Die Liste reformierter Bekenntnisschriften enthält Texte, die in der reformierten Kirchenfamilie verbindlichen Charakter hatten oder noch haben. In ihnen formuliert jeweils eine lokale oder nationale Kirche (coetus particularis) ihren Glauben in einer konkreten geschichtlichen Situation. Auch Texte, die ursprünglich nicht Bekenntnischarakter hatten, können dazu aufgewertet werden., hier Sp. 1273.

Die Bekenntnisbildung wurde nicht in der Reformationszeit abgeschlossen, sondern geht bis in die Gegenwart weiter. Eine Zusammenstellung von Bekenntnistexten hat stets privaten Charakter. Diese beiden Punkte unterscheiden reformierte von lutherischen Bekenntnisschriften.

Bibel und Bekenntnis Die Heilige Schrift ist jedem Bekenntnistext übergeordnet, so dass dieser aufgrund besseren Verständnisses der Bibel revidiert werden kann. So heißt es zum Beispiel in der Confessio Helvetica posterior: „Vor allem aber bezeugen wir, daß wir immer völlig bereit sind, unsere Darlegungen im allgemeinen und im besonderen auf Verlangen ausführlicher zu erläutern, und endlich denen, die uns aus dem Worte Gottes eines Besseren belehren, nicht ohne Danksagung nachzugeben und Folge zu leisten im Herrn, dem Lob und Ehre gebührt.“Hier zitiert nach: Georg Plasger, Matthias Freudenberg (Hrsg.): Reformierte Bekenntnisschriften. Eine Auswahl von den Anfängen bis zur Gegenwart. Göttingen 2005, S. 191.

Bekenntnisschriften in Auswahl Die Sammlung von E. F. Karl Müller (1903) enthält 58 Texte. Im 20. Jahrhundert entstanden weltweit zahlreiche neue Bekenntnisschriften. NameDatumPartikularkircheHauptverfasserCharakterisierung67 Thesen oder Artikel1523ZürichHuldrych ZwingliThesen zur Ersten Zürcher Disputation.Zürcher Einleitung1523ZürichHuldrych ZwingliVerpflichtung der Zürcher Prediger auf reformatorische Lehre, Kritik an Bilderverehrung und Messe.Berner Thesen1528BernBerchtold Haller, Franz KolbThesen zur Berner Disputation. Vorstufen dieses Textes waren u. a. die Ilanzer Thesen von Johannes Comander (1526), und hier besonders These 1, die das reformierte Kirchenverständnis formulierte: „Die Kirche ist aus dem Wort Gottes geboren.“Eberhard Busch: Reformiert: Profil einer Konfession. TVZ, Zürich 2007, S. 49–57.Ostfriesisches Prädikantenbekenntnis1528Fernwirkung der Theologie Zwinglis, nicht offiziell eingeführt.Confessio Tetrapolitana1530Straßburg, Memmingen, Lindau, KonstanzMartin Bucer, Wolfgang CapitoEigenes Bekenntnis der vier oberdeutschen Städte für den Augsburger Reichstag.Fidei ratio1530Huldrych ZwingliZwinglis persönliche „Rechenschaft über den Glauben“ anlässlich des Augsburger Reichstags.Lehrartikel des Berner Synodus1532BernWolfgang CapitoVerbindung von Rechtfertigung und Heiligung, Anleitung zur unpolemischen Diskussion in theologischen Streitfragen; für den Pietismus wichtig (Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf).Confessio Basilensis prior (Erstes Baseler Bekenntnis)1534BaselOswald MyconiusConfessio Helvetica prior (Erstes Helvetisches Bekenntnis = Zweites Baseler Bekenntnis)1536DeutschschweizHeinrich Bullinger, Simon Grynaeus, Leo Jud, Kaspar Megander, Oswald MyconiusLausanner Thesen1536GenfGuillaume FarelNicht die Thesen selbst, aber deren Grundsätze wurden in dem Reformationsmandat vom 24. Dezember 1536 angenommen.Confession de la Foy1536GenfGuillaume Farel, Johannes CalvinExtrakt von Calvins erstem Katechismus, in der Stadtrepublik Genf verpflichtend eingeführt.Genfer Katechismus1545GenfJohannes CalvinCalvins zweiter Katechismus in Frage-Antwort-Form. Genfer