Die Weichkorallen (Alcyonacea) waren eine Ordnung der Octocorallia innerhalb der Blumentiere (Anthozoa). Es sind Tierkolonien, die aus vielen Einzelpolypen bestehen. Neueren Forschungen zufolge sind sie lediglich eine informelle Gruppe und haben keine taxonomische Bedeutung mehr.

Merkmale Sie wachsen verzweigt, baumförmig, lappig, krustig oder fingerförmig. Der Einzelpolyp hat wie alle Tiere aus der Unterklasse (Octocorallia) 8 gefiederte Fangarme, auch der Magenraum wird durch 8 Längswände (Mesenterien) in 8 Kammern geteilt. Bei vielen Arten verfügen die Kolonien auch noch über zurückgebildete Schlauchpolypen (Siphonozoide) deren Aufgabe es ist Wasser in den Körper der Kolonie zu pumpen oder abzulassen. Die Weichkorallen können sich dadurch strecken und stabilisieren.

Im Gegensatz zu den Steinkorallen (Scleractinia) aus der Unterklasse Hexacorallia besitzen Weichkorallen kein festes Kalkskelett, sondern haben meistens als Festigungselemente kleine Kalknadeln (Sklerite) im Körper.

Die im sonnigen Flachwasser lebenden Arten leben in einer Symbiose mit einzelligen, symbiotischen Algen (Zooxanthellen).

Weichkorallen sind überwiegend von brauner, gelber oder grünlicher Farbe. Die in tieferen Regionen oder im Schatten unter felsigen Überhängen lebenden Arten sind auch oft leuchtend rot, orange oder violett gefärbt.

Verbreitung Die Weichkorallen kommen weltweit in allen Meeren vor, die meisten Arten leben aber in den warmen, tropischen Meeren im Flachwasser. Aber selbst in der Tiefsee und im Antarktischen Ozean gibt es einige Arten. Die Tote Meerhand ist die einzige Koralle in der Nordsee.

Systematik Die Weichkorallen, die zu den achtstrahligen Blumentieren gehören, sind mit den riffbildenden Steinkorallen (Scleractinia) nur entfernt verwandt. Die Systematik der Weichkorallen ist sehr unklar. Das Fehlen von Fossilien und die Variabilität der Wuchsformen macht es bisher unmöglich die tatsächliche Evolution der Weichkorallen zu durchschauen.

mini|Lederkorallen (Alcyoniidae)

Ordnung Weichkorallen (Alcyonacea Lamouroux, 1816) „Unterordnung“ bzw. informelle Gruppe Alcyoniina Lamouroux, 1812 Familie Lederkorallen (Alcyoniidae) Lamouroux, 1812 Familie Bäumchen-Weichkorallen (Nephtheidae Gray, 1862) Familie Nidaliidae Gray, 1869 Familie Xeniidae Wright & Studer, 1889 „Unterordnung“ bzw. informelle Gruppe Protoalcyonaria Hickson, 1883 Familie Haimeidae Wright, 1865 Familie Taiaroidae Bayer & Muzik, 1976 „Unterordnung“ bzw. informelle Gruppe Scleraxonia Studer, 1887 Familie Anthothelidae Broch, 1916 Familie Briareidae Gray, 1859 Familie Coralliidae Lamouroux, 1812 Familie Melithaeidae Gray, 1870 Familie Paragorgiidae Kükenthal, 1916 Familie Parisididae Aurivillius, 1931 Familie Subergorgiidae Gray, 1859 „Unterordnung“ bzw. informelle Gruppe Stolonifera Hickson, 1883 Familie Acrossotidae Bourne, 1914 Familie Clavulariidae Hickson, 1894 Familie Coelogorgiidae Bourne, 1900 Familie Cornulariidae Dana, 1846 Familie Pseudogorgiidae Utinomi & Harada, 1973 Familie Tubiporidae Ehrenberg, 1828 Unterordnung Calcaxonia Grasshoff, 1999 Familie Chrysogorgiidae Verrill, 1883 Familie Dendrobrachiidae Brook, 1889 Familie Ellisellidae Gray, 1859 Familie Ifalukellidae Bayer, 1955 Familie Isididae Lamouroux, 1812 Familie Primnoidae Gray, 1857 Unterordnung Holaxonia Studer, 1887 Familie Acanthogorgiidae Gray, 1859 Familie Gorgoniidae Lamouroux, 1812 Familie Keroeididae Kinoshita, 1910 Familie Plexauridae Gray, 1859

