztem Brombeer- und Dorngesträuch, dass diese Befestigungen mit der Wirkung von Mauern bilden, durch die man nicht nur nicht durchkommen, sondern nicht einmal durchschauen konnte. Weil der Marsch unseres Heeres durch diese Befestigungen aufgehalten wurde, glaubten die Nervier, an ihrem Plan festhalten zu sollen.“Cäsar: De bello Gallico, Buch II, Abs. 17.
Hecken, insbesondere Wallhecken, verdanken ihre Existenz oft früherer bäuerlicher Tätigkeit. Im Mittelalter wurden Hecken beispielsweise als Umzäunung des Ackerlands innerhalb der Dreifelderwirtschaft genutzt. Hecken wurden zur Futtergewinnung geschneitelt oder wurden niederwaldartig bewirtschaftet. Wenn die Baumarten der Hecke es erlaubten, wurden Hecken auch zur Gewinnung von Gerberlohe genutzt.
Die typische Kastenform der barocken Gartenhecken erinnert an die Form bäuerlichen Wirtschaftens. Auch die Begriffe Laube und Laubengang entspringen der Bewirtschaftung der Blätter liefernden Hecken und Bäume. Diese Bewirtschaftungsweise lässt sich bis an den Übergang von der Jäger- und Sammlerkultur zur Landwirtschaft verfolgen. Dabei lieferte das „Laubgras“ die Nahrung für das Vieh im Winter oder wenn die Sommerhitze (vor allem im mediterranen und nahöstlichen Kulturraum) das Gras verdorren ließ. Reste dieser bäuerlichen Kultivierungen lassen sich an verwachsenen Schneitelbäumen, die wie Kopfweiden aussehen, finden. In Teilen Rumäniens oder dem Südosten der Türkei wird Schneitelwirtschaft bis heute betrieben.
In manchen Gegenden, vorwiegend im Westen Deutschlands, werden daher im Volksmund teilweise auch Niederwälder als Hecken bezeichnet. In historischen Schriftstücken stößt man ebenfalls auf Ausdrücke wie Lohhecken (vgl. Lohwald), Rodhecken, Kohlhecken und Backes-Heck. Im Raum Birkenfeld (Hunsrück) wurden Niederwälder bewirtschaftende Forstbetriebe „Heckengesellschaften“ genannt. In den nordsaarländischen Dörfern Theley und Eiweiler wird auch heute noch Niederwald von Gehöferschaften bewirtschaftet als Hecke bezeichnet.
Zum Ende des Hochmittelalters und in der Neuzeit hatten Hecken wahrscheinlich ihre längste Ausdehnung. Die Markenteilung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts brachte weite Teile des Agrarlandes in Privatbesitz. Angelegt an Parzellengrenzen legte die Hecke diese Besitzverhältnisse klar, diente als Umzäunung für Vieh und als Schutz vor menschlichen wie tierischen Eindringlingen. An den Grenzen der Parzellen wurden häufig Feldsteine und Baumschnitt aufgeschichtet, aus denen Lesesteinriegel und Totholzwälle entstanden, die Bestandteile einer Wallhecke sind.
Um ihre Funktionen dauerhaft ausfüllen zu können, bedürfen Hecken heute regelmäßiger Pflege, da typische Nutzungen wie das Schneiteln und die Loh- und Brennholzgewinnung ausbleiben. Das Schnittholz diente als Brennholz und war während Holzmangelzeiten sehr begehrt. So war die Pflege durch Schnitt oder Hieb gewährleistet, und der Aufwuchs von Gehölzen, die ein gutes Ausschlagvermögen besitzen, wurde gefördert. Das Neuaufsetzen der Wälle, aber auch des regelmäßigen Schnittes, des „Auf-den-Stock-Setzens“ muss erfolgen, damit die Hecke nicht zu einer Baumreihe wird.
Dabei werden dornige Sträucher wie etwa Weißdorne für solche Grenzhecken bevorzugt, während ausgesprochene Weichholzarten, beispielsweise Holunder, in der Hecke bekämpft werden, weil sie kurzlebiger sind und zu Lücken in der Hecke führen können.
Die Niederhecke hat auch eine sehr lange Tradition als Gestaltungselement in Gärten. In Einfamilienhaussiedlungen übernimmt diese Form die Funktion des Zaunes. Hecken können auch als Grundgerüst eine Rankhilfe, Rankgitter oder Zaun haben, z. B. Efeu- oder Rosenhecken.
