mini|Spielszene des Spieles Stuttgart gegen Berlin am 15. Dezember 2007 in Marburg mini|Vedat Sarikaya (MTV Stuttgart 1843 e. V.) gegen Alican Pektas (SF/BG Blista Marburg, rechts) – Endspiel der Blindenfußball-Bundesliga am 22. Sept. 2012 in München. Blindenfußball ist eine Sportart aus dem Bereich des Blindensports.

Zwei Mannschaften treten mit je fünf Spielern gegeneinander an. Ziel ist es, wie beim Fußball sehender Spieler, den Ball ins gegnerische Tor zu schießen. Bei internationalen Männerspielen sind die Spieler auf dem Feld blind im Sinne der höchsten Klassifizierungsstufe B1. In der deutschen Blindenfußball-Bundesliga sowie im internationalen Frauenbereich sind auch die Stufen B2 und B3 zulässig. Augenklappenbinden und Augenpflaster gleichen unterschiedliche Sehreste unter den Spielern aus. Die Torhüter dürfen als einzige Spieler über eine uneingeschränkte Sehfähigkeit verfügen. Sie und die mannschaftseigenen Guides, die jeweils hinter dem gegnerischen Tor positioniert sind, sowie die Trainer an den Banden dirigieren mit Zurufen ihre Spieler. Der Ball ist im Inneren mit Rasseln versehen und dadurch zu hören. Die Spieler untereinander orientieren und warnen sich international mit dem Ausruf ().

Als Pionierland gilt Brasilien. Dort und im übrigen Südamerika sowie in England und Spanien wird seit den 1960er Jahren organisiert gespielt. Die erste Weltmeisterschaft wurde 1998 durchgeführt, seit 2004 ist sie Disziplin bei den Paralympischen Spielen.Blindenfussball.de: Geschichte Seit Sommer 2006 wird Blindenfußball in Deutschland gespielt und trainiert. In Österreich wird diese Sportart seit Oktober 2009 angeboten – bis 2023 existierte nur eine einzige österreichische Mannschaft in Wien, jedoch übt seit 2023 auch eine Grazer Mannschaft aktiv diesen Sport aus.Franz Schöffmann (Versehrtensportklub ASVÖ Wien) über den Blinden-Fußball in Österreich – football4all.eu Die bis heute erfolgreichste Nationalmannschaft ist die brasilianische Mannschaft.

Regeln mini|Strafstoß zum 1:0 im Spiel Stuttgart gegen Berlin am 15. Dezember 2007 in Marburg

Gespielt wird auf einem etwa 20 × 40 Meter großen rechteckigen Feld, dessen Längsseiten von stabilen Seitenbanden begrenzt werden. Eine glatte Vorderfront dieser Banden ohne ins Feld ragende Füße ist wesentlich, da die Spieler über Bande spielen und sich während des Spiels an ihr entlangtasten. Blindenfußball wird international vielfach in der Halle, daher auch der Begriff Blind Futsal, gespielt, ist unter entsprechenden Bedingungen (ruhige Lage der Spielstätte) jedoch auch im Freien spielbar. Kunstrasen oder natürlicher Rasen bilden den Untergrund.

Laut dem Regelwerk für den Blindenfußball, das von der Dachorganisation für Blindensport in Europa, der International Blind Sports Federation (IBSA), in Anlehnung an das Futsal-Regelwerk der FIFA entwickelt wurde, sind im Wettkampfgeschehen folgende Regeln bindend: Das Feld ist 38 bis 42 Meter lang und 18 bis 22 Meter breit. In der Mitte der Spielfläche befindet sich ein Kreis von 6 Meter Durchmesser. Eine mittig durch den Kreis gezogene Linie teilt das Feld in zwei Hälften. Das Tor ist 3,66 Meter breit und 2,14 Meter hoch, der Bereich, in dem der Torhüter agieren darf ist 5,66 × 2 Meter groß. Der Strafraum hat die gleichen Maße wie der Kreis vor einem Handballtor, seine Grenze ist also 6 Meter vom Tor entfernt. Strafstöße werden von einem Punkt auf jener Strafraumlinie, also sechs Meter vom Zentrum des Tors entfernt, ausgeführt. In 8 Meter Entfernung vom Zentrum des Tores befindet sich ein weiterer Punkt auf dem Feld, von dem aus spezielle Strafstöße vorgenommen werden. Diese werden ausgeführt, wenn ein Team das fünfte Team-Foul in einer Halbzeit begeht, unabhängig vom Ort des Fouls. Jedes weitere Team-Foul wird ebenfalls mit einem sogenannten Double-Penalty bestraft. Es werden zwei Halbzeiten von je 15 Minuten Länge netto gespielt. Das bedeutet, sobald der Ball das Spielfeld verlässt, ein Tor fällt, ein Freistoß oder ein Timeout gepfiffen werden wird die Zeit gestoppt. Der Ball besteht aus Leder oder Synthetik, hat einen Umfang von 62 cm und ein Gewicht von 510–540 Gramm. Er ist damit kleiner und schwerer als der FIFA-Fußball. Im Inneren ist er mit mehreren lauten Rasseln versehen. Erforderlich ist eine Beschallungsanlage in der Nähe des Zeitnehmers, um verbal mitzuteilen und das Publikum um Ruhe zu bitten. Im Blindenfußball gibt es keine Abseitsregel. Ein Spieler, der sich dem ballführenden Spieler nähert, muss ab einer Entfernung von 3 Metern klar und vernehmlich rufen; das Unterlassen wird als Foul betrachtet und mit einem Freistoß geahndet.

