Die nachfolgenden Tabellen listen alphabetisch aktuelle und historische palos des Flamenco auf.

Erklärungen zu den Angaben in den einzelnen Tabellenspalten finden sich in den Erläuterungen.

Aktuelle Palos Palo UrsprungsregionKlassifikationenTaktnotationVergleiche hierzu: Ehrenhard Skiera: Flamenco-Gitarrenschule. Musikverlag Hermann Schmidt, Frankfurt am Main, 1973, S. 25.Tonart AnmerkungenAlboreá(Granada)Compás por solearesDur und PhrygischDie Strophen sind in Dur, die Abgesänge und instrumentalen Zwischenspiele in Phrygisch.Gehört wie Cachucha und Mosca zu den der in Granada ansässigen Gitanos.AlegríaCádizCórdobaCantiñasDur, MollTanzlied der Region um Cádiz, meist in Dur. Die Alegrías de Córdoba enthalten Passagen in Moll und folgen einem anderen Versschema.BamberaSevillaCompás por solearesPhrygischAuch als Bambas bezeichnet. Aus dem andalusischen Brauchtum des 19. Jahrhunderts übernommener Gesang. Der Name verweist auf die bei Volksfesten aufgestellten Schaukeln, ein beliebter Treffpunkt noch unverheirateter Besucher.BuleríaCádizJerezCompás por soleares + alternierendPhrygischDur, MollSchnelle und rhythmisch komplexe Form des Flamenco. Bei den beliebten Canciones por bulerías handelt es sich um Kompositionen der Popularmusik, die im compás por bulerías interpretiert werden.Bulerías por SoleáCompás por soleares + alternierendPhrygischBulerías mit Gesangsstrophen im Stil der Soleares, im Tempo schneller als diese (Siehe auch Soleá por Bulerías).CabalesCompás por seguiriyas + alternierendDurMeist abschließender Gesangsteil der Seguiriyas mit Wechsel nach Dur, in dieser Funktion etymologisch wahrscheinlich auf die Bezeichnung Cabaletta (italienisch) zurückgehend, einem abschließenden Formteil der italienischen Arie.CañaCompás por solearesPhrygischMit dem musikalisch eng verwandten Polo eine der ältesten Vorläufer der Soleá.CantiñaCádizCantiñasDur, MollOberbegriff für Gesänge der Provinz Cádiz in Dur-Moll-Tonalität und im compás der Soleares, auch Bezeichnung für Gesänge, die den Alegrías verwandt sind, aber einen davon abweichenden Strophenbau aufweisen.CaracolesMadridCantiñasDur und PhrygischIn der zweiten Hälfte der meist in C-Dur vorgetragenen Caracoles moduliert eine Strophe von C-Dur nach E-Phrygisch.Potpourriartiger, mehrstrophiger Gesang mit namensgebendem Refrain („Caracoles, caracoles ...“) und weitgehend unveränderlicher Form.CarceleraCádizSevillaCantes a palo secofreiVarietät der Martinete mit Themen aus dem Gefängnisleben.Cartagenera(Murcia)Fandangos regionales frei(Phrygisch)Cante de Levante, häufig zu den Fandangos mineros gezählt, musikalisch aber mehr mit der Malagueña verwandt, als mit der Taranta.ColombianaCantes de ida y vuelta oder DurDurch Pepe Marchena populär gewordene Kreation der 1930er Jahre mit lateinamerikanischen Einflüssen.Danza MoraCompás por tangos oder PhrygischDie charakteristische Bordunbegleitung der Gitarre wird grifftechnisch durch die Verwendung der Tonart D-Phrygisch mit Tieferstimmen (Skordatur) der 6. Saite nach D erleichtert.Zwischen den 1930er und 1970er Jahren bei Gitarristen beliebtes pseudo-orientalisches Instrumentalstück im Stil des AlhambrismoBeispiel: Felipe Espino (1860–1916): Zambra morisca para piano. Manuel Salva, Barcelona 1890, mit Bordunbässen und Elementen der Zambra. Andere Bezeichnungen: Zambra morisca, Danza árabe.DeblaSevillaCantes a palo secofreiPhrygischähnlich der TonáFandangoFandangos oder (Phrygisch)Gilt als eine der elementaren Kategorien des Flamenco, viele regionale und individuelle Varietäten.Fandangos minerosAlmeríaMurciaFandangos mineros oder frei(Phrygisch)Oberbegriff für Fandangos aus den Minenregionen des östlichen Andalusien.FandanguilloHuelvaFandangos oder (Phrygisch)Synonym für Fandangos personales auf Basis der Fandangos de Huelva.FarrucaCompás por tangos oder MollGarrotín(Katalonien)Compás por tangos oder DurGranaína, Media GranadinaGranadaFandangos regionales frei(Phrygisch)Lyrischer Cante de Levante, wobei es sich bei der Media Granadina um