Das Réseau express métropolitain (REM) ist ein Schienenverkehrssystem in der Metropolregion der kanadischen Millionenstadt Montreal, das in der Form einer fahrerlosen Leicht-U-Bahn errichtet wurde. Stand Mai 2026 besteht das Netz aus 23 Stationen auf einer Streckenlänge von rund 60 km. Der erste Abschnitt zwischen dem Hauptbahnhof Montreal und Brossard ging 2023 in Betrieb. 2025 kam der Abschnitt vom Hauptbahnhof durch den Mont-Royal-Tunnel nach Deux-Montagnes hinzu, 2026 jener in die Region West Island. Ein weiterer Abschnitt zum Flughafen Montréal-Trudeau soll 2027 folgen

Bei Abschluss des Projekts wird die Gesamtlänge der 67 km betragen, wobei die Gesamtkosten auf 8,34 Milliarden kanadische Dollar geschätzt werden. Verwirklicht wird das Projekt durch CDPQ Infra, eine Tochtergesellschaft der Caisse de dépôt et placement du Québec. Das REM ist unabhängig von der bestehenden Metro Montreal, ergänzt diese aber und ist vollständig in das Tarifsystem der ARTM integriert. Der Betrieb erfolgt vollständig automatisiert. Nach dem Mass Rapid Transit in Singapur, der U-Bahn Riad, dem SkyTrain in Vancouver und der Metro Dubai wird das REM das fünftlängste automatisierte Verkehrssystem der Welt sein.

Strecke Wichtigster Bestandteil des REM-Streckennetzes ist die seit 1918 bestehende Strecke vom Gare Centrale nach Deux-Montagnes, die zu den Montrealer Vorortbahnen gehörte und deren Trasse für den automatischen Betrieb vollständig umgebaut wurde. Sie wurde ostwärts um die Verlängerung über den Sankt-Lorenz-Strom nach Brossard ergänzt. Hinzu kommen westlich der Station Bois-Franc zwei zukünftige Zweigstrecken zum Flughafen Montréal-Trudeau und nach Sainte-Anne-de-Bellevue. Das Streckennetz wird insgesamt 67 km lang sein und 26 Stationen umfassen, davon fünf im Tunnel. Alle Stationen sind barrierefrei zugänglich und besitzen Bahnsteigtüren. Ebenso sind sie mit Fahrradabstellanlagen, WLAN und Klimaanlagen ausgestattet. Beim Vollausbau werden 13 Stationen mit Busbahnhöfen verbunden sein, 14 werden über Park-and-Ride-Anlagen verfügen und an drei Stationen bestehen Umsteigemöglichkeiten zur Metro Montreal.

Hauptstrecke Südöstliche Endstation der Hauptstrecke ist Brossard. Von dort aus nutzt die Strecke zunächst den Mittelstreifen der Autoroute 10, der zuvor für Busse reserviert gewesen war. Um den Sankt-Lorenz-Strom zu überbrücken, nutzt das REM das Mitteldeck der neuen, 3440 Meter langen Pont Champlain zur Île des Sœurs, die bereits im Juni 2019 fertiggestellt wurde. Über eine weitere Brücke gelangt die Strecke auf die Île de Montréal, folgt den weitläufigen Bahnanlagen der Canadian National Railway (CN) und überquert den Lachine-Kanal, ehe sie auf dem Viaduc du Sud von CN den Gare Centrale erreicht.

Im Montrealer Hauptbahnhof beansprucht das REM die Fläche von 9 der 23 bisherigen Gleise. Vorhanden sind fünf Abstellgleise (Gleise 4–8), zwei Betriebsgleise (9 und 12) und ein breiter Mittelbahnsteig, der die bisherigen Gleise 10 und 11 überdeckt. Da die darüber gelegene Halle des Hauptbahnhofs denkmalgeschützt ist, nahm man nur geringfügige Änderungen an den bestehenden Bahnsteigzugängen von diesem Raum aus vor. Im Hauptbahnhof bestehen Anschlüsse an die Fernzüge von VIA Rail und Amtrak und die Vorortzüge nach Mont-Saint-Hilaire. Über die Untergrundstadt erreichbar sind der Gare Lucien-L’Allier, der Terminus Centre-ville und die Metrostation Bonaventure. Zu letzterer entstand ein neuer, direkterer Zugang.

