Jessica J. Lee (* 1986 in Ontario, Kanada) ist eine in Berlin lebende britisch-kanadisch-taiwanische Schriftstellerin und Umwelthistorikerin. Sie Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift The Willowherb Review, die einen Schwerpunkt auf Nature Writing von Schreibenden of Color legt.
Leben und Werk Jessica J. Lee wuchs in ihrem Geburtsland Kanada auf. Thema ihrer Arbeiten und Teil ihrer Identität, wie sie im Vorwort zum 2024 erschienenen Essayband Dispersals schreibt, ist neben der Naturbeobachtung immer auch ihre multikulturelle Herkunft: ihr Vater stammt aus Wales, ihre Mutter aus Taiwan, und ihre Großeltern mütterlicherseits stammen aus China, emigrierten jedoch nach Taiwan.
Jessica J. Lee promovierte 2016 an der York University in Toronto im Fach Environmental History and Aesthetics mit einer Arbeit unter dem Titel Of Field and Forest: Aesthetics and the Nonhuman on Hampstead Heath und begann parallel mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Für die Forschung zu ihrer Dissertation verbrachte sie einige Zeit in London. Bei einem Forschungsaufenthalt in Berlin im Jahr 2014, der der Arbeit an ihrer Dissertation diente, fasste sie den Plan, jede Woche in einem anderen See in Brandenburg zu schwimmen, auch im Herbst und Winter, um sich von der Schreibtischarbeit abzulenken. Dies führte zur Lektüre von Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg und zur Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte. Ihre Erfahrungen wie auch die Verarbeitung einer jüngst überwundenen Trennung mündeten im Stil eines literarischen Tagebuchs in ihren ersten Roman Turning: a Swimming Memoir, der 2017, nur ein Jahr nach Fertigstellung ihrer Dissertation, auf englisch und im gleichen Jahr auf deutsch erschien.
Von 2017 bis 2018 war sie Writer-in-Residence am Leibniz-Institut für Gewässerökologie in Berlin. Im Anschluss lebte sie ein Jahr in Taiwan, um die Idee am Buch Two Trees Make a Forest weiterzuverfolgen. Für das Buch begab sie sich nach dem Tod ihrer 2016 verstorbenen Großmutter auf Spurensuche in der Geschichte ihrer Großeltern – ihr Großvater hatte unveröffentlichte Memoiren hinterlassen, die sich unter anderem mit seiner Tätigkeit als Teil der freiwilligen Fliegerstaffel Flying Tigers im Zweiten Weltkrieg in China befasst. Two Trees Make a Forest verarbeitet „persönliche Erinnerungen, Migration und die komplizierte Geschichte Taiwans“.
Lee wurde bereits mehrfach für ihr Werk ausgezeichnet: mit dem Hilary Weston Writers’ Trust Prize for Nonfiction, dem Boardman Tasker Award for Mountain Literature und dem RBC Taylor Prize. 2021 wurde ihr Buch Two Trees Make a Forest auf die Shortlist von Canada Reads gesetzt. Ihr 2024 erschienenes Kinderbuch A Garden Called Home erreichte die Shortlist des BC & Yukon Book Prize’s Christie Harris Illustrated Children’s Literature Prize 2025. Der ebenfalls 2024 erschienene Essay-Band Dispersals. On Plants, Borders, and Belonging gewann den Taiwan Open Book Award 2024.
Ab 2020 lebte Lee zunächst in Berlin, dann in London und zog dann für eine zweijährige Tätigkeit als Forschungsassistentin und Projektmanagerin an der Universität von Cambridge nach Cambridge. 2022 zog sie erneut nach Berlin, wie sie im Vorwort von Dispersals beschreibt, das die in dieser Zeit entstandenen Essays in einem Band zusammenfasst. In dieser Zeit wurde sie Mutter. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an der University of King’s College und lebt in Berlin.
Im Oktober 2024 war Lee eine der Unterzeichnerinnen eines Aufrufs zum Boykott israelischer Kulturinstitutionen, „die an der überwältigenden Unterdrückung der Palästinenser mitschuldig sind oder diese stillschweigend beobachtet haben“.
The Willowherb Review Die Literaturzeitschrift The Willowherb Review ist eine digitale Plattform, die Schriftsteller:innen of Color, die über Natur und Umwelt schreiben, zu mehr Sichtbarkeit verhelfen soll. In einem Interview erklärt Lee:„[Es geht] um mehr Sichtbarkeit. In den Jahren, bevor ich die Willowherb Review gründete, hatte ich endlose Zeitungsartikel und Twitter-Beschwerden von Leuten gelesen, die sagten, dass es keine Autor*innen of Color gäbe, die über die Natur schreiben, oder dass sie sie nicht finden könnten. Mit der Willowherb Review verdeutliche ich, dass es diese Schriftsteller*innen tatsächlich gibt. Wir haben schon immer existiert. Vielleicht wurden wir nicht gehört.“Die Zeitschrift bringt sie in Zusammenarbeit mit Dasom Yang, Isabel Galleymore und Nicole Jashapara heraus.
Veröffentlichungen Belletristik Turning: a Swimming Memoir. Little, Brown Book Group, London 2017, ISBN 978-0-349-00834-9. Mein Jahr im Wasser. Tagebuch einer Schwimmerin. Übersetzung von Nina Frey, Hans-Christian Oeser. Piper Verlag, München 2017, ISBN 978-3-8270-1334-7. Two Trees Make a Forest. On Memory, Migration and Taiwan. Virago Press, London 2019, ISBN 978-0-349-01106-6. Zwei Bäume machen einen Wald. Übersetzung von Susanne Hornfeck, Illustration: Judith Schalansky. Matthes & Seitz, Berlin 2020, ISBN 978-3-95757-961-4. Dispersals. On Plants, Borders, and Belonging. Hamish Hamilton, London 2024, ISBN 978-0-241-59712-5.
Herausgabetätigkeit mit Rowan Hisayo Buchanan: Dog Hearted. Essays on Our Fierce and Familiar Companions. Daunt Books, London 2023, ISBN 978-1-914-19827-4.
Kinderbücher mit Elaine Chen (Illustrationen): A Garden Called Home. Tundra Books, Toronto 2024, ISBN 978-1-774-88047-0.
Weblinks Website Jessica J. Lee
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