Heckentypen mini|Hecke aus Bäumen und Sträuchern wie… mini|…Eiche, Erle, Frühe Traubenkirsche, Holunder, Weide, Schneeball mini|Die „Nieheimer Flechthecke“ gilt als immaterielles Kulturerbe
Naturnahe Hecken werden aufgrund ihrer Struktur in drei verschiedene Heckentypen differenziert: Niederhecken, Hochhecken und Baumhecken. Niederhecken setzen sich vorwiegend aus niedrigen Sträuchern zusammen, die etwa eine Höhe von zwei bis drei Metern erreichen. Hochhecken bestehen aus im Zentrum stehenden, bis fünf Meter hohen Büschen, die beiderseits von niedrigen Sträuchern eingerahmt werden. Baumhecken sind neben den genannten Schichten der Nieder- und Hochhecke durch die Beimischung einzelner, meist im Zentrum stehender Bäume gekennzeichnet. Baumhecken entstanden entweder durch ausbleibende anthropogene Eingriffe, die das Durchwachsen von Bäumen in der Hecke ermöglichte oder sie wurden bewusst auf diese Form angelegt. Dies geschah beispielsweise, um Weidevieh Schutz vor den Witterungseinflüssen unter Baumkronen zu ermöglichen.
Daneben existieren eine Reihe weiterer Kategorisierungen. So werden beispielsweise Hecken nach ihrer Entstehungsgeschichte auch in Grünlandhecken und Gäulandhecken unterteilt. Grünlandhecken sind typisch für Norddeutschland und verdanken ihre Entstehung der gezielten Anpflanzung durch den Menschen. Sie sollten das wertvolle Ackerland vor Verbiss und Vertritt durch das Vieh schützen. Solche Grünlandhecken finden sich beispielsweise im Münsterland und Oldenburg, wo auf diese Weise die intensiv genutzte Eschflur geschützt wurde.
Gäulandhecken sind dagegen typisch für Süddeutschland. Gäulandhecken sind spontan aufkommende Gehölze, die sich entlang von Stufen- und Wegrainen, Lesesteinhaufen und -riegel bildeten. Anders als die Grünlandhecken in Norddeutschland stehen diese Hecken einzeln; die Hecken sind nicht miteinander verbunden, weil sie nur dort entstehen konnten, wo Menschen den Aufwand scheuten, aufkommende Gehölze zu beseitigen.
Flechthecken, die im Kreis Höxter im Raum Nieheim vorkommen („Nieheimer Flechthecken“), sind seit 2018 immaterielles Kulturerbe der UNESCO.unesco.de: Immaterielles-kulturerbe – Flechthecken
Speziell angepflanzte Hecken zur Verminderung von Winderosion werden Windschutzstreifen genannt. Es sind meistens mehrreihige Baum- und Strauchhecken, die halbdurchlässig gestaltet werden. Die schwache Durchströmung der Hecke verhindert eine Wirbelbildung auf der Leeseite. So wird eine Windschutzwirkung bis zur 10-fachen Heckenhöhe erreicht (Schlüter 1986, Hacker u. Johannsen 2012). Wegen günstiger Wirkungen auch auf die Bodenfeuchte werden sie auch Klimahecken genannt.
Als weiterer Heckentyp kommen die naturfernen Zierhecken hinzu.
Ökologischer Wert Die Hecke als Linienbiotop In einer Heckenzeile treffen zwei gegensätzlich strukturierte Lebensräume aufeinander, vergleichbar mit einem Waldrand. Hier begegnen sich Pflanzen und Tiere aus grundverschiedenen Ökosystemen.
Hecken zählen zu den so genannten Linienbiotopen. Sie tragen insbesondere in stark ausgeräumten Landschaften mit geringem oder fehlendem Wald- und Grünlandanteil zur Biodiversität und Vernetzung von Biotopen bei.