Vom Gare Centrale aus nutzt das REM die bestehende Deux-Montagnes-Strecke, zuvor die einzige elektrifizierte des Montrealer Vorortbahnnetzes. Im 4,8 km langen Mont-Royal-Tunnel, der unter dem Mont Royal hindurch führt und modernisiert werden musste, entstanden zwei neue Tunnelbahnhöfe, die das Umsteigen zur Metro ermöglichen: McGill unter der Avenue McGill College und Édouard-Montpetit. Letztere befindet sich 70 Meter unter der Oberfläche, weshalb hier vier Hochgeschwindigkeitsaufzüge zur Verfügung stehen. Die neue Station Côte-de-Liesse entstand zwischen zwei bereits bestehenden Stationen, um das Umsteigen zur Vororteisenbahn nach Mascouche zu ermöglichen, da diese nicht mehr zum Gare Centrale verkehren kann. mini|Gare Centrale

Zweigstrecken Gemeinsamer Ausgangspunkt der westlichen Zweigstrecken ist die Station Bois-Franc. Die Deux-Montagnes-Strecke, die von hier aus bis zur Endstation Deux-Montagnes eingleisig war, erhielt ein zweites Gleis; darüber hinaus ersetzte man alle höhengleiche Bahnübergänge. Die bestehenden Bahnhöfe der Strecke blieben erhalten, mussten aber mit Bahnsteigtüren und höheren Bahnsteigen ausgestattet werden, die nur noch 80 Meter statt wie bisher 270 Meter lang sind. Um Kosten zu sparen, ist das Gleisbett weiterhin geschottert.

Ein Linienast mit 14 km Länge zweigt mit einem Überwerfungsbauwerk westlich von Bois-Franc von der Deux-Montagnes-Strecke ab und führt in die Region West Island. Die Strecke verläuft weitgehend auf einem Viadukt und nutzt auf etwa sechs Kilometern die Trasse der Dorney Spur, einer stillgelegten Güterbahn zwischen Autoroute 40 und Boulevard Hymus. Am Boulevard Saint-Jean wird das REM die Autoroute 40 überqueren und danach der Nordseite des Boulevard Morgan entlangführen. Die Endstation befindet sich am Rande des Naturparks Anse-à-l’Orme auf dem Gebiet der Gemeinde Sainte-Anne-de-Bellevue. Die Eröffnung erfolgte am 18. Mai 2026.

Von der West-Island-Strecke zweigt eine weitere zukünftige Strecke von 4,6 km Länge ab, die mit zwei Tunnelbahnhöfen den Technoparc Montreal und den Flughafen erschließt. Unter dem Marriott-Flughafenhotel entstand 2009 eine Betonkonstruktion für einen zukünftigen Bahnhof errichtet. Die REM-Planer entschieden sich jedoch dazu, diese Bauvorleistung nicht zu nutzen, da der Zugang nur von Süden her problemlos möglich gewesen wäre. Für den Zugang aus nördlicher Richtung wären riskante Bohrungen unter den Fundamenten des Kontrollturms erforderlich gewesen. Stattdessen entsteht die Station 35 Meter unter dem Parkhaus des Flughafens. Die Züge werden durch einen 3,5 km langen Tunnel verkehren, der das Sumpfgebiet des Éco-Campus Hubert Reeves sowie die Start- und Landebahnen 06L-24R und 10-28 unterquert.

Liste der Stationen Stationsname Eröffnung Typ Anschlüsse Lage Gemeinde/Arrondissement Brossard 31.07.2023 ebenerdig RTL, exo Brossard Du Quartier 31.07.2023 ebenerdig RTL Panama 31.07.2023 ebenerdig RTL, exo Île-des-Sœurs 31.07.2023 Hochlage STM Verdun Griffintown–Bernard-Landry nach 2027 Hochlage STM Le Sud-Ouest Gare Centrale 31.07.2023 Tunnel VIA Rail, Amtrak exo (Eisenbahn) Metrolinie 2 (Station Bonaventure) Terminus Centre-ville (RTL, STM) Ville-Marie McGill 17.11.2025 Tunnel Metrolinie 1, STM Édouard-Montpetit 17.11.2025 Tunnel Metrolinie 5, STM Côte-des-Neiges–Notre-Dame-de-Grâce Canora 17.11.2025 Einschnitt STM Ville-de-Mont-Royal 17.11.2025 Einschnitt STM Mont-Royal Côte-de-Liesse 17.11.2025 ebenerdig exo (Eisenbahn), STM Saint-Laurent Montpellier 17.11.2025 ebenerdig STM Du Ruisseau 17.11.2025 ebenerdig STM Bois-Franc 17.11.2025 ebenerdig STM Zweigstrecke nach Deux-Montagnes Sunnybrooke 17.11.2025 Hochlage STM Pierrefonds-Roxboro Pierrefonds-Roxboro 17.11.2025 Hochlage STM Île-Bigras 17.11.2025 Hochlage STL Laval Sainte-Dorothée 17.11.2025 Hochlage STL Grand-Moulin 17.11.2025 ebenerdig exo Deux-Montagnes Deux-Montagnes 17.11.2025 Hochlage exo Zweigstrecke nach Anse-à-l’Orme Des Sources 18.05.2026 Hochlage STM Pointe-Claire Fairview–Pointe-Claire 18.05.2026 Hochlage STM Kirkland 18.05.2026 Hochlage STM Kirkland Anse-à-l’Orme 18.05.2026 ebenerdig STM, exo Sainte-Anne-de-Bellevue Zweigstrecke zum Flughafen Marie-Curie Q4 2027 Tunnel STM Saint-Laurent YUL-Aéroport-Montréal-Trudeau Q4 2027 Tunnel Flughafen Montréal-Trudeau Dorval

