Martin Paul Warneck (* 7. Juli 1869 in Dommitzsch, Kreis Torgau; † 4. April 1943 in Berlin-Lichterfelde)Todesurkunde Martin Warneck. Standesamt Steglitz von Berlin, 915/1943; ancestry.com war ein deutscher Verlagsbuchhändler. Sein Buch-Verlag zeichnete sich durch ein klares evangelisches Profil aus.Benjamin Ziemann. In: Claudia Junk (Hrsg.): Die Revolte der heiligen Verdammten. Göttingen 2017, ISBN 978-3-8470-0772-2, S. 25. mini|Anzeige des Warneck-Verlages 1917

Leben Der Sohn des Archidiakons an der Kirche in Dommitzsch bei Torgau sowie späteren Begründers der modernen protestantischen Missionswissenschaft Gustav Adolf Warnecks und dessen Ehefrau Henriette Arna geb. GerlachThorsten Altena: Ein Häuflein Christen mitten in der Heidenwelt des dunklen Erdteils. Zum Selbst- und Fremdverständnis protestantischer Missionare im kolonialen Afrika 1884–1918. Münster / New York / München / Berlin 2003, ISBN 978-3-8309-1199-9, S. 66. machte nach dem Umzug seiner Eltern ins Pfarrhaus nach Rothenschirmbach bei Eisleben im Jahre 1874 und nachfolgender höherer Schulausbildung – zuletzt in der Lateinschule in den Franckeschen StiftungenDatenbank zu den Einzelhandschriften in den historischen Archivabteilungen (online), Recherchequelle: AFSt/S L 9, S. 1133; Biografische Angaben zu Martin Warneck – eine Lehre zum Buchhandlungs-Gehilfen beim Verlagsbuchhändler Julius FrickeJohannes Warneck: Werfet eure Netze aus. Erinnerungen. Berlin 1938, S. 57; in Halle an der Saale,Buchhändler Fricke. In: Adress-Buch Halle a. d. S. und Giebichenstein für das Jahr 1887. Druck und Verlag von Otto Hendel; Nachweis J. Fricke, S. 829, Spalte 2 während sein älterer BruderMartin Warneck: Fünfundzwanzig Jahre Verlag Martin Warneck Berlin, S. 5; , Johannes, sich auf den Beruf eines evangelischen Geistlichen – wie sein Vater – vorbereitete.

In der Leipziger Firma von H. G. WallmannHeinrich Gerhard Wallmann, Adressbuch der Stadt Leipzig, Ausgabe 1894; Erste Abteilung I. Abschnitt, S. 772, Sp. 1 arbeitete er nach Beendigung der Lehrzeit als Buchhandlungs-Gehilfe. In einem späteren Empfehlungsschreiben bescheinigte H. G. Wallmann seinem ehemaligen Mitarbeiter, dass dieser, während er im Sortiment als Gehilfe arbeitete, ein tüchtiger, strebsamer Mann mit solidem Charakter war, der sich mit „tüchtigen Kenntnissen ausgerüstet“ hatte.Empfehlungsschreiben von H. G. Wallmann, abgedruckt im Börsenblatt des deutschen Buchhandels, Nr. 228, 1. Oktober 1894, S. 6032

Buchhändler-Gehilfe in Berlin In der Zeit vom 1. März 1892 bis zum 15. September 1894 war Warneck in der Buchhandlung der Berliner Stadtmission auf einem „verantwortungsvollen Posten“ beschäftigt. Von den Geschäftsführern wurde er beim Ausscheiden dahingehend beurteilt, dass der angehende selbständige Buchhändler ein „Geschäft mit Fleiß, Gewissenhaftigkeit und Umsicht leiten“ kann.Empfehlungsschreiben bzw. Zeugnis vom 22. September 1892, ausgestellt von der Buchhandlung der Berliner Stadtmission mit Angabe des Hauptwohnsitzes von M. Warneck in Rothenschirmbach und unterzeichnet von Pastor Ernst Evers sowie einem weiteren Geschäftsführer, dem Buchhändler Ulrich Meyer; abgedruckt im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 228, 1. Oktober 1894, S. 6032. Auch der Inhaber der Deutschen Sonntagsschul-Buchhandlung in Berlin, Ludwig Burmeister,Berlin, Friedrichstraße 121, laut Berliner Adressbuch, Ausgabe 1892 stellte ihm ein wohlwollendes Zeugnis aus für die Mitarbeit als Buchhändler in Berlin vor der Tätigkeit in der Buchhandlung der Berliner Stadtmission.Abgedruckt im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 228, 1. Oktober 1894, S. 6032