Die Hecke selbst bietet auf kleinstem Raum sehr unterschiedliche Standortfaktoren, von feucht-schattig bis sonnig. In der agrarisch genutzten Landschaft sorgt sie für weitere Strukturen. Durch ihre Linienform dient sie manchen Vögeln und vielen Fledermäusen als „Leitlinie“ (vergleiche auch Vogelzug). Für Reptilien und Amphibien ist sie gute Möglichkeit, ihre Wanderungen zu überleben. Die maximale Artenvielfalt, vor allem von Vögeln, wird auf Kosten möglicher Offenlandarten bei einem seitlichen Abstand von 200 bis 150 Metern erreicht; dabei sind wenige größere Hecken wirkungsvoller als viele kleinere. Die kritische Verbunddistanz für eine Wiederbesiedelung variiert zwischen fünf und zehn Kilometern. Idealerweise sollte die Unterbrechung einer Hecke in der Linie so kurz wie möglich sein, die Ultraschallortung der Fledermäuse reicht zum Beispiel nur von 25 bis 200 Metern.
Der Aufbau einer ökologisch wertvollen Hecke mini|Lebensraum Saumzone: Rainfarn und Kleiner Perlmuttfalter
Optimalerweise sollte die Breite einer Hecke fünf Meter als Gehölzstreifen mit einem beidseitig etwa fünf Meter breiten vorgelagerten Stauden- und Wildkrautsaum, der so genannte Saumzone betragen. Der Gehölzaufwuchs setzt sich im Idealfall aus höheren Gehölzen in der Kernzone (Bäume als „Überhälter“) und kleineren Gehölzen in der Mantelzone zusammen (austriebsfähige Gehölze). Die Hecke gliedert sich dann entsprechend in:
Saumzone – Mantelzone – Kernzone – Mantelzone – Saumzone Die sich daraus ergebende Gesamtbreite lässt sich in der Realität selten verwirklichen.
Die Artenzusammensetzung der Gehölze variiert je nach Region; besonders häufig sind zum Beispiel Weißdorn, Hainbuche, Weidengewächse, Schlehe, Holunder und Stieleiche (siehe auch Standort (Ökologie), potenzielle natürliche Vegetation). Im Übergang zum Staudensaum sind Wildrosen wie die Hunds-Rose oder die Brombeere häufig. In der Saumzone dagegen finden sich viele Arten, die auch an einer Waldrandzone zu finden sind: Maiglöckchen, Aronstab, Lerchensporn und Buschwindröschen.
Naturnahe Zierhecken aus heimischen Sträuchern, vor allem aus Schlehe, Weißdorn und Hunds-Rose, bieten einer artenreichen Tierwelt Lebensraum. Neben den bereits erwähnten buschbrütenden Vogelarten können sich unter bestimmten Bedingungen auch seltenere Arten wie Neuntöter (Lanius collurio), einstellen, vorausgesetzt, dass die Hecken und das Umland den hohen Biotopansprüchen dieser Art gerecht werden.
Floren- und standortfremde Ziergehölze sind für die heimische Fauna nur von untergeordneter Bedeutung. So sind sogar einige dieser Gehölze für die einheimischen Insekten überhaupt nicht nutzbar, ganz im Gegensatz zu den heimischen und standortgerechten Arten. Naturferne Hecken, zum Beispiel solche, die überwiegend aus Nadelbäumen bestehen, können meist nur noch von euryöken Vogelarten, beispielsweise der Amsel (Turdus merula) als Nistplatz genutzt werden. Niederhecken, die meist von Brombeere und vergleichbaren niederen Sträuchern dominiert werden, haben grundsätzlich ähnliche Funktionen wie naturnahe Hecken. Aufgrund ihrer jedoch meist nur sehr geringen, häufig nur saumartigen Flächenausdehnung stehen sie in ihrer ökologischen Bedeutung anderen Heckenarten etwas nach.
Bedeutung von Hecken für die Tierwelt Grenzlinien-Effekt
Eine hohe faunistische Artenvielfalt wird in naturnahen Hecken erreicht. Dies wird durch den so genannten Edge-Effekt verursacht, der die Übergangszone zwischen zwei verschiedenen Biotoptypen darstellt („Grenzlinien-Effekt“). Da dieser Übergangsbereich von den Tieren beider Biotoptypen genutzt wird, ergibt sich hieraus der außergewöhnliche Artenreichtum. Eine vielschichtig aufgebaute Hecke bietet Lebensraum für eine große Zahl von Tieren, so wurden in Hainbuchenknicks in Schleswig-Holstein rund 1500, in Feldhecken in Süddeutschland etwa 900 Tierarten festgestellt.