Pfarrer wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts auf diese Lehrnorm verpflichtet. Zur Bekenntnisschrift erklärt, in seiner Wirkung weitgehend auf den französischen Sprachraum beschränkt. Hauptquelle des Heidelberger Katechismus.Matthias Freudenberg: Katechismen. In: Herman J. Selderhuis (Hrsg.): Calvin Handbuch. Mohr Siebeck, Tübingen 2008, S. 204–212, hier S. 210f.Zürcher Bekenntnis1545ZürichHeinrich BullingerNach dem Bruch Luthers mit der Zürcher Reformation neu bekräftigende Formulierung von Zwinglis Abendmahlslehre.Consensus Tigurinus1549SchweizHeinrich Bullinger, Johannes CalvinAnglikanischer Katechismus1549/1662EnglandNeununddreißig Artikel1552/1562EnglandLehrartikel der Confessio Rhaetica1552GraubündenPh. Saluz GalliciusEmdener Katechismus1554OstfrieslandJohannes a LascoBekenntnis der Frankfurter Fremdengemeinde1554Der Text soll von allen unterschrieben werden, die in dieser Gemeinde an den Sakramenten teilhaben wollen.Wilhelm Niesel: Die Bedeutung und die Rolle der Glaubensbekenntnisse in den reformierten Kirchen. 1959, S. 198. Confessio Gallicana (Confession de Foy)1559FrankreichJohannes Calvin, Antoine de ChandieuBietet ebenso wie die Confessio Scotica und die Confessio Belgica einen Gesamtentwurf reformierten Glaubens, angeordnet nach dem Apostolikum.Paul Jacobs: Das Hugenottische Bekenntnis: Ein vierhundertjähriges Zeugnis der Hochblüte reformierter Bekenntnisbildung. In: Evangelische Theologie 19/5 (1959), S. 203–208, hier S. 205. Calvins Entwurf wurde punktuell abgeändert: „Entgegen dem Entwurfe ordnete die Synode in völlig ungesicherter Weise der Erkenntnis Gottes aus der Heiligen Schrift eine solche aus Natur und Geschichte vor!“Wilhelm Niesel: Die Bedeutung und die Rolle der Glaubensbekenntnisse in den reformierten Kirchen. 1959, S. 201. 1571 von der Nationalsynode in La Rochelle ergänzt, deshalb auch als Confession de La Rochelle bekannt.Confessio Scotica (The Scots Confession)1560SchottlandJohn KnoxDer aktive politische Widerstand gegen Tyrannen (Art. 14: Tyrannidem opprimere) wird als gutes Werk dargestellt; die Wurzeln dieser im Calvinismus neuen, dann aber viel rezipierten Lehre (Théodore de Bèze, Hugenotten) vermutet Ian Hazlett bei den Magdeburger Gnesiolutheranern.Ian Hazlett: The Scots Confession 1560: Context, Complexion and Critique. In: Archiv für Reformationsgeschichte 78 (1987), S. 287–320, hier S. 318. Confessio Belgica1561NiederlandeGuy de BrèsApologie des reformierten Glaubens in Anlehnung an die Confessio Gallicana.Confessio Helvetica posterior (Zweites Helvetisches Bekenntnis)1562SchweizHeinrich BullingerUrsprünglich Privatbekenntnis Bullingers, 1566 von allen reformierten Kirchen der Eidgenossenschaft außer Basel angenommen.Erlauthaler Bekenntnis1562Peter Melius, Gregor SzegedyKombination theologischer Lehren unterschiedlicher Herkunft, u. a. Elemente der Scholastik.Confessio Hungarica 1562UngarnPeter Melius, Gregor SzegedyUnter dem Einfluss Théodore de Bèzes deutlich calvinistisch profilierter Text.Heidelberger Katechismus1563KurpfalzZacharias UrsinusNiederländisches Bekenntnis1566Apologie in der theologischen Tradition von Zwingli und Bullinger.Bekenntnis der Synode von Debreczin1567Consensus von Sandomir1570PolenKrzysztof Tretius, Jan ThenaudusGegenseitige Anerkennung von Reformierten, Lutheranern und Böhmischen Brüdern im Königreich Polen.Confessio Bohemica1575BöhmenNassauisches Bekenntnis1578Nassau-DillenburgChristoph PezelConfessio Negativa1581SchottlandJohn CraigJohn