Sulaimaniyya oder Slemani (, ) ist eine Universitätsstadt im Irak und mit knapp 800.000 Einwohnern (2024) eine der größten Städte der Autonomen Region Kurdistan. Sie liegt südöstlich der Hauptstadt der Region Kurdistan Erbil und östlich der ölreichen Stadt Kirkuk. Die Stadt gilt als Kultur- und Bildungszentrum Kurdistanshttp://investingroup.org/files/the%20guide%20-%20kurdistan.pdf und entwickelt sich zu einem Zentrum für den Tourismus der Region.
Bevölkerung Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren explodiert. Vor allem in den Jahren nach dem Irakkrieg gab es eine massive Landflucht, die zu diesem massiven Einwohneranstieg führte. Durch die junge Geschichte der Stadt besteht die Bevölkerung nahezu nur aus Kurden. In den letzten Jahren jedoch steigt die Zahl der ausländischen Arbeiter, diese stammen vor allem aus Ost-Asien. Es leben vor allem Muslime in Sulaimaniyya, daneben gibt es einige Christen und Bahai. Ihre Geschichte geht zurück bis zur Gründung der Stadt Ende des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1862 wurde die erste christliche Kirche der Stadt geweiht.
Stadtgliederung Die Stadt selbst gehört, als Zentral-Distrikt, zu den 16 Distrikten des Sulaimaniya-Gouvernements und ist in vier Subdistrikte unterteilt. Diese enthalten drei bis vier Stadtteile.
Die vier Sub-Distrikte sind: Bazyan Sharbazher Tanjaro Qaradagh
Geographie und Klima mini|Verschneite Straßen im Januar 2015 Sulaimaniyya liegt mitten im Zāgros-Gebirge südlich des Berges Pira Magrun. Im Sommer erreichen die Temperaturen in Sulaymaniyya bis zu 45 Grad Celsius. Im Winter gibt es oftmals Schnee und die Temperaturen fallen gelegentlich unter Null. Zudem wehen in dieser Zeit oftmals starke Winde, die Sulaymaniyya unter den Kurden auch den Namen „Stadt der Winde“ eingebracht hat. Aufgrund der hohen Berge ringsum kommt es des Öfteren zu Niederschlägen.
Geschichte mini|Büste des Stadtgründers, Fürst Ibrahim Pascha von Baban Bis zum 20. Jahrhundert Sulaimaniyya wurde 1784Nach J. Edmons wurde die Stadt 1783 und nach Basil Nikitin 1786 gegründet. von dem kurdischen Fürsten Ibrahim Pascha Baban gegründet. Er benannte die Stadt nach dem damaligen Beylerbey von Bagdad Büyük Süleyman Pascha. Ferner hieß einer der Vorfahren des Stadtgründers Silêman Pascha. Es wird aber auch noch gesagt, dass die Leute beim Aufbau dieser Stadt einen Ring gefunden haben, der angeblich dem Propheten Salomo (Silêman) gehört haben soll. Eine weitere Legende berichtet, ein schönes Mädchen aus dem in der Nähe der heutigen Stadt gelegenen Dorf Melkendî habe den Pascha in den Ruhepausen seiner Jagd bewirtet und ihn dazu gebracht, seine Residenz zu verlegen. Als Herrschersitz der Baban-Dynastie und Hauptstadt des Sandschaks wuchs die Stadt rasch und erlangte großen Einfluss. Sie hatte im Gegensatz zu anderen Städten der Region keine Stadtmauer und Tore. Es befanden sich zwei Militärkasernen in der Stadt. Die Häuser der oberen Schichten wurden in ähnlichen Stilen wie in anderen Städten des Osmanischen Reichs errichtet. Die übrige Bevölkerung baute ihre Häuser wie im Dorf: einstöckige, mit Lehm verputzte Gebäude mit einem Dach, das aus Stroh bestand, welches mit Erde und Lehm vermengt und festgewalzt wurde. Das Dach wurde mit Holzbalken abgestützt.Andrea Fischer-Tahir: »Wir gaben viele Märtyrer«. Widerstand und kollektive Identitätsbildung in Irakisch-Kurdistan, ISBN 978-3-89771-015-3, Münster 2003, S. 61 ff.