eine virtuose Kreation des Sängers Antonio Chacón handelt.GuajiraKubaCantes de ida y vuelta + alternierendDurDer Ursprung liegt in Kuba und die Texte handeln hauptsächlich von Havanna, in Spanien bereits Ende des 19. Jahrhunderts ins Flamencorepertoire übernommen.JaberaMálagaFandangos regionales(Phrygisch)Ein Fandango und einer der ältesten Palos der Region.JaleoExtremaduraCompás por soleares oder Dur, MollPhrygischUrsprünglich ein populärer Bühnentanz in Dur oder Moll, heute als Bezeichnung für eine Bulerías-Varität aus der Extremadura in Phrygisch.LivianaCádizSevillaCompás por seguiriyas + alternierendPhrygischHäufig einleitender Gesang einer Serrana, von .MalagueñaMálagaFandangos regionales oder oder frei(Phrygisch)Die Familie der Malagueñas umfasst zahlreiche regionale und individuelle estilos, wobei sich die Version des Sängers „El Mellizo“ aus Cádiz in Form und Melodik signifikant von den anderen Stilen unterscheidet. Die gesungenen Varianten sind überwiegend metrisch frei. MarianasSevillaCompás por tangos oder MollEin bereits am Ende des 19. Jahrhunderts dokumentierter palo ungeklärter Herkunft, im Tempo vergleichbar den Tientos.MartineteCantes a palo seco + alternierendoder freiGesungen im freien Rhythmus, getanzt im Rhythmus der Seguiriya.MilongaArgentinienCantes de ida y vuelta oder MollStammt aus der argentinischen Folklore.MineraAlmeríaJaénFandangos minerosfrei(Phrygisch)Der Gitarrist Ramón Montoya führte für diesen palo eine Begleitung in der für den Flamenco ungewöhnlichen Tonart Gis-Phrygisch ein, die in Kombination mit den Leersaiten der Gitarre zu stark dissonanten Akkordbildungen führt.Thematisch und musikalisch mit den cantes mineros verwandt.MirabrásCádiz CantiñasDur, MollDieser Gesang stammt nach Ansicht einiger Autoren aus Sanlúcar de Barrameda.Petenera(Baile popular) + alternierendPhrygischUm 1890 ein beliebter Modetanz der andalusischen Akademien, in einer metrisch strengen und einer freieren Variante frühzeitig ins Repertoire cante flamenco übernommen.PoloCompás por solearesPhrygischGehört mit der Caña zu den Vorläufern der Soleá. Ein Vorläufer des polo natural soll der historische polo de Tobalo gewesen sein.Romance CádizSevillaDurRomeraCádizCantiñasDurDieser Gesang stammt nach Ansicht einiger Autoren aus Sanlúcar de Barrameda.RondeñaMálagaFandangos regionales oder frei(Phrygisch)Die instrumentalen Versionen stehen meist in der von Ramón Montoya eingeführten Tonart Cis-Phrygisch, mit einer ungewöhnlichen Skordatur, die im Umstimmen der 6. Saite nach D und der 3. Saite nach fis besteht.Es handelt sich um einen ‚fandango abandolao’, der häufig auch zum Abschluss einer Malagueña verwendet wird. Der Gitarrist Ramón Montoya hat in den 1930er Jahren eine virtuose Soloversion der Rondeña geschaffen, die als toque libre das Dreiermetrum der gesungenen Form nur andeutet.Rumba flamencaKubaBarcelona, MadridCantes de ida y vuelta oder PhrygischDur, MollKubanisch-afrikanischen Ursprungs, insbesondere durch Einflüsse der in Barcelona entstandenen Rumba catalana und der Rumba del sur aus den Vororten Madrids seit den frühen 1960er Jahren ein eigenständiges und dominantes Genre der spanischen Populärmusik.SaetaCantes a palo secoGesang, der zu den Prozessionen der Semana Santa (Karwoche) zu Ehren der Jungfrau Maria gesungen wird.SeguiriyaCompás por seguiriyas + alternierendPhrygischVon Seguidilla. Andere Schreibweisen: Seguirilla oder Siguiriya. Die älteste Form des cante jondo und eine der ältesten des Flamenco überhaupt.SerranaCompás por seguiriyas + alternierendPhrygischIm Gegensatz zu den bevorzugt in A-Phrygisch interpretierten Seguiriyas steht die Serrana in E-Phrygisch, was ihrem klang einen sonoreren Charakter verleiht.Melodisch mit Caña und Polo verwandter Gesang im compás der Seguiriyas, der stimmlich einen großen Tonumfang erfordert, und der in nostalgischen Texten das Leben von Schäfern und Gesetzeslosen in den andalusischen Gebirgsregionen des 19. Jahrhunderts schildert.SevillanasSevillaBaile