mini|hochkant|Zachary Hochschild, um 1881 mini|hochkant|Philippine Hochschild, geb. Ellinger, um 1881 Zachary Hochschild (geboren am 16. Mai 1854 in Biblis, Provinz Starkenburg, Großherzogtum Hessen; gestorben am 6. November 1912 in München, Königreich Bayern), geboren als Zodik Hochschild, genannt Zachary Hochschild (nicht: Zacharias), war ein deutscher Kaufmann, Unternehmensmitbegründer, Königlicher Kommerzienrat, erster und alleiniger Vorstand der Metallgesellschaft AG und der Metallurgischen Gesellschaft AG sowie Aufsichtsrat der Berg- und Metallbank AG in Frankfurt am Main, und ein Mäzen.Dr. Moritz (Don Mauricio) Hochschild, 1881–1965. The Man and His Companies. A German Jewish Mining Entrepreneur in South America (= Berliner Lateinamerika-Forschungen). Markus Wiener Publishers, Princeton, NJ, USA, 2001. ISBN 978-0-945179-04-7
Familie Zodik Hochschild wurde in einer jüdischen Familie geboren. Er war der älteste Sohn des Kaufmanns Koppel Jakob Hochschild (geboren am 30. August 1828 in Biblis; gestorben am 9. Mai 1893 ebenda) und dessen Ehefrau Gustine (geboren am 2. November 1826 in Auerbach (Kreis Bensheim); gestorben am 21. November 1886 in Biblis), geborene Bendheim.Heiratsurkunde Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 487/1881, Blatt 137, für den Kaufmann Zodik (genannt Zachary) Hochschild und Philippine Ellinger vom 1. Juni 1881; als Trauzeugen verzeichnet: der Kaufmann Georg Ruben (geb. 1828 in Hamburg; gest. am 14. Mai 1897 in Frankfurt am Main) und der Banquier [Bankier] Raphael Landauer (geb. am 25. Februar 1851 in Hürben (Krumbach); gest. am 25. Februar 1913 in Frankfurt am Main)Sterbebuch der Gemeinde Biblis, Eintrag Nr. 56/1886 vom 21. November 1886 Sein jüngerer Bruder war der Kaufmann Berthold Hochschild (geboren am 6. März 1860 in Biblis; gestorben am 24. Januar 1928 in New York City).Hochschild, Berthold. In: Deutsche Biographie, auf: deutsche-biographie.deWalther Däbritz: Fünfzig Jahre Metallgesellschaft 1881–1931. Verlag August Osterrieth, Frankfurt am Main 1931, S. 24, 27, 69, 78
mini|hochkant|Beurkundung der Eheschließung zwischen dem Kaufmann Zodik (genannt Zachary) Hochschild und der Philippine Ellinger am 1. Juni 1881 in Frankfurt am Main; Trauzeugen: Kaufmann Georg Ruben (1828–1897) und Banquier [Bankier] Raphael Landauer (1851–1913) Zodik (genannt Zachary) Hochschild heiratete am 1. Juni 1881 in Frankfurt am Main Philippine Ellinger (geboren am 7. Juli 1859 in Frankfurt am Main; gestorben am 28. Dezember 1931 ebenda).Geburtsurkunde Philippine Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, No. 806/1859, S. 463, vom 18. Juli 1859Sterbeurkunde Philippine Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 1260/1931, Seite 65, vom 29. Dezember 1931 Diese war eine Schwester von Leo Ellinger (geboren am 21. November 1852 in Frankfurt am Main; gestorben am 16. Juli 1916 ebenda),Geburtsurkunde Leo Ellinger, Standesamt Frankfurt am Main, No. 1191/1852, S. 656, vom 29. November 1852Sterbeurkunde Leo Ellinger, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 966/1916, S. 368, vom 17. Juli 1916 einem der Mitbegründer der Frankfurter Metallgesellschaft AG und der Metallurgischen Gesellschaft AG. Die Eltern der beiden waren der Kaufmann Philipp Ellinger (geboren am 7. September 1818 in Mainz; gestorben am 28. April 1875 ebenda)Heiratsurkunde Philipp Ellinger und Matel Mathilde Ruben, Standesamt Mainz, Nr. 249/1850, 6. Blatt, 22. November 1850 und dessen Ehefrau Matel Mathilde (geboren am 17. Dezember 1829 in Hamburg), geborene Ruben.
