Eduard Georg Martin Schläger (* 31. März 1828 in Hameln; † 21. April 1895 in Plauen)Daten nach der Sterbeurkunde (Standesamt Dresden I, Nr. 370), nach freundlicher Auskunft des Stadtarchivs Dresden; vgl. Gestorben. In: Dresdner Nachrichten Jg. 40, Nr. 115, 25. April 1895 (Web-Ressource). war ein deutscher Publizist, Deutschamerikaner von 1850 bis 1871, und ein bekennender Antisemit.
Leben und Wirken Jugend Eduard Schläger kam als jüngster Sohn des Hauptpastors in Hameln Franz Georg Ferdinand Schläger (1781–1869) und der Katharina M., geb. Röhling, zur Welt. Seine Eltern hatten dreizehn Kinder, von denen fünf beim Tod des Vaters noch am Leben waren: außer Eduard je zwei Töchter und Söhne. Die Brüder Eduards waren August, Kaufmann im Überseehandel, den Kaiser Franz Joseph I. zum österreichischen Konsul auf der westindischen Insel Saint Thomas machte,Das Vaterland. Zeitung für die österreichische Monarchie Jg. 1, Nr. 31, 6. Oktober 1860 (Web-Ressource); er verstarb in Hameln, vgl. Wenn Grabsteine reden wird’s spannend! Deisterfriedhof Hameln auf der Webseite (Hamelner Bote) von Ralf Hermes. und Hermann Schläger, der als Politiker im Königreich Hannover und liberaler Abgeordneter des Parlaments wirkte.
Der Gymnasiast schloss sich bereits früh den Aufständischen der 48er-Revolution an. In Hannover, wo er Philologie und Theologie studierte, gründete er am 19. Juli 1849 einen Turnverein, in dem er für radikaldemokratische Ziele zu werben versuchte.Dirk Riesener: Polizei und politische Kultur im 19. Jahrhundert. Die Polizeidirektion Hannover und die politische Öffentlichkeit im Königreich Hannover. Hahn, Hannover 1996 (Veröffentlichungen der historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Band 35; Quellen und Untersuchungen zur allgemeinen Geschichte Niedersachsens in der Neuzeit, Bd. 15), S. 358.
Aufenthalt in den Vereinigten Staaten
Ende 1849 wanderte Schläger, möglicherweise um polizeilicher Verfolgung zu entgehen, in die Vereinigten Staaten aus. Am 27. Januar 1850 kam er von Bremen auf dem Dampfer Heinrich von Gagern in New Orleans an.United States Germans to America Index, 1850-1897 auf Familysearch (nach Anmeldung entgeltfrei zugänglich).
1852 lebte er in Boston. Dort war er am 18. September 1852 Vorsitzender und Sekretär des „Wheelinger Kongresses“ der People’s League, einer Zusammenkunft von Revolutionsanhängern mit insgesamt 16 Vertretern aus Philadelphia, Boston, Indianapolis, Wheeling, Albany, Troy, Pittsburgh und aus London.Vgl. die Unterschriftenliste unter der Resolution in Wheeling daily intelligencer Bd. 1, Nr. 25, 23. September 1852 (Web-Ressource). Die Versammlung gipfelte in der Aufforderung, die US-Regierung möge mit dem Ziel der Ausrufung einer Weltrepublik Europa annektieren.Eduard Schläger: Der Wheelinger Congreß im September 1852. Belser, Ballinlough, Ireland, 1876, aus Der Deutsche Pionier, Nr. 8, Juni 1876; vgl. ebenda von Heinrich Rattermann: Kritik des Wheelinger Congress von 1852.
In dieser Zeit suchte Schläger den Kontakt mit Karl Marx.Vgl. Karl Marx an Adolf Cluss, ca. 14. Juni 1853: (Web-Ressource, englisch), 15. September 1853 (Web-Ressource, englisch); vgl. MEGA, Abt. 3 Briefwechsel, Bd. 6 (September 1852 bis August 1853) und Bd. 7 (September 1853 bis März 1856), Akademie Verlag, Berlin 1988–89, ISBN 978-3-05-003388-4; ISBN 978-3-05-003389-1. Er wollte ihn als Mitarbeiter für die New England Zeitung gewinnen, die er gemeinsam mit den Forty-Eighters Bernhard Domschke und Philip Wagner, dem Vorsitzenden des Revolutionsvereins in Boston herausgab. Die Zeitung ging allerdings schon 1853 wieder ein.Sabine Freitag: Friedrich Hecker. Biographie eines Republikaners, Franz Steiner, Stuttgart 1998 (Transatlantische Historische Studien, Bd. 10), S. 193, Anm. 21.
