mini|Markenlogo des OCB-Zigarettenpapiers Bolloré ist ein französischer Mischkonzern mit Firmensitz in Puteaux, Frankreich. Er wurde im Jahr 1822 von René Bolloré gegründet und trug zeitweise den Namen Odet Cascadec Bolloré (OCB). Die Anzahl der Beschäftigten betrug im Jahr 2025 2.940, der weltweite Umsatz ca. 2,296 Mrd. € und der Nettogewinn 348 Mio. €. Nach dem Verkauf von Bolloré Logistics an CMA CGM im Jahr 2024 sind beide Werte drastisch gesunken.
Maßgeblich ausgebaut wurde der Konzern in den 1980er Jahren von Vincent Bolloré, dem 6. Nachfahren des Gründers. Derzeitiger Konzernchef ist Cyrille Bolloré. Weitere Mitglieder der Familie Bolloré besetzen die wichtigsten Führungspositionen.
Geschichte Geschichte der Papierfabrik Am 18. Februar 1822 eröffnete Nicolas Le Marié zusammen mit seinem Schwager Guillaume Bolloré eine Papierfabrik am Ufer des Odet in der Nähe von Ergué-Gabéric in der Bretagne. Zunächst produzierten sie ganz normales weißes und graues Papier zum Drucken und für das Büro. 1850 produzierten ungefähr 70 Arbeiter, je zur Hälfte Männer und Frauen, ca. 100 t Papier. 1861 übernahm Jean-René Bolloré die Leitung der Firma und begann sehr dünnes und feines Papier zu produzieren, für Zigaretten und hochwertige Bücher, sogenanntes Bibelpapier. Das Zigarettenpapier wurde unter dem Markennamen OCB verkauft: Odet Cascadec Bolloré, Cascadec ist der Name einer Mühle, die in der Nähe des zweiten Werkes stand. Es wurden zusätzliche Fabriken gegründet oder übernommen in Scaër und in Troyes. Die Mitarbeiterzahl stieg von 200 vor dem Ersten Weltkrieg (1913), auf 1200 danach (1918). 1917 baute René Joseph Bolloré die Arbeitersiedlung Ker-Anna mit 19 Wohnungen und führte eine Kranken- und Rentenversicherung ein. Während des Zweiten Weltkriegs musste die Fabrik mangels Rohstoffen schließen. Ab 1950 stellte die Fabrik die Fertigung auf Holzschliff um und übernahm weiter Werke in Troyes. 1954 übernahm Bolloré die Papeterie Mauduit in Quimperlé. Bolloré begann technische Papiere und Folien aus Polypropylen für Kondensatoren und Batterien zu produzieren, außerdem wurde Durchschreibepapier hergestellt. Die Produktion von Zigarettenpapier wurde an den Hauptkunden Republic Technologies verkauft. 1983 wurde die gesamte Produktion eingestellt, die Fabrik in Ergué-Gabéric wurde zum großen Teil abgerissen.mini|Jean-René Bolloré
Geschichte von Bolloré Africa Logistics In den 1980er Jahren begann Vincent Bolloré, der 6. Nachfahre des Gründers, das Kapital aus dem Verkauf seiner Fabriken in die Transport-Industrie zu investieren, besonders in Afrika. Er kaufte Häfen in Kamerun, Elfenbeinküste, Benin, Ghana, Nigeria und in der Republik Kongo, außerdem Eisenbahngesellschaften in Burkina Faso, der Elfenbeinküste, Kamerun, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik. Zu dieser Zeit drängten die internationalen Finanzinstitute wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds die Entwicklungsländer, ihre Infrastruktur zu privatisieren. Bolloré hatte gute Beziehungen zu französischen Politikern, die ihrerseits Einfluss im ehemaligen Französisch Afrika hatten. Bolloré baute einen Logistik-Konzern in mehr als 40 afrikanischen Ländern auf mit Tausenden von Lastwagen, Eisenbahnen, Häfen und Lagerhallen. Typisch war sein Kampf um die Hafenkonzession in Dakar 2007. Er mobilisierte seine Freunde Nicolas Sarkozy, französischer Präsident, Alain Madelin und François Léotard, französische Politiker, und veröffentlichte in seinen Medien (Presse und Fernsehen) schmeichelhafte Berichte über den senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade. Die Konzession ging trotzdem an Dubai Ports World.mini|Vincent Bolloré