H. Leith: An Introduction to the Reformed Tradition: A Way of Being the Christian Community. Louisville/London 1981, S. 139 (Google Books).Gezelius von Scheele: Christliche Symbolik oder vergleichbare Darstellungen der christlichen Bekenntnisse. In: Otto Zöckler: Handbuch der theologischen Wissenschaften Nördlingen 1884, S. 452 (Google Books).Consensus Bremensis1595BremenChristoph PezelLambeth-Artikel1595EnglandWilliam WhitakerStaffortsches Buch1599Baden-DurlachErnst Friedrich (Baden-Durlach)Differenzpunkte der Kongregationalisten1603Bekenntnis der Kasseler Generalsynode und Hessischer Katechismus1607Hessen-KasselAuf der Grundlage des Augsburger Bekenntnisses, in Theologie und Liturgie jedoch stärker reformiert. Der Katechismus ist eine Überarbeitung von Luthers Kleinem Katechismus.Bekenntnis der Böhmischen Brüder1609Bentheimer Bekenntnis1613Grafschaft BentheimConfessio Sigismundi (auch: Confessio Brandenburgica, Marchica)1614Brandenburg-PreußenMartin FüsselIrische Religionsartikel1615IrlandJames UssherLehrregeln von Dordrecht1619NiederlandePräzisierung der Prädestinationslehre mit Ablehnung des Arminianismus. Die Dordrechter Synode fügte diese Lehrregeln als dritte Bekenntnisschrift der Confessio Belgica und dem Heidelberger Katechismus hinzu (zusammen: Drie Formulieren van Enigheid).Westminster Confession1647England, SchottlandBekenntnis auf presbyterianischer Grundlage für die Church of England (unter Einschluss von Irland), dort nach der Stuart-Restauration 1660 nicht mehr anerkannt, angenommen aber 1648 von der Church of Scotland.Großer und Kleiner Westminster-Katechismus1647Waldenser-Bekenntnis (Brieve Confession de foy des Eglises Reformées de Pietmont)1655Jean LégerIm Wesentlichen ein Auszug aus der Confessio Gallicana, von exilierten Waldensern in Deutschland zur Rechtfertigung ihres Glaubens vorgelegt, später auch in Italien anerkannt.Savoy Declaration1658EnglandThomas Goodwin, John Owen Bestätigung der Glaubenslehren der Westminster Confession, setzt bei der Kirchenordnung aber die Grundsätze des Kongregationalismus anstelle des Presbyterianismus durch., hier Sp. 1274.Consensus Helveticus1675SchweizJohann Heinrich Heidegger, François Turrettini„Vereinigt erklärten Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen auf einem Tage zu Baden 24. Juni 1675 das Schriftstück als fortan gültiges Symbol. Genf trat erst 1679 widerwillig bei. Und der von außen und innen anstürmende Zeitgeist warf seit 1722 das spätgeborene Werk einer unerweichten Orthodoxie in der ganzen Schweiz über den Haufen.“E. F. Karl Müller: Die Bekenntnisschriften der reformierten Kirche: in authentischen Texten mit geschichtlicher Einleitung und Register. Leipzig 1903, S. LXV.Lehrartikel der Pfälzer Union1818PfalzIn der Vereinigungsurkunde wurden die bisher gültigen reformierten und lutherischen Bekenntnisschriften für abgeschafft erklärt; dies wurde 1821 auf Einspruch des Oberkonsistoriums hin modifiziert: die Protestantische Kirche der Pfalz achtet die jeweiligen Bekenntnisschriften, „erkennt jedoch keinen anderen Glaubensgrund noch eine andere Lehrnorm als allein die Heilige Schrift.“Hans-Jörg Reese: Bekenntnis und Bekennen. Vom 19. Jahrhundert zum Kirchenkampf der nationalsozialistischen Zeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1974, S. 84.Confession of Faith of the Calvinistic Methodists or the Presbyterians of Wales1823WalesStark angelehnt an die Westminster Confession, mit methodistischer Einfärbung z. B. bei den Themen Rechtfertigung und Heiligung.