mini|hochkant|Ludger Mintrop mini|hochkant|Mintrop (r.) und Kollegen der Seismos
Ludger Mintrop (* 18. Juli 1880 in Werden an der Ruhr, heute Essen; † 1. Januar 1956 in Essen) war ein deutscher Markscheider und Geophysiker. Er gilt als Erfinder der seismischen Verfahren zur Exploration von Kohlenwasserstoffen und Mineralen (Patent 1916).
Leben und Wirken Mintrop wurde in eine bedeutende Familie, die auch schon den Maler Theodor Mintrop hervorbrachte, auf dem Gut Barkhoven im heutigen Essen-Werden geboren. Nach Erlangung der Primareife am Realgymnasium in Aachen absolvierte Mintrop zunächst ein markscheiderisches Praktikum und nahm anschließend an der Bergakademie Berlin das Studium der Markscheidekunde auf. Nach erfolgreich bestandener Abiturprüfung in Aachen schrieb er sich 1903 an der dortigen Technischen Hochschule Aachen bei Karl Haußmann ein. Nach bestandener Markscheiderprüfung am 12. Mai 1905 am Oberbergamt in Dortmund übernahm er als planmäßiger Assistent die Vorlesungen für den erkrankten Haußmann und wechselte auf dessen Rat 1907 nach Göttingen zu dem berühmten Erdbebenforscher Emil Wiechert. Im Jahre 1908 folgte er einem Ruf an die Bochumer Bergschule, wo er neben seiner Lehrtätigkeit im Auftrag der Westfälischen Berggewerkschaftskasse ab 1907 die seismologische Station aufbaute und als Leiter betreute. Am 9. August 1910 heiratete er die aus Essen-Rellinghausen stammende Bürgermeister-Tochter Elisabeth Sartorius. Er schloss am 1. Februar 1911 sein Studium in Göttingen mit einer seismischen Arbeit ab.
Mintrop entdeckte 1920 das Auftreten der Kopfwelle („Mintrop-Welle“) im seismischen Wellenfeld, welche die Grundlage für refraktionsseismische Messung ist. Im Jahr 1917, er war zu diesem Zeitpunkt Mitglied der Artillerieprüfungskommission erhielt er Patente für einen Erschütterungsmesser, für einen leichten Feldseismographen sowie für ein Verfahren zur Ermittlung des Ortes künstlicher Erschütterungen. Im Jahr 1920 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Am 4. April 1921 gründete er die SEISMOS GmbH mit Sitz in Hannover. Seine Arbeiten wurden nachhaltig von seinem Lehrer Emil Wiechert unterstützt.Wilfried Schroeder, der zahlreiche Wiechert-Schüler und Mintrop Mitarbeiter befragen konnte, hat die freundschaftliche Zusammenarbeit von Wiechert und Mintrop dargelegt: Wilfried Schröder: Emil Wiechert: Physiker - Geophysiker - Wissenschaftsorganisator. Bremen-Roennebeck: History Commission of the German Geophysical Society 2000 (Mitteilungen des Arbeitskreises Geschichte der Geophysik; Jg. 19, H. 1/2) Sein Aufschlussverfahren führte weltweit zum Ansteigen der Erdölfördermenge. Mintrop lehrte als Ordinarius für Markscheidekunde und Geophysik von 1928 bis 1945 an der Universität Breslau. Er war Mitglied des NS-Altherrenbundes und Altherrenschaftsführer der Kameradschaft Seydlitz des Breslauer NSDStB sowie nach deren Vertagung ab 1941 Alter Herr der Kameradschaft Werner BlechBernhard Grün: Faszination Fliegen – vom Gleitflug zur Mondlandung. Die Fliegerschaft Marcho-Silesia Breslau am Firmament der Zeiten (1924 bis 2024). Bad Buchau 2026, ISBN 978-3-948-502-28-7, S. 69–70. und später der Kameradschaft Freikorps von Hülsen.Bernhard Grün: Zwischen Revolution und Rekonstitution – Die Kameradschaften des NSD-Studentenbundes und Altherrenschaften im NS-Altherrenbund an den deutschen Hoch- und höheren Fachschulen 1937 bis 1945. Teilband 4/I u. II: Bereiche BERLIN und OSTLAND, Hrsg. Matthias Asche, Federsee-Verlag, Bad Buchau 2024, ISBN 978-3-948502-22-5, S. 568–569.
Von 1946 bis 1948 war er Ordinarius an der RWTH Aachen.
Darüber hinaus gehörte Mintrop unter anderem mit Karl Erich Andrée, Gustav Angenheister, Immanuel Friedländer, Beno Gutenberg, Franz Kossmat, Gerhard Krumbach, Karl Mack, Peter Polis, August Heinrich Sieberg und Emil Wiechert zu den Gründungsmitgliedern der am 19. September 1922 in Leipzig gegründeten Deutschen Seismologischen Gesellschaft, der heutigen Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft.
Ehrungen Am 19. Mai 1949 wurde Mintrop von der Montanistischen Hochschule Leoben aufgrund seiner hervorragenden Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Angewandten Geophysik der Ehrendoktor verliehen. Von Bundespräsident Theodor Heuss erhielt er am 9. September 1955 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Werke
Literatur
H. Menzel: In Memoriam Ludger Mintrop. In: Deutsche Hydrographische Zeitschrift, Band 8, Heft 4, 1955, S. 165.
Einzelnachweise
Weblinks
Gerhard Keppner: Ludger Mintrop (PDF; 887 kB). In: DGG Mitteilungen, Nr. 1/2006, , S. 4–17. Gerhard Keppner: Zündstoff Erdöl. Ludger Mintrop, Pionier und Begründer der Angewandten Seismik (PDF; 7,3 MB). In: Kultur & Technik – das Magazin aus dem Deutschen Museum, Nr. 1/1993. S. 38–45. Professor Dr. Dr. h. c. Ludger Mintrop zum Gedenken. In: Seismos-Echo, Nr. 2/1956. Ludger Mintrop (1880 bis 1956), auf uni-goettingen.de Fallturm der Mintrop-Kugel, auf erdbebenwarte.de
Kategorie:Geophysiker Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Markscheider Kategorie:Hochschullehrer (Universität Breslau) Kategorie:Hochschullehrer (RWTH Aachen) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Ehrendoktor der Montanuniversität Leoben Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1956 Kategorie:Mann