Friedrich „Fritz“ Anton Othmar ReidingerTaufbuch Doebling, tom. XV, fol. 212 (Faksimile)., abgerufen am 10. Januar 2021 (* 17. Juli 1890 in Oberdöbling; † 20. April 1972 in Wien) war ein österreichischer Musiker, Musikerzieher, Komponist und Hochschullehrer.

Leben und Wirken Ausbildung und Kriegsdienst Friedrich Reidinger wurde am 17. Juli 1890 in Oberdöbling, das damals noch eine eigenständige Gemeinde war und bald darauf mit den Vororten Unterdöbling, Grinzing, Heiligenstadt, Nußdorf, Josefsdorf, Sievering und dem Kahlenbergerdorf zum 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling wurde, in eine alteingesessene Wiener Bürgerfamilie geboren, abgerufen am 10. Januar 2021 und am 27. Juli auf den Namen Friedrich Anton Othmar getauft. Sein Vater war der in Wien geborene Othmar Franz Reidinger (* 13. Oktober 1859; † 10. Oktober 1905),Taufbuch St. Ulrich, tom. LXI, fol. 144 (Faksimile)., abgerufen am 10. Januar 2021Sterbebuch Doebling, tom. VIII, fol. 46 (Faksimile)., abgerufen am 10. Januar 2021 ein Rechnungsassistent der niederösterreichischen k.k. Finanzlandesdirektion und seine Mutter war die ebenfalls in Wien geborene Franziska Romana Antonia Reidinger (geborene Ganser; * 22. Februar 1869; † 9. April 1945 (von Russen durch das geschlossene Tor erschossen), beigesetzt am Döblinger Friedhof erst am 6. Juli 1946).Taufbuch Lichtental, tom. XXXI, fol. 32 (Faksimile)., abgerufen am 10. Januar 2021 Die Eltern hatten am 18. Mai 1887 in Oberdöbling geheiratet.Trauungsbuch Döbling, tom. V, fol. 73 (Faksimile)., abgerufen am 10. Januar 2021 Seine Großeltern väterlicherseits waren Johann Reidinger, ein Marktfahrer, und Anna (geborene Pfaff). Seine Großeltern mütterlicherseits waren Michael Ganser, ein Hausbesitzer, und Theresia (geborene Kainz). In Döbling verlebte er seine Kindheit und Jugend, besuchte die Schule und lebte auch nach seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg in Döbling. Von 1909 bis 1913 war er Privatschüler von Franz Schreker und absolvierte danach seinen Militärdienst während des Ersten Weltkriegs als Artillerieoffizier der Streitkräfte von Österreich-Ungarn. Zusammen mit seiner Schwester Helene, genannt Ella (* 7. Mai 1893; † 10. Dezember 1930 an chronischer Nierenentzündung), einer Gesangslehrerin,Taufbuch Doebling, tom. XVII, fol. 48 (Faksimile)., abgerufen am 10. Januar 2021Sterbebuch Doebling, tom. XV, fol. 60 (Faksimile)., abgerufen am 10. Januar 2021 gehörte er dem Kindergartenverein des 9. Bezirks an., abgerufen am 10. Januar 2021

Nachdem der vielfach ausgezeichnete Artillerieoffizier an fast allen Fronten gedient hatte,, abgerufen am 10. Januar 2021, abgerufen am 10. Januar 2021 harrte er bis Kriegsende an der italienischen Front aus, wo er auch in Kriegsgefangenschaft geriet. Diese verbrachte er in der adriatischen Küstenstadt Monopoli, wo er in der Gefangenschaft mit seinen Kameraden einen Chor gründete und mit diesem sogar zu öffentlichen Auftritten kam. So trat Reidinger mit seinem Chor regelmäßig bei Sonntagsgottesdiensten in der Kathedrale Maria Santissima della Madia auf. Ein Jahr nach Friedensschluss kehrte Reidinger wieder in seine Heimat zurück und arbeitete anfangs aufgrund seiner juristischen Kenntnisse im öffentlichen Dienst, ehe er eine Tätigkeit im Bankwesen annahm. Diese Tätigkeit gab er jedoch bald darauf ebenfalls auf und verbracht danach viel Zeit in dem von ihm geliebten Wienerwald, von dem aus er nur für Privatunterricht, den er nebenbei gab, in die Stadt zurückkam. Zu seinen damaligen Schülern zählte unter anderem Günther Harum., abgerufen am 10. Januar 2021 Außerdem studierte er von 1919 bis 1922 – zum Teil ebenfalls bei Schreker, aber auch bei Franz Schmidt – Komposition und Dirigieren an der Wiener Musikakademie. Danach bildete er sich vorrangig autodidaktisch weiter. Des Weiteren studierte er Jus an der Universität Wien, von der er im Jahr 1929 als Doktor promovierte.