Die Stadt bestand ursprünglich aus sieben Stadtbezirken: Melkendî, dessen Name auf malik hindi, indischer König, oder malik gundi, Besitzer des Dorfes, zurückgehen soll; Çwar Bax, vier Gärten, hier befanden sich Gärten mit Obstbäumen; Dergezeîn, nach einem Dorf im iranischen Gebiet Hamadan benannt, aus dem die neuen Bewohner stammten; Seršeqam, benannt nach der Verbindungsstraße nach Bagdad; Goîje, benannt nach einer Bergkette; Kanîskan, Quelle der Hirsche, benannt nach einer Trinkwasserquelle und Colekan, benannt nach seinen früheren jüdischen Bewohnern, die nach der Gründung des Staates Israel teils freiwillig, teils durch die irakischen Behörden gezwungen, die Stadt verließen. Heute beträgt die Zahl der Bezirke weitaus mehr. Zu Beginn der 1920er Jahre sollen in Sulaimaniyya etwa 10.000 Menschen gelebt haben, davon 9000 Kurden, 750 Juden und 250 Chaldäer. 1965 betrug die Einwohnerzahl 65.000. Die Stadt begann in den folgenden Jahren, zu expandieren, zunächst in südöstliche, dann in westliche und südliche Richtung. Die oberen Schichten verließen das Zentrum und bauten im Osten und Nordwesten neue Wohnviertel. Claudius James Rich berichtete im 19. Jahrhundert von großen Märkten und sauberen öffentlichen Bädern (Hamam), die schon zu Gründungszeiten der Stadt ein fester Bestandteil Sulaimaniyyas waren.
Als 1812 der armenischstämmige Brite Serovbe Kartnesi die Stadt besuchte, berichtete er von 15 nestorianischen, 12 armenischen, 4 jakobitischen und an die 4000 muslimischen Familien. Zu Beginn der Stadtgeschichte konkurrierten die Sufiorden der Naqschbandi um Scheich Mevlana Xalid und die Qādirīya-Familie Berzanci um Einfluss auf die Muslime der Stadt. Obwohl Ibrahim Pascha und sein Sohn Mahmud die Naqschbandi sehr förderten, verschwand ihr Oberhaupt im Jahr 1811 spurlos. Danach setzte sich die Qādirīya als vorherrschender Orden durch.
Um 1820 erklärte der Herrscher der Stadt, Mahmud Pascha, dem persischen Kronprinzen Abbas Mirza seine Loyalität und beendete damit die Abhängigkeit vom Osmanischen Reich. Danach verblieb Sulaimaniyya im Einflussbereich Persiens, bis die Osmanen das Fürstentum Baban 1847 zurückeroberten und die Herrscherdynastie absetzten. Fortan wurde das Gebiet von osmanischen Statthaltern regiert.Martin van Bruinessen: Agha, Scheich und Staat – Politik und Gesellschaft Kurdistans, 2. Aufl., Berlin 2003, ISBN 3-88402-259-8, S. 304, 429
Sulaimaniyya wurde sowohl zum wirtschaftlichen als auch zum kulturellen Zentrum dieser Region. Die Stadt hatte seit ihrer Gründung einen zentralen Basar, auf dem mit Produkten aus dem lokalen Acker- und Gartenbau gehandelt und Fernhandel betrieben wurde. Handwerklich wurden Kleidung, Kappen, Schuhe und Seife hergestellt; es gab Färberei, Gerberei, Tischlerei und Metallverarbeitung. Teehäuser dienten der Kommunikation der männlichen Bevölkerung. Zunächst entstanden religiöse Schulen, in denen die Dorfbewohner der Umgebung ihre Söhne zu Mullahs ausbilden ließen, Ende des 19. Jahrhunderts gab auch es eine Militärschule. Die Notabeln der Stadt ließen ihre Söhne auch in Bagdad und Istanbul ausbilden. Der Sorani-Dialekt des Kurdischen wurde hier zu Literatursprache entwickelt und breitete sich mit dem Einfluss der Stadt auch aus, so dass das Gorani hier verdrängt wurde. Nach dem Sturz der Baban-Dynastie 1847 und dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt dem Irak zugeschlagen.
Ab dem 20. Jahrhundert mini|Der kurdische Musiker Adnan Karim bei einem klassischen Konzert mit Symphonie-Orchester Von 1922 bis 1924 war die Stadt Hauptstadt des nicht anerkannten Königreiches Kurdistan, das von Scheich Mahmud Barzandschi ausgerufen worden war. Dieser war zuvor von den Briten zum Gouverneur ernannt worden. Er führte mehrere Aufstände gegen sie an, die alle niedergeschlagen wurden. Trotzdem blühte in diesen Jahren das kurdische Publikations- und Pressewesen auf und Sulaimaniyya wurde zu einem geistigen Zentrum der entstehenden kurdischen Nationalbewegung. Auch entstanden in Sulaimaniyya die ersten kurdischsprachigen Schulen, 1920 wurde für sie das erste Schulbuch in kurdischer Sprache gedruckt: Kitebi awalamin qirā’ati kurdi.Joyce Blau, KURDISH LANGUAGE ii. HISTORY OF KURDISH STUDIES. Encyclopedia Iranica Online, 2009 Mitte der 1920er Jahre richteten Nachfahren der Baban und Berzanci die ersten Mädchenschulen ein, die sich in privaten Häusern befanden, aber nur von Mädchen der Oberschicht besucht wurden. Seit den 1920er Jahren nahm die Einwohnerzahl der Städte im Irak kontinuierlich zu, weil die Menschen vor Armut und Ausbeutung aus den ländlichen Regionen in die Städte flohen, die eine bessere Infrastruktur und mehr Lebenschancen boten.