Inhaber einer Buchhandlung Nach dem Tod des Berliner Buchhändlers Hugo Rother verkaufte dessen Sohn das Buchgeschäft an den 25-jährigen Unternehmer. Warneck führte unter dem Namen Hugo Rother’s Theologische Buchhandlung (Martin Warneck) die Firma in Berlin weiter. Auf Grund freundschaftlicher Beziehungen zum Buchhändler Heinrich Gerhard Wallmann beauftragte er den erfahrenen Kollegen mit der Vertretung der neu erworbenen Buchhandlung auf dem Leipziger Handelsplatz deutschsprachiger Bücher. Zu seinem Sortiment zählten nicht nur Bücher, sondern auch Kunstgegenstände wie Thorwaldsens Segnender Christus und „auf Holz gemalte Sprüche“ mit und ohne Malerei zum Aufstellen oder Aufhängen je nach Größe.Werbeanzeige im Annoncen-Teil der von Ernst Evers im Verlag der Buchhandlung der Berliner Stadtmission herausgegebenen Zeitschrift Der Sonntagsfreund Nr. 50/1895;

Verleger Am 1. Februar 1895 gründete Warneck einen eigenen Verlag aus dem Beweggrund heraus, dem „evangelischen Hause zu dienen, ihm gute Literatur zu besorgen“.Martin Warneck in Fünfundzwanzig Jahre Verlag Martin Warneck Berlin, S. 3; Martin Warneck fasste nach 25 Jahren verlegerischer Tätigkeit die in seinem Verlag erschienenen Veröffentlichungen in vier Hauptgruppen zusammen:

Theologische Werke Unterhaltungsliteratur Biographien Gelegenheitsveröffentlichungen.

Bereits als Inhaber eines jungen Medien-Unternehmens verfolgte er eine marktgerechte Sortimentspolitik und pflegte frühzeitig die Kommunikation zu den Autoren und LesernBeispielsweise über die „Büchertafel“ in der illustrierten Zeitschrift Die Woche wie in Band 7, Nr. 45, 11. November 1905, S. XIII insbesondere durch das Schalten von Anzeigen in Zeitungen sowie Fachzeitschriften und die Teilnahme an Buchmessen. Beispielsweise warb er 1897 im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel für ein neues Jahrbuch mit dem Titel Aus Höhen und TiefenNr. 209, 9. September 1897, S. 6367; zweispaltige Anzeige, Martin Warneck, Verlag. Börsenblatt (digital), und er nahm mit einem Stand an der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik 1914 in Leipzig teil.Amtlicher Katalog – 1914, S. 322 Er suchte die von ihm ausgewählten Autoren vielfach persönlich auf, um sie für seine Verlagsvorhaben zu gewinnen. Beispielsweise besuchte er nach Vermittlung des Worpsweder Malers Fritz Mackensen seine künftige Autorin Feodora von Schleswig-Holstein (1874–1910), die jüngste Schwester der Kaiserin Auguste-Viktoria, auf dem Krongut Bornstedt, die 1904 unter ihrem Pseudonym F. Hugin vier Erzählungen mit eigenem Buchschmuck unter dem Titel Wald in Warnecks Verlag veröffentlichte.Fünfundzwanzig Jahre Verlag Martin Warneck Berlin, S. 16 i. V. m. S. 166;

Zu seinen Autorinnen gehörte auch Selma Lagerlöf, deren Buch Das heilige Bild in Lucca und andere Erzählungen 1931 erschien. Eine seiner bekanntesten Editionen ist Martin Niemöllers Buch Vom U-Boot zur Kanzel, das 1934 erschien. Überdies vertrieb Warneck in seiner Verlagsbuchhandlung Bücher seines Vaters, Gustav Warneck, und auch seines Bruders, Johannes Warneck. Als Hobby-Fotograf illustrierte der Verleger gelegentlich die Veröffentlichungen mit eigenen Aufnahmen der darin vorgestellten Personen, beispielsweise in einer Erinnerungsschrift für seinen Vater, Gustav Warneck (* 1884; † 1910).Martin Kähler, Johannes Warneck: D. Gustav Warneck. 1834–1910. Blätter der Erinnerung … [mit 12 Vollbildern], Verlag von Martin Warneck, Berlin 1911; Abbildungen: Vater in seiner Studierstube, Vollbild nach S. 80 (dasselbe Motiv auch in der Jubiläumsschrift 25 Jahre Verlag Martin Warneck, Berlin , nach S. 40) und Großvater und Enkel (Abb. nach S. 84)

Bei den ersten Veröffentlichungen seines Verlages erschien 1898 ein Werk von Gustav Warneck mit dem Titel Abriß einer Geschichte der protestantischen Missionen von der Reformation bis auf die Gegenwart, deren Verlagsrechte Warneck von der J. C. Hinrichs’schen Buchhandlung in Leipzig ab der dritten Auflage erworben hatte. An der zehnten, neu bearbeiteten, erweiterten Auflage, die Johannes 1913 herausgegeben hatte, wirkte u. a. der Missionswissenschaftler Julius Richter mit.