Häfen sind in Afrika besonders wichtig, da der Export der Bodenschätze und der Import von Industriewaren über sie abgewickelt werden. Dabei fallen beträchtliche Abgaben an, die zum Teil an die führenden Politiker weitergeleitet werden. Nach Machtwechseln werden manchmal Zahlen veröffentlicht, um die Vorgänger zu diskreditieren. Vincent Bolloré verfügt über hervorragende Beziehungen zu vielen afrikanischen Machthabern, manchmal sind diese aber später auch kompromittierend wie z. B. Charles Taylor, ehemaliger Präsident von Liberia. Vincent Bolloré unterhält auch wohltätige Stiftungen in Afrika wie das Réseau éducation pour tous en Afrique (Netzwerk zur Bildung für alle in Afrika) geleitet von Gabriel Cohn-Bendit, Bruder von Daniel Cohn-Bendit. Er hat auch schon humanitäre Missionen von Bernard Kouchner finanziert.
Im Dezember 2021 begannen Verhandlungen mit der Schweizer Reederei MSC über die Übernahme von Bolloré Africa Logistics durch MSC. Die Verhandlungen waren schwierig, da die Übernahme der Konzessionen in Afrika mit den betroffenen Ländern verhandelt werden musste. Es kam in Burkina Faso zu Protesten der Bürgerinitiative Consortium 2050 unter Führung der ehemaligen Ministerin Nestorine Sangaré gegen den Verkauf.Faso7 vom 1. April 2022 Am 31. März 2022 gaben Bolloré und MSC den Abschluss des Verkaufs von Bolloré Transport & Logistics an MSC bekannt, der Kaufpreis betrug 5,7 Mrd. €. 2021 machte Bolloré in Afrika 2,1 Milliarden € Umsatz und beschäftigte mehr als 20.000 Mitarbeiter. Bolloré betonte, dass MSC alle Mitarbeiter und Aktivitäten übernimmt und Bolloré selbst seine Medienaktivitäten, insbesondere den TV-Sender Canal+, in Afrika fortsetzen will. Ende 2022 wurde der Verkauf gültig, Bolloré erhielt ca. 5 Mrd. €, der Rest ging an Minderheitsaktionäre. Wie Cyrille Bolloré betonte, bedeutet dies nicht, dass sich Bolloré aus dem Geschäft zurückziehen will, sondern man, anstatt Häfen, Eisenbahnen und Lastwagen zu betreiben sich auf das Speditionsgeschäft konzentrieren wolle.
Geschichte von Bolloré Media 1997 versuchte Vincent Bolloré den Mischkonzern Bouygues zu übernehmen. Bouyges war ursprünglich ein Bauunternehmen, hatte aber ab 1987 den Fernsehsender TF1 übernommen und ab 1994 begonnen, das Mobilfunknetz Bouygues Telecom in Frankreich aufzubauen. Bolloré hatte an der Börse ein größeres Aktienpaket von Bouygues gekauft und vereinbarte mit Martin Bouygues, dem Hauptaktionär des gleichnamigen Konzerns, die Leitung gemeinsam zu übernehmen durch einen Aktionärspakt. Danach steigerte aber Bolloré seinen Anteil durch Zukäufe und versuchte Bouygues aus der Firma zu drängen. Dieser rief François Pinault, einen anderen französischen Industriellen, als „Weißer Ritter“ zu Hilfe und sie konnten zusammen Bolloré aus dem Konzern Bouygues rauskaufen. Bolloré machte dabei einen beträchtlichen Gewinn.