Karrierebeginn als Freischaffender Anfangs war er freischaffend tätig und trat ab 1925 erstmals öffentlich in Erscheinung. Am 26. Mai 1926 hatte er in der evangelischen Pfarrkirche Gumpendorf die zehn Jahre jüngere Karoline (geborene Kaas; * 1900; † 1986) geheiratet; die kanonische Trauung erfolgte am 3. August 1944 in der Döblinger Pfarrkirche. Im November 1926 hatte er unter anderem mit einer Cellosonate, abgerufen am 10. Januar 2021 eine Erstaufführung im Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses., abgerufen am 10. Januar 2021 Noch Ende dieses Jahres erfolgte eine weitere Uraufführung eines Werks Reidingers durch das von Friedrich Sedlak und Wilhelm Winkler gegründete Sedlak-Winkler-Quartett., abgerufen am 10. Januar 2021 Ein zu dieser Zeit des Öfteren von Ida von Hartungen-Bodanzky vorgetragenes Werk Reidingers wurden in den Medien als „einfallsreiches, klaviersatztechnisch und kontrapunktisch hervorragendes, mit tieferen Problemen ringendes Werk, das weiteste Verbreitung verdient“ bezeichnet., abgerufen am 10. Januar 2021 Auch in den folgenden Monaten – bis etwa ins Frühjahr 1928 – nahm er mit seinen Werken immer wieder an Kammermusikabenden des Sedlak-Winkler-Quartetts teil. In einem Bericht der Arbeiter-Zeitung vom 20. Juni 1928 wurde der damals 38-Jährige als „junger Wiener Komponist moderner Richtung“ beschrieben., abgerufen am 10. Januar 2021 Zu dieser Zeit wurde er bei der Verleihung des Städtischen Kunstpreises mit einem mit 1000 Schilling dotierten Preis ausgezeichnet; als Preisrichter in diesem Bereich traten Anton Webern, Karl Weigl und Friedrich Wührer in Erscheinung. Im Mai 1929 nahm er an zwei vom Österreichischen Komponistenbund veranstalteten modernen Kammermusikabenden teil., abgerufen am 10. Januar 2021 Laut einem Zeitungsbericht aus dem Februar 1931 hatte er bis zu diesem Zeitpunkt bereits eine Reihe mehrfach aufgeführter Kammermusikwerke, Lieder und Klavierwerke, ein Oratorium und eine „Gotische Messe“ geschrieben., abgerufen am 10. Januar 2021 Im Februar 1932 stand Reidingers Sonate für Violoncello und Klavier, op. 9 (gespielt von Wilhelm Winkler auf dem Violoncello und Otto Schulhof auf dem Klavier) wieder auf dem Sendeprogramm von Radio-Wien., abgerufen am 10. Januar 2021 Ebenso hatte er in diesem Monat eine weitere Uraufführung im Haus der Industrie., abgerufen am 10. Januar 2021

Regelmäßige Konzerteinsätze ab den 1930er Jahren Im März 1933 strahlte Radio-Wien ein weiteres Werk Reidingers, Streichquartett in b-Moll, vorgetragen vom Neuen Wiener Streichquartett, in seinem Programm aus., abgerufen am 10. Januar 2021 Im Oktober 1933 wurde er in der Stunde österreichischer Komponisten der Gegenwart im Wiener Radioprogramm gespielt., abgerufen am 10. Januar 2021 Vorgetragen wurde das Werk vom Sedlar-Winkler-Quartett, bestehend aus Fritz Sedlak (1. Violine), Vitorio Borri (2. Violine), Gustav Gruber (Viola), Wilhelm Winkler (Violoncello), Hedda Ballon (Klavier) und Hella Schrott (Sopran); am Flügel: Armin Friz. Der etwa gleichaltrige Komponist und Dirigent Egon Kornauth gab in der Ausgabe vom 6. Oktober 1933 der zum Sender Radio-Wien zugehörigen gleichnamigen Programmzeitschrift einen biografischen Einblick in das Leben Friedrich Reidingers. Die „Gotische Messe“ in d-Moll, die Reidinger von 1929 bis 1930 komponiert hatte,, abgerufen am 10. Januar 2021 fand am 28. September 1934 im Rahmen des Wiener Rundfunkmusikfestes unter der Leitung von Oswald Kabasta und unter der Mitwirkung des Staatsopernchores sowie Solisten wie Erika Rokyta, Isolde Riehl, Franz Borsos oder Josef von Manowarda zu seiner Uraufführung., abgerufen am 10. Januar 2021 Zu diesem Zeitpunkt lebte Reidinger in einem einstöckigen Haus auf der Adresse Gatterburggasse 10 in Oberdöbling., abgerufen am 10. Januar 2021 Bei einem Konzert des Österreichischen Komponistenbundes im Februar 1935 kam ein einsätziges Streichquartett in b-Moll, op. 12 Reidingers zur Aufführung., abgerufen am 10. Januar 2021 Im April 1935 spielte Radio Wien das von ihm komponierte Streichquartett c-Moll, op. 10, vorgetragen vom Kamper-Kvarda-Quartett., abgerufen am 10. Januar 2021 Zwei Monate später gelangte die sogenannte Eichendorff-Suite für großes Orchester, basierend auf der Dichtung Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff zur Uraufführung., abgerufen am 10. Januar 2021, abgerufen am 10. Januar 2021 Vorgetragen wurde es von den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Anton Konrath., abgerufen am 10. Januar 2021

