alt=Aktiengesellschaft David Fanto|mini|Briefkopf der Mineralölgesellschaft David Fanto & Comp. alt=Aktien Fanto Mineralölgesellschaft|mini|Aktien des Unternehmens alt=Drucksorte Fanto Benzin Aktiengesellschaft|mini|Werbung für Fanto Benzin Die Firma Fanto Benzin AG bzw. die dahinter stehende Aktiengesellschaft für Mineralölindustrie, vormals David Fanto & Comp. war ein österreichisches Mineralölunternehmen. Noch heute erinnert das Palais Fanto am Schwarzenbergplatz in Wien an die Geschichte der Familie Fanto und ihres Unternehmens. mini|David Fanto im Jahre 1910

Übersicht Die vielen Unternehmen des 1878 gegründeten Firmenimperiums der Familie Fanto waren am ehesten unter dem Übernamen Fanto Benzin bekannt, dahinter stand die in Wien ansässige Aktiengesellschaft für Mineralölindustrie, vormals David Fanto & Comp. Sie notierte international auch als Société Réunies des Petroles Fanto S.A. (Holding) mit Sitz in Genf, Consolidated Fanto Petroleum Company Limited und als Vereinigte Fanto Petroleum Aktiengesellschaft. Der Fanto-Konzern besaß zahlreiche Tochterfirmen in Frankreich, Deutschland, Holland, der Schweiz und den ehemaligen Kronländern Österreich-Ungarns. Eine davon war die Galicia – Mineralölprodukte-Vertriebsgesellschaft A.G.

Folgende Firmen und Betriebe gehörten um 1920 zum Firmengeflecht der Société Réunies des Petroles Fanto S.A. respektive Aktiengesellschaft für Mineralölindustrie vorm. David Fanto & Comp.:

Die Raffinerie in Pardubitz, heute PARAMO a.s. Ölquellen in Boryslaw, Tustanowice und Bitkov Die „Compagnie des Pétroles Fanto“ in Paris Die „Alois G.m.b.H“ in Wien Die „L.J. Neumann & Comp“, in Wien Die „J. Weinberger & Co“., Wien Die „Herzog, Sommer & Comp. GmbH“, Wien Das Ölgeschäft der „Obchodni Drustvo GmbH“, in Pilsen Das Petruleum Center „Rosenkranc Sprinzel“, in Prag Die „Alois Brey Gmbh“ in Prag Die „Adalbert Reiss Gmbh“ in Wien Die „Nussdorfer Oelfabrik L. Peyerl GmbH“ in Wien Die „Gerson Boehm & Rosenthal GmbH“ in Wien Die „Galician Petroleum Montan Inc“ Die Braunkohlenmine „Josefschacht“ nähe Komotau Die „Bihar-Szilagyer Oelindustrie, Inc“ in Budapest Die „Orsova Petroleumsfabrik A.G.“ in Orșova Die „Satoralja Uhjhely Petroleumfabriks A.G.“ in Budapest Die „Olea A.G.“ in Budapest Die „Forestry Enterprise“ in Vercioroke Die „Wohanka & Comp. A.G.“ in Budapest Die „Kohlenwerke Mehdia A.G.“ Die „Vesta Oelindustrie A.G.“ in Budapest Die „Mayer & Moller A.G.“ in Budapest Die „Chemischen Werke“ in Stuttgart Die „Chemischen Werke“ in Stockerau Die „Chemical Works“ in Ratisbon Die „Donau-Oeltank Lager Gesellschaft“ mit Öllager am Hafen Wien Die österreichische „Aqmi AG“ Die „Deutsche Fanto-Mineralöl-Industrie Ges.m.b.H.“ mit Sitz in Hamburg Die „Chemischen Werke „Carbon“ GmbH“ in Ratibor in Polen Die „Spółka akcyjna“ in Polen Die „N.V. Nederlandsche Aqmi Olie- en Vet-Maat-Schappij“ in Holland Die Continentale Motorschifffahrts A.G. (COMOS) Die Raffinerie Vösendorf als Hauptproduktionsstätte im heutigen Österreich Die Chemische Fabrik und spätere Raffinerie in Rannersdorf

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Geschichte

Herkunft und Aufstieg der Familie Fanto Die Familie Fanto war eine jüdische Wiener Unternehmerfamilie, die in der Spätphase der Habsburgermonarchie eine arrivierte Position erreichte. Die beiden ursprünglich aus Holiče in der heutigen Slowakei stammenden Brüder David Fanto (* 29. Juni 1852) und Sigmund Fanto (* 1. Oktober 1870) wurden die bekanntesten Vertreter der Familie. David Fanto hatte drei Kinder: die Töchter Martha (verh. Schwarz) und Lilly (verehelichte Berndt) sowie den Sohn Richard Fanto. Die Nachfahren leben teilweise in den USA. Sigmund Fanto hinterließ seine Tochter Emma Fanto sowie den Sohn Maximilian Fanto, deren Nachfahren in Deutschland sowie Österreich leben.