Im Jahr 2000 begann Vincent Bolloré mit dem Einstieg seiner Gruppe in die Medienindustrie. Er kaufte das Pariser Kino Mac Mahon. 2001 übernahm er, zusammen mit Euromédia, die Firma SFP (La Société Française de Production). Zu diesem Zeitpunkt besaß er 23,6 % von Euromédia, die er bis 2011 auf 40,57 % ausbaute. Euromédia betreibt Fernsehstudios, in denen bekannte französische Serien wie Star Academy und Les Guignols de l’info produziert wurden. 2006 gründete er Direct Soir, die erste kostenlose Tageszeitung in Frankreich, die in 14 Großstädten vertrieben wurde.
Im Jahr 2004 kaufte er sich mit 20 % in Havas ein, eine der größten französischen Werbeagenturen. 2005 gründete er Direct 8, einen französischen Fernsehsender, der erste, der eine Lizenz für die Übertragung über DVB-T hatte. 2005 wurde er Präsident des Aufsichtsrats von Havas. 2010 ersetzte Direct Star den Konkurrenten Virgin 17 und Bolloré traf eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit mit RMC (Radio Monte Carlo) in der Sportberichterstattung. Direct Soir wurde in weiteren Städten vertrieben. 2017 übernahm er CNews, einen der erfolgreichsten französischen Nachrichten-TV-Sender.
2020 hielt Bolloré 27 % des Kapitals von Vivendi. Yannick Bolloré, Sohn von Vincent Bolloré, wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats. 2021 übernahm Vivendi die Pressegruppe Prisma, die Géo, Voici, Ça m’intéresse und Capital herausgab. Er übernahm 49 % des Verlags Lagardère, der die Titel Le Journal du Dimanche und Paris Match herausgibt und den Radiosender Europe 1 betreibt. Am 14. April 2022 gab Bolloré ein Übernahmeangebot (OPA – offre publique d’achat) für die Firma Lagardère ab. Ziel war die Fusion der Gesellschaften Vivendi und Lagardère. Vivendi und die Familie Bolloré wurden Teilhaber und vergrößerten ihre Anteile weiter bis auf 45 %. Im November 2023 gab Vivendi bekannt, dass es Lagardère komplett übernommen hat. Vivendi hält mehr als 60 % der Aktien und mehr als 50 % der Stimmrechte. Die neue Gruppe wuchs von 38.000 auf 66.000 Mitarbeiter, der Umsatz stieg um 72 % auf 16,5 Mrd. Euro (Basis 2022). Yannick Bolloré trat in den Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft ein.
2024 übernahm die Compagnie de l’Odet, die Holding von Bolloré, zusammen mit anderen Firmen, die im Verlagsgeschäft tätig sind, die Ecole supérieure de journalisme Paris (Pariser Hochschule für Journalistik), gegründet 1899. Die anderen Firmen waren Dassault, Eigentümerin des Figaro, CMA Média von Rodolphe Saadé, La Financière Agache, Eigentümerin von Le Parisien und Les Échos und Bayard presse.
Die französische Presse und ihre Inhaber Vincent Bollorés Verhältnis zu „seiner“ Presse unterschied sich zunächst von dem üblichen französischen Verhalten. In Frankreich sind viele wichtige Zeitungen traditionell defizitär und werden von ihren Eigentümern, meist reichen Industriellen, unterstützt, um ihre politische Meinung verbreiten zu können. Zwei typische Beispiele: die große Tageszeitung Le Figaro gehörte dem Rüstungsindustriellen Marcel Dassault, der eher rechte Positionen vertrat. Das Nachrichtenmagazin Le Nouvel Observateur wurde von Pierre Bergé unterstützt, dem Miteigentümer von Yves Saint Laurent, der eher linke Positionen vertrat. Bolloré nahm zunächst wenig politischen Einfluss auf seine Titel, nutzte sie aber für seine wirtschaftlichen Interessen, siehe oben beim Wettbewerb um den Hafen von Dakar.
Einfluss von Vincent Bolloré auf seine Medien