Im Jahre 2006 untersuchte eine Gruppe um den australischen Weichkorallentaxonom Philip Alderslade mit Hilfe von mitochondrialer DNS die Verwandtschaft von 103 Gattungen der Octocorallia. Die Analyse betraf 28 Familien von Weichkorallen, Seefedern (Pennatulacea) und die Blaue Koralle (Heliopora coerulea) und kam zu dem Ergebnis, dass die Alcyoniina kein monophyletisches Taxon sind. Stattdessen bilden sie zusammen mit den Holaxonia und einigen kleineren Gruppen eine große Klade. Die Calcaxonia bilden zusammen mit den Seefedern und der Blauen Koralle die zweite. Eine dritte besteht aus kleineren, weniger bekannten Gruppen. Untertaxa der Weichkorallen, wie die Scleraxonia, die Stolonifera und viele Familien sind polyphyletisch und werden auf die neuen Kladen aufgeteilt. Eine Revision der Alcyonaria ist nötig.Catherine S. McFadden, Scott C. France u. a.: A molecular phylogenetic analysis of the Octocorallia (Cnidaria: Anthozoa) based on mitochondrial protein-coding sequences. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 41, 2006, S. 513, .

Aquarienhaltung Viele Weichkorallenarten können in Meerwasseraquarien gehalten werden und sind für Anfänger leichter zu halten als Steinkorallen.

Literatur Marymegan Daly, Mercer R. Brugler, Paulyn Cartwright, Allen G. Collin, Michael N. Dawson, Daphne G. Fautin, Scott C. France, Catherine S. McFadden, Dennis M. Opresko, Estefania Rodriguez, Sandra L. Romano & Joel L. Stake: The phylum Cnidaria: A review of phylogenetic patterns and diversity 300 years after Linnaeus. Zootaxa, 1668: 127–182, Wellington 2007 Abstract - PDF Catherine S. McFadden, Scott C. France u. a.: A molecular phylogenetic analysis of the Octocorallia (Cnidaria: Anthozoa) based on mitochondrial protein-coding sequences. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 41, 2006, S. 513, . Katharina Fabricius, Philip Alderslade: Soft Corals and Sea Fans. 2001, Australian Institute of Marine Science. ISBN 0-642-32210-4 Yossi Loya und Ramy Klein: Die Welt der Korallen, Jahr Verlag Hamburg, 1998, ISBN 3-86132-226-9 Julian Sprung: Korallen, Dähne Verlag, 2000, ISBN 3-921684-87-0 Svein A. Fossa, Alf Jacob Nilsen: Korallenriff-Aquarium, Band 4, Schmettkamp Verlag, 1995, ISBN 3-928819-05-4 Hans A. Baensch, Robert A. Patzner: Mergus Meerwasser-Atlas Bände 2, 4 + 5, Mergus-Verlag, Melle Rainer Kaiser: Niedere Tiere tropischer und kalter Meere im Aquarium. Ulmer, Stuttgart 1991, ISBN 3-8001-7222-4 Matthias Bergbauer: Weichkorallen (Alcyonaria) – Ausgewählte ökologische Aspekte, in 5. Internationales Meerwasser-Symposium KORALLE, Meerwasseraquaristik-Fachmagazin, Nr. 12, Dezember 2001/Januar 2002, Natur und Tier Verlag Münster, Harry Erhardt, Daniel Knop: Korallenführer Indopazifik. 2005, Kosmos-Verlag, Stuttgart. ISBN 3-440-10293-9

Weblinks

Weichkorallen im Meerwasser-Lexikon (dt.)

Einzelnachweise Catherine S. McFadden, Leen P. van Ofwegen u. Andrea M. Quattrini: Revisionary systematics of Octocorallia (Cnidaria: Anthozoa) guided by phylogenomics. Bulletin of the Society of Systematic Biologists, Vol. 1 Nr. 3 (2022), DOI: 10.18061/bssb.v1i3.8735

Kategorie:Alternatives Taxon (Zoologie)