Galmsbüll (nordfriesisch: Galmsbel, dänisch: Galmsbøl bzw. Galmesbøl) ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.
Geographie Lage und Ortsteile Das Gemeindegebiet von Galmsbüll erstreckt sich als Nordseeanrainer im Naturraum Nordfriesische Marsch im Westen und Südwesten von Niebüll. Dieser Bereich der vormaligen Uthlande war in mittelalterlicher Zeit Teil der Bökingharde im Herzogtum Schleswig. Dieses Gebiet wurde ab dem Übergang vom 17. ins 18. Jahrhundert sukzessive eingedeicht. Heute erstreckt sich das Gemeindegebiet im Bereich der vormaligen Dagebüller Bucht über die nachfolgend aufgeführten Köge: Alter Christian-Albrechts-Koog (nf. Üülje Krisen-Albrechen-Kuuch, dän. Gammel Christian Albrechts Kog) Neuer Christian-Albrechts-Koog (nf. Naie Krisen-Albrechen-Kuuch, dän. Ny Christian Albrechts Kog) Kleiseerkoog (nf. Kloisiiekuuch, dän. Klægsøkog) Marienkoog (nf. Mariienkuuch, dän. Marie Kog) Galmsbüllkoog (nf. Galmsbelkuuch, dän. Galmesbøl Kog)
Die Siedlungen sind nahezu allesamt Streusiedlungen. Lediglich ein geschlossener Siedlungskern befindet sich mit dem Ortsteil Neugalmsbüll (nf. Naigalmsbel, dän. Ny Galmsbøl) bei der Abzweigung vom Mitteldeich zwischen den beiden Christian-Albrechts-Kögen in den Neuen Christian-Albrechts-Koog. Dieser stellt, unter anderem mit der dort befindlichen St. Gallus-Kirche, das gemeindliche Zentrum dar.
Nachbargemeinden Galmsbüll grenzt an die folgenden Nachbargemeinden:
Geologie Durch die Lage in den genannten Kögen ist das Gemeindegebiet eben und flach. Der Marschboden lässt sich aufgrund der natürlichen Entwicklung größtenteils als Kalkmarsch klassifizieren. Aufgrund der Höhenlage auf Meeresspiegelniveau ist das Gemeindegebiet durch Deiche unterschiedlicher Höhe vor den natürlichen Meeresspiegelschwankungen durch den Gezeitengang und vor Sturmfluten geschützt.
Geschichte Hallig Galmsbüll mini|hochkant|Lage der Hallig Galmsbüll auf einer Karte der Nordfriesischen Inseln (rechts in der unteren Hälfte der Karte) Die Hallig Galmsbüll wurde erstmals in der Mitte des 13. Jahrhunderts im Erdbuch des dänischen Königs Waldemar II. als Insel aufgeführt. Sie war damals etwas größer als Oland und eines der bedeutendsten Salzabbaugebiete an der Westküste. Im liber censualis des Schleswiger Domkapitels ist seit 1462 eine Kirche auf dem damals zur Horsbüllharde gerechneten ‚Gelmelsbüll‘ verzeichnet.Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik über das Herzogthum Schleswig 2. Kaustrup 1841; S. 501.
Im 17. Jahrhundert gab es verschiedene Pläne zur Eindeichung der Dagebüller Bucht, in die auch Galmsbüll einbezogen werden sollte. Das sogenannte Dagebüller Werk war schon recht weit fortgeschritten, als die Burchardiflut im Jahr 1634 alle Bemühungen zunichtemachte. Die Fortsetzung der Arbeit scheiterte an den Kosten und an Schwierigkeiten, die durch die Flut vertieften Wattströme, besonders das Kleiseetief, erfolgreich abzudämmen. Die Verlandung der folgenden Jahrzehnte ermöglichte die Eindeichung der Christian-Albrecht-Köge. In Verbindung damit wurde die Hallig 1701 durch einen Damm fest mit dem Festland verbunden, jedoch nicht selbst eingedeicht, obwohl das in einem Oktroy 1700 festgelegt worden war.Johann Friedrich Hansen: Vollständigere Staatsbeschreibung des Herzogthums Schleswig. Flensburg 1770; S. 388.