In kirchlichen AmtsblätternZum Beispiel im Kirchliches Amtsblatt der evangelisch-lutherischen Kirche im Lübeckischen Staate, vom 15. März 1926, Nr. 8, Rubrik: Mitteilungen, S. 51; Kirchenrecht Nordkirche (PDF; 2,6 MB) wurden Mitteilungen gemacht, die besonders auf kirchenmusikalische Neuerscheinungen aus dem Verlage von Martin Warneck, Berlin W. 9, Schellingstr. 5 hinwiesen. So wurde 1926 mitgeteilt, dass bei Warneck ein Buch mit dem Titel „Stamm einheitlicher Melodien für Kirchenlieder“ für die evangelischen Gemeinden veröffentlicht wurde, das vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß herausgegeben wurde. Ebenso erschien 1927 ein „Melodienbuch zum Deutschen Evangelischen Gesangbuch“.

Warneck nutzte die von seinem Verlag herausgegebenen Bücher für die Werbung zu weiteren Verlagstiteln und kurzen Inhaltsangaben, die er teils selbst verfasste und teils aus Buchbesprechungen von Feuilletonseiten verschiedener Tageszeitungen übernahm. Beispiele hierfür sind Bücher, die im Martin Warneck Verlag Berlin als Erst- bzw. Nachauflage erschienen, so Rezensionen in den Zeitungen Chemnitzer TageblattAnhang von Werfet eure Netze aus; , Dresdner NachrichtenAnhang von Briefe zweier Liebenden; , Hamburger NachrichtenAnhang von Märkische Balladen; , Kasseler PostAnhang von Bilderbuch einer kleinen Frau; und Kölnische Volkszeitung.Anhang von Briefe zweier Liebenden;

Dem Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte, das im Auftrag des Vereins für Brandenburgische Kirchengeschichte bis 1941/42 herausgegeben wurde, diente Warnecks Unternehmen als Kommissions-Verlag.Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte –

Wahlspruch Warneck wählte als Motto für seine berufliche Tätigkeit die religiöse Einladung in lateinischer Sprache Sursum cordaMartin Warneck: Fünfundzwanzig Jahre Verlag Martin Warneck Berlin. Leipzig , S. 40; Sursum corda heißt so viel wie „Erhebet eure Herzen!“; . Dieser Wahlspruch zierte zeitweilig seine im kaiserlichen Deutschland und in der Weimarer Republik grafisch und inhaltlich unterschiedlich gestalteten Verlagslogos.

Das Logo des Verlages von Martin Warneck am Buchtitel schmückte beispielsweise das 1910 erschienene Buch Die Mutter im deutschen Liede. Die Wort-Bild-Marke als Markenzeichen seines Verlages enthielt sowohl den Wahlspruch Warnecks in lateinischer Sprache als auch einen weiteren Leitspruch, jedoch in Altgriechisch: ΔΙ ΕΝΌΣ ΠΆΝΤΑ (Durch einen [Jesus Christus] alles)Umschrift: DI ENÓS PÁNTA; Wilhelm Laubengeiger (Hrsg.): Die Mutter im deutschen Liede mit Buchschmuck von Richard Flockenhaus. Verlag von Martin Warneck, Druck: Herrosé & Ziemsen Wittenberg, Berlin 1910 [Verlagslogo unterhalb des Titels auf der Innenseite], den Wahlspruch des Wingolf, sowie die – mit der Lutherrose halb verdeckten – Anfangsbuchstaben „MW“ seines Vor- und Familiennamens. Bereits im Jahre 1901 hatte Warneck seinen Wahlspruch und das Motto in einem ähnlichen Wort-Bild-Zeichen unterhalb des Titels auf einer Verlagsbroschüre drucken lassen.Ernst Bunke: Adolf Stoecker und die Angriffe seiner Gegner im Lichte der Wahrheit. Von einem Nichtpolitiker [Druckvermerk: „Herrosé & Ziemsen Wittenberg“, S. 63]. Berlin 1901 Als grafisches Gestaltungselement wurden eine sich kreuzende Fackel mit einem Hermesstab sowie eine darüber befindliche Eule – sinnbildhaft für Weisheit und Handel – verwendet. Die Anfangsbuchstaben „MW“ von Martin Warnecks Vor- und Familiennamen zierten die Symbolelemente Fackel und Hermesstab, jedoch noch ohne zusätzliche Abbildung der Lutherrose. Später ließ der Verlagsinhaber als weiteres Markenzeichen in Frakturschrift die Großbuchstaben „MW“ mit einer sie krönenden, flammenden Kerze und einen angedeuteten Kerzenhalter auf die Titelseite seiner Verlagsprodukte drucken oder verzichtete im Endeffekt ganz auf ein Signet.

Ehrenämter (Auswahl)