Aus der Ehe von Zachary und Philippine Hochschild gingen ein Sohn und drei Töchter hervor, die Erstgeborene Henriette „Henni“ Hochschild (geboren am 13. Mai 1882 in Frankfurt am Main; gestorben am 9. Mai 1965 in Königstein im Taunus),Geburtsurkunde Henriette Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 1563/1882, S. 363, 15. Mai 1882Heiratsurkunde Zodik (genannt Zachary) Hochschild und Henriette Ellinger, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 2094/1903, Blatt 24, 28. September 1903Sterbeurkunde Henriette Hochschild, Standesamt Königstein/Ts., Nr. 37/1965; Zitiert nach: Vermerk auf Geburtsurkunde Henriette Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 1563/1882, S. 363, 15. Mai 1882 später trotz Widerstands des Vaters verheiratet mit dem als nicht standesgemäß erachteten Kaufmann Carl Rudolf Euler (* 19. Oktober 1875 in Frankfurt am Main; † 2. März 1964 in Königstein im Taunus),Euler, Rudolf. In: Deutsche Biographie, auf: deutsche-biographie.deMartin Münzel: Die jüdischen Mitglieder der deutschen Wirtschaftselite 1927–1955. Verdrängung – Emigration – Rückkehr (= Sammlung Schöningh zur Geschichte und Gegenwart). Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 978-3-506-75625-1, S. 83Sterbeurkunde Karl Rudolf Euler, Standesamt Königstein im Taunus, Nr. 15/1964, 12. März 1964; Zitiert nach: Vermerk auf Heiratsurkunde Karl Rudolf Euler und Henriette Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 2094/1903, Blatt 24, 28. September 1903 der Sohn Philipp Hochschild (geboren am 29. Dezember 1883 in Frankfurt am Main; gestorben am 17. März 1946 in Hampstead, Middlesex, England)Geburtsurkunde Philipp Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 4090/1883, S. 490, 31. Dezember 1883 und die Töchter Alice Gustine Hochschild (geboren am 10. August 1889 in Frankfurt am Main; gestorben am 23. Dezember 1948 in Zürich)Geburtsurkunde Alice Gustine Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 2878/1889, S. 478, 12. August 1889, später verheiratet mit dem Zürcher Mediziner Paul von Monakow (* 24. März 1885 in Pfäfers, Kanton St. Gallen, Schweiz; † 22. August 1945 in Samaden, Kanton Graubünden, Schweiz)Heiratsurkunde Paul von Monakow und Alice Gustine Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1912, Blatt 299, 30. September 1912Mieczyslaw Minkowski: Privatdozent Paul von Monakow – 24. März 1885 bis 22. August 1945 (Nachruf). In: Universität Zürich, Jahresbericht 1945/46. Hrsg. v. d. Universität Zürich, Art Institut Orell Füssli A.-G., Zürich, S. 62–64 sowie Anna „Anni“ Sara Hochschild (geboren am 27. Februar 1891 in Frankfurt am Main; gestorben am 28. Februar 1972 in Zürich).Geburtsurkunde Anna Sara Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1891, S. 283, 2. März 1891Sterbeurkunde Anna Sara Hochschild, Zivilstandsregister Zürich, Band 1, Nr. 471/1972, S. 371; Zitiert gem. handschriftl. Vermerk auf der Geburtsurkunde Anna Sara Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1891, S. 283, 2. März 1891 Letztere war später mit dem Chemiker und Reformpädagogen Paul Reiner verheiratet.
Wirken Hochschild war zunächst in der 1850 ins Frankfurter Handelsregister eingetragenen Firma des Philipp Abraham Cohen angestellt,Stefanie Knetsch: Das konzerneigene Bankinstitut der Metallgesellschaft im Zeitraum von 1906 bis 1928 – programmatischer Anspruch und Realisierung. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998. ISBN 3-515-07406-6, S. 26, 51, 85, 112, 142, 242 einer „Handlung in Metallwaren, Wechseln, Kommission und Spedition“. 1878 erhielt er dort als 24-Jähriger Prokura erteilt.