Nach dem Visitationsbericht von 1710 gab es auf der Hallig etwa 80 Haushalte. Galmsbüll galt als die ärmste Kirchengemeinde des Herzogtums Schleswig. Bei der Weihnachtsflut 1717 stand das Wasser einen Fuß tief in der Kirche und zerstörte zahlreiche Häuser, darunter Pastorat, Küster- und Lehrerhaus, fast gänzlich.Jebsen/Wiegand: Die Kirchengemeinde Neugalmsbüll. S. 37 f. In den folgenden Jahrzehnten schrumpfte die im Gegensatz zu Dagebüll ungesicherte Hallig durch Stürme und den Abbau des Salztorfs stark. Von den ursprünglich vier Warften war Mitte des 18. Jahrhunderts nur noch eine übrig geblieben, die direkt ohne Vorland am Meer lag und deren bewohnbare Fläche mit jedem Sturm kleiner wurde. Obwohl schon seit den 1730er Jahren die Einnahmen der Halligbewohner nicht mehr für die Steuer ausreichten und seit 1745 der König zu den Erhaltungskosten der nunmehr einzigen Warft beitragen musste, ersetzte man noch 1749 die baufällige alte Holzkirche durch einen Neubau an der alten Stelle direkt an die Abbruchkante. Diese neue Kirche war die erste ziegelgedeckte Steinkirche auf Galmsbüll. Die Galmsbüller verschuldeten sich dafür erheblich. Herzog Christian Albrecht schenkte der Gemeinde eine Glocke, die aus der bei der Burchardiflut untergegangenen Kirche von Evesbüll auf Strand stammte.Jebsen/Wiegand: Die Kirchengemeinde Neugalmsbüll. S. 40–43. Die Glocke gelangte nach Abbruch der Kirche nach Fahretoft und wurde später wegen eines Risses neu gegossen. Nur 26 Jahre später war diese Kirche schon wieder stark reparaturbedürftig.
Während die Hallig immer mehr Fläche verlor, bildete sich entlang des 1701 errichteten Dammes bis 1780 deichfertiges Land. Deshalb wurde 1788 beschlossen, die Hallig aufzugeben und stattdessen den Anwachs einzudeichen. Erst 1782 war die Salzsiederei, einst neben der Seefahrt die Haupterwerbsquelle der Bewohner, eingestellt worden, nachdem sie längst nicht mehr ertragreich war. Der 1798 eingedeichte Marienkoog führte zu einer weiteren Veränderung der Strömung bei der Hallig. Im Jahr 1800 musste die Kirche wegen Einsturzgefahr abgetragen werden. Das Kirchspiel wurde aufgelöst. In den folgenden Jahren übersiedelten die letzten Bewohner in den neuen Marienkoog. Aus den Steinen der abgebrochenen Kirche errichtete man ein Armenhaus für die, die kein eigenes Land besaßen, in dem auch bis zum Neubau der Kirche Gottesdienste gehalten wurden. In der sogenannten Halligflut 1825 ging die seit 1802 ständig völlig umspülte Warft vollends unter.
Alter Christian-Albrechts-Koog Im Jahr 1681 unterzeichnete Christian Albrecht, der damalige Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, einen Oktroy, der finanzkräftige Interessenten anlocken sollte, sich am Eindeichen des Landzuwachses in der Dagebüller Bucht zu beteiligen. Als Gegenleistung für ihren Einsatz sollte ihnen das gewonnene Land zum Eigentum überlassen werden und ihnen sollten zudem Gerichtsbarkeit, Polizeigewalt, Deichaufsicht, Verwaltung sowie das Patronat über eine noch zu bauende Kirche unterstehen. Schon 1682 war der Deichschluss vollendet. Die Interessenten, die zum Großteil aus den umliegenden Harden Wiedingharde, Bökingharde und Karrharde kamen, erhielten Land entsprechend ihrer finanziellen Beteiligung. Das neugewonnene Land galt als das fruchtbarste im ganzen Königreich, so dass die am Deichbau Beteiligten großen Gewinn davon hatten.
Im Koog befinden sich mehrere alte Höfe. Auf dem Hof Mangelmehl wurde 1970 der Film Deutschstunde gedreht, eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Siegfried Lenz. Ein weiterer Drehort für diesen Film war das zum Wilhelminenhof gehörenden Melkerhaus am Mitteldeich 35 zwischen dem Alten und Neuen Christian-Albrechts-Koog.
Neuer Christian-Albrechts-Koog Der Neue Christian-Albrechts-Koog wurde nach einem weiteren Oktroy 1705–06 eingedeicht. Einer der ältesten Höfe, der um 1710 errichtete Carolinenhof, ist im Umbauzustand von 1849 jetzt als typisch nordfriesisch geschlossen gebauter Vierseithof mit Fliesen und Truhen im Freilichtmuseum Molfsee zu besichtigen.Carl Ingwer Johannsen (Herausgeber): Führer durch das Schleswig-Holsteinische Freilichtmuseum. Karl Wachholtz, Neumünster 1994, ISBN 3-529-07210-9, Nr. 45.
Kleiseerkoog Der Kleiseerkoog wurde um 1725 eingedeicht. Im selben Jahr wurde ein Dreiseithof im Koog errichtet, der aufgrund seines hohen historischen Werts unter Denkmalschutz steht.
