Kaczorów (deutsch Ketschdorf) ist ein Dorf in der Stadt- und Landgemeinde Bolków (Bolkenhain) im Powiat Jaworski in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.
Geographische Lage Kaczorów liegt im Katzbachgebirge an der Kaczawa (Katzbach), etwa elf Kilometer westlich der Stadt Bolków (Bolkenhain), 23 Kilometer südwestlich von Jawor (Jauer) und 81 Kilometer westlich von Breslau.
Das Dorf befindet sich in schöner Höhenlage auf 435 m NHN. Bei dem Dorf, an dem Weg nach Kupferberg, liegt der zum Kauffunger Höhenzug gehörige 651 Meter hohe Bleiberg, bei dem auf der Schädelhöhe in 563 m Höhe die Katzbach entspringt.Katzbach, Lexikoneintrag in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 10, Leipzig/Wien 1907, S. 757–758.Karl Herloßsohn: Wanderungen durch das Riesengebirge und die Grafschaft Glatz. Mit 30 Stahlstichen. Wigand, Leipzig, ohne Jahresangabe (1840/41), S. 215.
Geschichte mini|Nikolaikirche, 14. und 18. Jh. mini|Rittergut Ketschdorf, Sammlung Alexander Duncker Vor 1240 ist der Ortsname Rutengerisdorf und Rudi-Gerisdorf belegt und 1311 Kytzsdorf; der später gebräuchliche Ortsname Ketschdorf könnte nach Knie von Katzdorf herleitbar sein. Einer Legende zufolge soll die Namensänderung auf eine Schar 1241 hier eingefallener MongolenC. S. Schweitzer: Reisebuch für Die Sudeten. Ein Führer durch das Riesengebirge, das Schweidnitzer-, Glatzer- und Mährisch-Schlesische Gebirge. Mit einer aufklappbaren Landkarte im Anhang. Gumprecht, Berlin 1846, S. 161. zurückgehen, die bei den Quellen der Katzbach eine Rast einlegten – nach hiesiger althergebrachter Redensart: „eine Käz“ machten; auf alten Grabsteinen soll noch der Name Kätzdorf zu lesen gewesen sein.Neues Lausitzisches Magazin, Band 19, Görlitz 1841, S. 42; .
Um 1825 hatte Ketschdorf 140 Häuser, ein herrschaftliches Schloss, ein Vorwerk, drei Wassermühlen, ein Sägewerk, eine Ziegelei, eine Kalkbrennerei, eine evangelische Kirche und eine evangelische Schule. Um 1840 waren im Dorf 73 Leinen-Webstühle in Betrieb. Wegen seiner überregional bekannten TraditionsbrauereiJoseph Partsch: Schlesien. Eine Landeskunde für das deutsche Volk auf wissenschaftlicher Grundlage. Band 2: Landschaften und Siedlungen. Mit 2 schwarzen und 3 farbigen Karten sowie 50 Abbildungen in Schwarzdruck. Ferdinand Hirt, Breslau 1911, S. 543. wird das Dorf in einem Reiseführer von der Mitte des 19. Jahrhunderts als „bierberühmt“ bezeichnet.C. S. Schweitzer: Reisebuch für Die Sudeten. Ein Führer durch das Riesengebirge, das Schweidnitzer-, Glatzer- und Mährisch-Schlesische Gebirge. Mit einer aufklappbaren Landkarte im Anhang. Gumprecht, Berlin 1846, S. 235. 1871 hatte das Dorf eine evangelische und eine katholische Kirche und in der Umgegend Bleigruben. Bergbau auf silberhaltiges Bleierz gab es hier schon seit dem Ende des 15. oder dem Anfang des 16. Jahrhunderts.Aemil Steinbeck: Geschichte des schlesischen Bergbaus, seiner Verfassung, seines Betriebes. Band 1, Breslau 1857, S. 151.
Ketschdorf, das seit 1818 im Kreis Schönau gelegen hatte, gehörte nach dessen Auflösung 1932 zum Landkreis Jauer im Regierungsbezirk Liegnitz der Provinz Schlesien des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Nach Kriegsende wurde Ketschdorf von der Sowjetunion gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit dem größten Teil Schlesiens der Verwaltung der Volksrepublik Polen unterstellt. Nachfolgend wurde es in Kaczorów umbenannt. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht vorher geflohen war, weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1818 662 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 327, Ziffer 1997. 1825 766 140 HäuserJohann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 328. 1840 848 in 146 Häusern, 13 katholische EinwohnerJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 283; . 1867 810 am 3. Dezember, ohne den Gutsbezirk KetschdorfDie Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Königliches Statistisches Bureau, Berlin 1874, S. 238–239, Ziffer 19; books.google.de 1871 779 am 1. Dezember, ohne den Gutsbezirk Ketschdorf, davon 744 Evangelische und 35 Katholiken; nach anderen Angaben 950 EinwohnerGustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 215–216, Ziffer 4. 1910 696 am 1. Dezember, ohne den Gutsbezirk Ketschdorf mit 55 Einwohnern 1933 898 1939 873
Kirchspiel Die durch die Reformation evangelisch gewordene Dorfkirche wurde schon 1630 weggenommen. Seit 1742 fand der Gottesdienst vorläufig in einem provisorischen Bethaus statt. 1748 wurde eine evangelische Pfarrkirche eingeweiht; sie war unten gemauert und hatte ein hölzernes Schindeldach ohne Turm.Friedrich Gottlob Eduard Anders: Statistik der Evangelischen Kirche in Schlesien. Glogau 1848, S. 615. In die evangelische Mutterkirche eingepfarrt waren Teile der Nachbardörfer Nimmersath und Streckenbach.
Gutsbezirk Ketschdorf Das Freigut Ketschdorf im Dorf Ketschdorf war im 19. Jahrhundert mit keinen wirklichen Dominialrechten ausgestattet gewesen, doch befand sich dort um 1825 der Sitz eines Gerichtsschreibers. Um 1840 hatte der Kreis-Boniteur Blockmann das Freigut in Besitz, der dort über 200 Stück Rindvieh hielt. Um 1894 umfasste das als „Rest-Rittergut“ bezeichnete Anwesen 165,6 Hektar; Besitzer war Gottfried Raupach.Schlesisches Güter-Adreßbuch. Verzeichniß sämmtlicher Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke, sowie solcher größeren Güter, welche innerhalb des Gemeindeverbandes mit einem Reinertrag von etwa 1500 Mark und mehr zur Grundsteuer veranlagt sind. Fünfte Ausgabe, Wilhelm Gottlob Korn, Breslau 1894, S. 324, Ziffer 2978. Im Dezember 1871 lebten in dem Gutsbezirk 62 Personen, von denen 61 evangelisch und eine katholisch waren.Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 240–241, Ziffer 58. 1910 waren 55 Einwohner vorhanden.
Persönlichkeiten Arthur Zechlin (1849–1939), Schulmann und pommerscher Regionalhistoriker, wurde hier geboren
Literatur Helmut Maune: Ketschdorf, die Perle im Bober-Katzbach-Gebirge: die Geschichte eines schlesischen Dorfes. Mit zahlreichen Abbildungen und einem auffaltbaren Ortsplan von Katzdorf a. d. Katzbach. 1960.
Weblinks Aktuelle und historische Aufnahme sowie geographische Lage. polska-org.pl
Einzelnachweise
Kategorie:Gmina Bolków Kategorie:Ort der Woiwodschaft Niederschlesien