popularDur, MollPhrygischUrsprünglich aus den Seguidillas sevillanas entstandener Paartanz, aus dem sich ein eigenständiges Genre der andalusischen Popularmusik entwickelt hat. SoleáCádizCórdobaSevillaCompás por solearesPhrygischPlural soleares. Einer der Basisgesänge des Flamenco mit zahlreichen regionalen und individuellen Varianten.Soleá por BuleríasCompás por soleares + alternierendPhrygischEine Soleá mit Metrik und Tonalität der Bulerías, im Tempo etwas langsamer als diese.TangoCádizMálagaSevillaGranadaCompás por tangos oder PhrygischDur, MollEine der Basisformen des Flamenco mit zahlreichen regionalen und individuellen Varianten, insbesondere in Cádiz, Málaga (Tangos del Piyayo) Sevilla (Tangos del Titi), Granada und der Extremadura (Tangos extremeños).TanguilloCádizCompás por tangos (triolisch) oder Dur, MollPhrygischDer palo wird traditionell in Dur und Moll ausgeführt, neuere Interpretationen modulieren gelegentlich nach Phrygisch.Wahrscheinlich aus dem Zapateado de Cádiz entstanden, seit den 1980er Jahren meist mit komplexer Polymetrik ausgeführt. Als eigenständiges Genre seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Brauchtum des Karneval von Cádiz gehörig.TarantaAlmeríaJaénFandangos mineros frei(Phrygisch)Traditionell mit einer Instrumentalbegleitung in Fis-Phrygisch interpretiert, was in Verbindung mit den Leersaiten der Gitarre zu gelegentlichen, impressionistisch anmutenden Dissonanzen führt.Gehört zu den Cantes de Levante und darin zu den Cantes de las Minas.TarantoAlmeríaFandangos mineros oder (Phrygisch)Formal ähnlich der Taranta, jedoch acompasado im Metrum der Tangos.TientoCádizSevillaCompás por tangos oder PhrygischLangsamere Variante der Tangos, nicht zu verwechseln mit dem Tiento der spanischen Komponisten der Renaissance.TonáCádizSevillaCantes a palo secofreiEine der ältesten Formen, nach Ansicht einiger Autoren Ursprung der Martinetes und Deblas.VerdialesMálagaFandangos regionales(Phrygisch)Die ursprünglich zum ländlichen Brauchtum gehörigen Verdiales gehen nach Ansicht einiger Autoren auf maurische Einflüsse zurück. Sie werden traditionsgemäß von Ensembles ausgeführt, den Pandas de Verdiales, die aus Sängern, Instrumentalisten (Violinen, Gitarren und Perkussionsinstrumente) und Tänzern bestehen.VidalitaArgentinien, Bolivien und UruguayCantes de ida y vuelta oder Dur, MollGesang hispanoamerikanischer Herkunft, der mit der Zeit flamenkisiert wurde. Ähnlich der Milonga.ZambraGranadaCompás por tangos oder PhrygischDur, MollDie Zambras des Canción española modulieren in den Refrains (spanisch estribillo) häufig nach Dur.Zwischen den 1930er und 1960er Jahren auch im Flamenco beliebter estilo des Canción española, mit pseudo-orientalischen Elementen und maurischer oder gitano-Thematik. Eines der bekanntesten Beispiele ist die um 1935 erstmals veröffentlichte Zambra La niña de fuego von Manuel López-Quiroga und Rafael de León, die auch von Flamencokünstlern wie José Mendoza Dominguez (1907–1964),Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45824-8, S. 154. genannt „(El) Niño de Utrera“ (1935), Juan Varea und 1944 Manolo Caracol(Columbia R 14184, Matrizen-Nr. C 6170, Gitarrenbegleitung: Niño Ricardo) interpretiert wurde. Davon zu unterscheiden ist die Zambra granadina, die öffentliche Darbietung von Liedern und Tänzen des Repertoires der gitanos aus Granada für Touristen.Flamencoviejo Artikel „Alborea“, abgerufen am 20. Januar 2021 (spanisch). ZánganoPuente Genil (Córdoba)Fandangos regionales(Phrygisch)Ländliche Fandangovariante aus der Region zwischen Córdoba und Málaga.ZapateadoBaile popular (triolisch) oder DurUrsprünglich ein Tanzlied, später ein virtuoser Bühnentanz, aktuell wieder als Solostück des Gitarrenrepertoires wiederbelebt.ZorongoBaile popular + alternierendDie Tanzchoreographien wechseln meist zwischen einem straffen compás por bulerías im Refrain und einem, im Tempo rubato ausgeführten langsamen -Takt in den Strophen.PhrygischTanzlied, das durch eine Bearbeitung Federico García Lorcas und