Marienkoog Nach der Eindeichung des Anwachses begann 1799 die Besiedlung des neuen Kooges. Er ist nach Maria von Hessen-Kassel, der Frau des dänischen Königs Friedrich VI. benannt. Die Bewohner der Hallig Galmsbüll, die es sich leisten konnten, bauten sich ein Haus oder einen Hof im Marienkoog. Bei der Volkszählung im Februar 1803 lebten hier 17 Familien. Von den 29 Haushalten, die 1803 noch auf der Hallig Galmsbüll lebten, zogen die meisten ebenfalls in den Marienkoog, als die Hallig 1825 aufgegeben werden musste.
Galmsbüllkoog Der Galmsbüllkoog, der auch einen Teil des Gebiets der alten Hallig mit umschließt, entstand 1913 als Sommerkoog vor dem Marienkoog, den die Marienkooger Bauern bewirtschafteten. Nachdem Sturmfluten jedes zweite Jahr die Ernte vernichteten, beschloss man 1933 eine Deichverstärkung und konnte im Rahmen eines Landgewinnungsprogrammes unterlegt durch die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie 1939 den Galmsbüllkoog eindeichen (vgl. u. a. Adolf-Hitler-Koog, Hermann-Göring-Koog). (Abgerufen am 28. Dezember 2008; PDF; 228 kB). Der Reichsarbeitsdienst, der die Arbeiten durchgeführt hatte, wurde zu Kriegsbeginn abgezogen. Erst 1950 wurden die ersten Häuser im Galmsbüllkoog bezogen, elf Jahre nachdem der Außendeich fertiggestellt worden war.
Gemeinden Die Köge Alter und Neuer Christian-Albrechts-Koog, Kleiseerkoog und Marienkoog bildeten zunächst eigenständige Gemeinden und wurden 1889 dem Amtsbezirk Dagebüllerkoog zugeordnet. Um die Jahrhundertwende wurden die beiden Christian-Albrechts-Köge zu einer Gemeinde zusammengefasst. (In den Gemeindeverzeichnissen von 1900 und früher wurden noch beide Gemeinden aufgeführt, spätestens 1908 nur noch eine. Über das genaue Datum der Fusion sind keine Dokumente bekannt.) Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Amtsbezirk aufgelöst und an seine Stelle trat bis 1967 das Amt Dagebüll. Nach dessen Auflösung kamen die Gemeinden zum Amt Bökingharde.
Am 1. Februar 1974 fusionierten die drei Gemeinden Christian-Albrechts-Koog, Kleiseerkoog und Marienkoog zur heutigen Gemeinde, die nach der Anfang des 19. Jahrhunderts untergegangenen Hallig benannt wurde. Seit Auflösung des Amtes Bökingharde mit Ablauf des Jahres 2007 wird die Galmsbüll vom Amt Südtondern verwaltet.
Neugalmsbüll und die St.-Gallus-Kirche
mini|St.-Gallus-Kirche in Neugalmsbüll (2020) Im Dorf Neugalmsbüll zwischen altem und neuem Christian-Albrechts-Koog befindet sich bei der St.-Gallus-Kirche der Ortsmittelpunkt mit vielen Vereinen und Organisationen. mini|Sgraffito an den Wänden der St.-Gallus-Kirche Zwar war bereits bei der Eindeichung des Alten Christian-Albrecht-Koogs der Bau einer eigenen Kirche geplant worden, aber erst 1742 wurde ein Bauplatz ausgewiesen. Doch der Bau verzögerte sich immer weiter. Stattdessen wurde 1749 eine kostspielige neue Halligkirche errichtet, die schon 1800 wieder abgerissen werden musste. Danach hatte Galmsbüll fast 90 Jahre lang keine eigene Kirche mehr. Die Oktroy erlaubten den Einwohnern der Köge, sich an eines der benachbarten Kirchspiele Emmelsbüll, Dagebüll oder Deezbüll zu halten. Erst nachdem Schleswig-Holstein preußische Provinz geworden war, wurden die Koogsgemeinden verpflichtet, sich entweder festzulegen, welchem Kirchspiel sie sich anschließen wollten, oder eine eigene Kirche zu bauen. Die Einwohner der Christian-Albrecht-Kögen, des nördlichen Gebietes des Kleiseerkooges und des Marienkoog schlossen 1876 sich zur neuen Kirchengemeinde Galmsbüll zusammen. Das ihnen von den Oktroy zugestandene Patronatsrecht blieb jedoch bestehen. Erst 1982 wurde die Galmsbüller Gemeinde Mitglied der Nordelbischen Kirche. 2012 schloss sich die Gemeinde mit der Kirchengemeinde Emmelsbüll zusammen.