Betrieb Das REM ist an jedem Wochentag 20 Stunden lang in Betrieb (5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts). Die Zugfolge beträgt je nach Streckenabschnitt und Verkehrsaufkommen zwischen zweieinhalb und zehn Minuten; bei Bedarf könnte sie bei 90 Sekunden liegen. Auf der Deux-Montagnes-Strecke werden rund 150 Fahrten pro Werktag und Richtung angeboten, etwa dreimal mehr als bei den bisherigen exo-Vorortzügen. Alle Züge, die von den drei westlichen Zweigstrecken her kommen, verkehren bis zur östlichen Endstation Brossard. Umgekehrt werden alle in Brossard abfahrenden Züge abwechselnd zu einer der drei westlichen Endstationen verkehren.

Für die Zugbeeinflussung wird das System Urbalis 400 von Alstom genutzt. Urbalis 400 ist ein CBTC-System (Communications-Based Train Control), das auf einem ständigen Informationsaustausch zwischen der Strecke und den Fahrzeugen beruht. Es ermöglicht die Ortung und das automatische Fahren von Zügen per Funk von einem Zentralrechner aus. Die Informationen auf dem Streckennetz werden in einer zentralen Iconis-Leitstelle von Alstom gebündelt und verwaltet. Dieses System wird seit 2012 auch bei der Metro Montreal eingesetzt.

Fahrzeuge

Auf dem REM werden fahrerlose elektrische Triebwagen (Automatisierungsstufe 4, also ohne Personal) des Typs Alstom Metropolis eingesetzt. Der Bahnstrom hat 1500 Volt Gleichspannung und wird von Stromabnehmern aufgenommen. Diese vergleichsweise hohe elektrische Spannung ist notwendig, um die über drei Kilometer lange Pont Champlain zu überqueren, ohne Unterwerke auf der ihr vorbehaltenen Fahrspur nutzen zu müssen. Die Wagen sind auf die klimatischen Bedingungen in Montreal (feuchtheiße Sommer, sehr kalte Winter) angepasst; sie verfügen über beheizte Türschwellen und Böden, beheizte automatische Kupplungen an den Enden, Eisschutzeinrichtungen, beheizte Windschutzscheiben, Eiskratzer an den Stromabnehmern und ähnliches. Ebenso fiel die Wahl auf Oberleitungen, da bei Stromschienen die Gefahr des Vereisens bestünde. Die Züge bestehen aus zwei durchgängig begehbaren Wagen, die bei Bedarf automatisch zu vierteiligen Zügen gekuppelt werden können. Die Kapazität eines Wagens beträgt 150 Personen (bei 4 Passagieren/m²), davon 30 auf Sitzplätzen.

Der französische Hersteller Alstom lieferte 212 Wagen, die ab April 2018 in der Stadt Sricity in Indien gebaut wurden. Ähnliche Modelle sind beispielsweise in Amsterdam, Barcelona und Warschau im Einsatz. Die ersten Wagen wurden am 16. November 2020 im bereits fertiggestellten Depot in Brossard angeliefert. Gewartet werden die REM-Züge im bereits bestehenden Betriebswerk von exo in Saint-Eustache nahe dem westlichen Ende der Deux-Montagnes-Zweigstrecke, das zu diesem Zweck umgebaut und erweitert wurde.

Die Züge sind insgesamt 76,2 Meter lang und haben ein maximales Gewicht von 232 Tonnen. Die Wagen sind 2,94 Meter breit und 3,9 Meter hoch (ohne Abnehmer). Auf den REM-Strecken liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 51 km/h.

Vorgeschichte Seinen Ursprung hat das REM in verschiedenen Bahnprojekten in Montreal seit dem frühen 20. Jahrhundert. 1918 stellte die Canadian Northern Railway den Mont-Royal-Tunnel fertig, damit ihre aus dem Norden kommenden Züge die Innenstadt direkter erreichen konnten. Durch die zusammen mit dem Tunnel betriebene Deux-Montagnes-Strecke wurde die Stadt Mont-Royal bedient, ein zur Finanzierung des Bauvorhabens errichteter Modellvorort beidseits der Gleise. Da die Belüftung des Tunnels für den Einsatz von Dampflokomotiven nicht ausreichte, war die Strecke von Anfang an elektrifiziert. 1982 übertrug die Canadian National Railway (CN) den Betrieb an die Société de transport de la Communauté urbaine de Montréal (STCUM), die spätere Agence métropolitaine de transport (AMT). Von 1993 bis 1995 erfolgte eine grundlegende Modernisierung der Strecke, 2014 ging sie in den vollständigen Besitz der AMT über (seit 2017 exo).

mini|Expo Express