Der junge David Fanto wuchs regelrecht ins Petroleumgeschäft hinein, bereits sein Vater Joachim Fanto betrieb ab 1870 gemeinsam mit seinem Sohn Adolph die Firma „Joachim Fanto & Sohn“, in welcher mit Erdöl und Petroleum gehandelt wurde.

Als am 7. Mai 1873 der Wiener Börsenkrach eintrat, wurden Firma und Vermögen von Joachim Fanto vernichtet. Ende November 1874 musste Konkurs eröffnet werden. Das Defizit betrug über 175.000 Gulden. Unter denkbar schwersten Voraussetzungen begann so David Fanto seine selbständige Laufbahn, nach dem er eine Lehre bei einem Petroleumhändler absolviert hatte. Er besuchte von früh bis spät in allen Wiener Vorstädten Kunden, um ihnen Petroleum und Öl gegen sofortige Zahlung zu verkaufen. Das Geschäft wuchs trotz einiger Rückschläge stetig. Die Mitgift seiner Frau in der Höhe von 4000 Gulden ermöglichte das erste große Wachstum des jungen Unternehmens. Der Einstieg von Josef Eisner mit 6000 Gulden Kapital eröffnete den nächsten Schritt, das Geschäft aufzubauen. David Fanto konnte bald schon 10 Fass Petroleum zu einem Betrag von 6000 bis 7000 Gulden gegen achttägigen Kredit verkaufen, kurze Zeit später bereits einen ganzen Waggon mit Ölfässern direkt von Bremen beziehen. Bald waren es schon 700 Fässer, kaufmännisches Geschick und Glück kamen dazu und so entstand nach und nach ein Firmenimperium.„Im ehemaligen Café Steinböck in der Leopoldstadt an der Ferdinandsbrücke war die sogenannte Petroleumbörse, dort versammelten sich täglich um 2 Uhr Nachmittag die Petroleumhändler und Verkäufer, ebenso die Vertreter und die Agenten der ausländischen Häuser. Durch die fortwährende Steigerung dieses Artikels ermutigt, hatte David Fanto für seine damaligen Verhältnisse viel Petroleum in Bremen gekauft, so dass er eines Tages, am 30. Dezember 1876 über 700 Fass Petroleum verfügen konnte. An diesem Tag war der Preis für den Wiener Container gleich 50 kg Petroleum in Wien auf 36 Gulden ab Bahn gestiegen. Gegen halb drei kamen gewöhnlich die Agenten aus Bremen, auch Herr Dub kam und meldete, in Bremen sei wilde Hausse und der Preis sei auf 46 Mark hinaufgeschnellt. Nun entstand auch bei uns eine fürchterliche Aufregung; alles was offeriert wurde ging zu rapid steigenden Preisen in die Hände der Händler und ein Herr Heinrich Wertheimer rief plötzlich: „Ich kaufe Petroleum mit 46 Gulden“. David Fanto war damals der Kleinste und der Jüngste unter den Petroleumhändlern und fragte „welches Quantum kaufen Sie zu diesem Preise?“ – „Von Ihnen nehme ich 600 Fass“ war die ironische Antwort, denn er fand es ungeheuerlich, dass Fanto über soviel prompt verfügbare Ware verfügen könnte. (..) David Fanto war sich seiner Sache ganz sicher; Wertheimer aber, der glaubte, er werde seiner Verpflichtung nicht nachkommen können hatte sich bedungen, dass die Ware am nächsten Morgen von 8 Uhr Früh angefangen, übergeben werde, was Fanto auch zusagte. Mittlerweile kam ein Herr Leopold Bachmayer ins Caféhaus und trat, als er hörte, dass Petroleum in Bremen für 46 Mark notierte und Fanto eine so großes Quantum zu 46 Gulden ab Wien verkauft habe, auf David Fanto zu und sagte „Fanto, Sie sind verrückt, wenn Sie zu diesem Preise verkaufen, denn bei 46 Mark ab Bremen stellt sich das Petroleum weit über 50 Gulden ab Wien.“ Und tatsächlich hat Wertheimer von diesem Quantum gleich 100 Barrels an Gustav Wagenmann zu 50 Gulden verkauft, während Bachmayer, der einige hundert Barrels hatte, nicht unter 51 Gulden verkaufen wollte. Am nächsten Tag übernahm Wertheimer die 600 Barrels; aber schon am folgenden Tag trat eine scharfe Baisse in Petroleum ein, so dass Fanto sehr glücklich war, das Geld für die abgelieferten 600 Fass erhalten zu haben. (..) So konnte sich David Fanto mit Ware zu viel billigeren Preisen eindecken. (..) David Fanto hatte demnach nicht nur an der Hausse für seine damaligen Verhältnisse ein schönes Stück Geld verdient, sondern machte dann auch beim Rückgang ein sehr gutes Geschäft. Dieser Gewinn bildete den Grundstein seines zukünftigen Vermögens.“