In Chicago versuchte Schläger, ein eigenes Blatt Der Deutsch-Amerikaner zu gründen, was jedoch scheiterte. Am 16. März 1854 fand auf Schlägers Initiative eine Massenkundgebung gegen die Sklaverei in South Market Hall in Chicago statt. 1855 berief er mutmaßlich eine weitere Wheelinger-Konferenz ein.Sofern es sich nicht um eine Fehldatierung handelt bei Max Burgheim: Cincinnati in Wort und Bild. Nach authentischen Quellen bearbeitet und zusammengestellt. Mit zahlreichen Illustrationen, M. & R. Burgheim, Cincinnati (Ohio) 1888, S. 149 (Web-Ressource). Am 18. Dezember 1867 war er einer der Organisatoren der in der Farwell Hall tagenden Konferenz von Vertretern verschiedener Einwanderernationen zum Thema Naturalized Citizens. Their Rights in the Countries of Their Birth.Chicago Tribune Bd. 21, Nr. 171, 19. Dezember 1867 (Web-Ressource); Zitat einer Rede Schlägers engl. übersetzt in: The Irish Republic, 28. Dezember 1867, S. 14 (Web-Ressource).
Im Frühjahr 1862 wurden Schläger und der Drucker Fritz Becker als Eigentümer der Daily Union von Franz Brentano, im April 1864 erneut in Chicago wegen Beleidigung verklagt.Law Intelligence, In: Libel. In: Chicago Tribune Jg. 15, Nr. 214, 18. März 1862 (Web-Ressource); Chicago Tribune Jg. 17, Nr. 269, 10. April 1864 (Web-Ressource). Später arbeitete Schläger für die Illinois Staats-Zeitung in Chicago, die u. a. Wilhelm Georg Rapp herausgab; in der zweiten Hälfte der 1860er-Jahre bis Dezember 1870 war er Mitherausgeber.The Press Club. First Annual Banquet. In: Chigaco Tribune Jg. 24, Nr. 136, 17. Dezember 1870 (Web-Ressource).
Rückkehr nach Europa, Heirat und Tod Nach der Reichsgründung 1871 kehrte Schläger nach Europa zurück und ließ sich in Berlin nieder, wo er am 23. September 1872Vgl. die bei FamilySearch ausgewertete Heiratsurkunde (nach Anmeldung entgeltfrei zugänglich). Elise Antonie Louise Casper (* 15. April 1824; † 23. April 1903) heiratete, die Tochter des Gerichtsmediziners Johann Ludwig Casper und der Fanny Casper, geb. Robert-Tornow,Renata Buzzo Màrgari Barovero: Nachwort und Biographische Skizzen zu Rahel Levin Varnhagen: Familienbriefe. Hrsg. v. ders., C. H. Beck, München 2009 (ERLV III), S. 1460–1463. und somit eine Großnichte von Rahel Varnhagen von Ense.Elise & Pauline: Was aus Rahels Großnichten wurde. In: Gazzettino. Mitteilungen der Varnhagen Gesellschaft e. V. 42 (2018) (Web-Ressource).
Das Ehepaar wohnte zunächst im Haus der drei Casper-Töchter in der Bellevuestraße Nr. 16. Eduard Schläger wurde 1875 zum Schriftführer des Berliner Vereins für Reform der Schule gewählt; auf der Versammlung des Deutschen Lehrervereins in Leipzig im selben Jahr hielt er eine Rede.Korrespondenzen und Nachrichten. Leipzig. In: Freie Pädagogische Blätter Jg. 9, Nr. 25, 19. Juni 1875, S. 398 (Web-Ressource). In den Jahren 1878, 1888 und 1892 hielt sich Eduard Schläger zur Kur im erzgebirgischen Wasserheilbad Eichwald auf.Teplitz-Schönauer Anzeiger Nr. 61, 30. Juli 1892, S. 7 (Web-Ressource).
Am 25. September 1880 nahm Schläger am Kongress der Freidenker in London, am 10. April 1881 in Frankfurt am Main teil.Zur Tagesgeschichte. In: Innsbrucher Nachrichten Jg. 28, Nr. 84, 14. April 1881 (Web-Ressource). Mit DeRobigne Mortimer Bennett (1818–1882), dem amerikanischen Freidenker und Herausgeber der Zeitschrift The Truth Seeker, war Schläger befreundet und stellte ihm bei dessen Berlin-Besuch Bruno Bauer in Rixdorf vor.DeRobigne Mortimer Bennett: A Truth Seeker Around the World. Letters Written while Making a Tour of the Globe. D. M. Bennett Liberal Publisher, New York , Bd. 1, S. 457–460 (Web-Ressource); zu Schlägers Rede 1880 beim Londoner Freidenker-Kongress ebenda, S. 364 ff. (Web-Ressource), 375 f. u. ö.; vgl.: Besuch eines amerikanischen Weltumseglers beim „Einsiedler von Rixdorf“. In: Schmeitzner’s Internationale Monatsschrift. Zeitschrift für allgemeine und nationale Kultur und deren Litteratur Jg. 1 (1882), H. 1, 129–132. 1882 verfasste Schläger für Ernst Schmeitzner, den Verleger Bauers und Mitgründer der Allgemeinen Vereinigung zur Bekämpfung des Judenthums eine Biographie Bruno Bauers,Bruno Bauer und seine Werke. In: Schmeitzner’s Internationale Monatsschrift. Zeitschrift für allgemeine und nationale Kultur und deren Litteratur Jg. 1 (1882), H. 6, S. 393–384. aus dessen Nachlass er Autographen besaß.Martin Hundt (Hrsg.): Der Redaktionsbriefwechsel der Hallischen, Deutschen und Deutsch-Französischen Jahrbücher (1837-1844). Apparat, Akademie-Verlag, Berlin 2010, S. 10.