Zusammen mit seinem Schwager Leo Ellinger, Carl Hamburger und seinem Freund Wilhelm Merton begründete Hochschild 1881 aus dieser Metallwarenhandlung Cohen heraus, auf deren betrieblicher Organisation, den laufenden Geschäften und deren Vermögen aufbauend, die Frankfurter Metallgesellschaft AG, einen in der Folge weltweit agierenden Konzern, ausgerichtet auf den Bergbau und Metall-Rohstoffhandel.Ein Frankfurter Traditionskonzern. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 86, 11. April 2003, S. 17, auf: faz.netAlexander Missal (dpa): Die einstige Metallgesellschaft kappt endgültig ihre Wurzeln, 1. Dezember 2004. In: Stimme.de, auf: stimme.deSo wurden wir. In: BASF Chemetall, auf: chemetall.com
Hochschild wurde in der Folge zum ersten und alleinigen ordentlichen Vorstand der Metallgesellschaft AG bestimmt.Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE). 2. rev. u. erw. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin 2011. ISBN 978-3-11-094653-6, S. 9Susan Becker: Multinationalität hat verschiedene Gesichter – Formen internationaler Unternehmenstätigkeit der Société anonyme des mines et fonderies de zinc de la Vieille Montagne und der Metallgesellschaft vor 1914. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002. ISBN 978-3-515-07685-2, S. 71–73, 258, 263 In der Funktion des Alleinvorstands blieb er acht Jahre.Hans Achinger: Wilhelm Merton in seiner Zeit. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1965, S. 36–38, 47 Auch nach der aufgrund der stetigen Ausweitung der Geschäftstätigkeit erforderlich erscheinenden Erweiterung des Vorstands blieb Hochschild dessen führendes Mitglied (analog eines Vorstandsvorsitzenden). Den Aufsichtsrat bildeten Leo Ellinger, Carl Hamburger und Wilhelm Merton, die zusammen mit Ralph Merton auch Anteilseigner der AG waren.
Hochschild gilt als derjenige, der das Unternehmen von einem kleinen Handel innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne zu einem internationalen Unternehmen entwickelt hat; er besaß ein offensichtliches Gespür für die stetig wechselnden Anforderungen im Tagesgeschäft des weltweiten Metallhandels. Geschäftsreisen führten Hochschild häufig nach Frankreich, in die Vereinigten Staaten und weitere Länder.Javier Loscertales: Deutsche Investitionen in Spanien 1870–1920. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002. ISBN 978-3-515-07900-6, S. 103 Im Jahr 1884 sandte Hochschild seinen jüngeren Bruder Berthold in die USA,Adam Hochschild: Half the Way Home. A Memoir of Father and Son. Houghton Mifflin Harcourt/Mariner Books, Boston, Massachusetts, USA, 2005. ISBN 978-0-618-43920-1, S. 16 um dort die US-amerikanische Filiale American Metal Company aufzubauen; Carl Morris Loeb (1875–1955) (in englischer Sprache). In: Immigrant Entrepreneurship 1720 to the present, auf: immigrantentrepreneurship.org sie erlangte nationale Bedeutung.
Hochschild trieb die Erschließung überseeischer Erzvorräte voran und reagierte auf die zunehmende Nachfrage nach Nichteisenmetallen durch die Elektroindustrie. Zur Verwertung der Erzvorräte kam es zur Errichtung eines Netzes von Handelsvertretungen und Kapitalbeteiligungen sowie zu Neugründungen von Verwertungsgesellschaften in Nordamerika, Mexiko, Australien und Frankreich. Dabei erwiesen sich insbesondere die von Hochschild aufgebauten Beziehungen zu Finanz- und Industriekreisen in Paris als überaus nützlich, darunter zur Familie Rothschild. Da er aufgrund seines zurückhaltenden und ruhigen Charakters in der Öffentlichkeit wenig hervortrat, wurden später Wilhelm Merton viele der Sachverhalte zugeschrieben, die de facto auf Zachary Hochschild zurückgehen.
1889 vertrat Hochschild die Interessen der Metallgesellschaft AG im sogenannten Pariser „Kupferkrach“, einer Spekulationsblase, die eine Reihe von Unternehmenskonkursen auslöste.
mini|hochkant|Das Landhaus Die Höhe in Eppenhain im Taunus, ca. 1912/13 mini|hochkant|Philippine Hochschild, geb. Ellinger, um 1915 mini|hochkant|Grabstein des Ehepaares Zachary und Philippine Hochschild auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Frankfurt am Main Ab 1890 beteiligte sich Zachary Hochschild an dem von Wilhelm Merton initiierten Institut für Gemeinwohl, das private und kommunale Initiativen im Bereich des Stiftungs- und Armenwesen zusammenführen und gleichzeitig einschlägige wissenschaftliche Forschungsvorhaben und Publikationen anstoßen und fördern sollte. Diese Einrichtung, die auch seine Ehefrau Philippine als Mitglied verzeichnete,Christine Klausmann: Politik und Kultur der Frauenbewegung im Kaiserreich – Das Beispiel Frankfurt am Main. Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York City 1997. ISBN 3-593-35758-5, S. 328 wurde 1896 in eine GmbH umgewandelt, zu deren Stammkapital Hochschild seinen Anteil beisteuerte.. In: Hessisches Wirtschaftsarchiv, auf: hessischeswirtschaftsarchiv.de