Das Motilitätsmodell ist eines der zehn Basismodelle des Unterrichts, das der Schweizer Erziehungswissenschaftler Fritz Oser entwickelt hat.Oser, F. & Patry, J.-L. 1990: Choreographien unterrichtlichen Lernens. Basismodelle des Unterrichts. In: Berichte zur Erziehungswissenschaft. Nr. 89. Pädagogisches Institut der Universität Fribourg Im Vordergrund steht die Verarbeitung affektiver Spannung durch schöpferisches Tun, insbesondere durch Motilität (= psychische Beweglichkeit) im Kontext schöpferischen Tuns (Musikunterricht, Bildnerisches Gestalten, Sprachunterricht, Schultheater etc.)
Das Motilitätsmodell gliedert sich in folgende fünf Schritte:
Vorwegnehmende Schemata, damit der psychische Erregungszustand anschließend nicht gestört oder frühzeitig aufgelöst wird, sollen der Ablauf geklärt und das erforderliche Material bereitgestellt werden. Spannungsbildung: Präsentation einer kurzen Erzählung, eines Filmausschnittes, einer szenischen Darstellung deren Inhalte zur Erhöhung der emotionalen Spannung der Schülerin/des Schülers beitragen können. Kognitive Umstrukturierung der aufgestauten Energie und Anstoß (Motilität) für eine schöpferische Entladung als Ideenfindung. Transformation der Energie in einen kreativen Ausdruck (zum Beispiel als Zeichnung, Malerei, plastische Gestaltung, Musikstück, Gedicht, szenische Improvisation etc.). Praktische Umsetzung der Idee. Verstärkung und Transfer der kreativen Erfahrung durch die nachträgliche Präsentation einer entsprechenden, professionellen Umsetzung.
Das Motilitätsmodell wurde in einer empirischen Studie zum Kunstunterricht der Maturitätsschulen von Stefan Haenni ausführlich beschrieben und untersucht.Haenni, S. 1995: Das Motilitätsmodell. Eine empirische Studie zum Kunstunterricht der Maturitätsschulen. Unveröffentlichte Dissertation Universität Fribourg Darin konnte der lernpsychologische Mehrwert von positiven Emotionen für den Aufbau von Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten durch kreatives Schaffen wissenschaftlich belegt werden.Haenni, S. 1996: Emotion und bildnerisches Gestalten im Unterricht. Peter Gaffuri, Bern. Georg Peez von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main kommt 1997 zum Schluss, dass Haennis Untersuchung zum Motilitätsmodell „ein seltenes Beispiel für echte Forschung in der Kunstpädagogik“Georg Peez: Brief vom 18. Februar 1997 darstelle und betont 2000 im Zuge seiner Habilitationsschrift erneut: „Vor allem in ihren qualitativen Auswertungsanteilen bietet Haennis Untersuchung für in der Kunstpädagogik Forschende Beispiele einer methodisch korrekten Untersuchungsdarstellung, vor allem in Bezug auf die Aufbereitung des Forschungsmaterials.“Georg Peez. 2000: Qualitative empirische Forschung in der Kunstpädagogik, BDK-Verlag Hannover. S. 101–103.
Belege
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