Am 7. März 1991 wurde Sulaimaniyya als erste kurdische Großstadt, im Zuge des Raperîn, von der Baath-Herrschaft Saddam Husseins befreit. Kurdische Peschmerga ließen schon Tage zuvor über Rundfunk die Bevölkerung von ihrem Vorhaben wissen. Beim Einmarsch der kurdischen Truppen erhielten sie massive Unterstützung von der Bevölkerung, welche sich bereits auf einen Kampf vorbereitet hatte. Es wurden simultan alle Regierungsgebäude der Stadt besetzt, hierbei ist das Rote Sicherheitsgebäude herauszuheben. In diesem hatte der irakische Geheimdienst über Jahrzehnte kurdische Oppositionelle foltern und ermorden lassen.http://www.hrw.org/legacy/reports/1992/Iraq926.htm Die Befreiung Sulaimaniyyas und später Erbils und anderer kurdischer Großstädte im Norden des Irak kann als Anfang der faktischen Selbstverwaltung der Kurden im Norden des Irak angesehen werden.
In den letzten Jahren entwickelte sich die Stadt zu einer der am schnellsten wachsenden Städte des Irak. Seit 2003 sind 30 neue Stadtbezirke entstanden. Die Grundfläche der Stadt wuchs zwischen 2002 und 2006 um allein 61 % und dieses Wachstum hält an. Jedes Jahr entstehen etwa 20.000 neue Häuser und etwa 100.000 Menschen ziehen hinzu.
Aufgrund ihrer abgelegenen Lage blieb die Stadt von den Operationen im Zuge des Krieges gegen den Islamischen Staat weitgehend verschont. Erst im Zuge der Schlacht um Mossul kam es zu geplanten Ablenkungsangriffen. Ähnlich wie in Kirkuk sollen IS-Zellen Anfang November 2016 geplant haben, Regierungsgebäude in Sulaimaniyya anzugreifen. Dies sei jedoch von den Sicherheitskräften rechtzeitig verhindert worden.Asayish foils ISIS attempt to control governmental organizations in Sulaymaniyah, auf: iraqinews.com (1. November 2016)
Im Mai 2022 kamen in der Nähe der Stadt mehrere Menschen durch Drohnenangriffe ums Leben, für die das türkische Militär verantwortlich gemacht wird. Bis dahin war es vorwiegend in dem weiter westlich gelegenen Distrikt Sindschar zu Angriffen gekommen.
Bildung mini|Statue des auf dem Kopf stehenden Dichters vor der Zentralbibliothek
Am 9. Juni 2004 wurde die umgebaute Bibliothek (jetzt: Zentralbibliothek) vom damaligen Premierminister Barham Salih eingeweiht.
Die Stadt verfügt über vier Universitäten. Die Universität Sulaimaniya wurde bereits 1968 gegründet und ist seit 2014 Erasmus-Partner.University of Sulaimani: . Ein neuer Universitätskomplex entsteht etwa 7 Kilometer westlich von dem alten Komplex, die Universität wird zum Stadtrand verlegt. Ziel der Universität ist es, laut eigener Aussage, der Menschheit zu dienen, Wissen zu verbreiten und zu einer der besten Universitäten des Nahen Ostens zu werden.University of Sulaimani: . Zurzeit sind 25.500 Studenten eingeschrieben.http://univsul.edu.iq/ Im September 2007 wurde von dem amerikanischen Botschafter Ryan Crocker eine neue Universität eröffnet. Diese neue Universität heißt Amerikanische Universität Irak (AUIS) und wurde mit 10,5 Mio. USD vom amerikanischen Kongress und 40 Mio. USD aus Spenden finanziert. Die Gesamtkosten werden 90 Mio. USD betragen. Nach Vorbild der Amerikanischen Universität Beirut (AUB) und der Amerikanischen Universität Kairo (AUC) soll diese Universität den Irak und besonders den Norden des Landes nach vorne bringen. Die Studienkosten werden 10.000 USD betragen. Im ersten Semester werden 50 Studenten angenommen. Wenn die Universität fertiggestellt ist, sollen hier 1000 Studenten ausgebildet werden. Unterrichtssprache ist Englisch. In den Jahren 2008 und 2010 wurden zwei weitere Universitäten eröffnet.
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