Reidingers „Gotische Messe“ wurde in den Folgejahren immer wieder aufgeführt; unter anderem im Wiener Konzerthaus. Im Oktober 1935 hatte der gebürtige Döblinger mit einer Sonate für Violine und Klavier in D-Dur einen weiteren Radioauftritt., abgerufen am 10. Januar 2021 Die Instrumente spielten Karl Baltz (Violine) und Walter Kerschbaumer (Klavier). Am 30. Dezember 1935 spielte das von Josef Holzer dirigierte Funkorchester von Radio Wien eine von Friedrich Reidinger komponierte Gavotte aus der Eichendorff-Suite., abgerufen am 10. Januar 2021 Bei der Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises wurde Reidinger in diesem Jahr für sein zum Wettbewerb eingereichtes Oratorium mit dem Förderungspreis in Musik ausgezeichnet., abgerufen am 10. Januar 2021 Verschiedenen Berichten zufolge soll dieses Oratorium fälschlicherweise die bereits mehrfach genannte „Gotische Messe“ gewesen sein., abgerufen am 10. Januar 2021 Jedoch war es das Chorwerk „Der dreizehnte Psalm“ (auch Der 13. Psalm geschrieben)., abgerufen am 10. Januar 2021 Im Jänner 1936 folgten für den Komponisten weitere Auftritte auf Radio Wien; hierbei mit einem Klavierquartett in cis-Moll., abgerufen am 10. Januar 2021 Weitere Auftritte auf Radio Wien hatte er in diesem Jahr noch mit Variationen über ein eigenes Thema, op. 7 im April,, abgerufen am 10. Januar 2021 Ich sah ein Blümlein von Ernst Goll und Über die Felder von Hermann Hesse im August,, abgerufen am 10. Januar 2021 oder ein 1920 entstandenes Klaviertrio in G-Dur, op. 4, das am 1. September 1936 zur Uraufführung gelangte., abgerufen am 10. Januar 2021

Bei einem Konzert der Bläserkammermusikvereinigung der Wiener Symphoniker am 7. Oktober 1936 wurden, neben einem Oktett von Friedrich Bayer, auch Proben aus Reidingers ergiebigem lyrischen Schaffen geboten., abgerufen am 10. Januar 2021 So wurden zehn zwischen 1919 und 1927 komponierte Lieder des Döblingers von der Sopranistin Hilde Sinnek, begleitet am Flügel von Alfons Blümel sowie den Bläsern der Wiener Symphoniker, dargeboten., abgerufen am 10. Januar 2021 Diese Lieder waren Ohne Liebe, Über die Felder, Huldigung, Schlagende Herzen, Ein junger Dichter denkt an die Geliebte, Weil du mich liebst, Der erste Gruß, Ich sah ein Blümlein, Scherzo und Jubel., abgerufen am 10. Januar 2021 Im Oktober 1936 kam Isolde Riehl, mit der der Komponist im Laufe mehrerer Jahrzehnte erfolgreich zusammenarbeitete, zu Gesangseinlagen bei einer weiteren Radiosendung mit Reidingers Beteiligung, wobei sie die von ihm komponierten Lieder Und leise färbt sich schon der Wald (Maria Rainer), Liebesmüde (Hermann Hesse) und Der erste Gruß (Ernst Goll) sang., abgerufen am 10. Januar 2021 Eine Symphonie in e-Moll, op. 17, eine Uraufführung im Gedenken an den von Reidinger verehrten Dichter Anton Wildgans, die 1932 fertiggestellt worden war, folgte noch im Dezember 1936 im Programm von Radio Wien., abgerufen am 10. Januar 2021

Professur für Musiktheorie und Komposition an der Wiener Musikakademie