Der Fanto-Konzern Das Unternehmen von David Fanto wuchs allmählich, durch Alleinverkaufsrechte der produzierten Mengen ganzer Raffinerien in Böhmen sowie Importe aus Amerika erreichte der Umsatz bald mehreren Millionen Österreichische Gulden. Ein Ausmaß, in welchem „die Firma von keiner Firma Österreich-Ungarns in gleichem Anteil auch nur annähernd erreicht wurde. Auch in Deutschland gab es kein so ausgedehntes und verzweigtes Geschäft in Petroleum.“

Nachdem die Raffinerien in zunehmendem Maße direkt an die Abnehmer zu verkaufen begonnen hatten, beschloss David Fanto im Jahre 1888 eine eigene Raffinerie zu bauen. Die Wahl des Standortes fiel auf Pardubitz in Böhmen. Pardubitz war eine aufstrebende Industriestadt, verkehrstechnisch günstig an der Elbe gelegen und mit der Bahn sehr gut erreichbar. 1889 wurde daher die Pardubitzer Mineralölraffinerie gegründet. Anfangs gab es massiven Widerstand gegen den Bau der Fabrik, welcher schließlich solche Ausmaße annahm, dass er die Firma Fanto schließlich in der Existenz bedrohen sollte. Am Anfang wurde Öl aus dem Kaukasus importiert, später kaufte Fanto drei Schürfrechte bei Boryslavi in Galizien, später in Rumänien, Polen und sogar dem Nahen Osten. Das Rohöl wurde per Schiff auf der Donau und der Elbe oder mit der Bahn transportiert, die Firma Fanto besaß bald 14 eigene Schiffe zum Rohöltransport.

1892 gelang es dem kaiserl. Rat Wilhelm R. Huber den Österreichischen Petroleumverein zu gründen, aus welchem sich ein Petroleumkartell in Form einer Kontingentierung aller österreichisch-ungarischen Petroleumraffinerien entwickeln sollte. Im Jahr 1894 ergab sich für David Fanto durch seinen langjährigen Geschäftsfreund Josef Dub und dem Direktor der Anglobank, Guido Ellbogen die Gelegenheit des Erwerbes der Pachtrechte und der Förderanlagen der Fürstin Lubomirska zum Preis von einer Million Gulden. Die Option auf ihre galizische Domäne Schodnica gab es um eine weitere Million. Das Konsortium, welches diesem Geschäft nähertrat, bestand aus der Anglobank, den Herren Guido Ellbogen, Karl Morawitz,„Schodnica“ Actien-Gesellschaft für Petroleum-Industrie. Abgerufen am 31. Jänner 2021. Max Hakler, Rudolf Kahler, von Ellissen, Josef Dub, dem Bankhaus M. L. Biedermann & Co. und der Firma Fanto. Die Fürstin wollte bei dem Geschäft auch mit einem Anteil beteiligt bleiben, was dazu führte, dass sie als erste Frau in Österreich in den Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft gewählt wurde. Bald wurde eine Dividende von 20 % ausgeschüttet. Der „Jacobschacht“ erlangte eine ungeheure Publizität, da er der reichste Eruptivschacht war, der bisher in Galizien erbohrt wurde. David Fanto blieb bis ins Jahr 1900 im Verwaltungsrat der Gesellschaft, schied jedoch aus diesem aus, als es zu keiner Einigkeit über die neuerliche Kartellgründung gab.

In der Folge erreichte das Unternehmen Fanto neue Länder wie die Schweiz, Deutschland und Frankreich und wurde zum größten Exporteur unter den österreichischen Erdöl-Raffinerien. Unter der Gesellschaft „Compagnie des Petroles Fanto“ wurden in rascher Folge in Paris, Rouen, Bordeaux und Dijon Niederlassungen und Fabriken errichtet. Das Rohöl wurde von Hamburg mit eigenen Lastkähnen zur Verarbeitung gebracht. Auch in Frankreich gab es ein Erdöl-Kartell, welches zu Recht die hohe Qualität und den Preis der Produkte aus Österreich-Ungarn fürchtete. Man bot David Fanto 1 Mio. Francs, um sich vom französischen Markt fernzuhalten, worauf dieser aber nicht einging. Frankreich besaß keine eigene Rohölförderung, jedoch eine große Raffinerieindustrie. Es wurde eine Art Kunstöl (wie ursprünglich auch in Österreich-Ungarn) aus Amerika und dem Kaukasus eingeführt und daraus Benzin und Petroleum raffiniert.