Charakteristik des Spiels Das Spiel blinder Spieler funktioniert durch gutes Gehör (daher können Hörsehbehinderte nicht teilnehmen), Orientierungssinn, Körperbeherrschung und den engen Kontakt zum hörbaren Ball. Durch eine spezielle Dribbeltechnik, die die meisten Spieler ausführen, bleiben Ball und Füße bis zur Abgabe in Berührung. Die Torhüter, Trainer und ein hinter jedem Tor postierter Guide erleichtern mit Zurufen die Orientierung. Im Fall eines Strafstoßes oder eines Freistoßes in der offensiven Zone, klopft der Guide vor der Ausführung links und rechts an die Pfosten, um die Orientierung des Schützen zu erleichtern.

Geschichte In mehreren Ländern wird seit den 1960er-Jahren Blindenfußball gespielt, jeweils nach lokalen Regeln. So wurden verschiedene Bälle und Spielfelder verwendet. Blindenfußball trat 1996 der IBSA bei, und damit begann auch die Harmonisierung der Regeln. Die ersten IBSA-Europameisterschaften der Herren in Barcelona und 1997 die ersten amerikanischen Meisterschaften Asunción wurden ausgetragen.Plusport Schweiz: Blindenfussball

Seither finden im Zweijahresrhythmus kontinentale Meisterschaften und alle vier Jahre wird eine Weltmeisterschaft ausgetragen.

1998 wurde die erste WM der Herren (Kategorie B1) in Campinas, Brasilien, ausgetragen. Die Heimmannschaft gewann vor Argentinien. Brasilien ist es mit Stand 2018 auch, welches alle Weltmeisterschaften gewinnen konnte, mit Ausnahme von 2002 und 2006, wo der Titel an Argentinien ging. Hinter Brasilien und Argentinien am meisten Erfolge holen konnten Spanien (zwei Mal Vizemeister, drei Mal Dritter) und China (zwei Mal Dritter). Bei den Frauen gewann Japan 2017 die bis dahin einzige WM.

Bei den Paralympischen Spielen in Athen wurde Blindenfußball als Football 5-a-side als Demonstrationssportart in den Kanon der olympischen Disziplinen aufgenommen. Entsandt wurden Nationalmannschaften aus Argentinien, Brasilien, Frankreich, Griechenland, Südkorea, Russland und Spanien. Mittlerweile wird Blindenfußball in über 40 Ländern ausgeübt. Die Verantwortung für die internationale Entwicklung und Organisation des Blindenfußballs liegt in den Händen der International Blind Sports Federation (IBSA).

Mit Unterstützung der UEFA realisiert die IBSA im Rahmen ihres Futsal-Entwicklungsprogramms für Blinde europaweit Blindenfußball-Seminare für Trainer und Schiedsrichter der UEFA-Landesverbände.

Im Sommer 2008 fanden in der chinesischen Hauptstadt Peking die zweiten Paralympics statt, bei denen Blindenfußball gespielt wurde. Vom 7. bis zum 17. September trugen dort die Nationalmannschaften aus Spanien, England, China, Südkorea, Brasilien und Argentinien das Fußballturnier für Menschen mit Sehbehinderung aus. Nach einer Runde jeder gegen jeden, wobei alle zwei Tage gespielt wurde, fanden am Ende zusätzlich Platzierungsspiele um den 1., 3. und 5. Platz statt. Mit einem 2:1-Erfolg gegen China gewann Brasilien die Goldmedaille: China ging kurz vor der Pause in Führung, Brasilien glich aus und verwandelte in der Schlussminute einen Achtmeterstrafstoß zum Siegtreffer. Im Spiel um die Bronzemedaille stand es nach Ablauf der Spielzeit 1:1 zwischen Argentinien und Spanien: das Sechsmeterschießen endete 1:0. Auch im Spiel um den 5. Platz gab es ein 1:0 im Sechsmeterschießen nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit: Großbritannien gewann damit gegen Südkorea.