1892 zogen die Schlägers nach Dresden. War sein Vater, der Hamelner Hauptpastor, noch für die bürgerliche Gleichstellung der Juden eingetreten (wenn auch lediglich im Sinne einer Assimilation an die christliche Mehrheitsgesellschaft),Bernhard Gelderblom: Die Stadt Hameln und ihre Juden. Standort 12: Münsterkirchhof. Denkmal für Senior Schläger. (Web-Ressource). so arbeitete Eduard Schläger nun für antisemitische Zeitschriften. Zu diesen gehörte die Die Deutsche Wacht der Antisemitenliga von Wilhelm Marr – Schläger wurde Gründungsaktionär der gleichnamigen Aktiengesellschaft und AufsichtsratsmitgliedOertliches und Sächsisches. In: Dresdner Nachrichten Jg. 40, Nr. 297, 25. Oktober 1895, S. 2 (Web-Ressource). – und Das deutsche Volksblatt, dessen Inseratenteil die Aufforderung „Kauft nur bei Christen“ enthielt. Er war zudem Mitverfasser des Programms der Deutsch-Sozialen Reformpartei, die am 7. Oktober 1894 in Eisenach gegründet wurde.Die Einigung der Antisemiten. In: Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus Jg. 4, Nr. 41, 13. Oktober 1893, S. 321 (Web-Ressource).
Schläger wurde ein glühender Bewunderer von Richard Wagner und schrieb deutschnational-antisemitische Artikel für die Bayreuther Blätter.Eine Aufstellung seiner Beiträge zu den Bayreuther Blättern in Annette Hein: Es ist viel Hitler in Wagner. Rassismus und antisemitische Deutschtums-Ideologie in den Bayreuther Blättern (1878–1938). Mit einem Verfasser- und Schlagwortregister, Niemeyer, Tübingen 1996 (Conditio Judaica Bd. 13) Wagners Parsifal suchte er in deutscher, und für die wachsende Schar der Wagnerianer in Großbritannien auch in englischer Sprache als höchsten Ausdruck der „Germano-Christian civilisation“ zu kommentieren.The significance of Wagner’s Parsifal in and for our times. Bruhns, Minden (Westfalen) 1884, S. 21.
Spätestens 1893 hatte sich das Paar getrennt. Elise Schläger lebte laut Adressverzeichnis wieder mit ihren Schwestern Pauline und Clara Casper zusammen im Berliner Elternhaus, während Eduard Schläger in Dresden in der Ludwig-Richter-Str. 2 wohnte. In diesem Jahr wurde er als Unterstützer der Städtischen Bibliothek genannt.Bericht über die Verwaltung der städtischen Sammlungen (Rathsarchiv, Stadtbibliothek, Stadtmuseum und Körnermuseum.) In: Verwaltungsbericht des Rathes der könglichen Haupt- und Residenzstadt Dresden für das Jahr 1893. V. Zahn und Jaensch, Dresden 1804, S. 17.
Am 21. April 1895 erlag Schläger in Plauen einem Herzschlag. Ein Nachruf im Deutschen Volksblatt bezeichnete ihn als einen der „eifrigsten und geistvollsten Vorkämpfer der antisemitischen und nationalen Bewegung“ und schloss: „Alle, die den wackeren Mann kannten, wie die große antisemitische Partei überhaupt, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“Dr. Eduard Schläger †. In: Das deutsche Volksblatt, Jg. 7, Nr. 2264, 24. April 1895, Morgen-Ausgabe, S. 7 (Web-Ressource); vgl. auch Dr. Eduard Schläger †. In: Deutsche Wacht Nr. 112, 23. April 1895, S. 3.
Schriften (Mit Eugen Seeger:) Chicago. Entwickelung, Zerstörung und Wiederaufbau der Wunderstadt. Selbstverlag Chicago 1872 (Web-Ressource).
Die sociale und politische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten. Ein Beitrag zu der Geschichte des Deutsch-Amerikanerthums der letzten 25 Jahre. Puttkammer & Mühlbrecht, Berlin 1874 (Web-Ressource). [Reisebrief aus Eichwald bei Teplitz.] In: Mehr Licht! Eine deutsche Wochenschrift für Literatur und Kunst Jg. 1 (1878/1879), Nr. 47.Literatur. In: Montags-Revue aus Böhmen. Wochenschrift für Politik, Volkswirthschaft, Kunst und Literatur Jg. 1, Nr. 22, 1. September 1879, S. 7 (Web-Ressource).