Die folgende Europameisterschaft wurde im Juni 2009 in Nantes/Frankreich ausgetragen. Erstmals löste Frankreich die Spanier als Europameister ab, die hinter England auf dem dritten Platz landeten.

Die nächste Europameisterschaft fand 2011 im türkischen Aksaray statt. Hier belegte die deutsche Mannschaft den achten und damit letzten Platz im Turnier, während Frankreich vor Spanien und England wieder Europameister wurde.

Im August 2010 fanden die vierten Weltmeisterschaften im Blindenfußball in Hereford/England statt. Zehn Teams kämpften in zwei Gruppen um die Schale. Brasilien bezwang im Finale die Spanier mit 2:0 und wurde zum dritten Mal Weltmeister im Blindenfußball. Platz drei ging an China. Der Gastgeber England fand sich am Ende auf dem vierten Rang wieder. Europameister Frankreich landete auf Platz 5, während sich Exweltmeister Argentinien auf einem enttäuschenden Rang sieben hinter Kolumbien und vor Griechenland und Südkorea einreihte.

Ausgetragen wurden die 4. World-Games der IBSA 2011 in Antalya/Türkei. Zusammen mit England, Thailand und China kämpften die DBS-Sportler um den Einzug ins Halbfinale. Durch einen Sieg über Thailand (5:0), ein Unentschieden über China (1:1) und einer Niederlage über England (1:4) hatten sie aber nicht genügend Punkte, um Gruppenzweiter zu werden. Im Spiel um Platz fünf besiegten die Deutschen erneut die Türkei (2:1). In der zweiten Gruppe schafften es der Iran und der Europameister von 2009, Frankreich, ins Halbfinale. Der Iran sicherte sich die Trophy der 4. IBSA Worldgames. Platz 2 ging an Frankreich, Bronze sicherte sich China.

Bei der EM 2013, die im italienischen Loano ausgetragen wurde, setzte sich Deutschland als Gruppensieger durch und zog ins Halbfinale ein. Der spätere Europameister Spanien gewann das Halbfinale gegen Deutschland 2:0 und im Spiel um Platz drei gewann die Türkei im Sechsmeterschießen gegen Deutschland. Dennoch qualifizierte sich Deutschland zum ersten Mal für die Weltmeisterschaft.

Im August 2017 fand die Europameisterschaft in Deutschland statt. Der Behinderten-Sportverband Berlin richtete zusammen mit dem Deutschen Behindertensportverband die IBSA-Blindenfußball-Europameisterschaft aus. Europameister Russland qualifizierte sich zusammen mit Frankreich und England über das Halbfinale zur WM 2018. Da WM-Gastgeber Spanien ebenfalls das Halbfinale erreichte, war auch der 5. Platz mit einer WM-Qualifikation verbunden. Das betreffende Spiel um Platz 5 verlor das deutsche Team gegen die Türkei aber mit 1:2 nach Sechsmeterschießen.

Bei der Europameisterschaft 2019 in Rom konnte Spanien den achten EM-Titel holen. Deutschland landete auf Platz 7 und verpasste somit erneut die Qualifikation für die Paralympischen Spiele.

Im Juni 2022 fand im italienischen Pescara erstmals eine Europameisterschaft für Frauen statt. Das deutsche Team, größtenteils bestehend aus dem neu gegründeten Frauenteam des FC St. Pauli, konnte sich in beiden Spielen gegen den einzigen Gegner England mit je 4:0 durchsetzen und den ersten offiziellen internationalen Titel nach Deutschland holen. Bei der anschließenden Männer-EM konnte Deutschland ins Halbfinale einziehen, verlor dieses dann gegen Frankreich im Sechsmeterschießen. Das anschließende Spiel um Platz drei wurde ebenfalls im Sechsmeterschießen gegen England verloren. Frankreich holte den Titel, Zweiter wurde die Türkei.

Im Rahmen der IBSA World Games 2023, der sechsten Auflage der IBSA-Weltmeisterschaften, fand erstmals eine Weltmeisterschaft der Frauen im Blindenfußball statt.

Blindenfußball in einzelnen Ländern

Deutschland 325px|mini|Logo der Blindenfußball-Bundesliga